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US-Newsletter „Zukunftslabor USA“ Joe Biden steckt im Patent-Dilemma – Elon Musk versucht sich als Talkshow-Gastgeber

Der Newsletter „Zukunftslabor USA“ greift Trends, Tabubrüche, Ideen und Experimente aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten auf. Er zeigt, was diese für Deutschland und Europa bedeuten.
05.05.2021 - 14:58 Uhr Kommentieren
Der Tesla-CEO war einmaliger Gastgeber der satirischen TV-Show „Saturday Night Live“. Quelle: Reuters
Elon Musk

Der Tesla-CEO war einmaliger Gastgeber der satirischen TV-Show „Saturday Night Live“.

(Foto: Reuters)

New York Als der österreichische Nationalökonom Joseph Schumpeter Anfang des vorigen Jahrhunderts die wirtschaftliche Entwicklung als einen Prozess schöpferischer Zerstörung beschrieb, billigte er den dynamischen Unternehmern als Lohn für ihre Pionierarbeit einen befristeten Extraprofit zu. Dieser Pioniergewinn, so zumindest Schumpeters Theorie, werde durch den Wettbewerb der Nachahmer sukzessive wieder verschwinden.

Wie aktuell Schumpeters Gedanken sind, zeigt sich gerade in der Debatte über den Patentschutz für die Corona-Impfstoffe. Hier geht es um die Streitfrage, ob Pharmaunternehmen wie Biontech, Pfizer, Moderna, Johnson & Johnson und AstraZeneca für ihre enorme Pionierarbeit bei der Impfstoffentwicklung selbst dann durch den staatlichen Patentschutz finanziell belohnt werden sollten, wenn die Welt gegen eine tödliche Pandemie kämpft und so viel Impfstoffe wie möglich braucht.

Die Debatte darüber tobt rund um den Globus. Indien und Südafrika drängen zusammen mit rund 60 weiteren Ländern bei der Welthandelsorganisation WTO darauf, dass der Patentschutz schnell gelockert wird, damit Generika der Impfstoffe von Drittanbietern zügig produziert werden können. Heute und morgen steht das Thema erneut auf der WTO-Agenda.

Besonders heftig wird der Streit jedoch in Amerika ausgetragen, und das hat mehrere Gründe: Zum einen hat die Regierung in Washington mit ihrer Initiative „Warp Speed“ dafür gesorgt, dass drei der fünf Pionierunternehmen aus dem „Zukunftslabor USA“ kommen. Zum anderen haben die USA mit Joe Biden einen Präsidenten, der einerseits das lädierte Image Amerikas in der Welt reparieren, andererseits die „America-First“-Politik seines Vorgängers Trump aber nicht ganz aufgeben will.

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    Die dramatische Corona-Welle in Indien und das Hilfsersuchen des indischen Premier Narenda Modi stürzt Biden in ein dreifaches Dilemma: Moralisch steht er unter Druck, den Indern schnell zu helfen, ohne dass dadurch seine coronamüden Landsleute zu kurz kommen.

    Indien steuert auf 20 Millionen Corona-Infektionen zu. Quelle: Reuters
    Indiens Premierminister Narendra Modi

    Indien steuert auf 20 Millionen Corona-Infektionen zu.

    (Foto: Reuters)

    Ökonomisch muss er die Interessen der amerikanischen Pionierunternehmen und ihrer Mitarbeiter schützen. Politisch muss er den strategischen Partner Indien ebenso im Blick haben, wie das Risiko, dass durch eine schnelle Lockerung des Patentschutzes das geistige Eigentum von „Uncle Sam“ in die Hände des Rivalen China fällt.

    Der Streit darüber spaltet nicht nur das politische Amerika. Papst Franziskus ist für eine Lockerung des Patentschutzes. Microsoft-Gründer und Wohltäter Bill Gates ist strikt dagegen.

    Der medizinische Berater des US-Präsidenten, Dr. Antony Fauci, plädiert dafür, die Produktionstechnologien der US-Pharmafirmen mit ärmeren Ländern zu teilen. Die US-Handelsbeauftragte Katherine Tai scheint eher zu einer befristeten Lockerung des Patentschutzes zu neigen.

    Die Juristin und US-Handelsbeauftragte fordert Opferbereitschaft in der Krise. Quelle: Reuters
    Katherine Tai

    Die Juristin und US-Handelsbeauftragte fordert Opferbereitschaft in der Krise.

