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US-Arbeitsmarkt Hoffnungen zu verkaufen

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Wanida setzt sich vor Gordons Kamera. Das Haar streng gescheitelt und akkurat nach hinten gelegt, herausgeputzt im türkisfarbenen Pulli und mit Perlen an den Ohrläppchen drückt sie ihr Rückgrat durch. Und müht sich zu imponieren: „Ich habe zwölf Jahre Erfahrung im Halbleiter-Geschäft. Ich kann in diesem Bereich alles.“ Das ist er wieder, der Standardfehler. Gordon schreibt ihr einen neuen Text auf den Teleprompter. Und noch einmal das Ganze.

„60 Sekunden kosten nichts“, sagt Gordon. „Wenn wir eine halbe Stunde beraten und immer wieder neu drehen, kostet es 149 Dollar.“ Die Gefilmten können die Aufnahme am Tag danach von der Firmenwebseite herunterladen. Gordons Geschäft läuft schleppend. In Fremont verfängt nicht einmal das Super-Sonderangebot von 50 statt 149 Dollar. „Null Geschäft“, sagt der Firmengründer. „Wenn die wüssten, dass alles Persönliche stärker wirkt als das Papier!“

Extravaganzen kann sich einer wie Jay eben

nicht leisten. Acht Jahre lang war der Endzwanziger TV-Journalist, bis sein Laden verkauft wurde. „Die haben mir nicht mal mein letztes Gehalt gezahlt. Hätte ich nicht gespart, wäre ich obdachlos.“ Das Haus auf wackeligem Kredit musste er verscherbeln, ebenso Auto und Fernseher. Nun steht er hier und wirbt um Studenten, die sich in der DeVry-Uni einschreiben sollen – es ist so schwierig wie Versicherungen an der Haustüre zu verticken. „Sie sind der Erste, der mit mir spricht. Leider haben Sie schon einen Doktortitel.“

Von elf bis 15 Uhr konnte Jay also ungestört das Marktgeschehen sondieren: Militär, Polizei, Versicherungen und IT-Firmen werden pausenlos von Arbeitssuchenden belagert – fast immer vergeblich.

Und sollte ein Gespräch einmal gut verlaufen, heißt das noch gar nichts. „Hier wird gar nichts entschieden! Wir schreiben die Namen auf und laden Bewerber zu mindestens drei Interviews“, sagt barsch der Vertreter von New York Life. Die Firmenvertreter auf der Jobmesse sind nur Lockvögel. Andrea Reyes von der Gemeindepolizei in Santa Clara verhehlt das nicht. „Wer Polizist werden will, muss schon einiges an Qualifikationen mitbringen – die bei solchen Börsen kaum einer hat. Wir drücken den paar Interessenten eine Infobroschüre in die Hand, und wenn sie alle Bedingungen erfüllen, können sie sich melden.“

15.38 Uhr. Die letzte Fahrt der Buslinie 232 führt wieder an der DeVry-Universität vorbei. Seit einer halben Stunde ist die Job-Show zu Ende, 300 Arbeitssuchende sind fort, wie von einem Finanztsunami verschluckt. Mit mitfühlender Neugier beäugt der Fahrer die einzige Dame, die dann doch zusteigt. Er versucht, sie zu trösten. „Hey, ich komme aus Mumbai. Das ist die Hölle! Fast nur unverschämte Reiche und verschämte Arme. Fremont ist doch nur die Vorhölle.“ Und dann lächelt er gequält.

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