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US-Vorwahlen TV-Duell zwischen Biden und Sanders: Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten

Das erste Zweierduell der demokratischen Präsidentschaftskandidaten endet mit einem klaren Sieger – und einer überraschenden Nachricht.
16.03.2020 - 08:42 Uhr Kommentieren
Joe Biden verfolgte in dem TV-Duell konsequent und weitgehend fehlerfrei seine Strategie, sich als präsidialer Anführer der Nation zu präsentieren. Quelle: AP
Joe Biden und Bernie Sanders (v. l.)

Joe Biden verfolgte in dem TV-Duell konsequent und weitgehend fehlerfrei seine Strategie, sich als präsidialer Anführer der Nation zu präsentieren.

(Foto: AP)

Washington Bereits der Ort des Duells machte deutlich: Auch die USA befinden sich im Corona-Ausnahmezustand. Ursprünglich sollte die erste Zweierdebatte zwischen Bernie Sanders und Joe Biden vor Publikum in Phoenix, Arizona stattfinden. Also in einem der vier Bundestaaten, in denen am Dienstag dieser Woche Vorwahlen anstehen.

Doch weil Massen-Events in Zeiten der Corona-Pandemie vermieden werden sollen, trafen die Kontrahenten nun am Sonntagabend US-Ostküstenzeit in einem TV-Studio in Washington aufeinander – ohne Live-Publikum.

Zwei Stunden, zwei Kontrahenten: Es war das erste Mal, dass sich die beiden verbleibenden relevanten Präsidentschaftskandidaten der Demokraten in dieser Konstellation begegneten.

Zur Begrüßung gaben sich die Parteifreunde nicht die Hände oder umarmten sich gar, sondern berührten sich Corona-konform nur leicht am Ellenbogen: Biden, der 77-jährige ehemalige Vizepräsident unter Barack Obama. Und Sanders, noch ein knappes Jahr älter als Biden, Senator für den US-Bundestaat Vermont und der erklärte Held des linken Parteiflügels.

Das Handelsblatt beantwortet die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Duell, das möglicherweise bereits die Vorentscheidung gebracht hat, wer im Herbst gegen Donald Trump antreten wird.

War das Duell überhaupt noch relevant? Joe Biden liegt doch klar in Führung.

Es stimmt, dass Biden bei den bisherigen Vorwahlen deutlich mehr Delegierte gewonnen hat als Sanders. Der „Delegate Tracker“ der University of Virginia schreibt Biden nach derzeitigem Stand 866 Delegierte aus den bisherigen Vorwahlen zu, Sanders nur 709.

Tulsi Gabbard, die dritte demokratische Kandidatin, die noch nicht aus dem Rennen ausgestiegen ist, hat nur zwei Delegierte sicher. Doch um die Nominierung auf dem für Anfang Juli geplanten demokratischen Parteitag sicher zu haben, sind 1991 Delegierte erforderlich.

2261 Delegiertenstimmen werden bei den ausstehenden Vorwahlen noch vergeben. Das Rennen ist also nicht endgültig entschieden. Doch Sanders braucht einen schnellen und überraschenden Erfolg. Das TV-Duell bot für Sanders die vielleicht letzte Chance, das Blatt zu wenden. Und sei es nur, so die Hoffnung im Sanders-Lager, weil Biden im Laufe der zwei Stunden einen seiner berüchtigten rhetorischen Patzer landet.

Und, hat Biden gepatzt?

Nein, im Gegenteil. Thema Nummer eins der Debatte war natürlich die die Corona-Pandemie und Biden verfolgte konsequent und weitgehend fehlerfrei seine Strategie, sich als präsidialer Anführer der Nation zu präsentieren, als vernünftige Alternative zu Donald Trump, der das Ausmaß der Coronakrise noch am Sonntag klein redete („wir haben eine sehr gute Kontrolle über den Virus“).

Biden plädierte zum Beispiel dafür, das US-Militär für den Bau von Feldlazaretten einzusetzen, um die Behandlungskapazitäten zu erhöhen. Sanders hingegen nutzte die Coronakrise, um immer wieder für seine wichtigste politische Forderung zu trommeln: Eine staatliche Krankenversicherung für alle Amerikaner.

Biden ließ Sanders mit einem kühlen Satz abtropfen: „Die Menschen wollen Resultate und keine Revolution“. Auch in seiner Körpersprache wirkte Biden präsidial, immer wieder bearbeitete er mit beidseitigen Handkantenschlägen das Rednerpult, was Entschlossenheit und Führungsstärke demonstrieren sollte.

Sanders hingen gab mit raumgreifenden Armbewegungen den angriffslustigen Jakobiner, wenn er etwa auf die „Gauner“ in der Pharmabranche schimpfte, von denen sich so manche angesichts der Pandemie „über steigende Profite freuen“.

Gab es neue Erkenntnisse in der Debatte?

Für die stärkste Nachricht des Abends sorgte abermals Biden. Er verkündete, dass er auf jeden Fall eine Frau als „Running Mate“ nominieren werde, als seine Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin. Auf die Frage des Moderatorentrios, ob Sanders das ebenfalls vorhabe, mochte sich Sanders lediglich auf ein „höchstwahrscheinlich“ festlegen.

Biden griff sogar schon seiner Wahl zum Präsidenten vor und verpflichtete sich, bei nächster Gelegenheit eine afroamerikanische Frau für den Obersten Gerichtshof zu nominieren.

Und auch inhaltlich vermochte Biden in der Debatte zu überraschen: Auf die Frage, ob er dafür sei, dass die lokalen Polizeibehörden aufgegriffene illegale Einwanderer automatisch der Einwanderungsbehörde übergeben, antwortete Biden mit einem schlichten „Nein“, ohne jede weitere Erläuterung.

Eine Antwort, die Biden Sympathien bei einer wichtigen Wählergruppe einbringen dürfte: Den aus Mittel- und Südamerika stammenden US-Amerikanern. Von denen fühlen sich viele solidarisch mit den Millionen von illegalen Latino-Einwanderern, die meist über Mexiko in die USA gelangt sind und dort oft bereits seit Jahren in permanenter Furcht vor der Abschiebung leben.

Sanders hatte es versäumt, eine vergleichbare exklusive Nachricht zum Duell mitzubringen. Seine Statements bestanden im Wesentlichen aus Versatzstücken aus seinen Wahlkampfreden.

Und wie geht es jetzt weiter?

Am Dienstag stehen die Vorwahlen in Arizona, Florida, Illinois und Ohio an. Trotz der Corona-Pandemie sollen die Wahlen nach derzeitigem Stand auch stattfinden. Die vier Staaten stehen für weitere 14 Prozent der Delegierten. In allen vier Staaten liegt Biden laut Umfragen in Führung.

Zumindest in einem dieser Staaten braucht Sanders einen Überraschungserfolg, um seine Nominierung nicht vollends unrealistisch erscheinen zu lassen. Es ist nicht erkennbar, wie die Fernsehdebatte vom Sonntagabend zu solch einem Stimmungsumschwung zu Sanders Gunsten beigetragen haben könnte. Seine womöglich letzte Hoffnung: Die Umfragen zu den Vorwahlen in den einzelnen Staaten haben sich schon häufig als unzuverlässig erwiesen.

Mehr: Noch ist er nicht am Ziel, doch die Kandidatur für das Weiße Haus dürfte Joe Biden kaum noch zu nehmen sein. Er setzt auf die Rückkehr von Moral und Anstand.

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