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US-Rückzug aus Syrien Israel zweifelt an Trumps Verlässlichkeit

Weil Trump seine Verbündeten in Nordsyrien im Stich gelassen hat, fragt man sich in Jerusalem besorgt, ob er demnächst auch Israel verraten wird.
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US-Rückzug aus Syrien: Israel zweifelt an Trumps Verlässlichkeit Quelle: dpa
Trump und Netanjahu

Die speziellen Beziehungen zwischen Jerusalem und Washington hatten bisher aus Sicht der Golfstaaten für eine zumindest behutsame Annäherung an Israel gesprochen.

(Foto: dpa)

Tel Aviv Um Zweifel an der Beständigkeit der amerikanisch-israelischen Freundschaft zu zerstreuen, traf sich am Freitagmorgen US-Außenminister Mike Pompeo mit Premierminister Benjamin Netanjahu. Pompeo will nach Brüssel weiterreisen, nachdem er am Donnerstag in Ankara eine vorübergehende Pause der Kampfhandlungen in Nordsyrien ausgehandelt hatte.

Netanjahu sprach von einem „wichtigen Treffen“, bei dem es um eine Verstärkung der bilateralen Allianz gegangen sei. Ohne auf Einzelheiten der in Ankara ausgehandelten Waffenruhe für Nordsyrien einzugehen, berichtete Pompeo in der gemeinsamen Pressekonferenz von den gemeinsamen Anstrengungen gegen die iranische Gefahr.

Pompeos Aufgabe ist schwierig. Der plötzliche Rückzug der amerikanischen Truppen aus Nordsyrien hat Israels Sicherheitsexperten verunsichert. Erstmals seit Jahrzehnten befürchten sie, dass sie auf die Freundschaft der USA nicht mehr bauen können.

Israel sieht den Rückzug der US-Truppen aus Syrien als Warnsignal für die Verlässlichkeit von US-Präsident Donald Trumps: „So wie er mit dem Rückzug aus Nordsyriern die Kurden, seine Verbündeten im Kampf gegen den Islamischen Staat, verraten hat, könnte er sich auch von uns distanzieren“, sorgen sich israelische Politiker und Militärstrategen.

Dass Jerusalem in der Nordsyrienfrage weder frühzeitig informiert, geschweige denn konsultiert worden sei, belaste die Beziehung zwischen Trump und Regierungschef Benjamin Netanjahu. Hätte ihn Trump um Rat gefragt: Netanjahu hätte ihm geraten, die Truppen in Syrien zu belassen, meint Dan Shapiro, der unter dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama Botschafter in Tel Aviv war. Dass ein solch folgenschwerer Entscheid ohne Vorankündigung vollzogen werde und selbst das Pentagon überrascht hat, habe die Entscheidungsträger in Jerusalem verwirrt.

Die kurdische Krise sei ein „strategisches Desaster“ für Netanjahu, schreibt der israelische Publizist Amos Harel. Die demokratische US-Senatorin Amy Klobuchar, die Hoffnungen aufs Weiße Haus hat, spricht offen aus, was viele in Jerusalem nur denken. Der Rückzug aus Nordsyrien gefährde Israel, sagte sie am Dienstag an einer Debatte im Staat Ohio.

Iran und Syrien dehnen regionalen Einfluss aus

Eine klare Kritik an Trump kann sich Netanjahu zwar nicht leisten. Dass er aber gerade jetzt einmal mehr betont, Israel sei in der Lage, sich gegen jede Gefahr selber verteidigen zu können, sieht man in Jerusalem als versteckten Vorwurf an Trump.

Netanjahu sprach von einem „wichtigen Treffen“, bei dem es um eine Verstärkung der bilateralen Allianz gegangen sei. Quelle: AFP
Mike Pompeo und Benjamin Netanjahu

Netanjahu sprach von einem „wichtigen Treffen“, bei dem es um eine Verstärkung der bilateralen Allianz gegangen sei.

