US-Einreiseverbot Paare auf der Suche nach neuer Heimat

Sie sind verliebt und träumen von einer gemeinsamen Zukunft. Ihre Pläne müssen zwei syrisch-amerikanische Paare aber erstmal auf Eis legen. Trumps Einreiseverbot macht selbst Christen zu schaffen.
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Sie ist Amerikanerin, er kommt aus Syrien. Wegen der neuen Einwanderungsregeln von US-Präsident Donald Trump können sie nicht zusammen in den USA leben. Quelle: dpa
Katheryn und Baschar Balleh

Sie ist Amerikanerin, er kommt aus Syrien. Wegen der neuen Einwanderungsregeln von US-Präsident Donald Trump können sie nicht zusammen in den USA leben.

(Foto: dpa)

IstanbulZum ersten Mal war es der Krieg, der Ella Wind und ihren Freund Feras zwang, sich nicht mehr sehen zu können. Zum zweiten Mal war es US-Präsident Donald Trump. Verliebt hatte sich das Paar in Syrien – zu einer Zeit, als das Land noch nicht in Trümmern lag. Doch als die Kämpfe 2011 immer heftiger wurden, zog Ella zurück in die USA. Feras blieb, bis er in Kanada Asyl bekam. Mit einem amerikanischen Visum konnte er bislang seine Freundin in New York besuchen.

Seit Trump aber am Freitag Syrer auf unbestimmte Zeit von der Einreise in die Vereinigten Staaten ausgeschlossen hat, bleibt dem 29-Jährigen der Weg zu Ella versperrt – und damit auch der Weg in ihre geplante Zukunft.

„Diese Anordnung bedeutet, dass ich nicht in dem Land leben kann, in dem ich geboren wurde und mein Partner nicht in das Land kommen kann, aus dem ich stamme und in dem meine Familie lebt“, sagt Ella.

Eigentlich wollte die 26-Jährige ihren Verlobten nach New York holen, wo sie Soziologie studiert. Jetzt müssen die beiden darauf warten, dass Feras die kanadische Staatsbürgerschaft bekommt. Dann wollen sie in Quebec zusammenziehen.

Erstmal versuchen Ella und Feras aber, die genauen Bestimmungen des Einreiseverbots zu durchblicken. Sie telefonieren mit Anwälten, Regierungsmitarbeitern und studentischen Rechtsberatern. Dass Feras Christ ist und kein Muslim, scheint keine Rolle zu spielen – er darf nicht mehr in die USA kommen.

Dabei hat Trump doch erklärt, christlichen Minderheiten in Nahost helfen zu wollen. Der Präsident twitterte am Wochenende: „Christen wurden im Nahen Osten in großer Anzahl exekutiert. Wir können nicht erlauben, dass dieser Horror weitergeht.“

Aber christliche Religion und Familienbande zählen jetzt erst einmal nicht viel – es kommt auf den richtigen Pass an. Für die kommenden Monate gilt ein Einreisestopp für Syrer, Iraner, Iraker, Sudanesen, Somalier, Libyer und Jemeniten – Bürger islamischer Staaten, die in den Augen der neuen US-Administration das Terrorrisiko erhöhen. Dabei leben in Kriegsländern wie Syrien oder dem Irak, wo auch der so genannte Islamische Staat (IS) Tod und Terror verbreitet, große christliche Gemeinden.

Ella jedenfalls versucht, trotz der Umstände optimistisch zu bleiben. „Wir haben noch Glück gehabt“, sagt sie. „Freunde von uns hat es schlechter getroffen.“

Gemeint sind Katheryin Balleh und ihr Mann Baschar. Die Amerikanerin und der Syrer haben zwei Wochen vor Trumps Amtseinführung am 20. Januar geheiratet. Sie leben in Istanbul, wollen aber in ein Land ziehen, das nicht von politischen Unruhen und Verfolgung geprägt ist.

Beiden fällt es sehr schwer, von ihren Familie getrennt zu sein. „Unsere Eltern werden sich wahrscheinlich nie treffen“, sagt Katheryin. Ihre Mutter möchte nicht in die Türkei reisen, Terroranschläge und der Militärputsch im vergangenen Jahr haben ihr Angst gemacht. Baschars Familie wiederum lebt noch in Latakia an der syrischen Küste, auch für sie ist ein Besuch in Istanbul nicht möglich.

