Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

US-Strafzölle China startet „Gegenangriff“ im „größten Handelskrieg der Wirtschaftsgeschichte“

Seit 6 Uhr früh sind die Strafzölle der USA auf Importwaren aus China in Kraft. Die Regierung in Peking reagiert direkt – und mit deutlichen Worten.
Update: 06.07.2018 - 07:23 Uhr 1 Kommentar
Handelsstreit: China kontert von den USA verhängte Strafzölle Quelle: Reuters
Sprecher des Handelsministeriums

Die chinesische Regierung kündigte Vergeltungsmaßnahmen gegen die US-Strafzölle an.

(Foto: Reuters)

Peking Der Handelskrieg zwischen den USA und China hat begonnen. Nach Monaten der Drohungen und Verhandlungen zwischen Peking und Washington sind am Freitag die ersten Kanonenschüsse gefallen. Um Mitternacht in Washington, D.C. (6 Uhr deutscher Zeit) traten Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf chinesische Waren im Wert von 34 Milliarden Dollar in Kraft. Der Umfang soll um weitere 16 Milliarden Dollar bis August vergrößert werden.

China, das „nicht den ersten Schuss abfeuern wollte“, reagierte wenige Minuten später mit „dem notwendigen Gegenangriff“: Einfuhrabgaben in gleicher Höhe auf US-Produkte im gleichen Wert. Die USA hätten „den größten Handelskrieg in der Wirtschaftsgeschichte“ eingeleitet, sagte ein Sprecher des Handelsministeriums in Peking am Freitag.

Das Handelsministerium hatte zuvor auf seiner Webseite mitgeteilt, dass man die Strafzölle „unverzüglich der Welthandelsorganisation melden“ und mit den anderen Ländern auch künftig den „Freihandel und Multilateralismus schützen“ werde. Zudem versprach Peking, auch weiterhin seinen Markt öffnen zu wollen.

Washington zielt mit den Zöllen vor allem auf Güter wie Autoteile, elektronische Komponenten und Kompressoren ab. Das soll den direkten Schaden für den Verbraucher so gering wie möglich halten. China wiederum versucht vor allem, die US-Landwirte schmerzlich zu treffen. Sie gelten als eine der wichtigen Wählergruppen des US-Präsidenten Donald Trump. So rechnete die University of Tennessee aus, dass die US-Landwirtschaftsexporte dieses Jahr auf 15,5 Milliarden Dollar fallen könnten. 2017 hatten diese noch 20 Milliarden Dollar betragen.

Die Zölle kommen nicht unerwartet. Seit Jahren beschimpft Trump China wegen unfairer Handelspraktiken und mutmaßlichen Diebstahls geistigen Eigentums, insbesondere von amerikanischen Hightech-Konzernen. Vor allem das 375 Milliarden Dollar hohe Handelsdefizit ist ihm ein Dorn im Auge. Ende März kündigte Trump dann die Strafzölle an. Es folgte eine mehrmonatige Phase mit Untersuchungen, Kommentaren und Verhandlungen. Man wollte einen Handelskrieg abwenden – erfolglos.

Wer den jetzt ausgebrochenen Handelskrieg aber alleine Trump zuschreiben will, denkt zu kurz. Denn im Verdeckten schwelt der Konflikt schon länger. Die US-Behörde für Auslandsinvestitionen hat in den letzten zwei Jahren mehr chinesische Übernahmen blockiert oder verzögert als alle Übernahmen anderer OECD-Länder zusammengenommen. China wiederum erschwert Zollkontrollen von US-Ware seit einiger Zeit.

