Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

US-Diplomatin Elisabeth Millard wird Europas neue Kontaktfrau in der US-Politik

Die Diplomatin wird zu einem der wichtigsten Ansprechpartner Europas in der US-Regierung. Der Rücktritt ihres Vorgängers zeigt, wie sehr in Washington das Chaos herrscht.
Kommentieren
Die US-Diplomatin, hier mit dem albanischen Staatspräsidenten Ilir Meta. Nach dem überraschenden Rücktritt von Wess Mitchell wird sie die Schnittstelle zwischen den USA und Europa. Quelle: EU
Elisabeth Millard

Die US-Diplomatin, hier mit dem albanischen Staatspräsidenten Ilir Meta. Nach dem überraschenden Rücktritt von Wess Mitchell wird sie die Schnittstelle zwischen den USA und Europa.

(Foto: EU)

WashingtonNoch hat sich Elisabeth Millard, Top-Diplomatin im US-Außenministerium, nicht öffentlich zu ihrer neuen Rolle geäußert. Verwunderlich ist das kaum, denn die Umstände des Stühlerückens sind kompliziert – und der Mann, dem Millard zeitweise nachfolgen soll, ist noch bis Mitte Februar offiziell im Amt.

Aktuell arbeitet Millard als Stellvertreterin des Europa-Abteilungsleiters im Außenministerium, Wess Mitchell. Doch der 41-jährige Mitchell hatte am Dienstag überraschend seinen Rückzug publik gemacht, Millard soll ihn nun übergangsweise ersetzen.

Mitchell war bislang einer der wichtigsten Kontakte für die Bundesregierung in Washington. Vertreter der deutschen Botschaft sowie von Institutionen und Denkfabriken, die das transatlantische Verhältnis pflegen, standen regelmäßig in Mitchells Büro, um Strategien abzusprechen und Probleme zu klären.

In Zeiten eines oft erratisch agierenden US-Präsidenten Donald Trump war Mitchell ein engagierter Diplomat, mit dem man auf Arbeitsebene konstruktiv zusammenarbeiten konnte, berichten seine Kontakte.

„Persönliche und berufliche“ Gründe führten laut Mitchell zu seinem Rücktrittsschreiben an US-Außenminister Mike Pompeo, nur sechzehn Monate nach Amtsantritt. Er wolle mehr Zeit für seine Familie haben, so die offizielle Erklärung. Zweifel daran sind angebracht, ist es doch recht ungewöhnlich, dass ein junger Diplomat freiwillig einen Spitzenposten verlässt.

So oder so, die Konsequenzen von Mitchells Rücktritt auf diplomatischer Ebene könnten enorm sein. Angesichts von Handelskrieg, Nato-Streit und der Kontroverse um das deutsch-russische Projekt Nord Stream 2 könnte es kaum einen schlechteren Zeitpunkt für den Umbau geben.

Mitchell gilt zwar als Russland-Hardliner und harscher Kritiker der Gaspipeline, gleichzeitig aber ist er ein überzeugter Unterstützer des Nato-Bündnisses. Er sorgte selbst dann für Verlässlichkeit auf Arbeitsebene, wenn Trump die Welt mit Äußerungen in Aufruhr versetzte, die Nato sei überflüssig.

Millard muss Vertrauen neu aufbauen

Elisabeth Millard muss diese Fäden nun neu knüpfen, muss Vertrauen aufbauen und versuchen, Ruhe in die transatlantischen Beziehungen zu bringen. Immerhin finden die Europäer in der 64-Jährigen eine erfahrene Diplomatin, die viele Weltregionen und den Regierungsapparat gut kennt.

Als Tochter eines Beamten der Weltgesundheitsorganisation verbrachte sie ihr frühes Leben in Dänemark, Schweden und Tunesien. Millard studierte an der Universität Genf und der London School of Economics, arbeitete anschließend in der Privatwirtschaft und der Entwicklungshilfe.

Nach ihrem Eintritt in den Auswärtigen Dienst war sie unter anderem in Tschechien, Dänemark, Indien und Nepal stationiert, später arbeitete sie als Generalkonsulin in Casablanca. In den Jahren 2016 und 2017 wurde sie US-Botschafterin in Tadschikistan, nominiert wurde sie damals noch von der Regierung von Barack Obama und seinem Außenminister John Kerry. Neben Englisch spricht Millard Französisch, Schwedisch, Dänisch und ein bisschen Deutsch. Sie hat fünf erwachsene Kinder. Ihr Ehemann, ein früherer Marinekapitän, verstarb 2014 an Krebs.

Die inhaltlichen Akzente der Diplomatin entsprachen in der Vergangenheit eher der alten, internationalistischen Haltung der USA vor der Ära Trump, auch nachdem diese 2017 begonnen hatte. In den Westbalkanstaaten mahnte sie Korruptionsbekämpfung an, Mazedonien sah sie auf dem Weg in die Nato – diplomatisches Klein-Klein statt schneidiger Ansagen, wie man sie etwa von Trumps Deutschland-Botschafter Richard Grenell kennt.

Laut US-Medien müssen sich die Europäer aber bald schon wieder an ein neues Gesicht gewöhnen: Millard, die in diesem Jahr ihren 65. Geburtstag feiert, will offenbar noch im Frühjahr in den Ruhestand gehen. Es ist fraglich, ob die neue Verbindungsfrau der Europäer in dieser kurzen Zeit die Anti-Nato-Einstellung des Präsidenten korrigieren kann. Das US-Außenministerium betonte, man wolle einen geordneten Übergang sicherstellen. In Zeiten von Donald Trump wäre das eine Seltenheit.

Brexit 2019
Startseite

Mehr zu: US-Diplomatin - Elisabeth Millard wird Europas neue Kontaktfrau in der US-Politik

0 Kommentare zu "US-Diplomatin: Elisabeth Millard wird Europas neue Kontaktfrau in der US-Politik "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote