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US-VerbündeteTaiwan-Krise: Wie sich Japan und Südkorea gegen Chinas Übermacht stemmen

Pelosis Besuch in Taiwan zeigt exemplarisch die zunehmenden Spannungen in Ostasien. Die Verbündeten der USA rüsten sich seit längerem gegen Pekings Aggressionen.Martin Kölling 02.08.2022 - 15:37 Uhr Artikel anhören

Die Alliierten versuchen durch stärkere Zusammenarbeit und vor allem Übungen die Integration zu stärken.

Foto: IMAGO/UPI Photo

Tokio. Der Besuch von Nancy Pelosi in Taiwan sorgt in Ostasien für zunehmende Spannungen. Doch die Krise ist nur das letzte Beispiel für die wachsenden Spannungen in der Region, was die Zahl der Manöver zeigt. So haben chinesische und russische Kriegsschiffe und -flugzeuge noch im Juni den US-Alliierten Japan umkreist. Japan und Korea jedoch verharren angesichts solcher Machtdemonstrationen keinesfalls in einer passiven Position. Sie demonstrieren mit eigenen Manövern, dass sie eine militärstrategische Vormachtstellung Chinas und Russlands in ihrer Weltregion keinesfalls hinnehmen wollen.

Diese Übungen zeigen eine Tendenz: Die USA wie auch Japan und Südkorea setzen auf eine stärkere Beteiligung der Juniorpartner an militärischen Einsätzen. Und das militärische Potenzial, das die ostasiatischen Industrienationen in die asiatische Machtbalance einbringen, ist beträchtlich, wie ein Blick auf ihre Verteidigungspolitik zeigt.

US-Streitkräfte in Japan und Südkorea

50.000 US-Soldaten in Japan:

Japan hat sich zu einem der engsten Verbündeten der USA entwickelt. Rund 50.000 US-Soldaten sind in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt stationiert. Die südjapanische Insel Okinawa gleicht einer amerikanischen Festung. Rund 70 Prozent aller US-Stützpunkte in Japan sind dort konzentriert, darunter der Luftwaffenstützpunkt Kadena. Der wird als Schlüsselposition der US-Strategie im gesamten Pazifik bezeichnet.

Rund 70 Prozent aller US-Stützpunkte in Japan sind in Okinawa konzentriert, darunter der Luftwaffenstützpunkt Kadena.

Foto: Reuters

Zudem hat die siebte Flotte, der größte US-Marineverband außerhalb der USA, sein Hauptquartier in Yokosuka am Südende der Bucht von Tokio. Zu der Flotte gehören ein Flugzeugträger, 50 bis 70 Schiffe, 150 Flugzeuge und 27.000 Matrosen und Marines im westlichen Pazifik und Indischen Ozean.

28.500 US-Soldaten in Korea:

Die US-Präsenz in Südkorea ist kleiner als in Japan, aber wichtig. 28.500 Soldaten haben die USA in dem Frontstaat mit Nordkorea stationiert. Eine Mission ist dabei, das gemeinsame Kommando der Vereinten Nationen zu unterstützen, das offiziell seit dem Ende des Korea-Kriegs zwischen Nord- und Südkorea (1950 bis 1953) über die Einhaltung des Waffenstillstands wacht.

So verteidigen sich Japan und Südkorea

Japan setzt auf Selbstverteidigungskräfte:

Die USA können sich bisher auf den Schutz und die logistische Unterstützung von Japans Berufsarmee verlassen. Sie ist durch die von den amerikanischen Besatzern formulierte Verfassung zwar größtenteils auf die Landesverteidigung eingeschränkt.

Japans Berufsarmee zählt 247.000 aktive Mitglieder und rund 50.000 Reservisten.

Foto: dpa

Bisher verbietet das Land den Besitz von Angriffswaffen, weshalb das Militär als „Selbstverteidigungskräfte“(SDF) und Soldaten als „Selbstverteidigungsbeamte“ bezeichnet werden. Aber die Regierung hat durch Neuinterpretationen der Verfassung die Einsatzmöglichkeiten seines Militärs immer stärker erweitert. Inzwischen gesteht die Regierung den SDF auch das Recht zu, Einheiten von Verbündeten zu schützen.

