Analyse zur US-Vorwahl Denkzettel fürs Establishment

Mit Bernie Sanders und Donald Trump triumphieren in New Hampshire die Außenseiter. Die Verliererin heißt Hillary Clinton. Sie braucht dringend Erfolge. Doch nicht nur die Ex-Außenministerin muss eine Pleite verkraften.
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Warum wir Trump endlich ernst nehmen müssen

WashingtonDie zweite Vorwahl in den USA, der zweite Denkzettel für das politische Establishment: Noch vor ein paar Monaten hätte kaum jemand für möglich gehalten, was am Dienstagabend um kurz nach acht über die Ticker lief. Die Außenseiter Donald Trump und Bernie Sanders haben die Vorwahl in New Hampshire gewonnen. Und wie.

Der Republikaner Trump erhielt in ersten Hochrechnungen mehr als doppelt so viele Stimmen wie der zweitplatzierte John Kasich, während der Demokrat Sanders mit einem Vorsprung von 20 Prozentpunkten vor der lange favorisierten Hillary Clinton ins Ziel kam.

Wenn es noch eines weiteren Belegs für die Wut auf die Eliten in Wirtschaft und Politik bedurft hätte, so offenbart er sich nun – und zwar als politisches Beben. Die Wähler in Amerika rebellieren gegen den Status Quo. Zu „Bernie“-Rufen schreitet Sanders ans Podium, für ein paar Momente weicht sein grimmiger Gesichtsausdruck einem Strahlen. Dann aber ist wieder alles wie immer. Sanders prangert Hungerlöhne an, verurteilt Oligarchen, empört sich über Einkommensungleichheit, Rassismus und alle anderen Arten der Ungerechtigkeit.

„Heute haben die Wähler die klare Botschaft gesendet, dass die Regierung uns allen gehört, nicht nur einer Handvoll Milliardären und Geldgebern“, grollt der Wahlsieger der Demokraten. „Wir werden das korrupte System der Parteienfinanzierung nicht länger akzeptieren.

Denn er weiß, was er sagt
Donald Trump
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Der Wahlkampf des Milliardärs Donald Trump um das US-Präsidentenamt hat schon einige markante Forderungen hervorgebracht, nun hat Trump erneut mächtig auf den Putz gehauen: Er spricht sich für ein komplettes Einreiseverbot von Muslimen in die USA aus. Trumps Forderung kommt wenige Tage nach einer mutmaßlichen Terrorattacke im kalifornischen San Bernardino, bei der 14 Menschen erschossen wurden. Eine Täterin hatte sich vor der Attacke als Anhängerin der Terrormiliz Islamischen Staat (IS) offenbart. Die beiden Täter waren Muslime. Die Forderung reiht sich ein in eine ganze Sammlung von provokanten Äußerungen des Unternehmers im Wahlkampf...

Waffenrecht
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Nach den Pariser Terroranschlägen vom November 2015 sorgte Trump für Aufsehen, als er den strengen Waffengesetzen in Frankreich eine Mitschuld an der hohen Opferzahl gab. „Hätten die Menschen Waffen getragen, wäre es anders verlaufen“, erklärte er bei einem Wahlkampfauftritt in Texas.

Klimaschutz
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Anlässlich des Besuchs von Papst Franziskus in den Vereinigten Staaten Ende September sagte Trump, er glaube nicht an die globale Erwärmung und halte den Klimawandel nicht für ein drängendes Problem, sondern ein natürliches Phänomen. Klimaschutz-Auflagen für amerikanische Firmen hält er daher er für falsch.

Mount Denali
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Am 29. August 2015 änderte das Geographic Names Information System (GNIS) in Abstimmung mit dem Präsidenten Barack Obama den amtlichen Namen des Berges Mount McKinley aus Respekt vor der indianischen Tradition in „Denali“. Es ist der höchste Berg Nordamerikas. Donald Trump kündigte an, im Falle seines Wahlerfolgs die Umbenennung des Berges zu revidieren.

Gleichgeschlechtliche Ehe
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Trump kann jedoch auch anders. Obwohl er sich gegenüber der gleichgeschlechtlichen Ehe generell kritisch zeigt, erklärte er, die Entscheidung des Supreme Courts über die Öffnung der gleichgeschlechtlichen Ehe solle bei den einzelnen Bundesstaaten belassen werden. Nach dem Urteil des Supreme Court zur völligen Gleichstellung mit der heterosexuellen Ehe in den USA teilte er mit, die Entscheidung müsse nun akzeptiert werden und tauge nicht mehr als Wahlkampfthema.

Gleichgeschlechtliche Ehe
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In diesem Zusammenhang forderte er Anfang September 2015 die Verwaltungsbeamte Kim Davis aus Kentucky auf, künftig nicht länger die Ausfertigung von Heiratsurkunden an homosexuelle Paare zu verweigern. Davis hatte durch ihre Weigerung für internationales Aufsehen gesorgt und war wegen ihres Verhaltens zeitweise inhaftiert worden. Andere Präsidentschaftskandidaten wie Mike Huckabee unterstützten Davis jedoch öffentlich und kritisierten Trump für seine Haltung.

