US-Vorwahlen Teflon-Mitt gewinnt in New Hampshire

Die Attacken seiner Gegner waren hart. Doch sie konnten den Sieg von Mitt Romney nicht verhindern. Der republikanische Kandidat lässt sich feiern – doch beim zweitplatzierten Ron Paul ist die Stimmung besser.
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Romney baut Vorsprung aus

Manchester/New HampshireMitt Romney lässt sich gleich zwei Mal feiern. Seine Siegesrede hält er vor hunderten von Unterstützern  in der Kantine der Southern New Hampshire University. Doch der Raum ist viel zu klein für all die Fans, die gekommen sind, um ihn live zu sehen. Also wird die Turnhalle frei gemacht und Romneys Worte per Video-Konferenz dorthin übertragen. Doch das reicht dem großen, schlanken Mann nicht, der seit Wochen für sein Ticket ins Weiße Haus kämpft. Er will alle sehen. Deshalb taucht er nach der offiziellen Veranstaltung noch spontan in der Turnhalle auf für ein zweites Bad in der Menge. Seine Frau Ann  hat er mitgebracht, ebenso wie  fünf Söhne, die zum Teil mit deren Frauen und Kindern gekommen sind.

Die Romney-Großfamilie lächelt geduldig, während Papa Mitt Hände schüttelt und sein Autogramm auf Wahlplakate, Fotos und Baseball-Bälle schreibt. „Heute Nacht haben wir Geschichte geschrieben“, sagt der Star des Abends sichtlich zufrieden. Seit Jahrzehnten hat es kein republikanischer Präsidentschaftskandidat mehr geschafft, sowohl die Vorwahlen in Iowa als auch die Vorwahlen in New Hampshire gewonnen.

Mit 16 Prozent Vorsprung vor dem Zweitplatzierten Ron Paul hat Romney dieses Mal auch deutlich gewonnen – anders als vergangene Woche in Iowa, wo er mit nur acht Stimmen vorn lag. Doch historisch ist seine Rede nicht. Er teilt wieder einmal aus gegen US-Präsident Obama und listet auf, was er alles besser machen würde. Obama „will Amerika von Grund auf wandeln. Wir wollen Amerika zurück zu den ursprünglichen Prinzipien führen, die dieses Land groß gemacht haben. Dieser Präsident bekommt seine Inspirationen aus Europa, wir schauen auf die großen und kleinen Städte Amerikas.“ Die Stimmung ist gut, aber nicht überschwänglich. Nur wenige kann der glatte, gewandte Kandidat wirklich begeistern. Viele andere klatschen und jubeln eher aus Höflichkeit – weil man das in Amerika halt so macht.

Was dem jovialen Romney in der Universität nicht gelingt, klappt ein paar Kilometer weiter bei Ron Paul dafür umso besser. Hoffnungslos überfüllt war der „Executive Court“ schon lange bevor Ron Paul dort überhaupt auftauchte. Aber vor allem: Der repräsentative Veranstaltungssaal atmete Stolz, Leidenschaft und Selbstsicherheit. Denn mit 23 Prozent Zustimmung hat der libertäre Ron Paul einen beachtlichen zweiten Platz belegt. Der 76-Jährige hat gezeigt, dass seine Botschaft inzwischen breite Wählergruppen erreicht. Und anders als sonst war Paul in seiner Siegerrede aggressiver, spitzer, angriffslustiger. „Ich habe Gouverneur Romney zu seinem Sieg gratuliert“, sagt er. Um dann in höherer Stimmlage nachzusetzen: „Aber wir bleiben ihm auf den Fersen“. Quittiert wurde diese Ankündigung von seinen Fans mit dem Chor-Stakkato „President Paul“.

Ron Paul versetzt seine Anhänger in Leidenschaft
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14 Kommentare zu "US-Vorwahlen: Teflon-Mitt gewinnt in New Hampshire"

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  • @Bastian
    Nun, das Zeitalter der Aufklärung begann ca 1720 obwohl die Wurzeln wesentlich früher zu verorten sind. ca 1750 wurden die franz. Encyclopedisten aktiv.
    Preisfrage wann war der amerikanische Unabhänigkeitskrieg und wann wurden die USA aus der Taufe gehoben? Da war die Aufklärung schon lange aktiv und natürlich auch in Amerika.Beschäftigen Sie sich mit den Gründervätern.
    Religion spielte natülich immer eine große übergroße Rolle pilgrim fathers usw. Die Geschichte der Vereinigten Staaten ist ambivalent wie jeder Geschichtprozess.

  • @Gast ... Stimmt! Lasst und wieder zurück zu guten alten deutschen Worten und Tugenden zurückfinden, damit das Niveau hier in diesem Forum nicht prekäre Züge annimmt ...

  • Ron Paul ist alt aber ein Kämpfer.
    Er würde das Risiko akzeptieren ,da er es kennt, wie jeder Kämpfer dessen Herz jung ist!

  • @Radiputz ... Naja die Amerikaner haben Europa vor der Aufklärung verlassen und das merkt man heute noch! Soviel zu ihren Wurzeln ...

  • Wer sich als Präsident versucht, die Macht der FED zu beschränken oder sie gar abzuschaffen, wird vor Ende seiner Amtszeit aus dem Amt scheiden.

  • Da haben Sie wohl recht.
    Ich will den Greisen-Status nicht negativ bewerten,
    denn ich lese gerade sein brilliantes Buch, in dem er der Finanzmafia in den USA ihre Verbrechen vorwirft.
    Das Problem ist nur, dass intelligente und wahrheitssuchende Leute gegen die 1%-Gangsterkaste in den USA keine Chance haben.

  • Was heiß hier der "vergreiste" Paul. Viele Alte sind im Kopf jünger und besser organisiert als die altersmäßig mittlere Etage. Ron Paul gehört zu ihnen. Mit ihm hätte Amerika, vielleicht die letzte Chance wieder zu seinen lbertären Wurzeln zurückzukehren, die auf Eigenermächtigung, Eigenertüchtigung und Eigenverantwortung beruht.
    Danke. (Ein Alter Lol)

  • So progressiv der vergreiste Paul auch sein mag. Die dummen Amis wählen wohl lieber eine Heuschrecke, einen Finanzgangster, der soziale Errungenschaften als Kommunismus bezeichnet.
    Paul, der die Abschaffung des Gangster-Syndikats FED fordert, hat keine Chancen bei den Republikanern.
    Ich verstehe nicht, wieso viele der 99%-Amerikaner schon wieder in Erwägung ziehen, einem Finanzmafiosi der 1%-Kaste ihre Stimme zu geben.
    Das muß wohl daran liegen, dass viele Amis im Albtraum-Amerika immer noch an den amerikanischen Traum glauben.

  • nach Teflon-Merkel jetzt Teflon-Mitt, wenn das keine Teflon-Inflation ergibt?

  • Nicht nur das, die meisten Menschen, einschl. Journalisten, sind der deutschen Sprache kaum noch mächtig. Es gibt hier nur noch Kaffee to go, sale, fake etc. oder wie heist das??

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