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Undurchsichtige Zahlen Iran werden massive Falschangaben bei Corona-Fällen vorgeworfen

Selbst iranische Gesundheitsexperten bezweifeln offizielle Zahlen. Hilfe ist dringend nötig, doch die USA blockieren die Lockerung der Sanktionen.
13.04.2020 - 16:16 Uhr Kommentieren
Das wirkliche Ausmaß des Corona-Ausbruchs im Iran lässt sich nur schätzen. Quelle: AFP
Straßenszene in Teheran

Das wirkliche Ausmaß des Corona-Ausbruchs im Iran lässt sich nur schätzen.

(Foto: AFP)

Berlin Der Iran vertuscht das volle Ausmaß der Coronavirus-Pandemie. Das gab inzwischen auch ein Mitglied der iranischen Anti-Virus-Taskforce zu. Während nach Angaben der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität 71.686 Iraner mit dem Virus infiziert und 4474 an Covid-19 gestorben sein sollen, halten Experten diese Zahl für deutlich untertrieben. Tatsächlich liege die wahre Zahl der Fälle bei „etwa 500.000“, sagte Hamid Souri von der Nationalen Taskforce zur Bekämpfung des Coronavirus.

Im Iran war die Pandemie sehr früh und massiv ausgebrochen, nachdem die Fluggesellschaften Iran Air und Mahan Flüge nach China drastisch ausgeweitet hatten, während andere internationale Gesellschaften diese strichen. Größter Ansteckungsherd war am Anfang die für schiitische Perser heilige Stadt Qom, von wo aus Pilger das Virus in dem gut 80 Millionen Einwohner zählenden Land verbreiteten.

Die Regierung hatte zudem die Reise- und Bewegungsfreiheit im Land nur wenig eingeschränkt und auch zum persischen Neujahrsfest Mitte März vor Familienbesuchen und Reisen lediglich gewarnt. Ärzte und mehrere Mitglieder des iranischen Parlaments hatten diese zurückhaltenden Maßnahmen kritisiert und erklärt, dass die Zahl der Coronavirus-Infektionen und der Todesfälle viel höher liege, als offizielle Zahlen es vermuten ließen.

Ärzte und Krankenschwestern meldeten sich bei Ausbruch der Pandemie auch reihenweise selbst krank. Der Grund: keinerlei Schutzkleidung, stattdessen der Tipp, sich Plastikmüllsäcke als Schutzkittel umzubinden.

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    Die Führung des Landes behauptet unterdessen, dass etwa 70 Millionen Iraner auf das Virus untersucht worden seien. Es ist unmöglich, diese Zahl unabhängig zu überprüfen, aber Experten halten sie für hochgradig unwahrscheinlich: Irans fünf medizinische Forschungsunternehmen produzierten jeweils zwar mindestens 80.000 Testsätze pro Woche, sagte Alireza Biglari, der Leiter des iranischen Pasteur-Instituts. Um auf 70 Millionen Tests zu kommen, müssten diese aber seit rund fünf Monaten auf voller Last laufen – also seit einem Zeitpunkt noch vor Pandemiebeginn. So bezieht sich der Iran auch auf nicht näher ausgeführte „Screenings“.

    Derweil wurden zehntausend Gräber in einem neuen Abschnitt des Behesht-Zahra-Friedhofs südlich der iranischen Hauptstadt angelegt. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Irna unter Berufung auf einen Beamten der Gebietsverwaltung. Damit bereitet sich Teheran auf neue Coronavirus-Todesfälle vor. Denn zugleich werden nun die Sperrmaßnahmen gelockert, wie Präsident Hassan Rouhani für Ende der Woche ankündigte.

    Inzwischen kam vorige Woche erstmals nach dem Corona-Shutdown das Parlament (Majlis) in Teheran zusammen. Es hatte wegen mindestens 31 infizierter Abgeordneter wochenlang nicht getagt. Sogar der Staatshaushalt wurde anstatt durch die Volksvertretung durch den Religions- und Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei per Verordnung in Kraft gesetzt. Parlamentschef Ali Laridschan, der an Covid-19 erkrankt ist, blieb der Sitzung fern. Gut zwei Drittel der 290 Abgeordneten erschienen zu der Sitzung.

    Plädoyers für Aufhebung der Sanktionen

    Das Land steht vor einem massiven Wirtschaftszusammenbruch und hat erstmals seit der Islamischen Revolution 1979 den Internationalen Währungsfonds (IWF) um einen Notkredit gebeten. Zentralbankchef Abdolnaser Hemmati hatte beim IWF um Kredite in Höhe von fünf Milliarden Dollar angefragt, nachdem IWF-Chefin Kristalina Georgiewa besonders stark von Corona betroffenen Ländern Soforthilfen angeboten hatte. Doch die USA haben bereits angekündigt, die Auszahlung zu blockieren.

    Inzwischen hat sogar Papst Franziskus in seiner Osterbotschaft zur Aufhebung aller Sanktionen wegen der Coronakrise aufgerufen. US-Präsident Donald Trump war im Mai 2018 aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran einseitig ausgestiegen und hatte „die härtesten Sanktionen aller Zeiten“ verhängt.

    Darunter leidet die zweitgrößte Volkswirtschaft am Persischen Golf, in der zwei Millionen Gastarbeiter aus Afghanistan arbeiten und so das Virus in ihre vollkommen verarmte Heimat weiterverbreiten könnten. Bereits 2018 war Irans Wirtschaft um 4,9 Prozent geschrumpft, 2019 um weitere 8,7 Prozent. Die Prognose des IWF vom Oktober letzten Jahres mit einem Nullwachstum für 2020 dürfte wegen der Coronakrise ebenso obsolet sein wie dessen Schätzungen von 31 Prozent Inflation und nur 5,1 Prozent Haushaltsdefizit.

    Für ein ausgeglichenes Staatsbudget bräuchte der Iran einen Ölpreis von 194,6 Dollar pro Barrel. Der dürfte trotz der gerade beschlossenen größten Förderkürzungen in der Geschichte des Opec-Ölkartells lange nicht erreicht werden.

    Mehr: Der Iran darf nicht weiter stranguliert werden.

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