Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

US-Präsidentschaftsvorwahl Warum die Wahl in Wisconsin lebensgefährlich ist

Mitten in der Pandemie wählt der US-Bundesstaat – mit womöglich tödlichen Folgen. Schuld hat die tiefe Kluft zwischen Demokraten und Republikanern. 
07.04.2020 - 21:53 Uhr Kommentieren

Vorwahl in Wisconsin muss trotz Corona-Pandemie stattfinden

Washington Die Abstimmung von Wisconsin dürfte als Wahl des Wahnsinns in die amerikanische Geschichte eingehen. Inmitten der Corona-Pandemie standen am Dienstag die Wähler in Hunderte Meter langen Schlangen vor den wenigen geöffneten Wahllokalen. Tausende von Wahlhelfern hatten sich abgemeldet, zum Teil aus Angst vor dem Virus, zum Teil auch, weil sie bereits erkrankt waren. Soldaten der Nationalgarde mussten ihre Plätze einnehmen.

In Milwaukee, der größten Stadt des Bundesstaats, hatten mangels Personal nur fünf statt der geplanten 180 Wahllokale geöffnet. Manche Wähler berichteten, sie hätten über 90 Minuten angestanden. Immerhin versuchten sie dabei, den in den USA empfohlenen Sicherheitsabstand von sechs Fuß (etwa 1,80 Meter) einzuhalten. Schließlich gilt in Wisconsin wie fast überall in den USA eine Ausgangsperre, auf die Straße dürfen die Menschen nur aus wichtigem Grund.

Gehört zu den wichtigen Gründen auch eine Abstimmung, bei der die registrierten demokratischen Wähler über ihren Präsidentschaftskandidaten entscheiden dürfen und alle Wähler zeitgleich über den Bürgermeister von Milwaukee und einen Richterposten im obersten Gericht des Bundesstaats? Hätte man die Wahl nicht als reine Briefwahl abhalten oder sie auf die Zeit nach der Corona-Pandemie verschieben können, wie es ein Dutzend andere US-Bundesstaaten getan haben?

Über diese Frage hatten sich Republikaner und Demokraten in Wisconsin in den vergangenen Wochen heillos zerstritten. Noch am Montagnachmittag hatte der demokratische Gouverneur des Bundesstaats die Wahl wegen der Infektionsgefahr verschoben.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Doch die Republikaner erwirkten am selben Abend einen Beschluss des Obersten Gerichtshofs der USA, dass die Abstimmung wie geplant stattfinden muss. „Wir leben nicht in einer Bananenrepublik, in der die Regierung einfach Wahlen absagen kann, weil sie keine Lust hat, sie abzuhalten“, wetterte Robin Vos, republikanischer Sprecher des Parlaments von Wisconsin.

    Eingangsfrist für Briefwahlunterlagen verlängert

    Eine Rolle dürfte bei der Empörung der Republikaner gespielt haben, dass sie sich von der nun absehbar geringen Wahlbeteiligung bessere Chancen für ihren Richterkandidaten erhoffen. Umgekehrt sieht US-Präsident Donald Trump im Versuch der Demokraten, die Wahl zu verschieben, eine Reaktion auf seine Wahlempfehlung für den republikanischen Kandidaten bei der Richterwahl. Am Dienstagabend sagte Trump über die Demokraten in Wisconsin: "Sie hatten nichts dagegen, die Wahl abzuhalten, bis ich meine Wahlempfehlung ausgesprochen hatte. Das finde ich sehr interessant. Und kaum hatte ich meine Empfehlung ausgesprochen, wollten sie verschieben."  

    Immerhin wurde die Eingangsfrist für Briefwahlunterlagen verlängert, denn viele Unterlagen waren nicht rechtzeitig vor dem Wahltag bei den Behörden eingetroffen. Nun soll es ausreichen, wenn die Wähler die Unterlagen laut Poststempel bis zum Wahltag abgeschickt haben. Die Ergebnisse der Wahl sollen erst am 13. April bekanntgegeben werden, wenn auch alle Stimmen von Briefwählern ausgezählt worden sind.

    Bei den demokratischen Vorwahlen dürfte es in Wisconsin keine Überraschung geben. Laut Umfragen liegt Joe Biden in dem Bundesstaat deutlich vor seinem letzten verbliebenen Gegenkandidaten Bernie Sanders. Dessen Chancen, dem Favoriten Biden die Nominierung noch streitig zu machen, sind ohnehin denkbar gering.

    Für den Fall, dass Sanders in Wisconsin deutlich verliert, so berichten es Insider seiner Wahlkampagne in US-Medien, erwäge er ein Ende seiner Kandidatur. Er sei aber noch unschlüssig, weil er andererseits den Druck auf Biden aufrechterhalten will, damit der einige der linken Positionen von Sanders übernimmt.

    Die nächsten demokratischen Vorwahlen stehen am 10. beziehungsweise 17. April in Alaska und Wyoming an, allerdings in beiden Bundesstaaten ausschließlich als Briefwahl. Sanders’ Statement zur Wahnsinnswahl von Wisconsin ließ an Deutlichkeit nichts vermissen: „Diese Wahl inmitten des Coronavirus-Ausbruchs abzuhalten ist gefährlich, missachtet die Bedenken von Gesundheitsexperten und könnte sich sehr wohl als todbringend erweisen.“

    Mehr: Das Duell Biden gegen Sanders ist auch ein Streit um die Ideologie.

    Startseite
    Mehr zu: US-Präsidentschaftsvorwahl - Warum die Wahl in Wisconsin lebensgefährlich ist
    0 Kommentare zu "US-Präsidentschaftsvorwahl: Warum die Wahl in Wisconsin lebensgefährlich ist"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%