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US-Handelsdefizit Trumps „America first“ geht nach hinten los

Der US-Präsident muss eine bittere Lektion lernen: Seine Steuerreform und die Strafzölle haben das Handelsdefizit der USA verschärft.
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USA: Donald Trumps „America First
Donald Trump

Für den US-Präsidenten sind die Zahlen ein Rückschlag.

(Foto: AP)

WashingtonFür einen US-Präsidenten, der die Wirtschafts- und Handelspolitik zum Kern seiner Präsidentschaft erkoren hat, sind die jüngsten Entwicklungen zum Import und Export ernüchternd. Ausgerechnet an dem Tag, an dem der US-Autohersteller General Motors einen Standort im Bundesstaat Ohio schloss, gab das Handelsministerium neue, politisch brisante Zahlen heraus. Im Kern lassen sie sich auf vier Erkenntnisse herunterbrechen.

1. Trump bricht ein zentrales Wahlkampfversprechen

Seit Donald Trump vor rund zwei Jahren ins Weiße Haus gezogen ist, ist das Außenhandelsdefizit der USA nicht – wie im Wahlkampf versprochen – gesunken, sondern um mehr als 100 Milliarden US-Dollar geklettert. Das entspricht einem Anstieg von 16 Prozent. Aktuell beträgt das Handelsdefizit 621 Milliarden US-Dollar, der höchste Stand seit zehn Jahren.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr hat sich das Handelsdefizit um 12,5 Prozent erhöht. Die USA haben also erneut deutlich mehr Waren importiert, als sie in andere Länder verkauften – was das genaue Gegenteil von dem ist, was Trump sich auf die Fahnen geschrieben hat.

Trump will die heimische Industrie vor ausländischer Konkurrenz schützen und hat bestimmte Importe zur Gefahr für die nationale Sicherheit erklärt. Strafzölle auf Waschmaschinen, Solarpanels, Stahl und Aluminium sind in Kraft sowie auf chinesische Importe in Höhe von 250 Milliarden US-Dollar. Unter anderem China und die EU haben mit Vergeltungszöllen reagiert. Trumps Regierung erwägt außerdem Strafzölle auf Autos und neuerdings auch auf den Werkstoff Titanschwamm, der im Militärbereich und in Chemiefabriken zum Einsatz kommt.

2. US-Exporte sind gestiegen, wurden aber von Importen überholt

Schaut man sich nur die Warengüter an, abzüglich des Austauschs von Dienstleistungen, beträgt das Handelsdefizit der USA sogar 891,2 Milliarden US-Dollar. Laut US-Medien ist das der höchste Wert in der Geschichte der USA. Die Exportbilanz im Jahr 2018 sieht für die USA im Schnitt eigentlich nicht schlecht aus. Allerdings wurde sie von der Importbilanz überholt. Der Monat Dezember war besonders schwach, da gingen auch die US-Exporte ins Minus.

Im Gesamtjahr stieg die Ausfuhrmenge der USA um 6,3 Prozent, da die mehr Güter, einschließlich Rohöl, Erdölprodukten und Flugzeugmotoren, exportierten. Die Importe stiegen parallel um 7,5 Prozent, etwa in den Bereichen Arzneimittel, Konsumwaren und Computer.

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3. Auch das US-Handelsdefizit mit China und Europa ist geklettert

Die Zahlen erscheinen zu einem Zeitpunkt, an dem die sensiblen Handelsgespräche mit China in die entscheidende Phase gehen. Auch die Gespräche über ein Industriezollabkommen mit der EU sollen in diesen Tagen wieder an Fahrt aufnehmen.

Trump, der Handelsdefizite mit einzelnen Regionen ins Zentrum seines protektionistischen Kurses gerückt hat, dürfte nicht erfreut sein. Die Lücke zwischen den Gütern, die die Vereinigten Staaten an China verkaufen, und jenen, die China an die USA verkauft, stieg auf einen Rekordwert von 419 Milliarden Dollar – fast die Hälfte des Gesamtwertes. China ist damit Spitzenreiter, gefolgt von der EU (169,3 Milliarden US-Dollar) und Mexiko (81,5 Milliarden US-Dollar).

Der Importüberschuss der EU ist erneut angestiegen, im vergangenen Jahr um 17,9 Milliarden US-Dollar. Das Handelsdefizit der USA mit der EU hat sich demnach verschärft. Auf dem vierten Platz liegt Deutschland mit 68,3 Milliarden US-Dollar.

