Donald Trump im US-Wahlkampf Jahrmarkt der Eitelkeiten

Sieben gegen einen ist normalerweise unfair. Aber bei den TV-Debatten der Republikaner im US-Wahlkampf ist es anders. Denn es ist Donald Trump, der verspottet wird. Doch der kann punkten, obwohl er gar nicht dabei ist.
„Wenn man schlecht behandelt wird, dann muss man sich wehren.“ Quelle: AFP
Donald Trump

„Wenn man schlecht behandelt wird, dann muss man sich wehren.“

(Foto: AFP)

San FranciscoAlle Kameras waren auf die Bühne gerichtet – und Donald Trump war nicht da. Doch Senator Ted Cruz, Nummer zwei la Umfragen bei den republikanischen Präsidentschaftskandidaten nach Donald Trump, beantwortete dafür direkt die erste Frage nach der Abwesenheit von Trump bei einer Podiumsdiskussion in Des Moines, Iowa: „Wir sind alle blöd, sehen schlecht aus und Du, Ben (Carson), bist ein schlechter Chirurg“, warf er in die überraschte Runde der sechs anderen Präsidentschaftskandidaten, die mit ihm auf der Bühne standen. Nur um dann unter Gejohle im Saal anzufügen „So, ich glaube wir haben damit jetzt den Donald Trump-Teil genügend abgearbeitet.“

Es war der Abend, an dem man froh war, zwei Fernseher im Haus zu haben. Der Gescholtete Trump hielt nur wenige Kilometer weiter auf einer Galaveranstaltung Hof und betonte in der auf mehreren Kabelsendern und im Internet übertragenen Rede seine Opferrolle. „Ich will gar nicht hier sein“, sagte er den anwesenden Kriegsveteranen offen ins Gesicht. „Da wollen wir ehrlich sein. Aber wenn man schlecht behandelt wird, dann muss man sich wehren.“ Applaus!

Er hatte sich vom Sender Fox News, Ausrichter der anderen Diskussion, schlecht behandelt gefühlt und seine Teilnahme kurzfristig abgesagt. Nun genoss er das Scheinwerferlicht einer Spendengala, die ansonsten wahrscheinlich nicht einmal den Reporter einer Lokalzeitung gesehen hätte. Aber für Politiker ist eine Veteranenveranstaltung eine sichere Bank. Da sind Sympathien garantiert und wenn Trump auftritt, dann drängen sich die Medien in den kleinsten Raum.

Provokant, umstritten – US-Präsident?
„Nun nehmen wir uns Hillary Clinton vor“
1 von 18

Der Weg für Donald Trump als Kandidat der Republikaner für die US-Präsidentenwahl im November ist so gut wie frei. Der Immobilienmogul siegte bei der Vorwahl im Bundesstaat Indiana am Dienstag haushoch und brachte seinen einzigen noch ernsthaften Rivalen Ted Cruz dazu, sich aus dem Rennen zurückzuziehen.

Ted Cruz gibt auf
2 von 18

Es „gibt keinen Weg zum Sieg mehr“, räumte Ted Cruz, Senator aus Texas, am Dienstagabend ein. „Wir haben alles gegeben, aber die Wähler haben anders entschieden“, sagt der republikanische Präsidentschaftskandidat sichtlich bewegt. „Mit schwerem Herzen verkündige ich das Aus meiner Kampagne.“ Cruz hatte bei der Vorwahl nur 37 Prozent der Stimmen bekommen, Donald Trump dagegen 53 Prozent. Das Foto zeigt Cruz mit seiner Frau.

Trump muss nun die Republikaner hinter sich bringen
3 von 18

Donald Trump muss nun die Partei hinter sich bringen, in der viele abgestoßen sind von seiner herrischer Art, seinen Ansichten über Frauen und seinen Vorschlägen, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen und elf Millionen illegale Einwanderer abzuschieben. „Er ist derjenige, der uns vereinen muss“, erklärte der Republikaner Henry Barbour aus Mississippi. „Das ist jetzt seine Gelegenheit.“

Der umstrittene Milliardär bekam bereits Schützenhilfe
4 von 18

Schützenhilfe bekam Trump bereits vom republikanischen Parteichef Reince Priebus (Foto). Trump werde der „voraussichtliche“ Präsidentschaftskandidat der Partei sein, twitterte Priebus am Dienstag. „Wir alle müssen zusammenstehen und uns darauf fokussieren, Hillary Clinton zu besiegen.“ Für Mittwochabend haben einige konservative Granden der Republikaner allerdings ein Treffen anberaumt, bei dem die Option geprüft werden soll, im Herbst einen dritten Kandidaten aufzubieten.

Trump kann sich nun auf Hillary Clinton einschießen
5 von 18

Nachdem Trump keine parteiinternen Rivalen mehr hat, kann er sich nun auf den Schlagabtausch mit Hillary Clinton konzentrieren, auf die trotz einer Niederlage in Indiana die Kandidatur der Demokraten zuläuft. Der Milliardär sagte am Dienstag bereits an die Adresse von Clinton gerichtet: „Wir werden im November gewinnen - und wir werden hoch gewinnen.“

Das Clinton-Lager räumt Trump kaum Chancen ein
6 von 18

Die Demokratin hat sich sehr abfällig über Donald Trump geäußert. „Der Kerl übertreibt so dermaßen. Er ist beleidigend, abscheulich, suchen Sie sich's aus!“, sagte sie. Clintons Wahlkampfmanager räumt Trump geringe Chancen im Rennen um die Präsidentschaftswahl ein: „Trump hat gezeigt, dass er zu spaltend ist und nicht das Temperament besitzt, unsere Nation und die freie Welt zu führen. Mit so viel auf dem Spiel, ist er ein zu großes Risiko.“ Das Foto zeigt Clinton bei einer Late-Night-Show mit dem Moderator Jimmy Fallon.

Wie Donald Trump seine Rivalin beleidigte
7 von 18

Donald Trump sagte über Hillary Clinton mal, sie sei die „schlechteste Außenministerin aller Zeiten“ gewesen. Und: Sie sei „verzweifelt und traurig“. Jenseits von diffamierenden Äußerungen dürften drei große Themen den Wahlkampf bestimmen: die Zuwanderungspolitik, die Krankenversicherung und die militärische Rolle der USA in der Welt. In allen drei Fragen will Trump eine Kurskorrektur, während Clinton im Wesentlichen die Politik des demokratischen Präsidenten Barack Obama fortführen will. Auch die Wirtschaftslage in den USA treibt viele Wähler um, wie Befragungen in Indiana zeigten.

Trump gab sich joval, vermied weitestgehend direkte Attacken auf seine nicht anwesenden Gegner und sonnte sich im Applaus seiner One-Man-Show. Nur einmal musste er seine bekannten „low energy“-Sprüche über Jeb Bush anbringen, so als vermisste er seinen Lieblingsgegner. Die Präsidentschaftskandidaten Nick Santorum und Mike Huckabee waren Trump zu Hilfe gekommen. So sonnten sie sich in seinem Schein. Sie hatten aber ohnehin genug freie Zeit, denn sie wären wegen mangelnder Umfragewerte nie in der Debatte der großen acht, Trump mitgerechnet, aufgetreten. Der kokettierte mit seinem aufrichtigen Mut: „Ob es klug war da nicht teilzunehmen, ob ich dadurch gewinne oder verliere – ich weiß es nicht.“

Wenig Überraschungen
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%