Analyse der TV-Debatte Präsident Obama und der Anti-Bush

In der letzten TV-Debatte zwischen Präsident Obama und Herausforderer Romney ging es gesitteter zu als sonst: Beim Thema Außenpolitik gaben sich beide so staatsmännisch wie möglich. Doch lange hielten sie das nicht aus.
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Obama attackiert Romney

Boca RatonEiner der deutlichsten Unterschiede zwischen einem US-Präsidenten und einem, der es erst werden will, zeigte sich am Montagnachmittag auf dem Rollfeld des Flughafens von West Palm Beach, Florida. Irgendwo auf dem Vorfeld zwischen Privatjets parkte die Wahlkampf-Maschine von Mitt Romney, ein in die Jahre gekommener Mittelstreckenjet. Ein paar hundert Meter weiter dagegen, weiträumig abgesperrt, überragte die Präsidenten-Maschine den halben Flughafen: die Air Force One.

Der Kandidat ohne außenpolitische Erfahrungen gegen den Commander-in-Chief einer Supermacht: Es waren ungleiche Startbedingungen, als sich Mitt Romney und Barack Obama am Abend im Nachbarort Boca Raton zum TV-Duell über Außenpolitik trafen. Die dritte und letzte Debatte war die Chance für die Kandidaten, zwei Wochen vor der Wahl das knappe Rennen noch eimal in ihre Richtung zu lenken.

Und Obama versuchte sie zu nutzen, wo er konnte: Mehrmals während der 90-minütigen Debatte ließ er seinen Gegner spüren, wer sich hier in der Außenpolitik auskennt – und wer nicht. „Ich als Oberster Befehlshaber“ gehörte zu den Lieblings-Einleitungen des Präsidenten.

Als Romney etwa beklagte, die US-Navy habe heute weniger Schiffe als noch vor Jahrzehnten, lächelte Obama nur und antwortete, der Kandidat verstehe nichts von moderner Marine: Es gebe heute natürlich weniger Schiffe, „genauso wie es weniger Bajonette gibt“, sagte der Präsident. „Wir haben dafür heute diese so genannten Flugzeugträger, auf denen Flugzeuge landen“.

Doch Romney verstand es, sich nicht zu sehr in die Rolle des Außenpolitik-Novizen drängen zu lassen. Der Geschäftsmann und Ex-Gouverneur legte einen Ritt durch die gesammelten Konfliktgebiete dieser Erde hin, von Libyen über den Nahen Osten bis zu Al-Kaida im Norden Malis.

Und immer wieder warf er Obama dasselbe vor: Der Präsident habe die USA geschwächt. „Nirgendwo in die Welt ist der Einfluss Amerikas heute größer als vor vier Jahren“, sagte Romney. Obama verteidigte seine Bilanz. Er beteuerte, das Land sei heute stärker als zu Zeiten von George W. Bush. Der Grund: „Wir haben die Beziehungen zu unseren Verbündeten repariert.“

Es war eine über die meiste Zeit ebenbürtige Debatte, abseits von ein paar Sticheleien gaben sich die Kandidaten beim Thema Außenpolitik staatstragend. Ruhig und sachlich trugen sie ihre Ansichten vor, und ließen sich, anders als beim letzten Duell, meist gegenseitig ausreden.

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8 Kommentare zu "Analyse der TV-Debatte: Obama und der Anti-Bush"

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  • Freue mich auf den Antrittsbesuch von Präsident Romney. Bis dahin genieße ich noch die Obama-Abschiedstour 2012. Die Menschen machen Sie zu einem vollen Erfolg. Sie freuen sich ihn nur noch ein letztes Mal als Präsidenten sehen zu müssen und spenden sogar großzügig um ihn endlich zu verabschieden;-) In 2 Wochen ist dann das Werk vollbracht und die Erneuerung der US-Wirtschaft kann dann endlich ab Jan 2013 in Angriff genommen werden. Besser spät als nie!

  • Verglichen mit dem was der Spiegel in seiner Online Ausgabe schreibt ein sehr guter und ausgewogener Kommentar.

    Bei SPON hat man immer den Eindruck, der einzige Amerika-Versteher der Welt muss durch parteiische Berichterstattung die Welt retten. Das liest sich wie der Endkampf um Armageddon. Und das in Boca Raton.

    HB - weiter so. Denn ob Obama oder Romney gewinnt ist eigentlich gehupst wie gesprungen.


  • ... das liegt an den politischen und ökonomischen Sachzwängen in einer globalisierten Wirtschaft. Wir leben nun mal nicht, so wie Sie, auf einem Suppenteller, wo der Tellerand die Betrachtundsgrenze bildet.

  • @karstenberwanger:
    Endlich mal ein treffender Kommentar! Dem gibt es nichts hinzuzufügen!

  • Eine Zeit lang habe ich die Debatte über den BBC World Service verfolgt - bis mir das große Kotzen kam: Bilden sich die Amis wirklich ein, sie dürften die Welt nach ihren Ideen regieren? Vor allem Romney trat wie ein Halbstarker auf: Die Syrienkrise sei eine Chance für die USA, ihren Einfluss zu stärken. Er würde die befreundeten Kräfte massiv mit Waffen unterstützen.

    So züchtet man sich neue Osama Bin Landens und "Gotteskrieger" wie im nördlichen Mali, die ihre Waffen ja wesentlich aus Libyen haben.

    Jedem in Nahen Osten dürfte aber mittlerweile klar sein, dass sich die Außenpolitik der USA nach deren innenpolitischen Fähnchen richtet. Romney gab also, wie ja schon andere Kommentare hier meinten, massenweise heiße Luft von sich. Aber was weiß denn die breite Masse der Amis, die ihre Informationen aus dem Privatfernsehen und der Lokalzeitung bezieht?

    Gott gnade uns, wenn wenn die USA demnächst von den religiösen Fundamentalisten der Republikaner regiert werden sollten! Die wollen dann bestimmt den Kreationismus exportieren. Naja - den gibt's unter dem Islam auch...

  • Romney hat sich im Wahlkampt besser geschlagen, als ich erwartet habe. Ein Grund dürfte sein, dass die fanatische Seite der Republikaner, die Tea-Party, einfach mal den Mund gehalten hat.

    Wenn Romney die Wahl nicht gewinnen sollte, wovon ich ausgehe, dann darf er sich bei diesen verblendeten Spinnern bedanken. Die sind einfach nur abstoßend dumm.

  • Im Script lassen sich die immer gleichen Phrasen von Romney immer wieder lesen. Er hat in vielen Bereichen nichts ausser warme Luft zu bieten. Das alte starke Amerika das er sucht, das der Cowboys wie John Wayne und R. Schwarzenegger gab es noch nie. Er ist in vielen Sachen naiv und ihm fehlt das Gespür, er wirkt hölzern und ungeschickt in dem, was er dann immer wieder sagen muß. Wenn er Obama nicht als Sündenbock rhetorisch angreifen kann, kommt nicht viel, abgesehen von einem eher ideologischen Unterschied. Er vergisst wie unbeliebt sich G.W. Bush mit seiner Guantanamo Geschichte, den Skandalen in Afghanistan und Foltermethoden gemacht hat. Das hätte er ansprechen müssen und dem was entgegensetzen müssen. Aber Romney wirkt lahm, müde und ideenlos... und immer so abhängig davon den "Guten Retter" zu spielen!

  • Traurig zu sehen dass Menschen sich heute von dieser Muppetshow blenden lassen und tatsächlich glauben, sie würden zwischen etwas eine Wahl haben. Das selbe gilt für Deutschland.

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