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US-Präsidentschaftswahlkampf Pompöse Inszenierung des Trump-Finales: „Wir sind im Weißen Haus, sie sind es nicht“

Der Amtsinhaber greift zum Parteitagsabschluss Herausforderer Joe Biden scharf an. Trump setzt auf Abgrenzung: Er will den amerikanischen Traum vor „Sozialisten“ retten.
28.08.2020 Update: 28.08.2020 - 08:17 Uhr Kommentieren

Trump ist offiziell der Präsidentschaftskandidat der Republikaner

Washington Die Machtzentrale der USA wird unter Donald Trump zur Wahlkampfkulisse umfunktioniert. Auf der Südwiese des Weißen Hauses hat der Präsident zum Finale des Nominierungsparteitags der Republikaner am Donnerstagabend (Ortszeit) einen Sieg am 3. November beschworen. „Das ist die wichtigste Wahl in der Geschichte unseres Landes“, rief er in die Nacht, eingerahmt von US-Flaggen. „Wir entscheiden, ob wir den amerikanischen Traum retten oder ihn von Sozialisten zerstören lassen wollen.“ 

Trump hatte zuvor die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Republikanischen Partei angenommen. Sein Auftritt steht sinnbildlich für die Spaltung der USA. Während 1500 Gäste Trump mit „Vier weitere Jahre!“-Sprechchören feierten, protestierten vor den Absperrzäunen Demonstranten.

Botschaften der Versöhnung hörte man von Trump nicht. In Zeiten einer Pandemie, einer heftigen Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit setzte Trump auf Abgrenzung.

„Joe Biden ist schwach“, sagte er und wies Rufe des demokratischen Herausforderers nach Kontaktsperren und Maskenpflicht zurück. „Ein Biden-Shutdown“, führte der Präsident aus, brächte „Depressionen, Suizide, Verzweiflung, Jobverluste.“ Ein Impfstoff sei oberste Priorität, Läden, Schulen und Restaurants müssten offen bleiben. „Joe Bidens Plan ist keine Lösung, sondern eine Kapitulation.“

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    Trumps Kabinett, das in den vorderen Reihen platziert war, trug wie der Großteil des Publikums keine Masken. Einzig Gesundheitsminister Alex Azar schützte sich. 13 Milliarden US-Dollar investiert die US-Regierung in die Entwicklung eines Impfstoffs, demnächst will sie 150 Millionen Schnelltests an Risikogruppen verteilen. Doch die Corona-Ansteckungen steigen ungebremst weiter. Noch an diesem Wochenende werden die USA sechs Millionen Infizierte verzeichnen. 

    Der Trump-Clan als Monarchen-Familie

    Es war nicht die aggressivste Rede, die Trump jemals gehalten hat, viele seiner Tweets sind schärfer formuliert. Aber das Gesamtbild der republikanischen Convention gab Aufschluss, was vier Jahre im Weißen Haus mit Trump und seiner Partei gemacht haben – und was passieren würde, sollte er wiedergewählt werden. Im Vergleich zu 2016 wirkt Trump noch siegesgewisser, trotz mäßiger Umfragewerte. Ein Wahlerfolg würde Trumps „America first“-Kurs massiv bestärken.

    Seine Kampagne nutzte am Donnerstag die Kraft der Bilder voll aus: Der Trump-Clan trat vor den beleuchteten Säulen des Weißen Hauses wie eine Monarchen-Familie auf. Ein Feuerwerk, das sonst Nationalfeiertagen vorbehalten ist, schoss Trumps Namen als Schriftzug in den Himmel.

    Die Inszenierung stand im Kontrast zum Parteitag der Demokraten, der eine ganze Nummer zurückhaltender war und fast ausschließlich virtuell stattfand. Trump erinnerte auf der Bühne daran, dass man ihn schon einmal unterschätzt habe. „Fakt ist: Wir sind im Weißen Haus, sie sind es nicht“, sagte Trump über die Demokraten unter Gelächter aus dem Publikum. 

    Nicht nur die Gräben in der Politik, auch die Gräben der Gesellschaft erscheinen in den verbleibenden Wochen bis zur Wahl tiefer denn je. Auf dem Parteitag wurde mehrfach eine Szene eingespielt, in der Trump vor nunmehr fünf Jahren eine Rolltreppe herunterfuhr und seine Kandidatur erklärte.

    Damals war er ein Außenseiter, der von wenigen ernst genommen wurde. Er gewann schließlich mit der Botschaft, die USA müssten sich gegen den Rest der Welt wehren, vor allem gegen die Globalisierung und China. Die Botschaft des aktuellen Wahlkampfs lautet nun: wir gegen die Feinde im eigenen Land. „Wie wollen die Demokraten ein Land führen, wenn sie so viel Zeit damit verbringen, es runterzumachen?“, rief Trump vor dem Weißen Haus.

    Die Republikaner feierten den Abschluss ihres Nominierungsparteitags. Quelle: AP
    Feuerwerk am Washington Monument

    Die Republikaner feierten den Abschluss ihres Nominierungsparteitags.

