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US-Präsidentschaftswahl Coronakrise: Die große Impfstoff-Illusion im US-Wahlkampf

US-Präsident Donald Trump verspricht einen Covid-Impfstoff binnen Wochen. Dabei wäre das US-Gesundheitssystem schon allein mit den Massenimpfungen überfordert.
10.09.2020 - 12:31 Uhr Kommentieren
Der US-Präsident will einen möglichen Corona-Impfstoff für den Endspurt im Wahlkampf nutzen. Quelle: AP
Donald Trump

Der US-Präsident will einen möglichen Corona-Impfstoff für den Endspurt im Wahlkampf nutzen.

(Foto: AP)

Washington Eines der wichtigsten Wahlkampfversprechen von Donald Trump ist die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Covid-19. Geht es nach dem US-Präsidenten, kann es damit nicht schnell genug gehen. Die Marktreife sei eine „Frage von Wochen“, sagte Trump am Dienstag im Bundesstaat North Carolina. „Wir werden sehr bald einen Impfstoff haben. Sehr, sehr bald. Bis Ende des Jahres, aber vielleicht schon viel früher.“

Nur Stunden vorher hatte der Hersteller Astra-Zeneca eine klinische Covid-Studie ausgesetzt, um mögliche Nebenwirkungen bei einem erkrankten Patienten zu prüfen.

Trump hat sein Ziel einer Wiederwahl am 3. November eng an die Erfolgsbotschaft einer Covid-Impfung geknüpft. Nun kann es nicht schnell genug gehen. Dabei zeigen neue Enthüllungen des Star-Journalisten Bob Woodward, dass der Präsident früher von der Bedrohung durch das Corona-Virus wusste als bislang bekannt. Demnach ließ Trump im Februar wertvolle Zeit verstreichen.

Nun finanzieren die USA mit 13 Milliarden US-Dollar die Turbostudien mehrerer Pharmakonzerne, die sich unter normalen Umständen über Jahre hinziehen würden. „Operation Warp Speed“ heißt das Mammutprojekt, das 300 Millionen Dosen hervorbringen soll. Mehr als sechs Millionen Menschen wurden in den USA bislang positiv getestet, knapp 190.000 Menschen starben an dem Virus.

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    Jedoch lehnt Trump einen bundesweiten Lockdown und eine Maskenpflicht ab. Stattdessen wird ein Impfstoff im Weißen Haus als Schlüssel gesehen, um die von der Pandemie geschwächte Wirtschaft wiederzubeleben.

    Es fehlt an Personal, Geld und Ausstattung

    Bis Oktober sollen die Gesundheitsbehörden einen Impfplan ausarbeiten. „Wir haben nicht viele Informationen bekommen, was wir machen sollen“, zitierte die AP einen Beamten aus Texas. Gemeinsam mit der Plattform „Kaiser Health News“ hat die Nachrichtenagentur bundesweit Mitarbeiter, Ärzte und Krankenschwestern befragt – mit ernüchterndem Ergebnis.

    Demnach mangele es an Personal, Geld und Ausstattung, selbst an grundlegenden Dingen wie Schutzausrüstung und Spritzen. Außerdem gibt es keine Ressourcen, um die Impfungen zu dokumentieren. Das gelte besonders für sozial schwache Regionen, in denen sich überproportional viele Menschen infizieren.

    Experten gehen von mindestens 400 Millionen Impfungen aus, die zunächst verfügbar sein müssten, um die Welle der Ansteckungen einzudämmen. Zum Vergleich: Das ist etwa doppelt so viel wie die Menge der jährlichen Grippeschutzimpfungen in den USA. Im Gegensatz zur Grippe muss gegen Covid zweimal in Folge geimpft werden. 

    In der Fachwelt wird das Heilsversprechen eines Impfstoffs skeptisch gesehen. Er habe den Titel „Operation Warp Speed“ nie gemocht, sagte Anthony Fauci, Chef der US-Infektionsbehörde, dem Magazin „New Yorker“. „Er suggeriert fälschlicherweise, dass die Studien hektisch durchgeführt werden. Und wenn Menschen hören, dass Dinge gehetzt gemacht werden, fürchten sie um ihre Sicherheit.“

    Corona-Finanzierungen der US-Gesundheitsbehörden laufen aus

    Nun streut Präsident Trump auch Zweifel an seinem Willen, bei der Förderung einer Impfstoff-Entwicklung mit Experten zusammenzuarbeiten. So beschuldigte er etwa die Zulassungsbehörde FDA, die Anerkennung klinischer Studien mutwillig zu verzögern. Der Vorsitzende Stephen Hahn hatte davor gewarnt, einen Impfstoff überstürzt und ohne ausreichende Sicherheitsprüfungen auf den Markt zu bringen. Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur AP ist ohnehin nur etwa die Hälfte der US-Bürger offen für eine Covid-Impfung. 

    Corona-Impfstoff: Die falschen Wahlversprechen von Donald Trump Quelle: Reuters
    Bluttest-Labor in den USA

    Einer Umfrage zufolge mangelt es in Praxen und Krankenhäusern der USA an Personal, Geld und Ausstattung.

    (Foto: Reuters)

    Für den Wahlkampf ist das Thema entscheidend. So kritisierte der demokratische Herausforderer Joe Biden, dass Trump „so viele Dinge gesagt hat, die nicht wahr sind. Ich mache mir Sorgen, dass, wenn wir einen wirklich guten Impfstoff haben, die Leute ihn nicht nehmen wollen.“ Biden drängte auf Vertrauen in die Wissenschaft. „Wenn ich morgen einen Impfstoff bekommen könnte, würde ich mich impfen lassen. Und wenn es mich die Wahl kostet.“ Zudem kommen noch Enthüllungen, dass Trump bereits im Februar die Gefahren des Virus bewusst waren und er sie absichtlich heruntergespielt hat.

    Zunehmend wird deutlich, dass der Wettlauf um einen Impfstoff erst der Anfang im Kampf gegen das Virus ist. Denn die praktische Umsetzung, jenseits von Wahlkampfslogans, ist in den USA absolut unklar. Die Massenimpfung koordinieren müssten die Gesundheitsbehörden. Dabei sind sie seit Jahrzehnten unterfinanziert. Die Mittel, die der Kongress im Frühjahr für die Bewältigung der Pandemie bereitgestellt hatte, laufen aus, ein neues Hilfspaket ist nicht in Sicht. 

    Mehr: Ein neues Enthüllungsbuch zeigt: Der US-Präsident soll früh von der tödlichen Gefahr des Coronavirus gewusst haben, trotzdem griff er nicht ein

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