US-Wahl 2016 Alle gegen einen Egomanen

Bei der TV-Debatte der Republikaner schießen sich alle auf Donald Trump ein. Der Milliardär ist längst zum Problem geworden. Doch sein Ego-Trip geht munter weiter. Gewinner des Schlagabtauschs sind dennoch zwei andere.
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Neun gegen Trump: Die Republikaner stellten sich einer ersten TV-Debatte. Quelle: Reuters
US-Wahl

Neun gegen Trump: Die Republikaner stellten sich einer ersten TV-Debatte.

(Foto: Reuters)

ClevelandEs ist ein ungeheuerlicher Verdacht, der am Tag der ersten großen TV-Debatte des amerikanischen Vorwahlkampfs am Veranstaltungsort in Cleveland, Ohio die Runde macht: Hat sich in die Elefantenrunde der Republikaner ein Nashorn gemogelt? Ein Rino? „Republican in name only“ – so nennen Amerikas Konservative Verräter in den eigenen Reihen. Jene, die, sobald sie an der Macht sind, ihr wahres, liberales Gesicht zeigen.

Könnte es sein, dass ausgerechnet Donald Trump, der mit seinen wirren Tiraden die ultrakonservative Basis seit Wochen begeistert und die Führung in den Umfragen übernommen hat, ein Doppelagent im Dienste des politischen Gegners ist? Ein Erfüllungsgehilfe der Demokraten? Nach Informationen der Washington Post hat Trump, kurz bevor er seine Bewerbung um die republikanische Präsidentschaftskandidatur bekanntgab, mit dem Leibhaftigen telefoniert: mit Bill Clinton. Der Ex-Präsident, bei den Republikanern noch immer verhasst, habe Trump ermutigt, in das Rennen einzusteigen.

Die wichtigste Frage war damit schon gestellt, lange bevor sich die zehn Kandidaten dem Kreuzverhör der Fox-News-Moderatoren stellen mussten: Wer ist Trump – und was hat er vor?

Beim Versuch der Republikaner, Präsident Barack Obama abzulösen, ist der New Yorker Bauherr der große Störfaktor. Die ihm eigene Kombination aus niedriger Hemmschwelle und tiefen Taschen macht ihn für seine innerparteilichen Gegner unberechenbar – und höchstgefährlich. Die Ausgangslage für die erste Debatte lautete daher: Neun Kandidaten (und, so wird sich zeigen, drei Moderatoren) gegen einen Egomanen.

Hillarys potenzielle Gegenspieler
Donald Trump
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Er schmeißt mit reißerischen Parolen um sich und beherrscht damit nicht nur die Schlagzeilen, sondern auch die Umfragen. Ein politisches Amt bekleidete der Immobilienunternehmer noch nie, gewann im Jahr 2000 aber die Vorwahlen in Kalifornien. Der in New York lebende Investor hat fünf Kinder aus drei Ehen.

Jeb Bush
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Er könnte die Dynastie von Vater und Ex-Präsident George Bush Senior sowie Bruder und Ex-Präsident George W. Bush fortsetzen. Ob sein Nachname ihm im Wahlkampf hilft oder schadet, muss sich noch zeigen. Der ehemalige Gouverneur von Florida gilt als moderat und kann dank seiner Kontakte wichtige Spender hinter sich versammeln.

Scott Walker
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Walker hat als Gouverneur von Wisconsin Schlagzeilen der besonderen Art gemacht - und Nerven gezeigt. Nach einer umstrittenen Sparpolitik wollten Kritiker ihn mit einer Abstimmung aus dem Amt jagen. Doch Scott überstand den Angriff und überlebte als Gouverneur. Nach Trump rechnen ihm Demoskopen derzeit die besten Chancen aus.

Mike Huckabee
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Der Mann mit dem markanten Namen war bereits 2008 im Rennen und gewann sogar die erste Vorwahl in Iowa, musste später aber aufgeben. Seitdem tingelt der Baptistenprediger und Ex-Gouverneur von Arkansas durch die TV-Sender, etwa mit einer Talk-Show beim konservativen Sender Fox News. Er trifft besonders den Nerv der religiösen Rechten.

Ben Carson
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Der 63-Jährige ist in Medizinerkreisen weltberühmt: Der Neurochirurg gilt als Pionier der operativen Trennung Siamesischer Zwillinge. Den ersten erfolgreichen Eingriff führte er 1987 an einem deutschen Brüderpaar aus Ulm durch. Der Afroamerikaner kommt aus sehr armen Verhältnissen und gilt als konservativ.

Ted Cruz
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Der Newcomer sitzt zwar erst seit 2013 im Senat, hat aber schon durch bizarre Aktionen von sich reden gemacht - etwa mit 20 Stunden Dauerreden, wobei er teils aus Kinderbüchern zitierte. Der Texaner ist Tea-Party-Mann: Gegen Abtreibung, Waffengesetze und gegen „Big Government“. Die Parteibasis liebt ihn, Wechselwähler fürchten ihn.

