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US-Medienberichte Neuer Zwischenfall im Golf: Iranische Kräfte wollten angeblich britischen Öltanker kapern

Die Besatzung mehrerer Boote hat den Tanker „British Heritage“ bedroht. Ein Schiff der britischen Marine konnte einen Angriff verhindern. Der Iran dementiert.
Update: 11.07.2019 - 07:38 Uhr Kommentieren

Iranische Boote versuchen, britischen Öltanker zu stoppen

Washington Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden haben laut US-Medienberichten versucht, im Persischen Golf einen britischen Tanker zu kapern. Die US-Fernsehsender CNN und Fox News berichten, es hätten sich fünf bewaffnete Boote der iranischen Revolutionsgarden dem britischen Tanker nahe der Straße von Hormus genähert. CNN meldete, die Iraner hätten den britischen Tanker aufgefordert, seinen Kurs zu ändern und iranisches Gewässer anzusteuern.

Das britische Begleitschiff HMS Montrose der UK Royal Navy hätte den Tanker mit einem Abstand von knappen acht Kilometer begleitet, anschließend seine Feuerwaffen auf die iranischen Boote gerichtet und mit der Drohung das Feuer zu eröffnen zurückgedrängt. Britische Regierungssprecher hatten zuvor bereits bestätigt, dass das Schiff in der Straße von Hormus eine „maritime Sicherheitsrolle“ spiele.

CNN und Fox News berufen sich dabei auf zwei US-Regierungsmitglieder, die wohl direkte Kenntnis des Vorfalls haben sollen. Am Donnerstagmorgen bestätigte ein Sprecher der britischen Regierung den Zwischenfall: „Entgegen internationalem Recht versuchten drei iranische Schiffe, die Durchfahrt eines Handelsschiffes, der „British Heritage“, in der Straße von Hormus zu behindern.“

In der Erklärung des britischen Verteidigungsministeriums hieß es dazu: „Die „HMS Montrose“ war gezwungen, sich zwischen die iranischen Boote und die „British Heritage“ zu positionieren und verbale Warnungen an die Boote abzugeben.“ Die iranischen Schiffe hätten daraufhin abgedreht. „Wir sind über diese Aktion beunruhigt und fordern die iranischen Behörden weiterhin dringend auf, die Situation in der Region zu deeskalieren“ hieß es weiter.

Irans Außenminister Mohamed Dschawad Sarif kritisiert die Berichte scharf: „Das Ziel solcher wertlosen Unterstellungen ist lediglich, Spannungen zu provozieren.“ Die iranischen Revolutionsgarden haben die Vorwürfe ebenso zurückgewiesen: „In den vergangenen 24 Stunden hatten wir in der Straße von Hormus keinen Zwischenfall mit ausländischen Schiffen, auch nicht mit einem britischen“, erklärten die Revolutionsgarden diesen Donnerstag auf ihrer Webseite.

Laut CNN und Fox gebe es Luftaufnahmen des Zwischenfalls, die ein US-amerikanisches Aufklärungsflugzeug angefertigt habe. Ein Sprecher des US Central Command, das die US-Truppen im Nahen Osten führt, erklärte auf Anfrage, man kenne die Berichte über den Versuch der iranischen Revolutionsgarden, den britischen Tanker zu drangsalieren. Er betonte, Bedrohungen für die internationale Schifffahrt bedürften einer internationalen Lösung. Die Weltwirtschaft sei abhängig von freien Handelswegen, und es sei an allen Nationen, diese zu sichern.

Aus US-Regierungskreisen hieß es ebenfalls: „Uns sind Berichte bekannt, wonach iranische Boote versucht haben, einen britischen Öltanker zu beschlagnahmen.“ Die USA arbeiteten weiter mit Verbündeten und Partnern zusammen, um gegen die „bösartigen Aktivitäten“ der iranischen Führung anzugehen und den globalen Handel zu schützen.

Das US-Verteidigungsministerium hatte zuvor angekündigt, Pläne für eine internationale Koalition zum Schutz von Handelsschiffen vorantreiben zu wollen. Das Pentagon habe dazu einen konkreten Plan entworfen. Laut US-Generalstabschef Jospeh Dunford sehe der Plan unter anderem den Geleitschutz von passierenden Tankern durch Militärschiffe vor. In ein paar Wochen werde feststehen, welche Länder sich dem Bündnis anschließen wollten.

22 Millionen Barrel Öl pro Tag

Die betroffene Meerenge, die Straße von Hormus, ist eine der wichtigsten Seestraßen überhaupt. Sie verbindet die ölreiche Golfregion mit dem offenen Meer. Über die Strecke läuft ein großer Teil des weltweiten Öltransports per Schiff – knappe 22 Millionen Barrel Öl werden täglich über die Straße von Hormus transportiert.

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hatte Großbritannien zuvor wegen des Stopps eines iranischen Öltankers an anderer Stelle – vor Gibraltar an der Südspitze Spaniens – mit Konsequenzen gedroht. „Der Stopp des Supertankers durch die Briten war ein Fehler und dumm (...). Wir müssen uns alle dafür einsetzen, dass die internationale Schifffahrt sicher bleibt und sie nicht mit solchen Aktionen unsicher machen“, sagte Ruhani am Mittwoch. Großbritannien solle dies beherzigen, „um später nicht die Konsequenzen zu tragen“.

Der iranische Supertanker „Grace 1“ war in der vergangenen Woche vor Gibraltar wegen des Verdachts illegaler Öllieferungen für Syrien gestoppt worden. Auch die britische Marine war an der Aktion beteiligt. Der Iran protestierte, bestellte dreimal den britischen Botschafter in Teheran ein und forderte, das Schiff sofort weiterfahren zu lassen. Der Oberste Gerichtshof des britischen Überseegebietes hat inzwischen angeordnet, dass das Schiff mindestens bis zum 21. Juli nicht wieder auslaufen darf.

Im Juni hatte es im Golf von Oman bereits mysteriöse Zwischenfälle mit zwei Tankern gegeben, auch eine amerikanische Drohne soll abgeschossen worden sein. Die US-Regierung machte dafür den Iran verantwortlich, die Führung in Teheran bestritt die Vorwürfe. Die Vorfälle schürten international Ängste vor einer militärischen Eskalation zwischen beiden Staaten.

Eine Entspannung in dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist derzeit dementsprechend nicht in Sicht. US-Präsident Donald Trump hatte der Führung in Teheran am Mittwoch mit einer weiteren Verschärfung der Sanktionen gedroht und ihr vorgeworfen, sie reichere seit langem heimlich Uran an.

Das internationale Atomabkommen von 2015 sollte den Iran am Bau einer Atombombe hindern und zugleich dessen politische und wirtschaftliche Isolation beenden. Aus Sicht der Trump-Regierung wurde der Iran aber durch den Deal nicht dauerhaft an der Entwicklung von Nuklearwaffen gehindert. Die USA scherten im Mai 2018 einseitig aus dem Abkommen aus und setzten scharfe Sanktionen gegen Teheran wieder in Kraft. Teheran hatte zuletzt höhere Uranvorräte als erlaubt. Auch die zulässige Obergrenze bei der Anreicherung des Urans wurde jüngst überschritten. Der Iran bestreitet allerdings, Atomwaffen bauen zu wollen.

Mehr: Mit einer Koalition aus mehreren Nationen wollen die USA ihre Handelsschiffe vor möglichen iranischen Bedrohungen schützen.

  • dpa
  • rtr
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