UN-Klimagipfel Polen will nicht der Sündenbock sein

Umweltminister Peter Altmaier spricht heute auf der UN-Klimakonferenz. Brisant sind die Verhandlungen mit dem polnischen Amtskollegen. Denn der wehrt sich dagegen, die Klimaschutzziele innerhalb der EU hochzuschrauben.
Update: 06.12.2012 - 09:17 Uhr 4 Kommentare
Polen bezieht mehr als 90 Prozent seiner Energie aus Kohlekraftwerken. Quelle: dpa

Polen bezieht mehr als 90 Prozent seiner Energie aus Kohlekraftwerken.

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DohaPolen wehrt sich dagegen, beim Klimagipfel als Sündenbock abgestempelt zu werden. „Wir blockieren niemanden, der Zuhause mehr tun möchte“, sagte Umweltminister Marcin Korolec in Doha. „Wir brauchen nicht unbedingt europäische Lösungen, wenn einzelne Länder höhere Ziele umsetzen wollen.“ Doha sei nicht der richtige Ort, um „EU-interne Klimapolitik“ zu diskutieren, sagte er.

Polen bezieht mehr als 90 Prozent seiner Energie aus Kohlekraftwerken. Das osteuropäische Land sperrt sich dagegen, dass die EU ihre Klimaschutzziele hochschraubt und den CO2-Ausstoß bis 2020 um 30 statt um 20 Prozent reduziert. Vergleichsjahr ist 1990. Im kommenden Jahr ist Polen Gastgeber der UN-Klimakonferenz. Schon jetzt bremste Korolec die Hoffnung auf eine veränderte Klimapolitik seines Landes bis dahin. „Ich glaube nicht, dass ein Klimagipfel dafür da ist, seine nationale Politik zu ändern.“

Aus diesen Gründen schwitzt die Erde
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Das Bevölkerungswachstum

Die Anzahl der Menschen auf der Erde wächst jedes Jahr um etwa 70 bis 80 Millionen Personen. Das entspricht fast der Bevölkerungsgröße Deutschlands. Bis 2050 soll laut Schätzungen der Vereinten Nationen die Weltbevölkerung auf knapp 10 Milliarden Menschen angewachsen sein. Dass die Kinder nicht hierzulande oder bei unseren europäischen Nachbarn geboren werden, ist hinreichend bekannt. Vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern in Afrika und Asien wächst die Bevölkerungszahl. Dadurch wächst auch der Bedarf an Rohstoffen, Energie, Wasser und Nahrung.

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Wirtschaftswachstum

Trotz Kyoto-Protokoll aus dem Jahr 1992 hat sich der CO2-Ausstoß kaum verringert. Lediglich als 2009 aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise viele Industriestätten weniger produzierten, sank der Wert der Kohlendioxidemission auf 784 Millionen Tonnen. Schon ein Jahr später lag der Wert wieder bei 819 Millionen Tonnen. Dabei entsteht ein Großteil der Emissionen in nur wenigen Ländern wie China, den USA und der EU.

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Automobile

Während Carsharing und der öffentliche Nahverkehr in Ländern wie Deutschland in Zeiten hoher Bezinkosten viele Anhänger findet, ist der weltweite Trend eindeutig ein anderer. Immer mehr PKW fahren über den Globus. 2010 wurde erstmals die 1.000.000-Marke geknackt. Besonders viel wird in Monaco und den USA gefahren.

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Kohle, Kohle, Kohle

Der seit Mai 2012 stetig ansteigende Ölpreis hat dafür gesorgt, dass Kohle wieder an Attraktivität gewonnen hat. Die Wiederauferstehung der Kohle ist für die Umwelt eine Katstrophe. Laut BUND sind Kohlekraftwerke mehr als doppelt so klimaschädlich wie moderne Gaskraftwerke. Die großen Dampfwolken aus den Kühltürmen der Kraftwerke machen ein anderes Problem deutlich: Mehr als die Hälfte der eingesetzten Energie geht meist als ungenutzte Wärme verloren.

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Abholzung

Das Handout der Umweltschutzorganisation WWF zeigt die illegale Abholzung eines Waldgebietes in Sumatra (Indonesien). Jährlich gehen knapp 5,6 Millionen Hektar Wald verloren. Die fortschreitende Abholzung von Regenwäldern trägt entsprechend mit zur globalen Erderwärmung bei. Denn die Wälder speichern Kohlendioxid.

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Rindfleisch

Rinder sind wahre CO2-Schleudern. Die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch in Brasilien erzeugt genauso viel klimaschädliches Kohlendioxid wie eine 1.600 Kilometer lange Autofahrt. In diese Rechnung fließen mehrere Faktoren ein. Zum einen können auf dem für die Rinder genutzten Weideland keine Wälder mehr wachsen. Zum anderen scheiden Rinder das klimaschädliche Gas Methan aus. Laut WWF sind in Deutschland fast 70 Prozent der direkten Treibhausemissionen auf die Ernährung mit tierischen Produkten zurückzuführen.