So berichtet ein Manager einer Transportgesellschaft dem Handelsblatt, dass die Behörden seit April ausschließlich bei amerikanischen Importen zwei weitere Dokumente verlangten, die sie bislang nie gefordert hätten. „Das ist ein Warnsignal an die Unternehmen“, meint die Führungskraft, die anonym bleiben möchte, und fügt hinzu: „Und wir alle haben es verstanden.“

„Die einfachste Möglichkeit, China den Stecker zu ziehen, ist die Zölle anzuheben“

Ma Jun, Mitglied des Komitees für Geldpolitik in der chinesischen Zentralbank, sagte der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag, dass sein Team davon ausgeht, dass die erste Welle der US-Strafzölle das Wirtschaftswachstum Chinas dieses Jahr um 0,2 Prozent verlangsamen. Für dieses Jahr hatte sich Peking einen Anstieg des Bruttoinlandproduktes von 6,5 Prozent zum Ziel gesetzt.

Die chinesischen Börsen reagieren unterschiedlich

Seit einiger Zeit versucht die chinesische Führung, Investoren und Geschäftsleute zu beruhigen, vor allem nach einer stetigen Abwertung des chinesischen Yuans in den vergangenen Wochen. „In einem Markt gibt es immer Auf und Abs. Investoren sollten ruhig und rational bleiben“, sagte Yi Gang, Gouverneur der Zentralbank, in einem Interview am Dienstag.

Dann versprach er, die nötigen Werkzeuge einsetzen zu wollen, „um den Wechselkurs stabil auf einem angemessenen und ausgeglichenen Level zu halten“. Die chinesischen Börsen konnten sich nicht auf eine Reaktion einigen. Während der Leitindex Hang Seng um 0,4 Prozent absackte, verzeichnete der Shanghai Composite ein deutliches Plus von einem Prozent.

Ma wiederum wies darauf hin, dass einige Branchen schon seit zwei Monaten die Auswirkungen des Handelskrieges diskutiert haben und versuchen werden, diese zu absorbieren. So klagte ein Bourbon-Importeur dem Handelsblatt, dass die Strafzölle sein Geschäft massiv schaden könnten. „Wir hatten schon unzählige Sitzungen, um uns eine neue Preisstrategie zu überlegen“, erklärte er genervt: „Uns bleibt nichts Anderes übrig, als einige der Kosten auf den Verbraucher abzuwälzen.“

Im Statement am Freitag versicherte das chinesische Handelsministerium: „Wir werden evaluieren, welche Unternehmen (vom Handelskrieg) betroffen sind und uns Mühe geben, sie mit effektiven Maßnahmen zu unterstützen.“

Es scheint ungewiss, ob diese Kalkulationen bloß Sisyphusarbeit sind. Denn US-Präsident Trump droht schon mit der nächsten Eskalation. Im Flugzeug auf dem Weg zu einer Kundgebung in Montana sagte er zu Reportern: „Zuerst einmal gibt es Strafzölle auf Waren im Wert von 34 Milliarden Dollar, in zwei Wochen kommen noch einmal welche auf Waren für 16 Milliarden Dollar. Und wie ihr wisst, haben wir weitere 200 Milliarden in der Schwebe, und danach noch einmal 300 Milliarden.“

Chinesische Regierungsmitglieder berichten, dass Staatspräsident Xi Jinping sie angewiesen habe, sich auf einen Handelskrieg vorzubereiten. Doch sollten die USA tatsächlich noch mehr Strafzölle erheben, wird China keine Ware mehr haben, die es mit Einfuhrabgaben belegen kann, da es 2017 insgesamt nur amerikanische Güter im Wert von circa 130 Milliarden Dollar importiert hat. Daher müssten sie sich neben Strafzöllen andere Methoden überlegen, um sowohl „qualitativ wie auch quantitativ proportionale Gegenmaßnahmen“ erlassen zu können.

Andere Beobachter gehen davon aus, dass der Handelskrieg schon mittelfristig zu einem Ende kommt. „Er wird dann aufhören, wenn die Dinge über Trump zusammenbrechen und die USA sich neu positionieren müssen“, zitierte das „Wall Street Journal“ Rufus Yerxa, der das National Foreign Trade Council leitet und an diversen Handelsgesprächen unter Demokraten und Republikanern teilgenommen hat. Huang Weiping, der VWL an der renommierten Renmin-Universität in Peking lehrt und Mitglied der chinesischen WTO-Beitrittsverhandlungen war, ist der Ansicht, dass nur Trump den Konflikt beenden könne.

