Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Donald Trump und Joe Biden im TV-Duell

In der Fernsehdebatte gab es am Ende fast nur Verlierer – sogar das Format wird infrage gestellt.

(Foto: AFP)

US-Fernsehdebatte Trump gegen Biden: Die Lehren aus dem „schlimmsten TV-Duell aller Zeiten“

Die TV-Debatte findet keinen Sieger. Aufschlussreich war sie dennoch: „Sleepy Joe“ Biden zeigt sich hellwach – und Donald Trump sorgt für einen Rassismus-Eklat.
30.09.2020 - 09:21 Uhr 2 Kommentare

Cleveland 90 Minuten Chaos, harte Attacken und ein Präsident, der sich nicht an die Regeln hält. Das Fazit der ersten Fernsehdebatte zwischen dem republikanischen US-Präsidenten Donald Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden fällt verheerend aus.

„Das war das schlimmste TV-Duell aller Zeiten“, urteilte der Nachrichtensender CNN, „das war keine Debatte, das war eine Schande.“ Selbst der konservative Sender Fox News, dessen Moderator Chris Wallace moderierte, nannte die Veranstaltung „ein ermüdendes Schreiduell“.

Dennoch ist das Spektakel im US-Wahlkampf einer der wichtigsten Momente für die Kandidaten, um sich der Wählerschaft zu präsentieren. Entsprechend lohnt es sich, einen genaueren Blick auf die Höhepunkte des Schlagabtauschs zu werfen.

Wie hat sich Joe Biden geschlagen?

Der demokratische Herausforderer von US-Präsident Donald Trump liegt in Umfragen seit Wochen vorn. Doch im direkten Duell konnte er sich gegen den Amtsinhaber kaum durchsetzen – weil der sich nicht an die Regeln hielt. Immer wieder fiel Trump Biden ins Wort. Die zahlreichen Ermahnungen von Moderator Wallace halfen nicht.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Biden nannte den Präsidenten einen „Clown“, sprach ihn kaum direkt an, sondern eher mit dem Fernsehpublikum. Am Ende des ersten Themenblocks rutschte dem 77-Jährigen Biden ein rüdes „Oh, halt die Klappe, Mann!“ über die Lippen. Eine Beschimpfung des amtierenden Präsidenten, die normalerweise für einen kleinen Skandal gut gewesen wäre - innerhalb dieser Chaos-Debatte jedoch keine größere Beachtung fand.

    Infografik: Trump vs. Biden - das Ergebnis des ersten TV-Duells | Statista

    „Für Biden war es wie ein Ritt auf einem wilden Pferd. Er hat sich dafür ganz gut geschlagen“, urteilte David Axelrod, früherer Berater Barack Obamas, dessen Vizepräsident Biden war. Bidens Performance stand auch deshalb im Fokus, weil er bei öffentlichen Auftritten immer wieder zu Aussetzern und Versprechern neigt.

    Der Herausforderer hatte die Wähler im Blick. Quelle: dpa
    Joe Biden

    Der Herausforderer hatte die Wähler im Blick.

    (Foto: dpa)

    Trump, nur wenige Jahre jünger als Biden und selbst angesichts diffuser Auftritte oft in der Kritik, hat sich darauf eingeschossen, Bidens Aussetzer als Zeichen von Senilität zu deuten. „Sleepy Joe“ ist da noch eine der harmloseren Verballhornungen.

    Biden hatte seine starken Momente. Eine hitzige Debatte um seinen Sohn Hunter und dessen umstrittenes Engagement in der Ukraine wiegelte er ab, schaute entschlossen in die Kameras und brachte die Diskussion zurück zu den Wahlen und den für Wähler relevanten Themen. „Denn darum geht es hier“, sagte der ehemalige Vizepräsident.

    Auch beim Thema Klimawandel trat Biden selbstbewusst auf. Er hat einen Plan vorgelegt, der eine grüne Infrastruktur schaffen soll, mit milliardenschweren Investitionen und Steueranreizen. Dass dies zu viel Geld koste, wies Biden zurück und konterte: „Schauen Sie doch, wie viel wir jetzt bezahlen, für Schäden, die von Hurrikans, Waldbränden und Überschwemmungen verursacht werden.“

    Zudem würden die Investitionen „Millionen gut bezahlter Jobs schaffen“. Angesichts der verheerenden Waldbrände, die derzeit in Kalifornien, Oregon, Washington und Colorado wüten, könnte er damit viele Wähler ansprechen, die direkt von den mutmaßlichen Folgen des Klimawandels betroffen sind. Amtsinhaber Trump leugnet diesen und macht die regionalen Gouverneure – allesamt Demokraten – für die Brände verantwortlich.


    Wie aggressiv war Trump?

    Der US-Präsident ist für seinen kompromisslosen und aggressiven Stil bekannt. Trump hält sich nicht gern an Regeln, lässt Leute nicht ausreden, hat immer das letzte Wort. Bei der Debatte am Dienstag hat ihm das mehr geschadet als genutzt.

    „Dem Land wäre besser gedient, wenn wir beiden Kandidaten erlauben würden, ohne ständige Unterbrechungen zu sprechen“, monierte Moderator Wallace und adressierte seine Kritik an den Präsidenten. Einmal wurde er laut, um ein Wortgefecht zu unterbrechen, das unter den Zuschauern ohnehin niemand mehr verstehen konnte.