Japans Berufsarmee zählt zwar nur 247.000 aktive Mitglieder und rund 50.000 Reservisten. Aber die sind gut ausgerüstet und ausgebildet. Zudem unterhält Japan die zweitmodernste Marine – nach China – der Welt.

Südkoreas Militär: Ein Volk unter Waffen:

Aufgrund einer Wehrpflicht für alle südkoreanischen Männer gibt es 555.000 aktive Soldaten und 2,7 Millionen Reservisten. In den vergangenen Jahren wird auch versucht, vermehrt Frauen für den Wehrdienst zu begeistern. Mit 51 Millionen Einwohnern unterhält das Land eine der größten und schlagkräftigsten jederzeit stehenden – also einsetzbaren – Streitkräfte der Welt.

So kooperieren die Länder mit den USA

Japan und die USA versuchen Zusammenarbeit zu stärken:

Japan kauft einen großen Teil seines Rüstungsbedarfs direkt oder indirekt durch heimische Lizenzfertigung vom Verbündeten ein. Allerdings gibt es kein gemeinsames Kommando. Die Alliierten versuchen durch stärkere Zusammenarbeit und vor allem Übungen die Integration zu stärken. 2020 führten beide Seiten 49 Manöver durch, 40 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Südkorea und die USA haben gemeinsames Kommando:

Die Streitkräfte Südkoreas und der USA sind deutlich stärker integriert als die in Japan. Es gibt ein gemeinsames Kommando, dessen operationelle Leitung (Opcon) in Kriegszeiten an die US-Streitkräfte fällt. Langfristig gab es immer wieder Gespräche, die Leitung auch im Krisenfall an Südkorea zu übertragen. Aber derzeit hat eine andere Form der Integration Vorrang, die Wiederbelebung von Manövern.

Vor den US-Nordkorea-Gipfeltreffen übten beide Seiten routinemäßig einen Krieg mit dem Norden. Allerdings ist Südkoreas Militär bisher weniger als das japanische darauf ausgerichtet, die USA auch in anderen Konfliktzonen zu unterstützen.

Südkoreas Militär ist bisher weniger als das japanische darauf ausgerichtet, die USA auch in anderen Konfliktzonen zu unterstützen.

Foto: dpa

So sehen die Sicherheitsstrategien der Länder aus

Japan will eine aktivere und eigenständigere Rolle spielen:

Die Sicherheitsstrategie Japans befindet sich seit zehn Jahren im Wandel. Zwischen 2010 und 2012 bestrafte China Japan in einem Streit um die von Japan kontrollierten Senkaku-Inseln mit Sanktionen. Seither sieht Japans Regierung China immer stärker als Bedrohung.

Der ermordete, ehemalige Ministerpräsident Shinzo Abe trieb den Wandel in dem Land voran. Seine Agenda setzte zum einen auf die Stärkung der Allianz mit den USA, den Ausbau der eigenen Armee sowie multilaterale Militärabkommen, die von Handelsvereinbarungen flankiert werden, um den südostasiatischen Ländern eine wirtschaftliche Alternative zu China zu bieten.

Japans früherer Premier Abe wurde auf einer Wahlkampfveranstaltung niedergeschossen und starb später an seinen Verletzungen.

Foto: dpa

Abe hat zwei Säulen einer neuen antichinesischen Bewegung in Asien vorangetrieben: Das eine ist das Konzept des „freien und offenen Indo-Pazifik“. Damit verbindet sich die Forderung, dass kein Land den Status quo mit Gewalt ändern darf. Der Adressat ist in diesem Fall vor allem China.

Das zweite Konzept ist der quadrilaterale Sicherheitsdialog (Quad). Dabei handelt es sich um ein lockeres Forum zwischen den USA, Japan, Australien und Indien, in dem die Teilnehmer auch über viele Themen wie Impfstoffe und Wirtschaftshilfen für die Region sprechen. Die Hoffnung ist, über die Zusammenarbeit mittel- und langfristig auch militärisch enger zu kooperieren.

