Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

US-Präsident „Ich mag Solar!“ – Trump will sich als Umweltschützer neu erfinden

Sauberes Wasser, klare Luft: Im Kampf um die Wählergunst rückt US-Präsident Trump seine Umweltbilanz in den Fokus. Den globalen Klimawandel spart er dabei aus.
Kommentieren
„Wir wollen die sauberste Luft, wir wollen kristallklares Wasser.“ Quelle: AFP
Donald Trump

„Wir wollen die sauberste Luft, wir wollen kristallklares Wasser.“

(Foto: AFP)

Washington Für einen Moment klang Donald Trump so, als habe er sein Leben lang für einen grünen Planeten gekämpft. „Wir haben nur ein Amerika, wir haben nur eine Erde“, sagte er im Weißen Haus. „Und wir werden jeden Tag die von Gott geschaffenen Geschöpfe schützen, von Küste zu Küste.“

Der US-Präsident hatte am Montag rund 200 Gäste eingeladen, um seine Erfolge im Umwelt- und Naturschutzbereich zu unterstreichen. Häufig spricht der Präsident nicht über Wälder, Wiesen und Gewässer, und eigentlich gibt es im Weißen Haus genug anderes zu tun: Gerade musste sein Team einen aufwendigen Auftritt zum Unabhängigkeitstag organisieren, die Iran-Krise schwelt, und am Dienstag kommt der Emir von Katar zu Besuch nach Washington.

Gleichwohl nahm sich Trump Zeit, um über Klima, Wetter und Natur zu sprechen. „Für meine Regierung war es vom ersten Tag an oberste Priorität, dass Amerika zu den saubersten Ländern der Welt gehört“, behauptete der Präsident. „Wir wollen die sauberste Luft, wir wollen kristallklares Wasser“. Seine Tochter Ivanka saß in der ersten Reihe, immer wieder nickte sie zustimmend, wenn Trump die USA als Paradies für Wanderer und Tierwelt pries und von den besonders geschützten Nationalparks schwärmte.

Das Drehbuch der Veranstaltung sah dann die Wortmeldung eines Besitzer einer Firma für Anglerbedarf vor, der sich bei der US-Regierung für freigegebene Bundesmittel bedankte, um eine giftige Alge an der Küste Floridas zu bekämpfen. „Gott schütze diesen Präsidenten!“, rief der Unternehmer mit bebender Stimme.

Neue Gesetzesinitiativen hatte Trump nicht zu verkünden. Es schien einzig darum zu gehen, hervorzuheben, dass die Umwelt der US-Regierung nicht egal ist.

Wie passt das zur Agenda eines Präsidenten, der die USA mit einer seiner ersten Amtshandlungen aus dem Pariser Klimaschutzabkommen führte, und der noch im Frühjahr vor Republikanern warnte, der Lärm von Windrädern verursache Krebs? Und der bei nahezu jeder Gelegenheit betont, Bergleute seien das Fundament der Nation und Kohle als fossiler Energieträger unbedingt zu erhalten?

Bruce Hrobak, Besitzer einer Firma für Anglerbedarf in Florida, hatte einen großen Auftritt. Quelle: AP
Lob für den Präsidenten

Bruce Hrobak, Besitzer einer Firma für Anglerbedarf in Florida, hatte einen großen Auftritt.

(Foto: AP)

Eine Kehrtwende markierte Trumps Auftritt keineswegs. Wie viele seiner politischen Mitstreiter hält er eine konsequente Umstellung auf erneuerbare Energiequellen wie Wind, Wasser und Sonne für ökonomisch desaströs – auch wenn er einräumte: „Ich mag Solar!“

Am wichtigsten sei ihm weiterhin, die Wettbewerbsfähigkeit der USA zu erhalten, bekräftigte Trump. „Eine starke Wirtschaft ist entscheidend für die Erhaltung einer gesunden Umwelt“, sagte er im Weißen Haus. Den Pariser Pakt bezeichnete er als „radikalen Plan, der Millionen US-Bürger arbeitslos machen und den größten Umweltverschmutzern einen Freifahrtschein geben würde“.