Gegen Einwanderer
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Als Schutz gegen illegale Einwanderer aus Mexiko möchte Trump eine Mauer entlang der gesamten mexikanisch-amerikanischen Grenze bauen lassen „Wenn Mexiko seine Leute rüberschickt, dann schicken sie nicht ihre Besten. Sie schicken Leute, die viele Probleme haben. Sie bringen Drogen. Sie bringen Verbrechen. Sie sind Vergewaltiger. Und einige, nehme ich an, sind gute Menschen“, wetterte er gegen mexikanische Einwanderer.

Und wir werden nicht länger eine gezinkte Wirtschaftsordnung hinnehmen, in der Millionen von Amerikanern länger arbeiten müssen, während fast das gesamte neu erzeugte Einkommen und Vermögen an die oberen ein Prozent gehen.“ Der schwer angeschlagenen Clinton blieb nichts anderes übrig, als Sanders zu gratulieren und sich als Kämpfernatur anzupreisen. „Ich weiß wie es ist, zu stolpern und zu fallen, wie so viele Amerikaner auch“, sagt sie in Anspielung auf ihre bittere Wahlniederlage gegen Barack Obama im Jahr 2008. „Es kommt darauf an, wiederaufzustehen.“

Wenn es für Clinton Trost gibt an diesem Abend, so besteht er darin, dass die weiße Wählerschaft in New Hampshire nicht repräsentativ für die bunte Vielvölkergesellschaft der USA ist. Clinton genießt starken Rückhalt bei Latinos und Schwarzen, die in den beiden nächsten Vorwahlstaaten, Nevada und South Carolina, eine wichtige Rolle spielen.

Achtungserfolg für Jeb Bush
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27 Kommentare zu "Analyse zur US-Vorwahl: Denkzettel fürs Establishment"

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  • Zitat: "Was meinen Sie, wie weit wir davon (den US-amerikanischen Verhältnissen) entfernt sind?

    Tausende Meilen weit und die Entfernung wächst von Tag zu Tag.

  • Die Amis können wählen wen sie wollen, regieren werden immer die Gleichen.

  • @Herr Marcel Europaeer
    Was meinen Sie, wie weit wir davon entfernt sind? Wir haben viele gemeinsame Probleme mit den Amis, und eins davon sind die illegalen Flüchtlinge. Mit denen
    desolidarisiere. ich mich auf jeden Fall.

    "Großteil der US-amerikanischen Bürger befindet. Aus meiner Sicht ist die Gesellschaft dort völlig desolidarisiert."

  • Warten wir doch einmal ab was die nächsten Wahlen in Frankreich und Deutschland bringen. Es werden höchstwahrscheinlich solche Lawinenwahlen wie in den USA. Die Linkspresse um den "Spiegel" schäumt jetzt schon, als hätte ihr man das Pausenbrot gestohlen
    Nichts desto Trotz, Ich bin mir ziemlich sicher das es Trump macht. Auf keinen Fall Madame Clinton.

  • Zitat: "Nazipack"

    Das ist kein Oxymoron; das ist Pleonasmus.

  • @Tom Schmidt, mein Vergleich zwischen der DDR damals und den USA heute sollte nicht die Zustände in der DDR beschönigen, sondern die missliche Lage beschreiben, in der sich ein Großteil der US-amerikanischen Bürger befindet. Aus meiner Sicht ist die Gesellschaft dort völlig desolidarisiert. Die Reichen schotten sich völlig ab und die Armen bringen sich mit den Waffen, den ihnen die Reichen garantieren, gegenseitig um. 30.000 Tote durch Schusswaffen jährlich; in anderen Ländern heißt so etwas Bürgerkrieg - in den USA Grundrecht. "Kapitalismus im Endstadium" würde Volker Pispers sagen.

  • Womit haben Sie denn "ins Schwarze getroffen" ;-)? Sie haben bestenfalls ins braune gepackt, dann wild die Hände über der Tastatur geschüttelt und dabei zufällig Tasten getroffen, bei denen Worte entstanden sind - deutsch, ja, aber sinn- und zusammenhanglos.

    Ich meine, "links/grünes Nazipack"... Es ist vermutlich zu viel verlangt, dass jeder weiß, was ein Oxymoron ist - aber bei Ihnen fällt mir schon schwer zu glauben, dass Sie es unbetreut geschafft haben, auf dieser Seite einen Account zu erstellen.

  • "Ja als Mitläufer, Speichellecker oder Parteibonze konnte man es sich auf Kosten der anderen schon gut gehen lassen..."

    Das ist heute noch genauso, wie zu SED-Zeiten. Darin unterscheidet sich das kapitalistische vom kummunistischen System keinen Deut. Es wird immer die Leute mit dem Geld geben und Leute die sich von diesen Leuten kaufen lassen.

  • lieber Herr F.Gessw. da scheine ich ja ins schwarze getroffen zu haben, Ihre Argumente kenne ich sonst nur vom links-Grünen/innen Nazipack.

  • @Rainer von Horn:

    Ich fürchte auch. Es geht uns noch viel zu gut und die meisten können nicht weiter als bis vor ihre Haustüre denken.

    Ich hab neulich mit jemand vom flachen Land gesprochen. Er meinte das mit den Flüchtlingen sei ja gar nicht so schlimm, in seinem Dorf gäbe es schließlich keine. Dass er uns seine Kinder und Enkel zahlen müssen bis sie grün werden schien ihm noch nicht in den Sinn gekommen zu sein...

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