    Der Präsident beschäftigte die Faktenchecker. Quelle: AP
    Donald Trump

    Der Präsident beschäftigte die Faktenchecker.

    (Foto: AP)

    Inhaltlich hatten Trumps Angriffe kaum Substanz. Er mokierte sich über Bidens Mundschutz: „Immer wenn man ihn sieht, auch wenn er 70 Meter weit weg steht, hat er immer die größte Maske auf, die ich je gesehen habe.“

    Auch die Wahlkampfstrategie seines Herausforderers, auf kleinere Veranstaltungen zu setzen, um das Infektionsrisiko einzudämmen, hält Trump für unglaubwürdig. „Zu seinen Events kommen ja nicht mehr Leute“, behauptete Trump. Der Präsident halte derweil größere Events ab, „weil die Leute hören wollen, was ich zu sagen habe“.

    Für Empörung sorgte der Präsident schließlich, als er sich weigerte, rechtsextreme Gruppen wie die „Proud Boys“ zu verurteilen. Diese hatten zuletzt immer wieder „Black Lives Matter“-Demonstrationen gegen rassistische Gewalt gestört.

    Ob er bereit sei, die gewalttätigen Gruppen zur Mäßigung aufzurufen, wollte Wallace wissen. „Sicher“, antwortete der Präsident. Doch die Gewalt sieht der Präsident eher vom eigenen Feindbild ausgehen: „Fast alles, was ich sehe, kommt eher vom linken als vom rechten Flügel“, sagte Trump, der in der Vergangenheit auch Neonazi-Aufmärsche und rechtsradikale und rassistische Bluttaten und Anschläge relativiert hat.

    Auf die wiederholte Aufforderung, den Aufruf zur Mäßigung explizit zu formulieren, wollte Trump wiederholt wissen, an wessen Adresse genau er den Appell richten sollte. Schließlich sagte er: „Proud Boys, stand back and stand by“ – haltet euch zurück, aber bleibt zur Verfügung.

    Das löste eine hitzige Diskussion darüber aus, was der Präsident genau damit meinte. Die „Proud Boys“ feierten in den sozialen Medien, dass Trump sie in dem prominenten Fernsehduell direkt angesprochen hat. Die Basketball-Stars Stephen Curry und Lebron James riefen ihre Follower auf Twitter als direkte Reaktion dazu auf, wählen zu gehen.


    Was sagen die Faktenchecker?

    Sowohl Fox-Moderator Chris Wallace als auch Joe Biden hatten bereits im Vorfeld erklärt, dass sie Trump nicht auf Faktenfehler hinweisen wollten. Wallace sah seine Aufgabe eher darin, die Diskussion voranzutreiben, als „den Wahrheitspolizisten zu spielen“, sagte er vor dem Duell. Biden wollte seine Zeit nicht damit verplempern, Trump zu korrigieren, wehrte sich jedoch regelmäßig, wenn Trump aus seiner Sicht Lügen verbreitete.

    Die Faktenchecker hatten alle Hände voll zu tun. Immer wieder wiesen sie auf falsche Behauptungen hin. So ist Trumps Behauptung falsch, dass ein Covid-19-Impfstoff in ein paar Wochen auf den Markt komme. Trump betonte, er würde wegen der Pandemie Wahlkampfveranstaltungen nur im Freien abhalten, was ebenfalls nicht stimmt.

    Auch wiederholte er seine falschen Behauptungen, dass die Briefwahl zu anfällig für Betrug sei. „Trump hat bei der Debatte eine Lawine an wiederholten Lügen losgetreten“, heißt es bei den Faktencheckern von CNN.

    Wie geht es weiter?

    Das TV-Duell der Vizekandidaten steht am 7. Oktober an. Dann treffen der amtierende Vizepräsident Mike Pence und Bidens „Running Mate“ Kamala Harris aufeinander.


    Eigentlich sind für den Oktober noch zwei weitere Debatten zwischen Trump und Biden geplant. Doch nach dem Chaos vom Dienstag diskutiert das politische Amerika derzeit weniger darüber, wer das Duell gewonnen hat.

    Eher steht die Frage im Raum, ob man den Wählern und den Kandidaten noch einmal so ein Event zumuten muss. Inhaltlich konnten die Kandidaten am Dienstag kaum ihre Positionen vermitteln. Über die Charaktere von Trump und Biden ist genug bekannt.

    Wie sich das Duell in den Umfragen auswirken wird, werden die kommenden Tage zeigen. Beobachter gehen nicht davon aus, dass es große Ausschläge geben wird. Biden liegt in den bundesweiten Umfragen seit Wochen vorn. 2016 noch hatten die TV-Duelle Trumps Kampagne gegen Hillary Clinton so sehr beflügelt, dass er letztlich ins Amt gewählt wurde.

    Mehr: TV-Duell im Ausnahmezustand – Das steht für Trump und Biden auf dem Spiel

    Startseite
    Mehr zu: US-Fernsehdebatte - Trump gegen Biden: Die Lehren aus dem „schlimmsten TV-Duell aller Zeiten“
    2 Kommentare zu "US-Fernsehdebatte: Trump gegen Biden: Die Lehren aus dem „schlimmsten TV-Duell aller Zeiten“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wenn Ihnen nicht mehr zu dem Thema einfällt......

    • Joe Biden konnte einem manchmal richtig leid tun. Es sah manchmal sogar so aus, als wuerde er gleich heulen wollen. Es war wie ein Kampf zwischen einem Pitbull und einem alten Terrier.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%