US-Wahlkampf Romney, der Räuber

In seinem Wahlkampf verkauft sich Romney gerne als Vorstandschef und versucht mit Wirtschaftskompetenz zu punkten. Doch die Realität sieht ganz anders aus.
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Mitt Romney.

Mitt Romney.

New YorkGraue, gepflegte Haare, blaue Bluse. Noch heute sieht Cindy Hewitt aus, als ob sie in einer Personalabteilung eines Konzerns arbeiten würde. Aber ihren Job in der Personalabteilung von Dade Behring hat sie längst gekündigt. Der Grund: Mitt Romney.

Zuerst musste 1997 eine Fabrik von Dade Behring in Puerto Rico dran glauben. Das kommt vor, sagte sich Hewitt damals. Dann holte die Firma ein Dutzend Manager aus Puerto Rico zur Produktionsstätte nach Miami, wo Hewitt arbeitete. Aber nur wenige Wochen später wurde auch diese Fabrik geschlossen.

Auch das konnte Hewitt noch verstehen: Manchmal müssen harte Entscheidungen gefällt werden. Als sie aber den nach Florida geholten Mitarbeitern helfen wollte, zurück in ihr Heimatland zu gehen, stieß sie auf Granit: Das Unternehmen weigerte sich und verlangte stattdessen Tausende Dollar an Umzugskosten zurück, die es den Mitarbeitern erstattet hatte.

Die Verantwortung trug der heutige Präsidentschaftskandidat Mitt Romney. Der Präsidentschaftskandidat baute 1984 die Private-Equity-Tochter der Wirtschaftsberatung mit Sitz in Boston auf. In 15 Jahren investierte er in 150 Firmen, Dade Behring war einer seiner größten Investments.

Unter seiner Leitung setzte der Medizinausrüster Kostensenkungen um, die in ihrer Gnadenlosigkeit Experten und Mitarbeiter erstaunten. Zugleich erhöhte Romney die Schuldenlast des Unternehmens stark, um sich hohe Dividenden auszahlen zu lassen.

Dieses Abkassieren lebte auch nach Romneys Amtsniederlegung 1999 weiter. Das ist das Fazit einer dem Handelsblatt vorliegenden Studie der Private-Equity-Experten der Goethe Universität Frankfurt. Sie untersuchten Investitionen von Bain Capital in namhaften Unternehmen wie Fast-Food-Ketten Burger King und Domino's Pizza oder Musikproduzent Warner Music.

Die Bilanz der Autoren Sven Fürth und Christian Rauch: Bain Capitals Restrukturierungsmechanismen würden "ausschließlich dem Zweck dienen, Rendite für Fundinvestoren zu generieren", schreiben Rauch und Fürth. Das sei an sich nicht weiter schlimm, so die Autoren, aber Bain würde das Ziel um jeden Preis verfolgen und daher "Portfoliofirmen massiven wirtschaftlichen Schaden" zufügen.

Die Studie zeigt laut James Angel, Private-Equity-Experte und Gastprofessor an der Georgetown University, "auf interessante Weise, wie Bain Capital Geld verdient".

Das Ganze ist nicht ohne Ironie. Denn in seinem Wahlkampf verkauft sich Romney gerne als den Vorstandschef, der durch seine wirtschaftliche Kompetenz Amerikas Wirtschaft wieder richten will. Gerne greift er Präsident Barack Obama als Schuldenmacher an, der den US-Haushalt in die roten Zahlen getrieben habe.

Dabei verschuldete Romney und seine Untergebenen bei Bain Capital ihre Gesellschaften bis zum Anschlag. Noch lange Zeit profitierte Romney auch nach seinem Abgang 1999 von den Sonderdividenden, wie die Autoren Rauch und Fürth herausfanden: "Er hielt Anteile an den entsprechenden Investmentfunds".

"Aus ökonomischer Sicht könnte ich das nicht vertreten"
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17 Kommentare zu "US-Wahlkampf: Romney, der Räuber"

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  • was solls die Amerikanischen wähler Wissen das alles nicht oder wollen das nicht wissen sie wollen nur Versprechungen und ob die REPS für Krieg und Schulden verantwortlich sind Interressiert Sie nehmlich auch nicht also lasst Sie Ihr Verderben Selbst Wählen wenn es Romny ist werden die Schon sehen wasauf Sie zu kommt

  • Obama hat das Geld gedruckt, um die von seinem Vorgänger angezettelten Kriege zu bezahlen und die von den Republikanern dominierte / ruinierte Geldwirtschaft mit ihren Banken und Versicherungen zu retten.
    Schon vergessen?

  • Und Rommney beschwert sich öffentlich, dass sich in Flugzeugen die Fenster nicht öffnen lassen...

