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Feuer in Kalifornien

Die Hitzewelle sorgt in Kalifornien für katastrophale Zustände.

(Foto: AP)

US-Newsletter „Zukunftslabor USA" Der Kampf gegen den Klimawandel ist Bidens größte Herausforderung

Feuerwalzen wüten an der US-Westküste, in den Metropolen des Ostens dampft der Asphalt: Hitzewellen machen den Klimawandel greifbar. US-Präsident Biden läuft die Zeit für eine Energiewende davon. 
14.07.2021 - 02:54 Uhr Kommentieren

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser, 

in Washington wurde man zum Wochenbeginn von einem Alarmton auf dem Mobiltelefon geweckt. Normalerweise informiert die US-Hauptstadt durch ein automatisches Warnsystem vor Gewittern oder Überschwemmungen, in seltenen Fällen auch vor einem Tornado. Doch dieses Mal war es ein „Heat Emergency”, den Washington das dritte Mal in Folge ausrief. Das ist eine Warnung vor hohen Temperaturen um die 35 Grad, die auch in der Nacht kaum sinken wollen.

Zwar sind schwüle, heiße Sommer in Washington nichts neues, aber in diesem Jahr häufen sich die Meldungen. Sogenannte „Cooling Centers”, in denen sich Wohnungslose vor brummenden Klimaanlagen abkühlen können, sind rund um die Uhr geöffnet, im Zoo und auf Spielplätzen stehen Menschen mit geschlossenen Augen unter Sprinkleranlagen.

Die Hitzewelle im Westen der USA, Tausende Meilen entfernt, macht sich in abgeschwächter Form auch an der Ostküste bemerkbar. Mein Kollege Axel Postinett in San Francisco hat beobachtet, wie sich die extreme Dürre und Waldbrände auf das Leben in Kalifornien, auf Landwirtschaft und Stromversorgung auswirken - eine lesenswerte Reportage

An gekühlten Orten sollen sich die Bürger vor der Hitze schützen können. Quelle: Bloomberg
California Booth in Kalifornien

An gekühlten Orten sollen sich die Bürger vor der Hitze schützen können.

(Foto: Bloomberg)

Die Feuerwalzen im Westen und dampfender Asphalt in den Metropolen des Ostens führen die Gefahren von Hitzewellen vor Augen - nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Natürlich ist nicht jedes Unwetter auf den Klimawandel zurückzuführen, aber die menschengemachte Erderwärmung fördert nachweislich extreme Wetterphänomene.

So gab es im vergangenen Jahr in den USA so viele Wetter- und Klimakatastrophen wie noch nie, schreibt die Behörde National Centers for Environmental Information (NCEI). Tropische Wirbelstürme, Dürren, Waldbrände oder Überschwemmungen hätten die USA allein im Jahr 2020 insgesamt 95 Milliarden US-Dollar gekostet. Die Tendenz ist steigend, Jahrzehnt um Jahrzehnt, wie diese Zahlen zeigen: 

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Für Joe Biden, der als Klima-Präsident ins Weiße Haus zog, wird der Kampf gegen den Klimawandel zur größten Herausforderung seiner Amtszeit. Normalerweise würde Biden in den heißen Monaten öfter mit seinen Markenzeichen - Sonnenbrille auf der Nase, Eiscreme in der Waffel - fotografiert werden. Doch die Leichtigkeit des Sommers ist dahin, dem Präsidenten steht ein frustrierendes Ringen um ein Infrastrukturpaket bevor, das nur einen kleinen Teil seiner Klimaziele enthält. Für den Moment ist noch nicht einmal klar, ob sich der US-Kongress überhaupt auf eine Reform einigen kann - geschweige denn, auf einen großen Wurf für den Klimaschutz. 