    (Foto: Reuters)

    „In Krisenzeiten müssen die höchsten Standards an Mut und Opferbereitschaft von uns verlangt werden. Das Gleiche muss von der Industrie verlangt werden“, sagte Tai auf einer virtuellen WTO-Konferenz. Biden selbst hat sich noch nicht entschieden. Im Wahlkampf hatte er versprochen, den Zugang zu Corona-Impfstoffen mit der Welt zu teilen, sollten die Vakzine in den USA zuerst entwickelt werden.

    Die Pioniere der Pharmaindustrie warnen davor, den Patentschutz in der Pandemie aufzuweichen. Nicht nur, weil sie um den Lohn für ihre bisherigen und zukünftigen Forschungsanstrengungen fürchten. „Das Patentrecht allein ist noch keine Lösung“, sagt Biontech-Gründer Uğur Şahin.

    Wichtiger sei die Qualitätskontrolle bei der Produktion, die sich besser durch Kooperationen als durch die Aufgabe von Patentrechten sichern ließe. Vor allem die Produktion der neuartigen mRNA-Impfstoffe ist nach Meinung von Experten so komplex, dass eine Lockerung der Patentrechte die Impfstoff-Engpässe nicht lösen würden.

    Nicht nur aus moralischen Gründen, sondern auch im eigenen Interesse müssen die reichen Länder an einer schnellen Impfkampagne rund um den Globus interessiert sein. Wirklichen Schutz gibt es nur, wenn überall geimpft wird. Eine Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie etwa durch Technologietransfer, Lizenzvergaben und Impfstoffallianzen scheint dafür erfolgversprechender zu sein als ein politisierter Grundsatzstreit um Patente.

    Frage der Woche

    Sollen sich CEOs mehr politisch einmischen?
    Es antworten: Jeffrey Sonnenfeld, Professor für Management an der Yale University und Jörg Rocholl, Präsident der European School of Management an Technology (ESMT) in Berlin.
    Jeffrey Sonnenfeld: „Wenn es um fundamentale Themen für das Überleben unserer Demokratie geht, muss jede Führungskraft klar Farbe bekennen. Da gibt es keinen goldenen Mittelweg, auf dem man einem Bekenntnis ausweichen könnte. Schweigen ist auch für Unternehmen keine Alternative mehr, weil es den Status Quo bestätigen würde. Wirtschaftsführer haben die Pflicht, Stellung zu beziehen.

    Jörg Rocholl: „Der Trend zum politischen CEO kommt aus den USA und hat mehr Schwung bekommen. Aber auch in Deutschland, Europa und anderen Teilen der Welt sind die Erwartungen von Kunden, Mitarbeitern und Kapitalgebern an den CEO gestiegen, sich politisch einzubringen. Es gibt aber auch eine gewisse Angst davor, öffentlich Flagge zu zeigen. Das ist oft ein sehr schwieriger Abwägungsprozess, und es ist nicht leicht, konsistent und glaubwürdig zu bleiben. Der Weg vom Hero zum Zero ist manchmal sehr kurz.“

    What's next

    Im Rahmen der Innovation Week des Handelsblatts gibt es noch zwei hochkarätige Veranstaltungen:

    Am Donnerstag, den 6. Mai um 11 Uhr können Sie live dabei sein, wenn VW-CEO Herbert Diess von Chefredakteur Sebastian Matthes für seinen Podcast „Handelsblatt Disrupt“ interviewt wird. Hier können Sie sich registrieren.

    Am Freitag, den 7. Mai um 11 Uhr folgt der Innovation Summit mit hochkarätigen Gästen wie Trumpf-CEO Nicola Leibinger-Kammüller, Adidas-CEO Kaspar Rorsted und den Präsidenten des Bundesverbands Deutscher Start-ups Christian Miele. Hier können Sie sich anmelden.

    Kurz & Bündig

    Beta-Ebene

    Vorsicht Satire: Elon Musk wird lustig

    Der 49-jährige Gründer von Tesla und Space X erfindet sich wieder einmal neu: Nächsten Samstag wird Elon Musk Gastgeber der satirischen TV-Show „Saturday Night Live“ im US-Fernsehen sein. Die Show leidet in ihrem 46. Jahr unter Zuschauerschwund und versucht mit Promis Quoten zu machen.

    Ob der Exzentriker Musk dafür der Richtige ist, ist umstritten. Auf Twitter hat Musk seine Follower schon mal um witzige Vorschläge gebeten. Er selbst will offenbar als „Irony Man“ mit den Waffen der Ironie seine Kritiker schlagen. Davon gibt es einige. Nicht nur die Fans der legendären Show, sondern auch einige ihrer Mitarbeiter finden den Auftritt des Milliardärs Musk gar nicht witzig.

    Mehr: Joe Biden legt neue Impfziele für die USA fest

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