Baschar lässt den Kopf aber nicht hängen. Er hat eine Band, die syrische Countrymusik mit arabischen Klängen mischt und 2014 sogar in den USA auf Tournee war. „Ich bin so stolz auf meine Band, ich habe gerade geheiratet“, sagt er. „Irgendwie ist ja doch alles prima.“

Das Silicon Valley stellt sich gegen Trump
Donald Trump
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US-Präsident Donald Trump macht Ernst: Bereits im Wahlkampf hatte der Republikaner angekündigt, ein Einreiseverbot für Muslime zu verhängen. Viele hielten das vermutlich für ein leeres Wahlkampfversprechen. Doch Trump hat vergangene Woche massive Einreisebeschränkungen verfügt, um „radikale islamische Terroristen“ aus dem Land fernzuhalten.

Proteste gegen Trump
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Vorerst sind von dem Einreiseverbot alle Flüchtlinge und viele Menschen aus muslimischen Ländern betroffen. Doch es regt sich vieler Orten Protest: Wie in Seattle gehen in den Vereinigten Staaten nun viele Menschen auf die Straße, um dagegen zu protestieren.

Google
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Und auch große Tech-Konzerne melden sich zu Wort, denn bei ihnen sind auch Mitarbeiter von dem US-Einreiseverbot betroffen. Als Reaktion hat Google seine Mitarbeiter aus dem Ausland zurückgerufen. Mehr als 100 Google-Mitarbeiter sollen davon betroffen sein. Sie sollen sich derzeit beruflich oder privat im Ausland befinden und aus muslimischen Ländern stammen.

Konzerne wie Google könnten wegen des Einreiseverbots auch Probleme bei der Rekrutierung von neuen Talenten bekommen. Eine Google-Sprecherin teilte am Freitag mit: „Wir sind besorgt über die Auswirkungen dieser Anordnung und über alle Vorschläge, die Einschränkungen für Google-Mitarbeiter und ihre Familien mit sich bringen könnten, oder die Schranken aufbauen, die große Talente an der Einreise in die USA hindern könnten.“

Sundar Pichai
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Auch der Google-Chef Sundar Pichai meldete sich in einer Mitteilung an seine Mitarbeiter zu Wort: „Es ist schmerzlich zu sehen, wie sich diese Anordnung persönlich auf unsere Kollegen auswirkt.“ Man habe die Position des Konzerns zu Einwanderungsfragen immer öffentlich bekannt gemacht und werde das auch weiterhin tun.

Sergey Brin
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Auch Google-Mitgründer Sergey Brin vertritt diese Position: Wie das Tech-Nachrichtenportal „The Verge“ berichtet, hat sich Brin den Protesten am Flughafen von San Francisco angeschlossen. Demnach kommentierte er seine Anwesenheit nicht, da er privat daran teilnahm. Wie Google-Chef Pichai stammt auch Mitgründer Brin aus einer Einwandererfamilie.

Mark Zuckerberg
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Facebook-Chef hat sich auf seiner Facebook-Seite zu Wort gemeldet: „Die Vereinigten Staaten sind eine Nation von Einwanderern, und wir sollten stolz darauf sein“, schrieb Mark Zuckerberg. Er verwies auch auf die Herkunft seiner Ur-Großeltern, die aus Deutschland, Österreich und Polen gekommen seien. Die Eltern seiner Frau Priscilla seien als Flüchtlinge aus China und Vietnam in die USA gekommen. Die Erlasse zur Einwanderung beunruhigten ihn, schrieb Zuckerberg. Der Facebook-Chef setzte sich schon 2013 für eine Reform des Einwanderungsgesetzes ein.

Tim Cook
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Im Dezember hatte sich Tim Cook noch zusammen mit anderen Tech-Chefs mit Donald Trump in New York getroffen. Das US-Einreiseverbot verurteilt der Apple-Chef ebenfalls: Diese Politik sei keine, die der Konzern unterstütze, heißt es in einer E-Mail an seine Mitarbeiter, die dem „Business Insider“ vorliegt. Man sei bereits in Kontakt mit betroffenen Mitarbeiter, um diese zu unterstützen. Apple hätte es ohne Einwanderung nicht gegeben, schreibt Cook (Apple-Gründer Steve Jobs hatte einen syrischen Vater). Cook beendete sein Schreiben mit den Worten Martin Luther Kings: „Wir mögen zwar in unterschiedlichen Schiffen gekommen sein, aber wir sitzen alle im selben Boot.“

  • dpa
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