Marco Rubio
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Als Sohn kubanischer Einwanderer buhlt er vor allem um die wichtigen Stimmen der Latinos. Der Senator aus Florida fordert eine umfassende Einwanderungsreform und lehnt die Annäherung zwischen Havanna und Washington vehement ab. Er gilt als enger Freund von Jeb Bush, zudem als etwas zu jung und unerfahren.

Der Showkampf beginnt vor rot-weiß-blauer Kulisse. Trump steht in der Mitte der Bühne, begrüßt das Publikum mit einem Victory-Zeichen. Ihn flankieren die Nummern zwei und drei in den Umfragen: Jeb Bush, der Liebling der Partei-Elite und Scott Walker, der Gouverneur von Wisconsin.

Die erste Frage ist gleich eine Falle, eine Falle für Trump. Ob es hier auf der Bühne jemanden gebe, der nicht ausschließt, als unabhängiger Kandidat anzutreten, sollte er die republikanischen Vorwahlen nicht gewinnen, will einer der drei Moderator wissen. Nur Trump hebt die Hand. Und wird ausgebuht, nicht zum letzten Mal an diesem Abend.

Damit ist klar, welcher Choreographie die Debatte folgen soll. Fox News hat es darauf angelegt, die Trump-Blase zum Platzen zu bringen. Natürlich wussten die Moderatoren, dass nur Trump öffentlich mit einer Kandidatur als Unabhängiger geliebäugelt hat. Die Frage sollte ihn bloßstellen – und genau das tut sie.

Der „Trump“-Kollaps
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8 Kommentare zu "US-Wahl 2016: Alle gegen einen Egomanen"

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  • Das kann doch wohl nicht ernst gemeint sein von den Republikanern, Trump ins Rennen zu schicken. Der Typ ist ein stinkreicher Selbstdarsteller, ein Comedian, der alles sagen darf was er will, weil er reich ist und ihm normalerweise niemand zu widersprechen wagt. Das hat seine Hemmschwelle nicht etwa ein wenig gesenkt, sie ist verschwunden!

    Falls der Präsident wird, dann nimmt den doch niemand für ganz voll, nicht einmal mit einsatzbereiten Drohnen und Nuklearwaffen. Bei ihm muss man immer damit rechnen, dass er die minimalen Ansätze von Selbstbeherrschung verliert und sich wie ein kleines Kind gehen lässt, dem man den Lolli geklaut und in den Schmutz geworfen hat.

  • @ W. Dilling
    Ha ha ha, Einer der besten Kommentar seit langem im HB Forum!

  • "Sie sollten ihr Weltbild mal etwas "Neutraler und Obejektiver" ausrichten. Danke!"

    Das ausgerechnet von Ihnen, das hat schon eine ganz besondere Qualität. Vielen Dank für den überaus humorvollen Einstieg in den Tag.

  • @Alexander Knoll
    In unserer heutigen Gesellschaft braucht doch der kleine Mann nicht mehr bespitzelt werden, der gibt doch schon bereitwillig seine persönlichen Daten und seine tiefsten Geheimnisse in den sozialen Netzwerken (Internet) der ganzen Welt bekannt und beschwert sich aber danach, dass er dies getan hat. Schizophrener geht es doch schon gar nicht mehr.
    Soso....und der Ami führt also alleine Krieg in der Welt und die anderen sind alles die Braven? Sie sollten ihr Weltbild mal etwas "Neutraler und Obejektiver" ausrichten. Danke!

  • Oh ja, die USA sind in der Tat echte Demokratie. Und die Werte erstmal, die wir so gerne mit ihnen teilen. Da wäre zum Beispiel der "Patriot Act", ein wenig abgeschwächt, aber doch noch für NSA - Bespitzelung in eigenem Lande gut, da wären FBI Geheimgerichte, deren Urteilsspruch nicht revidierbar ist, da wäre Guantanamo und die geheimen CIA Foltergefängnisse in Polen und anderen Ländern, da wäre Waterbording, und eine bis zu den Zähnen gerüstete Zivilgesellschaft. Habe ich noch etwas vergessen? Ach ja, da wären noch unzählige Kriege, die durch die Amerikaner in anderen Ländern geführt haben um diese Demokratie zu verteidigen (Vietnam, Grenada, Panama, Afghanistan, Irak etc.

  • Oh ja!Einen Donald Trump wünsche ich den USA.Da können sich alle warm anziehen.Der Krieg mit dem Iran wäre nur die Aufwärmrunde,dem würde noch ein neuer "Civil War" folgen,in dem es immer noch um Sklaverei ginge,aber in seiner zeitgemäßen Version.

  • Das ist echte Demokratie...jeder darf seinen Hut und seinen Senf in den politischen Ring werfen. In Deutschland wäre so eine Art von freier Demokratie nie möglich. Dafür sorgen schon die etablierten Partein und die Presse in Deutschland dafür.

  • Glückliches Amerika!
    Was würde es bedeuten, wenn die Demokraten weitere acht Jahre die Regierung stellen? Bei Dominanz der Republikaner in Senat und Kongress sollte das Regieren nicht sehr leicht sein. Die Probleme der USA werden jedoch nicht kleiner. Andererseits würde eine gesamte Politikergeneration der Republikaner nicht Präsident geworden sein.

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