Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

US-Außenminister Mike Pompeo: Trumps Vasall auf Deutschlandbesuch

Der US-Außenminister Mike Pompeo ist für seine bedingungslose Loyalität zum US-Präsidenten bekannt. In Deutschland wird er vor allem Trumps Linie vertreten.
Update: 07.11.2019 - 21:12 Uhr Kommentieren
Der amerikanische Außenminister Mike Pompeo. Quelle: Reuters
Mike Pompeo

Der amerikanische Außenminister Mike Pompeo.

(Foto: Reuters)

Washington Linientreue, Loyalität und bedingungsloser Gehorsam – das sind die Eigenschaften, die der amerikanische Präsident von seinen Mitarbeitern einfordert. Und so ist es kein Wunder, dass Donald Trump vor gut anderthalb Jahren Mike Pompeo zu seinem Außenminister machte.

Alle aktuellen Kabinettsmitglieder sind ihrem Chef treu ergeben. All jene, die kritische Fragen stellten, mussten längst gehen – Pompeos Vorgänger Rex Tillerson etwa oder zuletzt Trumps Sicherheitsberater John Bolton. Aber was die Loyalität zum Präsidenten angeht, übertrifft Pompeo seine derzeitigen Kabinettskollegen alle. „Ich streite mit allen, nur mit Pompeo nicht“, sagte Trump einmal.

Wie sein Chef hält Pompeo nichts von einer kooperativen Außenpolitik – „America first“ zählt. Wie Trump lehnt er den Iran-Atomvertrag ab, an dem sich eine ganze Generation westlicher Diplomaten abgearbeitet hatte. Wie Trump befürwortet er den höchst umstrittenen Abzug der US-Truppen aus Syrien. Wie Trump sieht er in der internationalen Klimapolitik nichts anderes als den Angriff auf das amerikanische Geschäftsmodell.

Das heißt: Alles, was den Europäern wichtig ist, lehnt der US-Außenminister ab. Auch deshalb ist der zweitägige Deutschland-Besuch des tiefgläubigen Evangelikalen bedeutsam – ausgerechnet zum 30. Jahrestag des Mauerfalls, jenem Ereignis, das wie kein anderes an bessere Zeiten im deutsch-amerikanischen Verhältnis erinnert.

Sicher wird Pompeo, der bislang nicht durch seinen diplomatischen Stil aufgefallen ist und Journalisten gern unterstellt, „schwachsinnige Fragen“ zu stellen, seinen Ton mäßigen, wenn er am Freitag in Berlin eine Rede hält und Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft. 

Bereits am Donnerstag schlug Pompeo beim Treffen mit Bundesaußenminister Heiko Maas ungewohnt versöhnliche Ton an. „Wir sind Verbündete und Freunde, wir glauben an Rechtsstaatlichkeit und Demokratie und andere unveräußerliche Werte, die uns verbinden und unsere Entscheidungen in der Außenpolitik beeinflussen“, sagte Pompeo. Er würdigte er sogar die „multilateralen Bemühungen Deutschlands“. Immerhin: Die gemeinsame Erinnerung von Amerikanern und Deutschen funktioniert noch.

In Deutschland stationiert

Der 55-Jährige hat schon in jungen Jahren persönliche Erfahrungen in Deutschland gesammelt. Nach seiner Zeit an der Militärakademie in West Point, die er 1986 als Jahrgangsbester abschloss, war Pompeo fünf Jahre als Panzerzugführer an der innerdeutschen Grenze stationiert. Auch deshalb besuchte der gebürtige Kalifornier am Donnerstag die Grenzregion in Mödlareuth.

Erst mit Ende 40 fand Pompeo, der sich weigert, Waterboarding als Foltermethode einzustufen, über die radikale Tea-Party-Bewegung der Republikaner in die Politik. Sechs Jahre war er für den Bundesstaat Kansas Mitglied im Repräsentantenhaus und galt als kenntnisreicher Sicherheitspolitiker. Dann setzte Trump den Harvard-Juristen an die Spitze des Auslandgeheimdiensts CIA.

Seine wichtigsten Karriereschritte verdankt Pompeo also nur einem Mann: Donald Trump. Trotzdem könnte seine bedingungslose Loyalität demnächst auf die Probe gestellt werden. Pompeo steht unter Verdacht, tief in die Ukraine-Krise des Präsidenten verwickelt zu sein. In Kürze dürfte er vom Kongress als Zeuge im Amtsenthebungsverfahren vorgeladen werden.

Sollte Pompeo seinen Präsidenten aktiv dabei unterstützt haben, als dieser Kiew zur „Amtshilfe“ drängte, um seinen möglichen demokratischen Rivalen Joe Biden in Misskredit zu bringen, könnte es eng werden für Pompeo. Der Außenminister hatte seine Diplomaten angewiesen, nicht mit dem Kongress zu kooperieren. 

Allerdings hielten sich nicht alle Beamten an die Order. Mehrere Zeugen hatten vor den Ermittlern ausgesagt, dass sie sich vergebens an Pompeo gewandt hätten, weil das Weiße Haus eine Nebenaußenpolitik in der Ukraine betrieben habe.

Je enger es für Trump in der Affäre wird, desto schwieriger ist auch die Lage seines Außenministers. Am Ende könnte Pompeo sogar Opfer seiner eigenen Loyalität werden.

Mehr: Warum Trump trotz aller Skandale gute Chancen auf eine Wiederwahl hat

Der Handelsblatt Expertencall
Startseite

Mehr zu: US-Außenminister - Mike Pompeo: Trumps Vasall auf Deutschlandbesuch

0 Kommentare zu "US-Außenminister: Mike Pompeo: Trumps Vasall auf Deutschlandbesuch"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.