    (Foto: AP)

    Die US-Demokraten hatten auf ihrer Convention Populismus, Rassismus und soziale Ungleichheit angeprangert. Trumps Republikaner sehen darin eine Attacke auf die amerikanische Identität, sie appellierten auf ihrem Parteitag an Stolz und Patriotismus. „Er ist kein Retter der amerikanischen Seele, er ist der Zerstörer der amerikanischen Jobs“, sagte Trump über Biden.

    Die Menschen im Mittleren Westen, der seit Jahrzehnten unter Deindustrialisierung leidet, würden keine hohlen Worte der Empathie hören wollen, sondern: „Die Bürger in Michigan und Ohio wollen ihre Jobs zurück.“ Trump hatte 2016 im Mittleren Westen reihenweise Siege in einstigen Demokraten-Hochburgen eingefahren. Jüngste Umfragen sehen Biden in den wichtigsten Staaten vorne, doch sein Vorsprung ist nicht uneinholbar. 

    Der US-Sender CNN blendete während Trumps Rede einen Faktencheck ein, der die Aussagen des Präsidenten zu Covid-Zahlen und Wirtschaftsdaten überprüfte. Doch bei seinen Anhängern dürften vor allem die Erfolgsversprechen hängen bleiben. „Wir werden die großartigste Wirtschaft in der Geschichte wiederaufbauen“, sagte Trump, auch wenn sich die Konjunktur bisher nur schleppend erholt. Im globalen Konflikt mit China will Trump nicht nachgeben. „Wir wollen alle unsere Geschäfte aus China herausholen. Sie werden nach Hause kommen“, kündigte der Präsident an. 

    Auf ein Parteiprogramm haben die Republikaner verzichtet. Sie wollen die Demokraten mit ähnlichen Zielen wie 2016 schlagen: mit niedrigen Steuern, Investitionen in Öl und Kohle, konservativen Werten und Religion, dem Recht auf Waffenbesitz, dem Bau einer Mauer zu Mexiko, einer starken Polizei, einem abwehrbereiten Militär, kultureller Freiheit.

    Ivanka Trump: „Papa, ich liebe dich dafür, dass du echt bist!“

    Doch Trumps Partei hat sich verändert. Einstige Ideale wie der Freihandel sind begraben, das Establishment der Republikaner wurde auf den Kopf gestellt. Ex-Präsident George W. Bush, der Senator Mitt Romney, die Spitzenpolitikern Liz Cheney, der texanische Senator Ted Cruz: sie alle blieben dem Parteitag fern. Dafür waren jeden Abend Redeplätze für die Trump-Familie reserviert.

    Viel diskutiert wurde der Auftritt Ivanka Trumps, der selbst Interesse an einer Präsidentschaftskandidatur nachgesagt wird. Zum Elton-John-Song „I’m still standing“ betrat sie vor ihrem Vater die Bühne vor dem Weißen Haus und pries ihn als „Präsident des Volkes“.

    Trump sei noch immer die „Stimme für die vergessenen Männer und Frauen dieses Landes“, sagte die 38-Jährige. „Wenn die Kameras weg sind, die Mikrofone aus, dann werden die Entscheidungen getroffen. Ich weiß, dass sein Kommunikationsstil nicht für jeden ist und dass seine Tweets ungefiltert sein können. Aber die Resultate sprechen für sich“, so Ivanka Trump.

    „Papa, ich liebe dich dafür, dass du echt bist!“ Nicht Washington habe Donald Trump verändert, „Donald Trump hat Washington verändert“.

    Der Präsidententochter werden selbst Ambitionen auf das Amt nachgesagt. Quelle: AP
    Ivanka Trump

    Der Präsidententochter werden selbst Ambitionen auf das Amt nachgesagt.

    (Foto: AP)

    Ihre Rede und auch der Auftritt von Melania Trump sollten den Präsidenten als prinzipientreuen Helden zeigen, der auch im moderaten und vor allem weiblichen Lager wählbar ist. Trump hatte zuletzt unter Frauen stark an Zustimmung verloren. 

    Die Kampagne der Demokraten gab sich offiziell gelassen. „Ich glaube nicht, dass ein Wort der Wahrheit von dieser Bühne kam“, sagte Joe Biden. Sein Wahlkampfteam twitterte: „Wenn Donald Trump behauptet, Sie werden nicht sicher sein in einem Amerika unter Joe Biden, fragen Sie sich: Wie sicher fühlen Sie sich in Donald Trumps Amerika?“

    Doch der Republikaner-Parteitag und die pompöse Inszenierung des Trump-Finales scheinen die Demokraten zumindest etwas unter Druck zu setzen. Biden, der seine Wahlkampf-Termine wegen der Pandemie auf ein Minimum heruntergefahren hatte, will nun doch durchs Land reisen. 

    Mehr: Der gescheiterte Präsident – droht Amerika der Abstieg?

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