  • Was auch immer Romney l vorher getan hat er wusste was er tut, klar war nicht ganz sauber Typ aber so einen knallharten Typ braucht man doch im weissen Haus! Obama is doch nur eine Marionette, da geht ihm der teleprompter tausend mal aus und er weiss nicht mehr wo von er spricht, er spricht ja nich mal mehr ohne, wie autentisch. Und jetzt kommt Handelsblatt wie alle deutschen medien und lästern über Romney?! Neutral ?! Die medien hier kopieren doch alle das selbe von den liberalen Medien wie Cbs abc nbc. Wenn wieder so viele tote demokraten wählen wie letztes Mal ist das ja auch kein Wunder das die gewinnen. Erst zieht Obama show ab er würde Christ sein, macht einen auf John 3,16 und seit 2008 nimmt er nicht mal mehr den Namen Jesus in den Mund,noch ganz zu schweigen von den Fakten über den Islam den er von sich gibt. [...]. Eins kann ich euch sagen geht die USA unter ist es bald aus mit der Welt-> Jesus kommt bald wieder ! Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Was ist das denn für ein Unsinn, Dividenden mit Schulden zu finanzieren? Nun, die Telekom macht es derzeit wohl so,bzw. die Telkom hat hohe Schulden und versucht nicht, durch Ihre Gewinne die Eigenkapitalquote zu erhöhen, aus EK-Renditegesichtspunkten heraus. Nun, den Leverage Effekt kennt jeder, der ein paar Jahre mit BWL zu tun hatte, funktioniert nur solange gut, solange die Gesamtkapitalrendite höher ist als der FK - Zins, wobei diese dabei tendenziell sinkt. Jeder vernünftige Bürger versucht jedoch, im laufe seines Lebens das Eigenkaptilal zu stärken bzw. aufgenommene Schulden abzubauen, dies sollte auch für Unternehmen gelten, sofern nicht mit neuen Schulden Investitionen für die Zukunft finanziert werden sollen. Aber, Sie sehen schon, da kann man ja ewig weiterschreiben und kommt von einem BWL - Kapitel zum anderen, z. B. als letztes noch die Bilanzstruktur zu beachten und langfristige Vermögensanlagen langfristig zu finanzieren ( z.B. Anleihen ), kurzfristigen Kapitalbedarf auf nur kurzfristig zu finanzieren ( am besten aus dem Cash Flow ). Aber dies gilt für solide arbeitende Unternehmen und nicht für Beteiligungsfirmen, die Ihr Investment nur sehr schnell versilbern möchten und dabei eben auch die übernommenen Unternehmen kaltblütig in die Überschuldung treiben und rechtzeitig vor der Insolvenz aussteigen.
    Lee Iakoka hat in den 80iger Jahren schon davor gewarnt, dass es auf Dauer nicht gut sein kann, wenn alle nur noch aus Geld Geld machen wollen. Es geht um Wertschöpfung und ja es geht auch darum, unsere Bürger zu einer vernünftigen Vergütung daran teil haben zu lassen.

  • Ähnlich verlangten bisher alle Bundesregierungen, dass die Telekom mehr Dividende ausschüttet als sie Gewinn macht. AUch hier auf Kosten der Unternehmenssubstanz und der Zukunftsfähigkeit.

  • oh ja toll und jetzt bitte nachschauen inwieweit obama für die gesamte kriese derzeit zuständig ist. sie wissen schon diese 'Fannie Mae' geschichte das der staat für jeden kreidit bürgt egal ob der hauskäufer solvent ist oder nicht. dieser ganze unsinn von den linken demokraten ist eine einzige katastrophe gewesen und schuld das jeder geld bekommen hat.
    und dann bitte auch mal schauen was obama als so alles anstellt schulden ohne ende wer glauben sie bezahlt das wohl.
    vom handelsblatt hätte ich mehr als die übliche 'hetze' gegen alle die verantwortung haben erwartet.

    aso und was ist mit obama und benghasi? schweigen im walde bei der qualitäts presse....

  • Ich bin immer wieder erstaunt, dass selbst die Opfer der Immobilien,- und Bankenkrise arg für Romney schwärmen. Das Argument, ein Unternehmer wisse ja Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen. Manchmal frag ich mich echt, ob Hollywood nicht eine gewisse Mitschuld daran trägt wo Typen wie Edward Lewis (der Hedgefondmanager aus Pretty Woman) ja nahezu vergöttert werden.

  • Das HB versucht noch im allerletzten Moment auf den Zug
    Obama-Wahlsieger aufzuspringen.
    Wollen ja schließlich nicht zu den Verlierern gehören.....

  • Merkwürdiger Artikel, den man so eher im neuen Deutschland erwarten würde.

    Es ist nichts Schlimmes daran, Unternehmensteile an der Börse zu verkaufen. Wenn Bain Capital das tut, dann verkauft es einen Teil eines Unternehmen, dass Bain Capital gehört. Eigentum zu verkaufen ist kein Raub. Die Benutzung dieses Vokabulars ist albern.

    Es spricht ökonomisch gesehen auch nichts dagegen, Sonderdividenden durch Schulden zu finanzieren. Man streicht eine ordenliche Rendite ein, die die Renditeempfänger anderweitig investieren können und gleichzeitig setzt die hohe Schuldenlast Effizienzanreize und mindert die Steuerbelastung (Stichwort: Tax Shield). Wie ein Professor das nicht verstehen und aus ökonomischer Sicht nicht vertreten kann, ist mir unklar. Ich empfehle einen Blick ist ein Standard Corporate Finance Lehrbuch.

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