Barack Obama zu Trump-Sieg „Wir lecken unsere Wunden und gehen zurück in die Arena“

Barack Obama will die Macht an Donald Trump friedlich übergeben. In einer kurzen Rede zeigte sich der scheidende US-Präsident versöhnlich. Gleichzeitig fordert er die jungen Menschen dazu auf, nicht aufzugeben.

Obama wünscht Donald Trump viel Glück

WashingtonUS-Präsident Barack Obama will sich mit aller Kraft für eine friedliche Übergabe der Macht an seinen Nachfolger Donald Trump einsetzen. „Es ist kein Geheimnis, dass Trump und ich einige signifikante Unterschiede haben“, sagte Obama am Mittwoch im Rosengarten des Weisen Hauses. „Aber denken wir acht Jahre zurück - auch George W. Bush und ich hatten einige solcher signifikanten Unterschiede“, und trotzdem sei ein guter Übergang gelungen. Daran wolle er sich ein Beispiel nehmen.

„Ein friedlicher Übergang der Macht ist eines der wichtigsten Kennzeichen unserer Demokratie“, sagte Obama. „Wir sind nicht zuerst Demokraten oder Republikaner, zuerst sind wir Amerikaner und Patrioten“, sagte Obama. Das habe auch Trump in ihrem nächtlichen Telefongespräch zugesichert. Das habe ihn bewegt, sagte der Präsident.

„Trumps Sieg steht für eine Niederlage“
Stefan Kreuzkamp, Chefetage Deutsche Asset Management
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„Der Sieg von Donald Trump hat die Märkte sicherlich auf dem falschen Fuß erwischt, wie auch die ersten Marktreaktionen zeigen. Wir erwarten, dass uns die Marktvolatilität aufgrund der gestiegenen politischen Unsicherheit zunächst erhalten bleiben dürfte. Die Unberechenbarkeit Trumps und seine politische Unerfahrenheit sind Grund genug, die kommenden Monate etwas vorsichtiger anzugehen. Die Berichterstattung dürfte negativ dominiert bleiben. Würde er nur die Hälfte seiner markigen Versprechungen aus dem Wahlkampf einlösen, dürfte dies bereits für viel Unruhe sorgen. Allerdings glauben wir, dass die Anleger auch nicht die Nerven verlieren sollten. Vergessen wir nicht, dass es die große Konstante in Trumps Wahlkampf war, das Publikum immer wieder zu überraschen. Gut möglich, dass er nach der Wahl aus Marktsicht auch mal positiv überraschen könnte. Unsere Hoffnungen beruhen auf dem Pragmatismus, der Adaptionsfähigkeit und der insgesamt geringen politischen Festlegung Trumps. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass er die Politveteranen im Kongress ein weitgehend klassisch republikanisch geprägtes Wahlprogramm durchziehen lässt.“

Otmar Lang, Chefvolkswirt Targobank
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„Die kommenden Wochen und Monate stehen im Zeichen der Unsicherheit. Darunter dürfte der Binnenkonsum ebenso leiden wie die Investitionsneigung von US-Unternehmen. Sie treibt vor allem die Angst vor einem Handelskrieg um. Immerhin kündigte Donald Trump im Wahlkampf Strafzölle gegen China und Mexiko von 45 beziehungsweise 35 Prozent an. Positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit von US-Unternehmen dagegen könnte sich eine zügige Unternehmenssteuerreform auswirken, für die Trump etwa eine Steuersenkung von 35 auf 15 Prozent in Aussicht gestellt hatte. Dennoch ist kurzfristig mit Wachstumseinbußen zu rechnen. Das wird den Börsen wehtun. Wie weh, wird vor allem von der amerikanischen Notenbank Fed abhängen. Diese dürfte die geplante Zinssenkung im kommenden Monat zumindest auf das Frühjahr verschieben. Sie muss sich nur sehr bald zur neuen Lage äußern – ebenso wie auch der Kongress klar machen muss, was er bereit ist mitzutragen. Es sei denn, Trump selbst rückt von seinen Wahlkampfaussagen schnell wieder ab.“

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank
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„Bleibt Trump bei seiner harten außenwirtschaftlichen Linie, verspricht dies nichts Gutes. Wahrscheinlich muss sich Donald Trump aber den Fakten stellen und zurückrudern. Der Freihandel kann so einfach nicht auf den Kopf gestellt werden, ansonsten wäre die US-Wirtschaft selbst stark gefährdet. Kehrt Trump von seiner extremen außenwirtschaftlichen Positionierung ab, blieben Steuersenkungen und eine deutliche Erhöhung der Staatsausgaben als Kernelemente seiner Wirtschaftspolitik. Dies wäre dann positiv für die US-Wirtschaft und somit auch für die Weltökonomie als ganzes. Die US-Notenbank wird in den kommenden Wochen die Reaktion an den Finanzmärkten abwarten, auch das Verhalten wichtiger konjunktureller Frühindikatoren wird für US-Notenbankchefin Yellen entscheidend sein. Bleiben die Aktienmärkte unter Druck und leidet darunter die Unternehmens- und Verbraucherstimmung, dürfte die US-Notenbank von einer weiteren Zinserhöhung im Dezember absehen.“

Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt DZ Bank
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„Die Folgen der Wahl sind – wie der Kandidat Trump – völlig unberechenbar. Einige seiner Pläne sind radikal, viele nur rudimentär bekannt. Die Unklarheit über die künftige Wirtschaftspolitik ist groß, die Finanzierung der Steuerpläne ungewiss und die Aussagen zur Handelspolitik lassen sogar einen Handelskrieg befürchten. Die Beziehungen zu Europa und zur Nato dürften sich eintrüben. Wenn Donald Trump seine Wahlversprechen tatsächlich umsetzt und er ein spürbares Konjunkturprogramm für die US-Wirtschaft initiiert, sollte die US-Konjunktur zunächst profitieren und damit auch die wichtigsten Handelspartner. Mittelfristig dürfte der Politikentwurf von Donald Trump jedoch zu einer spürbar geringeren Wachstumsdynamik binnenwirtschaftlich wie global führen. Somit wird die zunächst negative Entwicklung an den Kapitalmärkten wohl kurzfristig überzeichnet sein, mittelfristig aber als berechtigt erscheinen.“

Kathleen Brooks, Brokerhaus City Index
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„Das ist unbekanntes Territorium für die USA, das politische Establishment könnte heute über den Haufen gerannt werden, was weitreichende Konsequenzen für die Finanzmärkte für eine geraume Zeit nach sich ziehen würde. Ein weiteres Risiko ist, wie die Bevölkerung auf einen Sieg von Trump reagieren könnte. Kommt es zu gewalttätigen Protesten könnte das noch mehr Volatilität für die Märkte bedeuten.“

Marcel Fratzscher, DIW-Präsident
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„Natürlich wird es kurzfristig zu Verwerfungen an den Finanzmärkten kommen. Das sieht man ja bereits jetzt, und das dürfte sich in den kommenden Tagen fortsetzen. Aber ähnlich wie nach dem Brexit-Votum der Briten werden sich die Wellen wieder glätten. Schnell wird man feststellen, das sich eigentlich nicht so viel ändern wird. Viele seiner verrückten Pläne – etwa in der Steuer- und Handelspolitik – wird Trump nicht umsetzen können. Wir haben eine funktionierende Demokratie in den USA. Auch der mächtigste Mann der Welt kann nicht tun, was er will. TTIP wird jetzt für zumindest vier Jahre erst einmal auf Eis gelegt. Das sind vier verlorene Jahre. Die werden Europa mehr schmerzen als die USA. Für die deutsche Wirtschaft wird es keinen massiven Schaden geben, auch wenn eine schwächer wachsende US-Wirtschaft uns treffen wird.“

Holger Sandte, Europa-Chefvolkswirt Nordea
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„Niemand weiß genau, was ein Präsident Trump bedeutet. Und diese Unsicherheit ist genau das Problem. Sie spiegelt sich auch in der negativen Reaktion auf den Finanzmärkten wider. Sollte das wochenlang anhalten, wird die Fed die Zinsen im Dezember nicht anheben. Wie nach dem Brexit-Referendum ist die Prognoseunsicherheit nun besonders hoch. Wenn Trump seine Ausgabenpläne umsetzt, könnten die US-Anleiherenditen deutlich steigen, was die US-Wirtschaft und damit die Weltwirtschaft belasten würde. Auch für den Freihandel wird es schwierig. Und in Europa werden die Anti-Establishment-Bewegungen Aufwind spüren.“

„Die Präsidentschaft ist größer als wir“, sagte Obama. Für Donnerstag hat Obama Trump ins Weiße Haus eingeladen, um die weitere Übergabe zu besprechen.

Demokratie ist manchmal hart und herausfordernd, sagte Obama. An die Adresse der jungen Menschen sagte er: „Werdet jetzt nicht zynisch. Es bleibt richtig, für das zu kämpfen, an das man glaube.“ Er selber habe schon Wahlen verloren – so sei das Wesen der Politik, wenn Menschen wählten. „Wir lecken unsere Wunden und gehen zurück in die Arena. Und beim nächsten Mal versuchen wir, es besser zu machen.“

  • dpa
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