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Wegwerfgesellschaft

Nicht nur Unmengen an Verpackungsmüll produzieren die Deutschen. Wir schmeißen auch jede Menge Lebensmittel weg, pro Kopf etwa 100 Kilogramm pro Jahr. Auch diese Verschwendung wirkt sich massiv negativ auf das Klima aus.

Die Haltung der Polen macht es für Bundesumweltminister Peter Altmaier nicht einfacher, seiner Ankündigung, die 30-Prozent-Marke in Doha durchzusetzen, auch Taten folgen zu lassen. „Deutschland ist ernsthaft besorgt, die Begrenzung auf zwei Grad zu schaffen“, sagte Altmaier am Donnerstag in Katars Hauptstadt Doha. „Wenn wir nicht handeln, werden einige von uns hier in diesem Raum bald wegen eines steigenden Meeresspiegels ihre Häuser verlieren.“

Klimaschutz sei kein Wachstumsverhinderer. So habe Deutschland trotz Wachstums eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 26 Prozent geschafft. Besonders stellte er die Energiewende in den Fokus: „Die Energiewende bedeutet maximalen Klimaschutz und maximale Wettbewerbsfähigkeit zugleich.“

Wie klimaschädlich ist eigentlich ein Klimagipfel?

Gewisse Fortschritte hatte es am Mittwoch in den Gesprächen über eine zweite Verpflichtungsperiode für das Kyoto-Protokoll sowie bei finanziellen Zusagen europäischer Staaten für Klimaschutz und Klimaanpassung in Entwicklungsländern gegeben. Ansonsten verliefen die Gespräche allerdings weiterhin zäh.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, in der EU für verschärfte Klimaziele zu werben und während der Verhandlungen in Doha mit Warschau, Paris und London darüber zu sprechen. Beispielsweise könne Polen bei der Umstellung "von dreckiger Kohle-Energie auf erneuerbare Energien" unterstützt werden.

 


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4 Kommentare zu "UN-Klimagipfel: Polen will nicht der Sündenbock sein"

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  • @ hafnersp
    Was für ein rücksichtsvoller Mensch der Jean Baptiste Colbert doch war. Die Politiker von heute rupfen die Gans soweit, dass sie geradeso nicht eingeht. Das Geschrei ist ihnen schon lange egal.

  • Ob man den schwarzen Peter nun unbedingt Polen zuschieben muss, ist zweifelhaft. Die Polen haben zwar knapp die Hälfte der Einwohner Deutschlands, benötigen aber nur etwa ein Drittel an Energie. Deutschland müsste demnach erstmal bei mehr als 30% Erneuerbaren in der gesamten Energieversorgung (nicht nur Strom) angekommen sein, um mit den Finger auf Polen zeigen zu können. Davon sind wir aber noch weit entfernt. Genau genommen ist Polen heute schon dort, wo Deutschland bis 2020 hin will. Klar, auch die Polen sollten Ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Können für die starken Volkswirtschaften aber nicht als Argument dienen, sich aus der Verantwortung zu stehlen.

  • Die "Umweltschutz-Organisation" Greenpeace ist mittlerweile auch nur noch ein dubioser, korrupter Schutzgeld-Erpressungs-Konzern.
    Ich darf an die Ölkatastrophe im Golf erinnern, wo BP eine der größten Umweltkatastrophen überhaupt anrichtete. Da aber BP auf dem Papier ein "vorbildliches" = umnwelt-scheinheiliges Unternehmen war - entsprechende "Geldspenden" sicherten dies - schwieg Greenpeace LAUTSTARK (jedensfalls hört man fast nichts von ihnen). Angesichts dieser Megakatastrophe und der Haltung von BP bei der Schadensbegrenzung einfach unfaßbar.
    Diese Organisationen sind natürlich aber die ersten, die lautstark schreien, wenn es dafür billige "Publicity" gibt.

  • Ich möchte daran erinnern, daß damals während dem Schweinegrippe-Impf-Schwindel, als die sogenannte UNO "Epidemie" geschrien hatte, damit alle Länder zum kaufen von Impfstoff verpflichtet waren, Polen als eines der wenigen in Europa sich die Fakten ansah, vernünftig blieb und sich weigerte bei diesem offensichtlichen Blödsinn (Korruption) mitzumachen.
    Ich hoffe, sie halten diese Haltung auch beim Klima-Schwindel durch. Es geht bei dieser interationalen Propaganda - sei es Schweinegrippe oder Klimaschwindel IMMER nur ums Geld für die entsprechende Lobbygruppen, zu dem im Fall des "Klima" auch die Staaten gehören (Steuern / Ablaß).

    Die Kunst der Besteuerung liegt darin, die Gans so zu rupfen, daß sie unter möglichst wenig Geschrei so viele Federn wie möglich läßt. Jean Baptiste Colbert, 1619 - 1683, franz. Finanzminister.

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