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US-Newsletter „Zukunftslabor USA“ Wie die Fed und die EZB einen neuen Kompass für die Geldpolitik suchen

Die Fed versucht mit einer neuen aber riskanten geldpolitischen Strategie die Inflationserwartungen wieder ins Lot zu bringen. Ist die EZB ebenso experimentierfreudig?
09.06.2021 - 14:14 Uhr Kommentieren
Die beiden wichtigsten Notenbanken der Welt bestimmen ihren Kurs neu. Quelle: AP
EZB-Chefin Christine Lagarde und Fed-Chef Jay Powell

Die beiden wichtigsten Notenbanken der Welt bestimmen ihren Kurs neu.

(Foto: AP)

Berlin Seit Jahrzehnten gibt es in der Geldpolitik der Notenbanken eine eingespielte transatlantische Arbeitsteilung: Die amerikanische Federal Reserve (Fed) geht voran, die Europäische Zentralbank (EZB) folgt – mal zügig, mal widerwillig, mal zu spät.

Das war nach der Finanzkrise 2008 so, als die Fed als erste ihre unkonventionellen „Waffen“ einsetzte, um die Rezession abzumildern. Das war zu Beginn der Pandemie so, als EZB und Fed fast synchron die geldpolitischen Zügel lockerten.

Und das war auch so, als die US-Notenbanker im August letzten Jahres eine neue Strategie präsentierten, um ihr duales Mandat aus stabilen Preisen und maximaler Beschäftigung zu erfüllen. Die europäischen Zentralbanker wollen ihren geldpolitischen Kompass in den nächsten Wochen neu ausrichten.

Für den wirtschaftlich interessierten Zeitgenossen ist das deshalb wichtig, weil die neue Kursbestimmung der beiden wichtigsten Notenbanken der Welt in eine Zeit höchster Unsicherheit fällt. Der rapide wirtschaftliche Aufschwung nach der Pandemie hat auf vielen Märkten für einen Preisschub gesorgt, weil das lange vom Lockdown eingeschränkte Angebot sich nicht schnell genug an die aufgestaute Nachfrage anpassen kann.

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Standort erkennen

    Fed-Chef Jay Powell und EZB-Chefin Christine Lagarde müssen nun den richtigen Zeitpunkt finden, um vom geldpolitischen Gaspedal auf die Inflationsbremse zu wechseln. Ein guter Kompass wäre da sehr hilfreich. In der Geldpolitik ist es jedoch, wie auf hoher See: Bevor man weiß, wohin man will, muss man wissen, wo man ist.

    Grafik

    Den aktuellen Standort der Wirtschaft zu bestimmen, ist jedoch nicht so einfach. Normalerweise behelfen sich die Notenbanker mit einer simplen Idee und fragen: Wie weit ist die Wirtschaft noch von einer Vollauslastung entfernt?

    Wenn man diesen sogenannten „Output Gap“ kennt, bekommt man eine ganz gute Vorstellung davon, wie stark die Wirtschaft noch wachsen kann, ohne dass der Konjunkturmotor überhitzt und damit auch die Inflation heißläuft.

    Die Schätzungen des potenziellen Bruttoinlandsprodukts könnten ungenau sein, und es könnte sein, dass das Haushaltsbüro des Kongresses (CBO) das potenzielle Bruttoinlandsprodukt und die Produktionslücke unterschätzt. Larry Summers, früherer US-Finanzminister

    Sie merken schon, dass dies nicht wirklich eine Antwort auf das Standort-Dilemma ist, weil die Produktionslücke ja die Kenntnis des aktuellen Standorts (momentane Auslastung) und des Ziels (potenzielle Auslastung) voraussetzt. Der frühere US-Finanzminister Larry Summers hat deshalb auch die Fed davor gewarnt, sich nur auf die Ansage „Mind the Gap“ zu verlassen.

    Dennoch ist das Konzept hilfreich. Auch wenn Powell und Lagarde nicht genau wissen, wie viel Luft nach oben ihre jeweiligen Volkswirtschaften noch haben, so weiß die EZB-Chefin doch, dass ihr Spielraum größer sein dürfte als der des Fed Chefs. Warum? Der Konjunktureinbruch in Europa war stärker als in den USA und die europäischen Wachstumskräfte sind leider immer noch weniger dynamisch.

    Hinzu kommt, und hier sind wir wieder bei der Suche nach dem richtigen Kompass, dass die US-Notenbank sich mit ihrer neuen geldpolitischen Strategie mehr Handlungsspielraum verschafft hat. Anstatt stur ein festes Inflationsziel von zwei Prozent anzusteuern, ist sie bereit, die Inflationsrate zeitweise über dieses Ziel hinausschießen zu lassen, um die Schäden der vorausgegangenen Deflation, zum Beispiel für die Lohnentwicklung, zu reparieren und die Inflationserwartungen der Wirtschaft wieder ins Lot zu bringen.

    Das klingt vernünftig, ist aber auch riskant. Damit die Fed den richtigen Zeitpunkt für den Wechsel vom Gas- auf das Bremspedal nicht verpasst, muss sie schon ziemlich sicher sein, wie viel Luft nach oben die Wirtschaft noch hat. Ansonsten droht eine Vollbremsung mit starken Zinserhöhungen, die dann auch den Rest der Weltwirtschaft belasten.

    Die spannende Frage ist, ob die EZB auch diesmal wieder der Experimentierfreude der amerikanischen Kollegen folgt und ihren Inflationskompass ebenfalls neu einstellt: Madame Lagarde scheint dazu bereit zu sein: „Wir müssen die Kräfte, die heute die Inflationsdynamik antreiben, gründlich analysieren und überlegen, ob und wie wir unsere Strategie als Reaktion darauf anpassen sollten“, sagte die Französin bereits im Herbst 2020, „wir sollten ein Inflationsziel haben, das glaubwürdig ist und das die Öffentlichkeit leicht verstehen kann.“

    Mehr: Ende eines Experiments: Warum die Kehrtwende in der Geldpolitik so schwierig ist.

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