Clintons Rednerhonorare Vier fatale Worte

Bis zu 250.000 Dollar erhielt Hillary Clinton pro Rede, etwa von Banken. Fragen dazu blockte sie bisher gekonnt ab. Doch nun legte sie alle Vorsicht ab. Vier Worte, die Clinton noch bereuen dürfte.
Hillary Clinton zeigt sich zerknirscht. Bisher hat sie knapp 150.000 Euro pro Rede erhalten. Doch das kommt bei potentiellen Wählern gar nicht gut an. Quelle: Reuters
Kritik an Redehonoraren

Hillary Clinton zeigt sich zerknirscht. Bisher hat sie knapp 150.000 Euro pro Rede erhalten. Doch das kommt bei potentiellen Wählern gar nicht gut an.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfHillary Clinton verfolgt seit Monaten die gleiche Taktik, wenn es um Vorwürfe zu ihren Redehonoraren ging: Rausreden, runterspielen und möglichst passiv bleiben. Doch mit jedem Interview, in dem sie versuchte das Thema abzublocken, wurden Medien und Wähler nur darin bestärkt, weiter nachzubohren. Auch Bernie Sanders, ihr Konkurrent um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat, spricht das Thema fast täglich an.

Und auch die Moderatoren bringen das Thema immer wieder zur Sprache, so auch am Mittwochabend. Eigentlich sah alles nach einem durchschnittlichen Interview aus. 59 Minuten lang sprach die Präsidentschaftskandidaten mit CNN-Moderator Anderson Cooper und einer Handvoll Wählern in New Hampshire.

Clinton zeigte sich offen, empathisch, schlagfertig. Man kann sagen, es lief gut. Dann kam Cooper auf ihre Redehonorare zu sprechen. 675.000 Dollar habe sie für drei Reden bei Goldman Sachs bekommen, sagte er und fragte, ob sie die Summe für angemessen halte. Clinton zuckte nur kurz mit den Schultern, schaute entnervt und sagte: „Das haben sie angeboten.“ Vier Wörter, die ihr gleich darauf um die Ohren flogen. Ihre Reaktion wurde tausendfach auf Facebook und Twitter geteilt.

Und auch die US-amerikanischen Medien reagierten verwundert, teilweise entsetzt über die Aussage von Clinton. Die Washington Post sprach davon, dass sie diese vier Wörter noch lange bereuen werde. In der New York Times sagte ein Marketingexperte: „Ich weiß nicht, wer sie vorbereitet hat, aber sie sollten gefeuert werden.“

Seit Monaten ringt die Präsidentschaftskandidaten der US-Demokraten mit einer brauchbaren Antwort, wenn es um die Honorare für ihre Reden geht. Laut einer Berechnung der New York Times haben Hillary und Bill Clinton seit 2011 knapp 125 Millionen Dollar damit verdient, Reden zu halten.

„Gott schütze diesen wunderbaren Bundesstaat Iowa“
Cruz gewinnt
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Iowa hat gewählt. Im Präsidentschaftswahlkampf der USA hat Ted Cruz, hier mit seiner Frau Heidi, bei den Republikanern die erste Vorwahl für sich entschieden. Bei den Demokraten lag Ex-Außenministerin Hillary Clinton (68) in der Nacht (Ortszeit) mit einem hauchdünnen Abstand von nur einigen zehntel Prozentpunkten vor Bernie Sanders (74), dem Senator aus Vermont.

Rede in Iowa
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Cruz ist ein knallharter Erzkonservativer. Von seinen Parteikollegen wird er schon mal als „wacko bird“ bezeichnet, als „durchgeknallter Vogel“. Beim rechten Tea-Party-Flügel seiner Partei ist er eine Art Star. Abtreibung lehnt er genauso ab wie strengere Waffengesetze. „Obamacare“, der Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama, hat er den offenen Kampf angesagt. Die Bundessteuerbehörde würde er am liebsten ganz abschaffen und die südliche US-Grenze mit Mexiko in eine Festung verwandeln. Viele seiner Positionen treffen den Nerv der religiösen Rechten in den USA.