Peking, so sagten chinesischen Regierungsbeamte, habe Schwierigkeiten, sich auf das Wort Trumps zu verlassen. „Er sagt das eine und tut das andere“, beschwerte sich ein ranghoher Mitarbeiter der staatlichen Planungsbehörde, die in China die Wirtschaftspolitik koordiniert. Da die US-Regierung selbst in der Handelsfrage gespalten ist, fällt es auch Peking schwer, ein angemessenes Paket zu schnüren, um die Situation zu deeskalieren.

Während US-Finanzminister Steve Mnuchin China dazu bringen möchte, den Import von amerikanischen Waren signifikant zu erhöhen, ist der Handelsbeauftragte Robert Lighthizer dieser Lösung gegenüber skeptisch. Für ihn geht die Gefahr vor allem von der chinesischen Industriepolitik aus, mit der das Land in Zukunft Amerika als größte Volkswirtschaft und bedeutende Technologiemacht ablösen könnte.

Gleichzeitig versuchen sowohl China wie auch die USA, Abkommen mit Europa zu schließen und diverse Mitspieler auf ihre Seite zu ziehen. So berichtete das Handelsblatt exklusiv von einem Geheimtreffen des US-Botschafters Richard Grenell mit deutschen Auto-Bossen. Darin bot er ihnen an, dass die USA vollkommen auf Autozölle gegenüber der EU verzichten werde, sollten die Europäer ihrerseits das Gleiche tun. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete am Dienstag, dass Vize-Ministerpräsident Liu He, zuständig für Chinas Finanzen und Wirtschaft, der Europäischen Union eine Allianz angeboten habe. Peking sei bereit, bei bestimmten Produkten die Zölle für europäische Produkte zu senken. Bisher scheinen jedoch beide Optionen für die EU nicht umsetzbar zu sein.

Startseite

Mehr zu: US-Strafzölle - China startet „Gegenangriff“ im „größten Handelskrieg der Wirtschaftsgeschichte“

1 Kommentar zu "US-Strafzölle: China startet „Gegenangriff“ im „größten Handelskrieg der Wirtschaftsgeschichte“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich habe die ewige Kriegsrhetorik gründlich satt. Wir sollten uns stattdessen auf einige Fakten besinnen.

    Zuerst die Sicht der Amerikaner. Für sie ist China eine billige Werkbank. In China hergestellte PCs oder Jeans kosten nur einen Bruchteil der amerikanischen Ware. Mag sein, dass der amerikanische Präsident einen Einkauf in China in Zukunft nicht mehr wünscht. Aber wenn es die billigen Importwaren nicht mehr geben sollte, müssen die Amerikaner auf die teuren Eigenerzeugnisse zurückgreifen. Das belastet ihren Geldbeutel. Volkswirte würden sagen, sie verlieren an Wohlstand.

    Weiter zur Sicht der Amerikaner. Das riesige Handelsbilanzdefizit mit China bedeutet, dass die Amerikaner zu einem großen auf Pump leben. Mag sein, dass der amerikanische Präsident dies in Zukunft nicht mehr wünscht. Aber dann müssen die Amerikaner den Gürtel enger schnallen. Volkswirte würden sagen, sie verlieren an Wohlstand.

    Nun zu China. Sein Wirtschaftsmodell läßt sich als "Werkbank der Welt" beschreiben. Aber es ist nicht in Stein gemeißelt, die Chinesen können es überdenken und verändern. Macht es wirklich Sinn, auf Dauer gesehen in großem Stile nur für die Weltmärkte zu schuften und Devisenreserven anzuhäufen? Mal so eine Idee: Wie wäre es, die Löhne kräftig anzuheben? Dann würden die fleißigen chinesischen Arbeiter (zu dann höhreren Löhnen) für sich selbst und den eigenen Wohlstand schuften.