Südkoreas Sicherheitsstrategie nimmt die Welt in den Blick:

Die wachsende atomare Aufrüstung Nordkoreas sowie die Aggressivität Chinas haben in Südkorea schon lange vor Japan zu einer Aufrüstung geführt. Seit 1998 hat das Land sein Militärbudget um das 3,6-Fache auf inzwischen 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöht.

Der ehemalige Präsident Moon Jae In stärkte den militärisch-industriellen Komplex. Unter anderem sollte die eigene Rüstungsindustrie gefördert werden, um weniger abhängig von ausländischer – und damit auch amerikanischer – Rüstungstechnik zu sein.

Der ehemalige Präsident Moon Jae In stärkte den militärisch-industriellen Komplex.

Foto: dpa

Der neue konservative Präsident Yoon Suk Yeol dürfte diese Richtung fortsetzen, allerdings mit Akzentverschiebungen: Er will die Allianz mit den USA stärken, Nordkorea stärker abschrecken und mehr im indo-pazifischen Raum als eigenständiger Befürworter einer regelbasierten Ordnung auftreten.

Konfliktpotenzial, Probleme und Aussichten

Taiwan ist entscheidend für Japan:

Mit China, Nordkorea und Russland wird Japan gleich von drei Atomwaffenstaaten bedroht. Besonders akut wird die Gefahr durch Chinas wachsende Aufrüstung und immer schärfere Rhetorik gegenüber Taiwan.

Spitzenpolitiker der japanischen Regierung, darunter auch der frühere Regierungschef Abe, haben den Einsatz der japanischen Selbstverteidigungskräfte in Aussicht gestellt, falls China Taiwan angreifen sollte. Kann China die Insel erobern, sind nicht nur Japans kleine Inseln in Gefahr. Peking kann dann auch einfacher Japans Schifffahrtslinien unterbrechen und im Pazifik expandieren.

Der Luftwaffenstützpunkt Kadena wird als Schlüsselposition der US-Strategie im gesamten Pazifik bezeichnet.

Foto: IMAGO/ZUMA Wire

In den kommenden fünf Jahren will Japan das Militärbudget auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts verdoppeln. Auch soll die bisher auf Japan beschränkte Rüstungsindustrie durch die Förderung von Waffenexporten gestärkt werden. Gleichzeitig wird die Regierung multilaterale Abkommen stärken wollen, um Querverbindungen zwischen den US-Alliierten aufzubauen.

Südkorea zwischen den USA und China:

Ein Dauerthema in Südkorea ist die Bedrohung aus Nordkorea, das den Süden bereits einmal angegriffen hat. Doch mit Chinas wachsender Aggressivität in außen- und sicherheitspolitischen Fragen wächst auch die Sorge wegen China weiter an. Unter Yoons Vorgänger Moon hat sich die Regierung mit Kritik an China lange zurückgehalten. Denn die Volksrepublik ist Südkoreas wichtigster Handelspartner.
Yoon treibt massive Investitionen von Akku- und Chipkonzernen in den USA nun stärker voran – und erhöht damit das Risiko, dass es wieder zu Wirtschaftskonflikten mit China kommt. Die Regierung versucht dies durch Gespräche mit Peking im Vorfeld zu verhindern.

Aber das Grundproblem bleibt: Yoon sieht Südkorea stärker an der Seite der USA. Gleichzeitig steht er vor der Aufgabe, die gefühlte Isolation zu überwinden. Im Gegensatz zu Japan ist Südkorea weder Teil des Freihandelsbundes CPTPP noch der Quad.

Die Geschichte zwischen Japan und Korea ist schon lange angespannt. Japan hatte Korea 1910 durch einen Vertrag annektiert. Aber unter der Regierung des linken Südkoreaners Moon Jae In, der die antijapanische Stimmung innenpolitisch nutzte, und des nationalkonservativen japanischen Regierungschefs Shinzo Abe, der Japans Taten in seiner imperialen Zeit verdrängen wollte, sind die Beziehungen über die juristische Bewältigung historischer Fragen endgültig eingefroren.

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Nun drängen die USA Japan und Südkorea darauf, ihre Streitigkeiten um geschichtliche Fragen aus Japans Eroberungszeit beizulegen und die Zusammenarbeit zu erhöhen. Denn die Verbindung der beiden Nachbarn würde die US-Allianzen in der Region massiv stärken.

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