(Foto: AFP)

Auch wenn Israels Sicherheit durch den Abzug aus dem Norden Syriens nicht gefährdet sei, warnt der frühere Chef des Militärischen Geheimdienstes, Amos Yadlin, werde die amerikanische Supermacht im Mittleren Osten fehlen. Dass die USA nicht mehr präsent seien, erleichtere es Syriens Herrscher Baschar al-Assad und vor allem dem Iran, ihren regionalen Einfluss auszudehnen.

Es geht indessen nicht nur um Sicherheitsfragen, sondern auch um die Annäherung Israels an Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate. Die speziellen Beziehungen zwischen Jerusalem und Washington hatten bisher aus Sicht der Golfstaaten für eine zumindest behutsame Annäherung an Israel gesprochen. In den Golfstaaten sei Israels Wert als Türöffner in Washington jetzt aber gesunken, sagen Analysten in Jerusalem.

Für Netanjahu, der sich bisher als „Einflüsterer“ des US-Präsidenten verstand und Trump damit schmeichelte, dass er eine neue Siedlung auf den Golanhöhen nach ihm benannte, ist das auch innenpolitisch ein herber Schlag, weil er sich bisher stets als gleichwertiger Partner von Trump gesehen und damit geworben hatte. Jetzt sei diese Mär entlarvt, heißt es sinngemäß in der regierungskritischen Tageszeitung „Haaretz“. Netanjahu sei ein „einsamer Reiter auf einem Papiertiger“.

Die USA sind zwar nicht mit eigenen Truppen in Israel präsent. Aber das Verteidigungsbudget des Staates erhält aus Washington jährlich einen großzügigen Zuschuss von 3,5 Milliarden Dollar. Israel ist der größte Einzelempfänger von US-amerikanischer Militärhilfe seit dem Zweiten Weltkrieg.

Wahre und tiefe Freundschaft?

Ob das so bleiben wird: Darüber würde heute in Jerusalem niemand eine Wette eingehen. Denn Trump hat mehrmals gefordert, dass die Verbündeten einen „fairen Anteil“ ihrer Verteidigungskosten leisten müssten. Noch Mitte September hatte es nach einer wahren und tiefen Freundschaft zwischen Trump und Netanjahu ausgesehen.

Damals machte Trump – drei Tage vor den israelischen Parlamentswahlen – Netanjahu ein Wahlgeschenk. Er habe mit dem Premierminister die Möglichkeiten eines gegenseitigen Verteidigungspakts diskutiert, twitterte Trump. Das würde die „enorme Allianz“ zwischen den beiden Ländern stärker verankern.

Netanjahu sah sich mit dieser Erklärung, die man auch als Einmischung in den Wahlkampf bezeichnen kann, in seiner Darstellung bestätigt, dass seine Beziehungen zum Weißen Haus exzellent seien. Er spiele eben „in einer anderen Liga“ als sein politischer Konkurrent Benny Gantz, pries sich Netanjahu auf überlebensgroßen Plakaten, auf denen er zusammen mit Trump zu sehen war. Das wirkt heute, vier Wochen später, wie eine Botschaft aus einer fernen Zeit, ebenso wie die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels oder die Respektierung der israelischen Souveränität auf den Golanhöhen, die Syrien im Sechs-Tage-Krieg von 1967 an Israel verloren hatte.

Inzwischen füllt Russlands Präsident Wladimir Putin das Vakuum, das Trump im Mittleren Osten hinterlässt. Diese Woche wurde er in Saudi Arabien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit allen Ehren empfangen – was in Jerusalem ungern gesehen wird. Denn Putin mit seiner Nähe zur iranischen Regierung, argwöhnen israelische Beobachter, könnte in den Golfstaaten Verständnis für iranische Interessen schaffen, was auf Kosten der Annäherung zwischen Riad und Jerusalem ginge.

Mehr: Die Einigung auf einen Waffenstillstand klingt wie ein Eingeständnis der beiden Hardliner. Mit dem Deal zwischen Trump und Erdogan wird Europa vorgeführt.

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2 Kommentare zu "US-Rückzug aus Syrien: Israel zweifelt an Trumps Verlässlichkeit"

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  • Trumps Verlässlichkeit? Hey, "AMERICA FIRST". Haben die Israelis nicht zugehört.

  • hat Israel in der Normandie geholfen?