Facebook und Trump Zuckerbergs fragwürdige Verteidigung

Welchen Anteil hat Facebook am Sieg von Donald Trump? Erstmals nach der US-Wahl versucht Mark Zuckerberg, die Vorwürfe gegen sein Netzwerk zu entkräften. Den wichtigsten Fragen weicht er bei seinem Auftritt jedoch aus.
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Der Facebook-Chef hat sich erstmals seit dem Sieg von Donald Trump zur Rolle seines Netzwerks im US-Wahlkampf geäußert. Quelle: AFP
Mark Zuckerberg

Der Facebook-Chef hat sich erstmals seit dem Sieg von Donald Trump zur Rolle seines Netzwerks im US-Wahlkampf geäußert.

(Foto: AFP)

Half Moon BaySchon lange bevor Mark Zuckerberg die Bühne betrat, war im Ritz Carlton, dem Luxus-Resort in Half Moon Bay, eine gute Autostunde von San Francisco entfernt, die Anwesenheit des Facebook-Chefs spürbar. Radikal hatten die Veranstalter die Temperatur im Konferenzraum heruntergeregelt, auf gefühlt jenseits der Kühlschranktemperatur. Der Facebook-Chef, der stets im grauen T-Shirt auftritt, komme leicht ins Schwitzen, hieß es zur Begründung.

An diesem Donnerstag gab es durchaus Grund dazu. Seit der Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten debattiert das Silicon Valley, debattiert die Welt, wie es zu dem Ergebnis kommen konnte, das keiner, angeblich nicht einmal Trumps Partei selbst, vorausgesehen hatte. Eine Frage ist dabei, welche Rolle Facebook spielte. Ohne das Zuckerberg-Netzwerk wäre der Sieg des Republikaners so kaum möglich gewesen.

Reaktionen aus dem Netz

Wie kein anderer wusste der Immobilien-Mogul die Reichweite der sozialen Medien zu nutzen, zum Verbreiten von Parolen wie einem Einreisestopp für Muslime. Ungefiltert, kritiklos, direkt ans Publikum – bei Facebook konnte er das alles senden. Nebeneffekt für Facebook: Je mehr Aufregung, desto mehr Werbeeinnahmen. Zehntausende klickten „Gefällt Mir“, kommentierten oder teilten Falschmeldungen, die sich weiterverbreiteten und aufgrund der Popularität im Newsfeed noch weiter nach oben gespült wurden.

Facebook war zum Ort der Desinformation geworden, zu einer Matrix, in der Nutzer in einer Filterblase vor sich hin schaukeln und ein Algorithmus Altbekanntes präsentierte, aber nichts Neues mehr oder gar Vielfalt. Statt Menschen in einem politischen Diskurs zu vernetzen, hatte die Technologie sie getrennt, auf lautlose, kaum spürbare Weise.

Bislang fühlt sich Facebook für all das nur bedingt zuständig, erst recht nicht für Hassreden. Nutzer könnten Verstöße melden, man sei schließlich eine Plattform und kein Medienunternehmen. Die Haltung ist jedoch wenig konsequent, greift man an anderer Stelle dann aber doch ein, löscht Posts nach teils fragwürdigen Kriterien. Über die Zahl der Mitarbeiter, die entsprechende Anträge bearbeiten, hüllt sich das Netzwerk in Schweigen.

Ewige Feinde
Obama über Trump
1 von 8

6. November 2016

„Sein Wahlkampfteam hat ihm offenbar das Twitter-Konto weggenommen. In den letzten zwei Tagen hatten sie wo wenig Vertrauen in seine Selbstbeherrschung, dass sie einfach gesagt haben: ‚Wir nehmen dir Twitter weg.‘ Nun, wenn jemand um drei Uhr früh twittert, weil Saturday Night Live sich über dich lustig gemacht hat, dann kann derjenige auch nicht mit Nuklearkodes umgehen.“

Donald Trump
2 von 8

Von Trumps Sieg bei der US-Wahl profitieren Populisten weltweit.

Trump über Obama
3 von 8

3. August 2016

„Obama war ein fürchterlicher Präsident. Er wird wahrscheinlich als schlechtester Präsident aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Er war ein totales Desaster.“

Trump über Obama
4 von 8

2. August 2015

„Er hat nichts für Afroamerikaner getan. Ich dachte, er würde einen super Job machen für die afroamerikanischen Bürger dieses Landes. Er hat nichts getan.“

Obama über Trump
5 von 8

28. Juli 2016

„Jeder, der unsere Werte bedroht, egal, ob es ein Faschist oder ein heimischer Demagoge, wird am Ende immer scheitern.“

Trump über Obama
6 von 8

10. August 2016

„Der IS verehrt Präsident Obama. Er ist der Gründer des IS. (...) Und ich würde sagen, die Co-Gründerin ist die korrupte Hillary Clinton.“

Obama über Trump
7 von 8

2. November 2016

„Sollte Trump Präsident werden, ist die Republik in Gefahr.“

An diesem Nachmittag, als Gast bei der Branchenkonferenz Techonomy, führt Facebook seine seltsame Kommunikationsstrategie fort. Konzernchef Zuckerberg tut alles, um die Vorwürfe und die Macht seines Unternehmens kleinzureden. Hat das Netzwerk den Sieg des Populisten kommen sehen? „Nicht wirklich“, behauptet Zuckerberg. „Es gibt keinen Weg, dass unsere Firma so etwas gewusst hätte.“

