US-Geheimdienste Planspiele um Edward Snowden

Seit dreieinhalb Jahren lebt der ehemalige US-Geheimdienstagent Edward Snowden im Exil in Moskau. Nun berichtet der Sender NBC, Wladimir Putin könnte Snowden zurück in die USA schicken – als Geschenk für Donald Trump.
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Der US-Sender NBC meldete, dass Snowden in die USA ausgeliefert werden könne. Quelle: dpa
Edward Snowden

Der US-Sender NBC meldete, dass Snowden in die USA ausgeliefert werden könne.

(Foto: dpa)

DüsseldorfFür Edward Snowden ist es eine Frage von Leben und Tod. Halten die russischen Behörden weiterhin ihre schützende Hand über den amerikanischen Whistleblower? Oder hat sich die politische Großwetterlage nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA so geändert, dass die Russen Snowden zurück in seine Heimat schicken?

Was den ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiter in den USA erwartet, haben die neuen Machthaber dort bereits beschrieben. „Er ist ein totaler Verräter, und ich würde mit ihm hart umgehen“, sagte Donald Trump. Der neue CIA-Chef Mike Pompeo sprach sich öffentlich für Snowdens Exekution aus.

Vor diesem Hintergrund sendete der US-Sender NBC Freitagnachmittag, dass Snowden in die USA ausgeliefert werden könne. Hohe Geheimdienstmitarbeiter hätten bestätigt, dass man in Russland darüber nachdenke, Snowden in seine Heimat zu zurückzuschicken. Dies gehe aus Geheimdienstberichten hervor, in denen russischen Überlegungen ausgewertet worden seien. Als NBC sich allerdings im Kreml nach diesen Plänen erkundigte, hatte Putins Sprecher Dmitri Peskov nur ein Wort übrig: „Unsinn.“

Snowdens Rechtsvertreter ging sogar noch einen Schritt weiter. „Ich verstehe nicht, warum die Medien ihre Zeit mit so einem Quatsch verschwenden“, sagte Anwalt Robert Tibbo dem Handelsblatt. „Geheimdienste sprechen doch ständig über alle möglichen Szenarien. Natürlich hat man sich in Russland darüber unterhalten, was wohl geschehen würde, wenn man Edward Snowden ausliefert. Aber wer bitte hat sich denn darüber nicht unterhalten, insbesondere seit der Wahl von Donald Trump?“

So tauchte Edward Snowden unter
Edward Snowden in Hongkong
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Nach den ersten Veröffentlichungen von Edward Snowdens streng geheimen Dokumenten, entschied sich der Whistleblower selbst an die Öffentlichkeit zu gehen. In einem Interview im Mira-Hotel in Hongkong erzählte er, warum er die dubiosen Abhörpraktiken der NSA öffentlich gemacht hatte. Sein Gesicht erschien auf unzähligen Fernsehbildschirmen. Snowden musste von nun an befürchten überall erkannt zu werden.

Der Blogger und Journalist Glenn Greenwald
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Das Interview mit Edward Snowden führte der Journalist und Blogger Glenn Greenwald. Er schrieb auch die ersten Artikel über den NSA-Skandal für die englische Zeitung „The Guardian“. Beinahe hätte er jedoch die Geschichte seines Lebens verpasst: Der Journalist hatte anfangs kein Interesse an Snowden und war technisch wohl auch zu unbedarft einige Verschlüsselungsprogramme zu installieren.

Die Dokumentarfilmerin Laura Poitras
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Die Kamera während des Interviews führte die Dokumentarfilmerin Laura Poitras. 2013 hatte Snowden sie kontaktiert, er hätte geheime Dokumente über die Abhörpraktiken der National Security Agency (NSA). Poitras und Greenwald reisten daraufhin gemeinsam nach Hongkong, wo sie mit Snowden sprechen wollten. Doch weder die Journalisten noch der Whistleblower selbst machten sich offenbar darüber Gedanken, was nach der Ausstrahlung der Interviews passieren würde.

Das W-Hotel in Hongkong
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Der Journalist Glenn Greenwald wohnte im W-Hotel. Am Tag nach dem Interview war die Lobby voller Journalisten. Ihr Plan war einfach: Sie wollten Greenwald folgen, um Snowden zu finden. Der Journalist saß fest. Quelle: Starwood Hotels & Resorts

Das Mira-Hotel in Hongkong
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Snowden hatte sich im Mira-Hotel einquartiert, dort nahmen die Journalisten auch das Interview auf. Nach der Ausstrahlung traute sich der Whistleblower nicht mehr vor die Tür. Zu groß war die Gefahr, erkannt zu werden.

Proteste vor US-Konsulat in Hongkong
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Nach Snowdens Enthüllungen kam es auf der ganzen Welt zu Protesten. Die Menschen in Hongkong unterstützten Snowdens Tat und forderten, ihn vor den amerikanischen Behörden zu schützen.

Proteste in Berlin
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Auch in Berlin wurde demonstriert. Viele Deutsche wollten, dass die Bundesrepublik dem Whistleblower Asyl gewährt.

Snowden selbst drehte noch Freitagnacht den Spieß um. Wenn es denn so wäre, dass die russische Seite seine Auslieferung erwäge, dann sei dass der „ultimative Beweis, dass ich nie mit dem russischen Geheimdienst zusammengearbeitet habe“, schrieb Snowden auf Twitter. Kein Land der Welt würde seine Spione herschenken. Sonst müsste doch jeder andere Spion fürchten, dass ihm dasselbe geschehen könne. Und niemand würde mehr mit den Russen zusammenarbeiten.

Der Amerikaner ist deshalb nicht in Sorge. Nach Angaben seines Anwalts gibt es keinerlei Hinweise, dass die Russen seinen Mandanten ausweisen wollen. Im Gegenteil. Tibbo: „Wenn jemand sich mit Fakten beschäftigen will, dann doch bitte mit diesem: Vor dreieinhalb Wochen haben die russischen Behörden das Visum von Edward Snowden bis zum Jahr 2020 verlängert.“

Zur Frage, was Snowden denn nun vorhabe, äußerte sich Tibbo zurückhaltend. Es sei noch immer der Wunsch seines Mandanten, nach Hause zu kommen. Doch das einzige Angebot der USA sei bisher ein Prozess, bei dem Snowden nicht einmal erlaubt sei, die Gründe für sein Verhalten zu erklären. Er dürfe auch keinerlei Beweise vorlegen. Tibbo: „So lange es kein anderes Angebot gibt, bleibt Edward dort, wo er ist.“

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