Stolze Eltern
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Bei der Bekanntgabe der Ergebnisse jubelten auch die Eltern des Texaners: Rafael Cruz und Eleanor Darragh. Seinen Sieg hat der US-Republikaner Ted Cruz wie erwartet vor allem den evangelikalen Parteianhängern zu verdanken. Dies geht aus einer Erhebung hervor, die unter den Bürgern bei ihrer Ankunft bei den Wahlversammlungen vorgenommen wurde. Demnach erklärten über vier von zehn Teilnehmern, dass ihnen vor allem ein Kandidat wichtig sei, der ihre Werte teile.

Wahlsieger Cruz
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Als Ted Cruz nach der Wahl zu seinen Anhängern sprach, sagte der Republikaner: „Gott schütze diesen wunderbaren Bundesstaat Iowa“.

Trump nur Zweiter
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Der erzkonservative Senator aus Texas verwies mit etwa 28 Prozent Donald Trump (24 Prozent, Foto) auf Platz zwei. Für den Immobilienmogul aus New York ist das eine schmerzliche Niederlage. Trump sagte aber, er fühle sich von Platz zwei geehrt. In den Umfragen lag der Milliardär zuletzt vor Cruz, konnte sich in Iowa aber nicht durchsetzen.

Überraschungserfolg
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Auf einem sehr starken dritten Platz landete bei den Republikanern Marco Rubio, der Senator aus Florida, mit etwa 23 Prozent knapp hinter Trump. In einer ersten Reaktion sagte er, er wolle die Partei im weiteren Wahlkampf wieder vereinen. Die Beteiligung an der republikanischen Vorwahl in Iowa lag weitaus höher als im Jahr 2012. Zu den als Caucus bezeichneten Wahlversammlungen fanden sich am Montag mehr als 180.000 Bürger ein. 2012 waren es rund 121.000 gewesen.

Nächste Wahl im Februar
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Rubio hat seine überraschend starke Vorstellung im US-Bundesstaat Iowa wie einen Sieg gefeiert. „Wenn ich Kandidat werde, werden wir die Partei und die ganze konservative Bewegung einen“, sagte Rubio. Vielen in der republikanischen Partei gilt Rubio als Kompromisskandidat. Ihm war von den Meinungsforschern ein schlechtes Ergebnis in Iowa vorausgesagt worden. „New Hampshire, wir sehen uns morgen“, sagte Rubio mit Blick auf die nächste Vorwahl in dem nordöstlichen Bundesstaat, die am 9. Februar bevorsteht.

Mehrere hundert Reden hielt Clinton seitdem. Pro Auftritt flossen zwischen 150.000 und 250.000 Dollar in die Taschen von Hillary Clinton. Das ist in etwa fünfmal so viel, wie das durchschnittliche Jahreseinkommen der US-Haushalte. Gleichzeitig verspricht Clinton in ihrem Wahlkampf, sich um Themen wie Ungleichheit und die Ausbeutung der Unter- oder Mittelschicht zu kümmern. Ein Versprechen, das in den Ohren vieler Amerikaner allenfalls noch zynisch klingt.

Gebucht wurde Clinton unter anderem von Morgan Stanley, Goldman Sachs und der Deutschen Bank. Kritiker werfen ihr deswegen vor, einen besonders engen Draht zur Finanzbranche zu haben. Im Wahlkampf muss sich Clinton immer wieder die Vorwürfe gefallen lassen, dem „Establishment“ anzugehören. So wird in den USA die politische und wirtschaftliche Elite abfällig genannt.

Clinton hatte in den letzten Wochen wiederholt versucht, sich von den Vorwürfen der Befangenheit freizumachen. Einer Zeitung in Iowa sagte sie: „Wer glaubt er könne mich kaufen, kennt mich nicht.“ Die Firmen würden ihr so viel Geld bezahlen, um ihre Sicht auf die Welt zu hören, sagte sie weiter. Ähnliche Interviews hatte sie auch anderen Zeitungen gegeben. Ein Befreiungsschlag gelang ihr aber bisher nicht.

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