Hedgefondsmanager Carl Icahn berät Donald Trump

Apple und Ebay hat er bereits das Fürchten gelehrt. Nun soll der Aktionärsaktivist dem künftigen US-Präsidenten dabei helfen, staatliche Regulierungen abzubauen. An ersten personellen Entscheidungen hat Icahn bereits mitgewirkt.
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Carl Icahn soll Donald Trump bei Regulierungsfragen beraten. Quelle: Reuters
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Carl Icahn soll Donald Trump bei Regulierungsfragen beraten.

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San FranciscoDer künftige US-Präsident Donald Trump will den milliardenschweren Finanzinvestor Carl Icahn zum Berater machen. Der Wall-Street-Veteran solle Trump in Regulierungsfragen helfen, schrieb das „Wall Street Journal“ (WSJ) am Mittwoch unter Berufung auf eingeweihte Kreise. Icahn sei bereits an der Suche des neuen Chefs der Börsenaufsicht beteiligt und habe sich bei der Auswahl für die Leitung der Umweltbehörde EPA eingebracht. Mit der Personalentscheidung würde Trump ein weiteres steinreiches Mitglied der Finanzelite um sich scharen, gegen die er im Wahlkampf gewettert hatte. Die wichtigen Posten des Finanz- und Wirtschaftsministers wurden bereits mit den Milliardären und Ex-Investmentbankern Steven Mnuchin und Wilbur Ross besetzt.

Mit Carl Icahn holt Trump den nächsten Milliardär in sein Team, und es ist nicht irgendein Milliardär. Icahn ist ein legendärer Unternehmensschreck und sogenannter Aktionärsaktivist seit den 1970-er-Jahren. So werden Investoren genannt, die sich aktiv in die Geschäfte der Unternehmen einzumischen versuchen, an denen sie beteiligt sind. Der Mann, der Apple ein gigantisches Aktienrückkaufprogramm und Dividendenzahlungen aus den Rippen geleiert hat, soll künftig als Sonderberater in Regulierungsfragen fungieren. Das Trump-Team bestätigte am Mittwoch entsprechende Informationen.

„Trumps Kabinett ist radikal – und die US-Märkte überhitzen bereits“

In seiner persönlichen Beraterfunktion für Trump wird Icahn nicht vom Staat bezahlt. Im Gegenzug darf er dafür weiter voll seiner bisherigen Beschäftigung nachgehen: Lukrative oder unterbewertete Unternehmen aufspüren, Anteile aufkaufen und sie am Kapitalmarkt attackieren. Er wird weiter Vorstandschefs stürzen, den Verkauf von Tochterfirmen oder die Aufspaltung von Unternehmen erzwingen und Kosteneinsparungen verlangen.

Icahn ist bereits seit einiger Zeit in politische Aufgaben involviert. Der 80-Jährige soll für Trump Interviews mit Kandidaten für dessen Regierungsteam geführt haben. Laut WSJ ist er zudem maßgeblich an der Auswahl des künftigen Chefs der US-Börsenaufsicht SEC beteiligt. Kein unwichtiger Posten für einen Unternehmensaktivisten, der Firmen unter Druck setzt und Kämpfe um Aufsichtsratsmandate anzettelt.

Trump soll auch auf den Rat Icahns gehört haben, als es um die Besetzung der Leitung der Umweltbehörde EPA gegangen ist. Das Amt übernimmt Scott Pruitt, der wie Trump den Einsatz von Kohle und Öl massiv fördern will und den Klimawandel anzweifelt. Icahn ist unter anderem in Raffinerie-Unternehmen investiert. Laut WSJ hat sich der Investor außerdem stark für Wilbur Ross und Steven Mnuchin engagiert. Ersteren ernannte Trump zu seinem Handelsminister, Mnuchin soll Finanzminister werden.