Das ist wenig glaubwürdig. Schließlich erfasst Facebook die Vorlieben und Ansichten seiner Mitglieder ganz im Gegenteil sogar und nutzt sie zu Werbezwecken, so wie auch den Rest aller Informationen. Nur wenn es um politische Meinungsäußerung geht, sollen qualitative Aussagen angeblich nicht möglich sein? „Wir können das machen“, sagt Zuckerberg. „Aber das hätte auch jeder andere tun können.“ So als hätte jedermann Zugriff auf die Daten von zwei Milliarden Nutzern weltweit.

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32 Kommentare zu "Facebook und Trump: Zuckerbergs fragwürdige Verteidigung"

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  • "Frau Annette Bollmohr
    Als gäbe es nicht mehr als genug Sinnvolleres zu tun, und zwar für jeden."

    Wie zum Beispiel aber auch jeden Artikel zu kommentieren.....

  • Wer braucht den FB und Co.?????
    Mit reicht völlig die Kommentarfunktion......

  • Wenn es etwas nicht in dieser immer niveauloser werdenden Welt braucht, dann ist das FB. Aber dennoch hat sein vermeintlicher Enterprise Value höheres Gewicht und damit "Macht" als unzählige Konzerne der Old Economy zusammen. Das zeigt, wie gefährlich technische Entwicklungen von jungen Freaks sind, welche sich egozentrisch als Architekten einer neuen (beschisseneren) Welt aufspielen. Die Wahrheit ist, dass wir uns mit ihr zur Sklaverei zurückentwickeln, zur geistigen in diesem Fall!!!

  • Warum tut sich die deutsche Justiz so schwer mit den Verantwortlichen, die eine Plattform im Internet für strafrechtlich relevante Beiträge liefern?

    Das Strafgesetzbuch ist doch eindeutig:

    § 27
    Beihilfe

    (1) Als Gehilfe wird bestraft, wer vorsätzlich einem anderen zu dessen vorsätzlich begangener rechtswidriger Tat Hilfe geleistet hat.

    (2) Die Strafe für den Gehilfen richtet sich nach der Strafdrohung für den Täter. Sie ist nach § 49 Abs. 1 zu mildern.

  • @Otto Lehmann: Es gibt genügend O-Töne von Trump, um sich selbst davon zu überzeugen. Das ist keine Glaubensfrage.

  • Das Fratzenbuch ist der verlängerte Arm der NSA

  • ihr müsst das glauben das Trump pöse ist pasta!
    alternativlos!
    Was soll das geschreibe hier?!
    Auch was unsere Politiker alles gegen Trump sagen stimmt!!!

  • @Herr Knecht: Ja, klar, Hassmails und Behauptungen Dritter sind für mich selbstverständlich keine Quellen meiner Meinungsbildung. Aber im Artikel steht "Wie kein anderer wusste der Immobilien-Mogul die Reichweite der sozialen Medien zu nutzen, zum Verbreiten von Parolen wie einem Einreisestopp für Muslime. Ungefiltert, kritiklos, direkt ans Publikum – bei Facebook konnte er das alles senden." Darum geht er mir, also ungefilterte Info direkt von der Person selbst, über die ich mir eine Meinung bilden will und auf diese Weise für mich auch am besten kann.

  • @ Herr Maier: Das ist genau die Frage, handelt es sich um Informationen oder handelt es sich um Beleidigungen, Diffamierungen, Hasstiraden, unbelegbare Behauptungen etc. FB erinnert mich in dieser Hinsicht sehr an die Deutsche Börse, die sich auch immer nur als Handelsplattform bezeichnet, der es letztlich egal ist, mit welchen kriminellen Machenschaften diverse Emittenten die Anleger über den Tisch ziehen. Wenn FB das so handhaben will, bitt schön. Dann aber dürfte überhaupt nicht eingriffen werden in die Äußerungen der FB-Nutzer. Doch FB greift ja bereits nach eigenem und sehr wohl intransparentem Gutdünken hier ein. Sie erhalten also nicht alles ungefiltert. Wo ist dann der Unterschied zur angeblichen Lügenpresse? Und wieso beschützt FB solche Leute auch noch, deren Posts diverse Strafbestände erfüllen und behindert deren Verfolgung? Das ist das was Sie wollen? Dann weiter viel Spaß.

  • Der Beitrag ist sehr heuchlerisch. Glaubt denn noch ernsthaft jemand daran, dass es Facebook darum gehe die Leute miteinander zu vernetzen und die Welt zusammenzubringen? Wie naiv die Menschheit doch geworden ist... ODER wie clever Mark Zuckerberg ist. Denn wenn man den Namen "Zuckerberg" ließt, dann weiß jeder halbwegs gebildete Mensch worum es ihm geht. Es geht um nichts anderes als GELD machen. Denn GELD regiert die Welt... Aber wer sich gerne einlullen lässt... Gute Nacht.

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