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US-Demokraten Trump-Herausforderer treffen sich zur ersten TV-Schlacht

Erstmals werden sich die Top 20 der demokratischen Präsidentschaftskandidaten in TV-Debatten streiten. Das könnte die Dynamik des Wahlkampfs verändern.
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Mit rund 30 Prozent Zustimmung liegt Joe Biden in Umfragen klar vor seinen Mitbewerbern. Quelle: AP
Joe Biden

Mit rund 30 Prozent Zustimmung liegt Joe Biden in Umfragen klar vor seinen Mitbewerbern.

(Foto: AP)

Washington In der bislang wichtigsten Woche im Vorwahlkampf der US-Demokraten dürfte so mancher Unterstützer genervt sein Telefon stummschalten. Denn derzeit lassen die 25 demokratischen Präsidentschaftsbewerber im Minutentakt SMS und E-Mails verschicken, automatisiert und nach dem Prinzip Massenabwurf.

Die Nachrichten enthalten drängende Spendenaufrufe und die neuesten Stellungnahmen zu politischen Themen. Man spürt, dass der Druck in der Partei steigt, und dass die Demokraten, die US-Präsident Donald Trump im kommenden Herbst herausfordern wollen, verstärkt um Aufmerksamkeit und Geld buhlen. In dieser Woche wird ein Großteil der Kandidaten außerdem zum ersten Mal auf großer Bühne gegeneinander antreten, was die Stimmung zusätzlich anheizt.

20 Bewerber haben sich für die erste Runde der überregionalen Fernsehdebatten qualifiziert. Diese Debatten sind ein früher Test im Rennen um die offizielle Nominierung für die Präsidentschaftskandidatur, die Mitte Juli 2020 auf einem Parteitag festgelegt wird. Die Regeln sind einfach: Keine Antwort darf länger als eine Minute sein, auf Nachfrage bekommt ein Kandidat 30 Sekunden pro Themenblock zusätzlich.

Um die Debatten halbwegs übersichtlich zu halten, wurde das Bewerberfeld auf zwei Abende aufgeteilt: Die Zuschauer können sich an diesem Mittwoch und Donnerstag einen Überblick über jeweils zehn Kandidaten verschaffen. Doch diese Rahmenbedingungen sind so ziemlich das einzige Berechenbare. Für die Demokraten bieten die TV-Debatten einige Chancen, aber sie bergen auch Risiken und viel Stoff für Konflikte.

Biden bekommt Gegenwind von Links

Alle Augen werden auf den früheren Vizepräsidenten Joe Biden gerichtet sein, der am Donnerstag am Rednerpult steht. Mit rund 30 Prozent Zustimmung liegt er in Umfragen klar vor seinen Mitbewerbern – sowohl landesweit als auch in Bundesstaaten, die mit frühen Vorwahlen entscheidenden Einfluss auf die Nominierung haben.

Für den 76-jährigen Biden ist dieser Wahlkampf eine besondere Situation. 1988 und 2008 bewarb er sich vergeblich auf das Präsidentenamt, beide Male galt er als Außenseiter. Jetzt ist er ein Favorit im überfüllten Kandidatenfeld, und er verkörpert auch die Nostalgie vieler Demokraten-Anhänger, die sich wehmütig an die Präsidentschaft von Barack Obama erinnern.

Doch geschont werden dürfte Biden von seinen Konkurrenten nicht – im Gegenteil. Gerade unbekanntere Kandidaten, die auf einen viralen Glanzmoment im Netz hoffen, dürften sich an Biden abarbeiten. „Die Dynamik ist sehr einfach: 19 gegen 1“, sagte Biden-Beraterin Anita Dunn im Vorfeld.

Kurze, knackige Antworten sind nicht unbedingt Bidens Stärke. Andererseits kann er umso souveräner sein Image als Staatsmann und Weltenlenker ausspielen. Seine Kampagne hat er von Anfang an auf die direkte Abgrenzung zu Donald Trump ausgerichtet. Hier liegt Bidens Chance, der sich vor einem Millionenpublikum als Außenpolitiker und Transatlantiker präsentierten kann, was nicht nur angesichts der Iran-Krise hoch relevant ist.

Allerdings stagnierten Bidens Umfragewerte zuletzt. Er, der auf vier Jahrzehnte Karriere in der Politik zurückschauen kann, trägt zugleich viele Altlasten mit sich herum. In der Vergangenheit arbeitete er selbst mit radikalen und nationalistischen Republikanern im US-Senat zusammen, und er lehnte eine staatliche Mitfinanzierung für Abtreibungen ab – eine Haltung, die er im laufenden Wahlkampf öffentlich widerrief.

Sein derzeit größter Konkurrent, der linke Senator Bernie Sanders, rangiert in Umfragen dicht hinter Biden. Er wird mit ihm am Donnerstag gemeinsam auf der Bühne stehen und dürfte Bidens Zustimmung zum Irak-Krieg attackieren und ihn als Vertreter von Unternehmensinteressen brandmarken.

Doch auch Sanders steht unter Druck. In letzter Zeit liegt immer häufiger seine progressive Rivalin Elizabeth Warren mit ihm gleichauf. Warren verfolgt ebenfalls linke Ideen wie eine Vermögenssteuer für Ultra-Reiche sowie einen Komplett-Erlass von Studienschulden.