Gruß an die EU

Dennoch will Trump offenbar verstärkt deutlich machen, dass Luft und Wasser auf seiner Agenda stehen. Laut des Nachrichtenportals „Axios“ steckte hinter der Veranstaltung auch das Kalkül, gemäßigte und insbesondere weibliche Wähler in urbanen Ballungsräumen anzusprechen.

Diese wichtige Zielgruppe fremdelt nach wie vor mit Trump, was seinen Beratern im Jahr vor den nächsten Präsidentschaftswahlen Sorge bereitet. Während seine Konkurrenz von den Demokraten einen Klimaplan nach dem nächsten vorlegt, rückt Trump nun die blühende Wirtschaft und den amerikanischen Erdgas-Boom in den Mittelpunkt.

„Schauen Sie sich andere Länder an, die Preise für Strom sind dort so hoch! Nicht bei uns“, schwärmte Trump weiter. Und sein Energieminister Rick Perry schickte von der Bühne eine „Erinnerung an unsere Freunde in der EU, was sie mit amerikanischem Flüssiggas alles erreichen können“.

Trump versuchte am Montag gar nicht erst, Widersprüche zwischen seinen Umwelt-Appellen und seiner skeptischen Haltung zum Klimawandel aufzuheben. Die globale Erderwärmung, das schmelzende Polareis, die Rekordtemperaturen dieses Sommers fanden in Trumps Rede keinen Platz.

Die verheerenden Waldbrände in Kalifornien im vergangenen Jahr erklärte er erneut mit „schlechtem Forstmanagement“, obwohl Experten betonten, das allein habe die Feuer nicht begünstigt. Die Fluten im Mittleren Westen, die große Teile der Ernten zerstörten, sprach er ebenso wenig an wie die heftigen Regenfälle, die am Montagmorgen Teile Washingtons überschwemmten und in den Keller des Weißen Hauses schwappten.

Zwar hängen Wetterphänomene nicht zwingend mit dem Klimawandel zusammen, darauf weisen Forscher immer wieder hin. Doch selbst führende US-Regierungsbehörden sehen übereinstimmend Zusammenhänge zwischen der Erderwärmung und häufigen oder intensiven Unwettern.

Ende der Obama-Ära

All diese Aspekte sollten in Trumps Loblied auf die Umwelt keine Rolle spielen. Der Präsident zählte einige Vorstöße seiner Amtszeit auf: Im vergangenen Jahr unterschrieb Trump ein überparteilich beschlossenes Gesetz, das den Müll im Meer reduzieren soll. Seine Regierung hat die Finanzierung neuer Naturschutzprojekte in den Everglades in Florida und für die Großen Seen im Norden der USA angeschoben. Trinkwasser und Luft sind im Vergleich zu anderen Industrieländern tatsächlich vergleichsweise sauber - allerdings begann der Trend in diese Richtung lange vor Trumps Amtsantritt.

Prägend für seine Präsidentschaft sind eher andere Initiativen. So machte Trump im Zuge einer groß angelegten Deregulierung, die Investoren und Unternehmer erfreut, Dutzende Umweltvorschriften aus der Zeit von US-Präsident Barack Obama rückgängig. Laut „New York Times“ sind es bislang 93, häufig zulasten von regionaler Luft- und Wasserqualität.

Die Umweltbehörde EPA plant, die Grenze für Abgas-Emissionen anzuheben, darüber hinaus will sie Bundesstaaten ab Herbst erlauben, ihre eigenen CO2-Standards für Kohlekraftwerke festlegen zu können. Der anhaltende Gas-Boom drückt die Emissionen, doch nach wie vor sind die USA der zweitgrößte CO2-Produzent hinter China.

Einen echten Kurswechsel, der Einschränkungen erfordert, wird es unter Trump nicht geben – das machte er ein für alle Mal deutlich: „Wir werden Arbeitsplätze und Wohlstand verteidigen.“

Mehr: US-Milliardär Tom Steyer will offenbar gegen Donald Trump antreten.

Startseite

Mehr zu: US-Präsident - „Ich mag Solar!“ – Trump will sich als Umweltschützer neu erfinden

0 Kommentare zu "US-Präsident: „Ich mag Solar!“ – Trump will sich als Umweltschützer neu erfinden"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote