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Unwetter Tornado verwüstet Ortschaften in Luxemburg – Aufräumarbeiten haben begonnen

Bei dem Unwetter wurden erhebliche Schäden verursacht, 19 Menschen wurden verletzt. Premierminister Bettel und Großherzog Henri machten sich vor Ort ein Bild vom Ausmaß der Zerstörungen.
Update: 11.08.2019 - 00:07 Uhr Kommentieren
Bei diesem Haus im luxemburgischen Peitingen wurde der gesamte Dachstuhl von dem Tornado weggerissen. Quelle: dpa
Massive Zerstörungen

Bei diesem Haus im luxemburgischen Peitingen wurde der gesamte Dachstuhl von dem Tornado weggerissen.

(Foto: dpa)

Petingen Heftige Unwetter sind über Teile von Deutschland und seiner Nachbarländer hinweggefegt und haben vielerorts Schäden angerichtet. Besonders betroffen war der Südwesten Luxemburgs, wo ein Tornado am Freitagabend eine Schneise der Verwüstung zog. Mehr als 300 Gebäude wurden beschädigt und fast 20 Menschen verletzt. Auch auf deutscher Seite mussten Helfer wegen Unwettern zu zahlreichen Einsätzen ausrücken, insbesondere in Teilen von Süddeutschland und dem Saarland.

Der Tornado hatte am Freitagabend vor allem in den Ortschaften Petingen und Kaerjeng im südlichen Luxemburg schwere Schäden angerichtet. Die Zahl der Verletzten stieg am Samstag auf 19, davon waren zwei schwer verletzt: Eine Person erlitt einen Herzinfarkt, eine andere hatte offene Brüche, wie Cédric Gantzer vom Großherzoglichen Feuerwehr- und Rettungskorps (CGDIS) der Deutschen Presse-Agentur sagte. Arbeitsminister Dan Kersch sprach von einem „Katastrophenszenario“. Der Schaden sei enorm, könne aber noch nicht beziffert werden.

Neben abgedeckten Häusern säumten zerstörte Autos und herumgewirbelte Trümmerteile die Straßen. Ein Sportplatz wurde verwüstet. Der Sturm knickte zudem zahlreiche Bäume um sowie Strommasten. Insgesamt wurden nach Angaben von Gantzer 314 Gebäude mehr oder weniger stark beschädigt. Bei 95 davon riss der Sturm Löcher in die Dächer oder deckte sie ganz ab, wie der CGDIS-Mitarbeiter weiter mitteilte. 40 Personen waren am Samstagabend demnach noch in Hotels untergebracht, die meisten Betroffenen kamen aber bei Freunden und Verwandten unter.

Bei den Aufräumarbeiten waren demnach rund 400 Feuerwehrleute, 40 Polizisten und 44 Soldaten im Einsatz. Luxemburgs Großherzog Henri machte sich demnach am Samstag vor Ort ein Bild von der Lage. Auch Regierungschef Xavier Bettel kam ebenfalls ins betroffene Gebiet. „Wir lassen keinen im Regen stehen“, sagte Premierminister Xavier Bettel am Samstagabend nach einer Sondersitzung des Kabinetts. Bettel nannte keinen Zahlen zu möglichen Finanzhilfen des Staates. Er lobte die Hilfsbereitschaft und Solidarität der Luxemburger Bürger. „Ich bin wirklich sehr stolz. Premierminister eines Landes zu sein, in dem man sich hilft“, hatte er am Nachmittag bei einem Besuch der betroffenen Ortschaften gesagt. „Es sind Situationen wie diese, in denen man die Solidarität in unserem Land spürt.“

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach hatte am Freitag bestätigt, dass es sich um einen Tornado in Luxemburg handelte. Dies belegten zahlreiche Bilder und Videoaufnahmen aus unterschiedlichen Quellen, so ein Sprecher.

Betroffen von dem Tornado war auch der Norden des französischen Départements Meurthe-et-Moselle, das an Luxemburg grenzt. In den französischen Gemeinden Longwy und Herserange wurden Dutzende Hausdächer abgedeckt. Verletzt wurde jedoch niemand, wie das Radionetzwerk France Bleu am Samstag berichtete. Unwetter auch im Süden des Landes: In Toulouse standen wegen starker Regenfälle einige Straßen unter Wasser, wie der Nachrichtensender Franceinfo berichtete. In der Gemeinde Saint-Côme-d'Olt, die zwischen Toulouse und Lyon liegt, musste demnach in der Nacht auf Samstag ein Campingplatz evakuiert werden.

Verletzte bei Unwettern in Deutschland

Auch Helfern in Deutschland bescherten Unwetter zahlreiche Einsätze. Im baden-württembergischen Rosenfeld wurden 15 Fußballer im Alter von 19 bis 48 Jahren bei einem Blitzschlag verletzt. Der Polizei zufolge schlug der Blitz während des Trainings am Freitagabend in der Nähe des Sportplatzes ein. Ein Großaufgebot an Sanitätern rückte an und brachte die Fußballer vorsorglich ins Krankenhaus.

Im Rhein-Neckar-Kreis verzögerte sich der Anstoß des DFB-Pokalspiels zwischen den Fußballclubs SV Sandhausen und Borussia Mönchengladbach wegen eines Gewitters. Bei heftigem Regen war zwischenzeitlich auch das Flutlicht im Hardtwald-Stadion des Zweitligisten Sandhausen ausgegangen. Die Zuschauer auf den unteren Rängen wurden gebeten, sich in Sicherheit zu bringen. In Neckarsulm (Kreis Heilbronn) stürzte ein Zirkuszelt wegen einer Sturmböe zusammen. Dabei wurde ein Pferd so schwer verletzt, dass es eingeschläfert wurde.

In Bayern musste das Konzertgelände des Taubertal-Festivals geräumt werden. Die Musikfans wurden nach Angaben der Polizei aufgefordert, in ihren Fahrzeugen oder im Stadtgebiet von Rothenburg Schutz zu suchen, wie die Polizei mitteilte. Rund 400 der 15 000 Tagesbesucher fanden zeitweise Schutz in einer Mehrzweckhalle. Mehrere Menschen wurden durch umherfliegende Gegenstände leicht verletzt.

Im Saarland brachten am Freitagabend mancherorts entwurzelte Bäume den Verkehr ins Stocken. Straßen wurden überspült und Keller liefen voll Wasser. Eine Autofahrerin erlitt bei einem Unfall bei Beckingen leichte Verletzungen, als ein Ast auf ihren Wagen stürzte.

In Erfurt (Thüringen) fiel bei den Domstufenfestspielen die Premiere der ersten Musical-Fassung von Umberto Ecos „Der Name der Rose“ teils ins Wasser: Eine starke Regenfront mit Gewitter führte dazu, dass die Aufführung vorzeitig abgebrochen werden musste.

Die DWD-Meteorologen sagen nun erstmal heiteres Wetter voraus. Das hält aber nur kurz: Ab Montag soll es wegen kühlerer Atlantikluft schon wieder ungemütlicher werden. Auch Gewitter werden erwartet.

Mehr: Naturkatastrophen häufen sich weltweit – auch in Deutschland. Das wird vor allem für Versicherer teuer. Eine Bilanz für 2018.

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  • dpa
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