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Vernetzte Unternehmen

Durch die globalen Lieferketten wirken sich die Autozölle auch auf amerikanische Unternehmen aus.

(Foto: AP)

US-Automobilzulieferer warnen „Autozölle betreffen die ganze Welt“

Der größte Verband der US-Autozulieferer stemmt sich gegen Autozölle. Verbandsvizepräsidentin Wilson beschreibt die Konsequenzen für globale Lieferketten – und Trumps Denkfehler.
25.07.2018 - 09:04 Uhr Kommentieren

Washington Wenn Ann Wilson loslegt, werden Bremsklötze, Motoren und Lenkräder in Gedanken lebendig. „Mir sagen immer alle, dass ich hervorragend erklären könnte“, sagt die Vizepräsidentin des größten US-Zuliefererverbandes für Autoteile, Mema, – und es stimmt. Mema vertritt etwa 1.000 große und kleine Mitglieder, darunter die US-Abteilungen von Bosch und Continental.

Im Interview macht Wilson deutlich, dass die von der US-Regierung geplanten Autozölle verheerende Folgen für globale Lieferketten hätten. Das gelte für Zulieferer, Investoren und Kunden. Die Verbandsvize war kürzlich im US-Handelsministerium zu Gast, um ihre Argumente vorzubringen. Ob's hilft? Wilson ist skeptisch: „Am Ende entscheidet der Präsident.“

Frau Wilson, sind Autozölle eine Gefahr für die nationale Sicherheit der USA?
Nein. Die Fähigkeit, zu importieren und auf stabile Lieferketten zu vertrauen, stärkt unsere nationale Sicherheit. Verlieren wir diese Fähigkeit, gefährden wir uns selbst. 

Die Untersuchung der US-Regierung über mögliche Autozölle ist bald abgeschlossen. Welches Ergebnis erwarten Sie?
Unsere Mitglieder spüren schon jetzt die Folgen der Handelspolitik durch die Stahl- und Aluminiumzölle und durch die chinesischen Vergeltungszölle. Viele Unternehmen müssen Kostenanstiege zwischen 40 und 50 Prozent in Kauf nehmen. Unterm Strich arbeiten  871.000 US-Bürger in der Autoteile-Branche, zwei Drittel davon für kleinere Unternehmen.

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    Sie ist Vizepräsidentin des US-Zuliefererverbands Mema (Motor and Equipment Manufactures Association). Quelle: PR
    Ann Wilson

    Sie ist Vizepräsidentin des US-Zuliefererverbands Mema (Motor and Equipment Manufactures Association).

    (Foto: PR)

    Die haben Angst, ob sie überhaupt im Geschäft bleiben können. Manche verschieben gerade Neueinstellungen, weil sie verunsichert sind. Wir kämpfen bei der US-Regierung dafür, ihre Pläne für Autozölle noch einmal zu überdenken. Aber die Entscheidungen der vergangenen Monate sprechen eher dafür, dass die Zölle kommen.

    Wann ist es soweit?
    Der US-Präsident hat bis Februar 2019 Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Wir glauben aber nicht, dass er diesen Rahmen ausreizen wird. Die Autozölle werden eher früher als später Realität werden. Wie wir auf Donald Trumps Europa-Reise gesehen haben, hält er Handel  für ein Thema, dass er aggressiv vorantreiben muss. Parallel möchte er offenbar Druck für die Nafta-Gespräche aufbauen. Dabei würden Autozölle die ganze Welt betreffen.

    Was genau erwartet uns?
    Die Welt der Autoteile ist unglaublich komplex. Da gibt es zum einen die Elektronik, dann gibt es Komponenten wie Bremsklötze, Scheibenwischer und so weiter. Dann gibt es spezielle Teile für Lkw, Busse oder Kräne, die nicht Teil der Autozölle-Untersuchung sein sollen. Für uns ist vieles noch ein Rätsel. Wird die US-Regierung ihre Entscheidung von den Nafta-Verhandlungen abhängig machen? Wird sie ihren Unmut gegenüber Deutschland vom Rest der EU trennen? Wir wissen es nicht.

    Wie verschaffen Sie sich im Weißen Haus Gehör?
    Es gibt eine Menge Unruhe im US-Kongress. Die Autoteile-Branche ist gerade für die lokale und regionale Industrie sehr wichtig. Sie schafft qualifizierte, gut bezahlte Jobs, die kleinen und mittelgroßen Städten zum Aufschwung verhelfen. Wir arbeiten eng mit Abgeordneten zusammen und haben an einem Brief an das Weiße Haus mitgearbeitet. Aber am Ende hat der Präsident das letzte Wort.