Allerdings füllt sie ihre Visionen mit zahlreichen konkreten Plänen für eine Umsetzung. Das Ringen zwischen Moderaten wie Biden auf der einen Seite und Progressiven wie Sanders und Warren auf der anderen, werden die Kluft zwischen dem Partei-Establishment und progressiven Meinungsführern verdeutlichen.

Nur zwei weitere Kandidaten kommen ansatzweise, wenn auch mit großem Abstand, an die frühen Umfragewerte von Biden, Sanders und Warren heran: die kalifornische Senatorin Kamala Harris und der junge, schwule Afghanistan-Veteran Pete Buttigieg. Die Indo-Afroamerikanerin Harris, frühere Generalstaatsanwältin von Kalifornien, hat sich mit pointierten Auftritten im US-Kongress profiliert und könnte schwarze Wähler mobilisieren – eine wichtige Zielgruppe, mit der zumindest Warren, Sanders und Buttigieg fremdeln.

Buttigieg, 37-jähriger Bürgermeister der 100.000-Einwohner-Stadt South Bend im US-Bundesstaat Indiana, steht für eine neue Generation der Demokraten. Er beeindruckte zuletzt mit klaren Positionen, einer starken Bühnenpräsenz und motivierten Anhängern.

Allerdings könnte ihm die magere Zustimmung unter afroamerikanischen Wählern noch gefährlich werden. Kürzlich musste er seine Kampagne unterbrechen, weil in seiner Stadt ein junger Schwarzer von einem Polizisten getötet wurde. Buttigieg wird zunehmend mit Kritik an seinem Krisenmanagement konfrontiert.

Die meisten Schwergewichte sind am Donnerstag dran

Vier der fünf derzeit beliebtesten Kandidaten – Biden, Sanders, Harris Buttigieg – werden am Donnerstag auf der Bühne stehen, einzig Elizabeth Warren wurde per Los auf den Mittwoch gelegt. Dort wird sie unter anderem mit dem einstigen Medienliebling Beto O’Rourke und dem New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio debattieren. An O’Rourke sieht man, wie schnell sich die Stimmung in diesem noch frühen Stadium des Wahlkampfs ändern kann.

Der Texaner sammelte in Rekordzeit Spenden und tourt unermüdlich durchs Land, doch Umfragen sehen ihn konstant im niedrigen einstelligen Bereich. Für Kandidaten wie O’Rourke sind die TV-Debatten eine bitter notwendige Gelegenheit, für sich zu werben. Raum für Bewegung gibt es reichlich: Zwei Drittel der demokratischen Anhänger sind noch unentschlossen, wen sie als Spitzenkandidaten gegen Trump favorisieren.

Mit einem Problem aber haben alle Kandidaten zu kämpfen: Der Politiker, der täglich die größte Aufmerksamkeit auf sich zieht, sitzt im Weißen Haus. Schon als Kandidat interessierte Trump die Massen. Eine Rekordzahl von 24 Millionen Zuschauern schaltete im August 2015 ein, als der konservative TV-Sender Fox News den Auftakt der republikanischen Präsidentschaftsdebatten übertrug.

Eine ähnliche Zahl ist für die frühen Demokraten-Debatten, die vom Sender NBC in Miami produziert werden, nicht zu erwarten. Die Moderatoren dürften sich neben Trump vor allem auf das marode Gesundheitssystem, die Einwanderungskrise an der US-Grenze und Außenpolitik konzentrieren. Auch Waffengesetze, die Regulierung von Tech-Giganten im Silicon Valley und der Klimawandel dürften diskutiert werden.

Hoffnung ziehen die Demokraten aus den konstant schlechten Umfragewerten für Trump, der vergangene Woche offiziell in Florida seinen Wahlkampf eröffnet hatte. In Bundesstaaten wie Wisconsin, Michigan, Pennsylvania und Iowa, die bei der letzten Wahl ausschlaggebend für seinen Sieg waren, hat Trump an Beliebtheit verloren. Ein Selbstläufer wird der Wahlkampf der Demokraten dennoch nicht. Bislang haben sie Schwierigkeiten damit, eine glaubwürdige Strategie gegen Trump zu entwickeln.

Sollen sie möglichst aggressiv auftreten, um im täglichen Wirbel um Trump nicht unterzugehen? Oder rückt ein zu aggressiver Ansatz einzelner Kandidaten eher die Gräben der Partei in den Vordergrund? Ein Problem der Demokraten im vergangenen Wahlkampf war, dass sich die Partei mit sich selbst beschäftigte, während Trump die Republikaner radikalisierte und schließlich gewann.

Der Vorsitzende des Demokratischen Nationalkomitees, Tom Perez, warnte vor einem ähnlichen Szenario für 2020. Zugleich beschwichtigte er, ernsthafte Sorgen müsse man sich darüber nicht machen: „Wir sind verbunden durch die Einheit unserer Werte“.

Mehr: Donald Trump bewirbt sich um eine zweite Amtszeit. Bei seinem ersten Wahlkampfauftritt setzt er auf altbewährte Rezepte.

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