Ungleichheit Warum die Oxfam-Studie in die Irre führt

Der plakative Vergleich von Oxfam, dass acht Menschen so viel besäßen wie die ärmere Hälfte der Menschheit, hinkt. Damit erweist die Hilfsorganisation der Debatte einen Bärendienst. Ein Kommentar.
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Multi-Milliardär Warren Buffett ist einer der reichsten Menschen der Welt. Das ihm und sieben anderen Vermögenden die Hälfte des weltweiten Vermögens gehört, ist aber unwahrscheinlich. Quelle: AFP
Warren Buffet

Multi-Milliardär Warren Buffett ist einer der reichsten Menschen der Welt. Das ihm und sieben anderen Vermögenden die Hälfte des weltweiten Vermögens gehört, ist aber unwahrscheinlich.

(Foto: AFP)

Man kann der Ungleichheitsdebatte ziemlich leicht einen Bärendienst erweisen: Indem man nämlich mit schiefen Vergleichen die Ungleichheit übertreibt – und es damit all jenen leicht macht, die behaupten, Ungleichheit sei doch gar kein Problem. In diese Falle ist die Drittwelt-Initiative Oxfam getappt. Pünktlich zum Treffen der Eliten aus Politik und Wirtschaft in Davos veröffentlicht sie – wie jedes Jahr – einen Schocker zur Ungerechtigkeit in der Welt: Die acht reichsten Männer besäßen mit 426 Milliarden US-Dollar noch etwas mehr als die ärmere Hälfte der Menschheit. Diese 3,6 Milliarden Menschen kämen nur auf 409 Milliarden US-Dollar Vermögen.

Das Problem des Vergleichs ist, dass Oxfam sich dabei mit Bezug auf die ärmste Menschheitshälfte auf die Studie „Global Wealth Data Book 2016“ der Schweizer Großbank Credit Suisse bezieht – und deren Daten mit der Forbes-Liste der Reichsten abgleicht. Richtig wäre es gewesen, das Vermögen der Reichsten dann auch aus der Credit-Suisse-Studie zu nehmen, in welche die Forbes-Liste als Teil eingeflossen ist, dazu aber auch offiziell verfügbare Daten aus vielen Einzelstaaten und internationalen Organisationen.

Das sind die reichsten Menschen der Welt
9. Platz: David Koch
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Koch Industries gehört zu den wertvollsten Unternehmen weltweit. David Koch liegt mit 48,3 Milliarden Dollar erneut auf Platz neun der Rangliste der reichsten Menschen der Welt. Während David Koch oft auf Filmgalas und anderen gesellschaftlichen Großereignissen verkehrt, ist sein Bruder Charles Koch kaum in der Öffentlichkeit zu sehen.

10. Platz: Michael Bloomberg
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Der Gründer des gleichnamigen Medienkonzerns und ehemalige Bürgermeister von New York besitzt laut „Forbes“ 47,5 Milliarden Dollar.

Platz 7: Larry Ellison
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Das Vermögen des Oracle-Gründers hat turbulente Zeiten hinter sich. Im Jahre 2000 belief es sich auf sage und schreibe 58 Milliarden Dollar. Während der Dotcom-Krise ein Jahr später verlor er jedoch mehr als die Hälfte seines Kapitals. Danach ging es wieder aufwärts. Aktuelles Vermögen: 52,2 Milliarden Dollar.

5. Platz: Mark Zuckerberg
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Mit 19 Jahren gründete der Harvard-Student 2004 Facebook. Der Aufsteiger in der „Forbes“-Liste bereicherte sein Vermögen 56 Milliarden Dollar. Mark Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan wollen 99 Prozent ihrer Anteile an dem Unternehmen wohltätigen Zwecken zur Verfügung stellen. Anlass war die Geburt ihrer Tochter.

3. Platz: Jeff Bezos
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Auf Platz drei hat sich Amazon-Chef Jeff Bezos vorgeschoben, der mit einem Anstieg um 27,6 auf 72,8 Milliarden Dollar der größte Gewinner im Ranking ist. Er gründete 1994 den Online-Versandhandel Amazon und entwickelte das Unternehmen zum größten Versandhändler der Welt. Inzwischen gehört ihm auch die Washington Post.

Platz 6: Carlos Slim Helu & family
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Eine zweifelhafte Transaktion hat den Mexikaner zu einem der reichsten Menschen der Welt gemacht. 1990 soll der Unternehmer für gerade einmal 1,8 Milliarden Dollar die staatliche mexikanische Telefongesellschaft Telmex gekauft haben. Der tatsächliche Wert betrug damals weit mehr als zehn Milliarden Dollar. Nach der Privatisierung nutzte Carlos Slim seine Monopolstellung aus. Die Gesprächspreise zogen drastisch an, Investitionen ins Telefonnetz hingegen blieben aus. Doch das Vermögen schrumpfte: 54,5 Milliarden Dollar bleiben dem reichsten Mann Mexikos.

Platz 2: Warren Buffett
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Auf Rang zwei folgt Börsen-Guru Warren Buffett mit 75,6 Milliarden Dollar. Die als "Orakel von Omaha" bekannte Investorenlegende Buffett verbuchte den höchsten Vermögensanstieg im Ranking und wurde in der Rangliste der Superreichen nur noch von Einem überholt ...

Nach der Credit-Suisse-Studie wird die Datenlage bei den Superreichsten sehr dünn. Das verfügbare Material legt es aber sehr nahe, dass das obere reichste Prozent wohl so viel Vermögen besitzen dürfte wie die untere Hälfte. Mit Fug und Recht lässt sich aus der Credit Suisse-Studie also die Aussage ableiten: Das Vermögen in der Welt ist äußerst ungleich verteilt. Daraus darf man schlussfolgern: Das ist ungerecht.

Die Tatsache extreme Ungleichheit hat mindestens so viel damit zu tun, dass Armut sehr weit verbreitet ist, wie mit der Tatsache, dass einige wenige es geschafft haben, sehr reich zu werden. Am größten ist die Ungleichheit dabei in Staaten wie China und Indien mit ihrer riesigen Bevölkerungszahl. Aber selbst in Deutschland ermittelt die Credit Suisse-Studie für die ärmere Hälfte nur 2,8 Prozent des Reichtums, und für die oberen zehn Prozent 60 Prozent – für das reichste Prozent der Deutschen gehen den Bank-Ökonomen dann die Daten aus.

Das Schlimme am Apfel- und Birnen-Vergleich von Oxfam ist, dass nun alle Welt darüber debattiert, dass es nicht nur acht Männer sind, denen die Hälfte der Welt gehört. Anstatt sich endlich Gedanken zu machen, wie es gelingen kann, erheblich mehr Arme zu Reichen zu machen.

So bewertet Wirtschaftsethiker Posé das Handeln der Superreichen

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