Einen Jahresschnitt für Deutschland gab die US-Regierung zunächst nicht heraus. Allein für den Monat Dezember allerdings kletterte das amerikanisch-deutsche Handelsdefizit um 5,7 Milliarden US-Dollar. Rechnet man Dienstleistungen mit ein, dürften die Zahlen niedriger ausfallen. Bislang wurden sie noch nicht veröffentlicht.

Der Kontext zeigt, dass die US-Exporte nach Europa ebenfalls angestiegen sind, um 35,4 Milliarden US-Dollar. Allerdings konnten sie mit dem Tempo der Importe nicht mithalten – unter dem Strich fällt die Außenhandelsbilanz für Trump also auch in diesem Bereich negativ aus.

4. Trumps Reformen haben die Situation verschärft

Die Gründe für den gestiegenen Importüberschuss sind komplex. Trumps Steuersenkungen in Höhe von 1,5 Billionen US-Dollar haben die Binnenwirtschaft und die Nachfrage nach Produkten aus dem Ausland angekurbelt. Die Wirtschaft boomt, Arbeitslosenzahlen sinken, Löhne steigen – aber die Entwicklung hat ihren Preis: Unternehmen investieren und Bürger konsumieren mehr, vor allem Waren aus dem Ausland.

Wie das „Wall Street Journal” in einer Analyse beschreibt, musste die Regierung mehr Dollar leihen, um die Steuersenkungen zu bezahlen. Ein Teil davon stammte von ausländischen Investoren, die wiederum mehr Waren und Dienstleistungen in die USA verkauften, was die Handelslücke zusätzlich vergrößerte.

Eine Nebenwirkung des Handelskriegs war im vergangenen Jahr, dass manche Produkte eilig und massenhaft in die USA verschifft wurden, um möglichen neuen Strafzöllen zuvorzukommen. Gleichzeitig drosselten chinesische Vergeltungszölle US-Ausfuhren im Agrarbereich. Die US-Exporte von Sojabohnen sanken um 20 Prozent auf den niedrigsten Stand seit neun Jahren. Parallel belastete der starke Dollar die US-Exporte und erschwerte den Wettbewerb mit ausländischen Rivalen. Über allem schwebt die weltweit nachlassende Nachfrage, was sich ebenfalls auf US-Exporte ausgewirkt haben dürfte. Der Wirtschaftsexperte Gregory Daco vom Institut Oxford Economy twitterte: „Das Handelsdefizit geht auf eine fiskalisch stimulierte US-Wirtschaft zurück, eine langsamere Weltwirtschaft und den stärkeren Dollar.“

Rückschlag für Trump

Ganz überraschend kommt die Entwicklung für viele US-Ökonomen nicht. „Die Makroökonomie entscheidet über das Handelsdefizit. Man kann es nicht einfach wegzaubern“, sagte Handelsexperte William Reinsch von der Denkfabrik Center for Strategic and International Studies der „Washington Post“.

Für Trump sind die Zahlen ein Rückschlag. Er will im kommenden Jahr die Präsidentschaftswahlen erneut gewinnen, doch zwei seiner Kernversprechen – der Mauerbau zu Mexiko und die Reduzierung des Handelsdefizits – hat er bislang nicht erreicht.

Das Weiße Haus bemühte sich am Mittwoch, die Verdienste der US-Regierung in den Vordergrund zu stellen. Es verschickte eine Mitteilung von Trumps Handelsberater, dem Hardliner Peter Navarro: „Am 20. Januar 2017 erbte die Trump-Regierung ein zerbrochenes globales Handelssystem“, schrieb er. „In den ersten zwei Jahren hat die Trump-Regierung diese Situation rasch umgedreht.“

Tatsächlich kann Trump, neben der nach wie vor starken Binnenwirtschaft, immerhin eine Errungenschaft im Handelskurs für sich verbuchen: Er hat es durch das Druckmittel Strafzölle geschafft, eine Reihe von neuen Handelsabkommen abzuschließen oder in Bewegung zu setzen.

Unklar ist, wie sich die schlechten Nachrichten auf Trumps Handelskurs auswirken. Dem US-Präsidenten könnte nun noch mehr daran gelegen sein, Konflikte mit seinen Handelspartnern aufzulösen. Oder aber er setzt konsequenter denn je auf seine „America first“-Politik. Zuletzt sendete Trump Signale, dass er Strafzölle als Druckmittel weiterhin für sinnvoll hält. Sollte sich etwa die EU in den Gesprächen über ein Industriezollabkommen nicht bewegen, „werden wir die Hölle an Strafzöllen verhängen“, drohte Trump. Er bezeichnete Strafzölle als „das beste Verhandlungsinstrument in der Geschichte der USA“.