    Was passiert, wenn die Autozölle greifen?
    Handelsbarrieren beeinflussen alle Lieferketten. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein US-Autoteileproduzent Stahl aus Europa importiert, der in einer Harley verbaut wird, die später nach Deutschland verschifft wird. Im Moment sehen wir noch keinen Effekt auf Löhne und Jobzahlen.

    Aber das wird sich ändern, ohne Zweifel. Abgesehen davon, dass Autos teurer werden, werden auch Wartungen teurer. Der durchschnittliche Amerikaner behält sein Auto elf Jahre, in denen immer mal wieder etwas repariert werden muss. Jeder Konsument wird sofort die Folgen der Zölle spüren.

    Wie wird es den Firmen gehen?
    Es braucht zwei bis drei Jahre, ein neues Produkt zu entwickeln, dazu kommen Tests und Produktion. Von der Idee bis zur Marktreife vergehen also zwischen drei und zehn Jahren. Als globaler Zulieferer würde ich mich genau jetzt fragen: Wenn ich meine neuesten Sensoren, die ich gerade in Asien produzieren lasse, nicht in die USA verkaufen kann, um sie dort zu testen und auf die Straße bringen kann ... tja, Pech!

    Dann schaue ich mich woanders um. Dieser Zulieferer wird seine Produktion für Jahre umleiten. Es geht nicht um ein schnell vorübergehendes Problem. Die US-Wirtschaft wird sehr lange von aktuellen Entscheidungen beeinflusst.

    „Alle in den USA wissen, dass die Autozölle kommen werden“

    Wie werden Investoren reagieren?
    Große Zulieferer werden sich zweimal überlegen, ob sie in den USA weiter investieren wollen. Kleine Zulieferer – und davon haben wir eine Menge – sagen: Wenn ihr 25 Prozent Importzölle auf unsere Produkte erhebt, können wir euch nicht weiter beliefern. Für Zulieferer ist es entscheidend, dass sie eine große globale Bandbreite von Kunden haben. Ziehen die USA Barrieren hoch, schrumpft die Zahl der Abnehmer. Kleine Zulieferer müssten binnen weniger Monate entscheiden, ob sie sogar Leute entlassen.

    Welche breiteren Konsequenzen fürchten Sie außerdem?
    Die USA sind der Hotspot für die Entwicklung automatischen Fahrens. Aber Europa holt auf. Es ist durchaus möglich, dass uns andere Länder abhängen. Wir haben jetzt die Chance, die Führung in diesem Bereich zu sichern, aber mit solchen Zöllen werden auch Zulieferer,  die darauf spezialisiert sind, vor neuen Investitionen zurückschrecken. Dann gehen sie nach Europa oder China oder Japan. Es gibt immer Optionen.

    Donald Trump argumentiert damit, heimische Marken fördern zu wollen. Werden US-Zulieferer künftig verstärkt inländisch operieren?
    Es ist illusorisch anzunehmen, dass ein amerikanischer Zulieferer ausschließlich an Ford, GM oder Chrysler liefert – zumal diese amerikanischen Marken selbst global agieren. Alle Autoproduzenten, ob in- oder ausländisch, sind gegen die Zölle. Aus dem einfachen Grund, weil alle Lieferketten miteinander verwoben sind. Wenn dein Abnehmer in Europa unter Strafzöllen leidet, leidest du mit. Ich kann mir nicht vorstellen, was Zölle für einen positiven Effekt auf eine Lieferkette haben sollen.

    Hat Trump mit seinem Handelskurs komplett unrecht?
    Ich stimme dem Präsidenten zu, dass der Diebstahl geistigen Eigentums in China ein großes Problem ist. Hier muss schnell etwas passieren. Die USA brauchen mehr Jobs in der Fertigungsindustrie, auch das ist richtig. Deutschland ist das beste Beispiel dafür, wie stark so ein Fundament sein kann.

    Aber das eigentliche Problem liegt woanders. Wir können Tausende Stellen nicht besetzen, weil uns die qualifizierten Arbeitnehmer dazu fehlen. Unsere Mitglieder klagen darüber, dass sie händeringend gut ausgebildete, spezialisierte  technische Arbeiter – und ich spreche nicht einmal von Ingenieuren – suchen.

    Um global wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir zudem weiter in der Lage sein, Produkte aus Niedriglohnländern zu importieren. Wir rufen die US-Regierung dazu auf, TTIP und auch TPP wiederzubeleben und an Nafta festzuhalten. Verlieren wir einmal unsere Wettbewerbsfähigkeit, bekommen wir sie lange nicht zurück.

    Frau Wilson, vielen Dank für das Interview.

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