China steht Bidens Klimazielen im Weg

Versprochen hatte Biden eine grüne Energiewende in den USA, auch vor internationalen Partnern. Doch in seiner Heimat könnte er an seinen eigenen Ansprüchen scheitern. Bidens Demokraten halten im Kongress nur knappe Mehrheiten, und manche Moderate warnen vor einem schnellen Ausstieg aus fossilen Energien. Auch von Links gerät Biden unter Druck: Über 40 progressive Gruppen haben einen Brandbrief ans Weiße Haus geschickt. Darin fordern die Aktivisten den Präsidenten auf, beim Klimawandel der Zusammenarbeit mit China Priorität einzuräumen. Oder anders ausgedrückt: Washington solle bei Pekings Menschenrechtsverletzungen und Unterdrückung demokratischer Bewegungen ein Auge zudrücken - zugunsten gemeinsamer Interessen.   

Den Einfluss der Aktivisten sollten man nicht unterschätzen. Biden gewann auch deshalb die Wahlen, weil Graswurzel-Organisationen für ihn mobilisierten. Sollte der Präsident keine Billionen für Klimaschutz, Steuererhöhungen und durchsetzen können, ist Widerstand garantiert. 

Doch aktuell denkt Biden gar nicht daran, weicher gegenüber China aufzutreten, im Gegenteil: In vielen Bereichen verschärft er den harten Kurs seines Vorgängers Donald Trump. Vor einigen Tagen setzte die US-Regierung 14 weitere Unternehmen aus der Privinz Xinjiang auf eine sogenannte Entity List - das ist eine schwarze Liste, die chinesische Firmen vom amerikanischen Markt fernhält. Vor wenigen Wochen hatte Washington bereits einen Teil der Solarimporte aus der Xinjiang blockiert.

Die jüngsten Maßnahmen könnten erst der Anfang einer Reihe weiterer Strafen sein, mit denen Biden gegen China vorgehen will. Laut der „Financial Times” arbeitet die US-Regierung erstmals an einer Warnung vor Geschäftsbeziehungen nach Hongkong. Auch neue Sanktionen, so die Zeitung, seien in der Diskussion.  

Merkels Abschiedsbesuch in den USA

Der China-Komplex dürfte auch beim Besuch der Bundeskanzlerin in Washington an diesem Donnerstag Thema sein. Biden drängt auf eine geschlossene transatlantische Front gegenüber China. Einige Länder, allen voran Deutschland, sind jedoch besorgt, dass zu viel Abgrenzung Handel und Investitionen mit Peking gefährden könnte.

Mein Kollege Moritz Koch argumentiert in einem interessanten Kommentar, dass sich die deutsche Wirtschaft auf eine Distanzierung von China einstellen muss. Allerdings nicht primär, weil die USA darauf drängen, sondern weil Peking selbst dafür sorgt.

Der US-Präsident empfängt Angela Merkel als erste Regierungschefin aus Europa in seiner Amtszeit. „Biden ist Transatlantiker mit Herz und Verstand” sagt Dan Hamilton, Europa-Experte an der Washingtoner Denkfabrik Wilson Center (der übrigens fließend Deutsch spricht). „Sein nüchterner Stil, sein Betonen von konstanter Politik, das verbindet ihn mit Merkel. Beide sind sich nicht unähnlich.”

Angela Merkels Gespräche mit Trump vor drei Jahren liefen frostig ab, jetzt wollen Washington und Berlin auch vor Kameras einen Neustart demonstrieren. Biden und Merkel werden öffentlich auftreten, vermutlich im Rosengarten des Weißen Hauses, angedacht ist auch ein abendliches Bankett.

Für Merkel, die nach den Bundestagswahlen das Kanzleramt verlassen will, ist es wohl die letzte USA-Reise im Amt. „Sie könnte natürlich danach alle möglichen Aufgaben auf internationaler Bühne übernehmen”, meint Hamilton. „Ich habe aber aktuell nicht den Eindruck, dass sie das will.” 

Ich werde am Donnerstag die Kanzlerin so dicht wie möglich in Washington begleiten - und meine Beobachtungen mit Ihnen teilen. Nächste Woche begrüßt Sie hier meine Kollegin Astrid Dörner. Bleiben Sie uns gewogen, herzliche Grüße, Ihre Annett Meiritz

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