Diese Woche halten sich die EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström und EU-Generalsekretär Martin Selmayr in Washington auf. Dort treffen sie unter anderem den US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer.

Die Gespräche über ein transatlantisches Industriezollabkommen waren zuletzt ins Stocken geraten. Washington drängt die EU, den Agrarsektor zu öffnen, was Brüssel ablehnt. Die EU befürchtet, dass Washington das Szenario von Autozöllen als Machthebel in den Gesprächen einsetzen werde.

Die Gespräche mit China scheinen hingegen voranzugehen. Bereits Ende März könnten Trump und der chinesische Präsident Xi Jinping ein Abkommen unterzeichnen. Laut US-Medien könnte Xi dafür Trump in dessen Feriensitz Mar-a-Lago besuchen, auf dem Rückweg von einer Europareise.

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5 Kommentare zu "US-Handelsdefizit: Trumps „America first“ geht nach hinten los"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich habe schon mehrfach geschrieben: "Trump gibt sich die größte Mühe, seine Wirtschaft kaputt zu machen", nun dämmert langsam, dass er das auch schafft. Er denkt Mikroökonomisch und kapiert nicht die Makroökonomie. Die Welt folgt eben eher Adam Smith und David Ricardo und nicht Karl Marx oder John Maynard Keynes.


    Die Geschichte der Menschheit zeigt, dass was seriöse Politiker über Jahre aufbauen, kann mit erratischem Handeln in kurzer Zeit wieder eingerissen werden. Zur prosperierenden Wirtschaft gehört fair play und Achtung der Partner - nicht polternde Beschimpfungen und Säbelrasseln.

  • Man merkt eindeutig: Frau Meiritz ist ein glühender Anhänger von Herrn Trump. Was der von den Demokraten verhinderte Mauerbau mit der Überschrift des Artikels zu tun hat, erschließt sich mir nicht.

  • Teil 2
    Wie hat den Trump im Anfang seiner Amtszeit auf Nord Korea reagiert, als Kim Tests mit Nuklearen Raketen gemacht hatte? Ja mit Vergeltung, Hass und Zorn. Und jetzt will er es im Guten versuchen, und der Westen hat nichts anderes zu tun um auch das schlecht zu reden. Was will der Westen vor allem die EU? Lieber einen Nuklear Krieg in kaufnehmen als von alten verstaubten Weltbildern abzulassen.
    Ich finde „Amerika First“ gut, das sollten wir hier auch zu Herzen nehmen und daraus „Germany First“ machen.

  • Ich kann es einfach nicht mehr hören.
    Ich glaube nicht dass der so blöd ist. Glaubt den irgendjemand daran dass die Amerikaner den Trump gewählt haben und dann sagen: „Man wie dumm waren wir, da haben wir doch einen Blöden Präsidenten gewählt und jetzt müssen wir uns damit abfinden“. Gerade die Amis die nichts dem Zufall überlassen, und überall ihre Finger im speil haben.
    Das Problem hier ist doch, dass das Weltbild zerstört wurde. Der Russe ist der Böse der Ami der Gute.
    Uns wurde dieses immer und immer wieder eingetrichtert durch die Medien.
    Er kommt mit Putin zusammen, präsentiert dem Westen ein freundschaftliches zusammen, und schon wird gesagt die Wahlen in den USA wurden von den Russen beeinflusst.
    Er versucht eine Mauer zu errichten(im Westen werden sofort parallelen mit der DDR gezogen)er will die ganzen Drogenkartelle und illegalen Einwanderer (auch wenn die USA ein Einwanderungsland sind) unter Kontrolle halten. Die Grenzen zu Mexiko werden sowieso mit Hightech überwacht. Die Anschaffungen und Aufrüstung haben damals der Obama und die Vorgänger eingeführt.
    Er streckt seine Hand nach Nord Korea und will einen Nuklear Krieg verhindern, und die Medien knüppeln immer nur drauf.
    Wo ist denn die EU bei den Verhandlungen mit Nord Korea? Bei diesem heiklen Thema geht es um die Welt, da müssen alle am gleiche Strang ziehen auch die EU. Aber da gibt es bei uns ja kein Geld zu holen, wie bei dem Thema Umwelt.
    Wenn er Truppen aus Kriegsgebieten abzieht, macht er das zu Recht. Die USA sendet immer den größten Anteil an Truppen in Kriegsgebiete, während die EU sich gering beteiligt, in unserem Fall nur mit Geldern.
    Teil 1

  • Ich wußte doch gleich dass der zu dumm ist um ein Land wie dei USA zu regieren.

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