Icahn und Trump sind beide Gegner einer „Überregulierung“ durch den Staat, die Unternehmen angeblich an Investitionen hindert. Trump hat sich bereits verpflichtet, die Bankenregulierungen wieder aufzuheben, die nach der Finanzkrise eingeführt wurden. Damals hatten unter anderem Wetten auf Immobilienkredite an der Wall Street die Weltwirtschaft an den Rand eines Kollapses geführt.

Diese Silicon-Valley-Größen waren im Trump Tower
Donald Trump und das Silicon Valley
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Am Mittwoch im Trump Tower trafen sie sich: Die Bosse des Silicon Valley (ganz rechts: Apple-Chef Tim Cook), die sich im Wahlkampf fast alle für Hillary Clinton ausgesprochen hatten. Doch Donald Trump (l.) setzte sich als designierter US-Präsident durch. Eingefädelt haben soll das Treffen der Valley-Investor und Trump-Unterstützer der ersten Stunde, Peter Thiel (M.). Außerdem aus dem Trump-Lager anwesend: Mike Pence, designierter Vizepräsident, Wilbur Ross, designierter Handelsminister, Trumps Stabschef Reince Priebus und Chefstratege Steve Bannon; sowie die Berater Gary Cohn, Stephen Miller und Jared Kushner, der außerdem Trumps Schwiegersohn ist. Auch seine geschäftlich umtriebigen Kinder Eric, Ivanka und Donald Trump jr. wohnten dem Gipfel bei.

Jeff Bezos, CEO Amazon
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Amazon-Chef Jeff Bezos und der designierte US-Präsident Donald Trump – eine Männerfreundschaft wird aus dieser Beziehung wohl nicht mehr. Im Wahlkampf warf Trump Bezos unter anderem vor, mit der von ihm erworbenen Zeitung „Washington Post“ eine Kampagne gegen den Republikaner zu fahren. Bezos, der auch das Weltraumunternehmen Blue Origin besitzt, konterte mit dem Twitter-Hashtag „#sendDonaldtospace“, also „Schickt Donald ins All“.

Larry Page, CEO Alphabet
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Der 43-jährige Mitbegründer von Google übernahm nach der Neuorganisation des Konzerns im August 2015 die Leitung der Google-Muttergesellschaft Alphabet. Im Anschluss an das Treffen sprachen Teilnehmer von einer entspannten und produktiven Atmosphäre.

Sheryl Sandberg, COO Facebook
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Facebook hatte im Wahlkampf eine durchaus ambivalente Rolle gespielt: Einerseits hatte sich Unternehmens-Mitbegründer Zuckerberg persönlich und öffentlich gegen „Leute, die Mauern bauen wollen“ ausgesprochen und so gegen Trump Stellung bezogen. Andererseits ist das soziale Netzwerk für die Verbreitung von „Fake News“ in die Kritik geraten, von denen Trump massiv profitiert haben soll. Bei dem Treffen im Trump Tower ließ Zuckerberg sich durch seine Geschäftsführerin und rechte Hand Sheryl Sandberg vertreten.

Tim Cook, CEO Apple
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Tim Cook vertrat 2009 den an Krebs erkrankten Apple-Mitbegründer und -Chef Steve Jobs als CEO, 2011 sprang er erneut ein – übernahm die Unternehmensleitung aber im August des selben Jahres nach Jobs Rücktritt endgültig. Trump hatte Apple im US-Wahlkampf immer wieder wegen dessen hoher Fertigungsrate in China attackiert. Zudem hatte Trump öffentlich zu einem Apple-Boykott aufgerufen, nachdem sich das Unternehmen weigerte ein iPhone für das FBI zu knacken.

Safra Catz, Co-CEO Oracle
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Der Datenbankkonzern Oracle ist einer der größten Partner der US-Regierung, entsprechend abhängig ist der Konzern von Trumps Gunst. Ein heikles Thema für Oracle-Co-Chefin Safra Catz, die den Konzern gemeinsam mit Präsidenten-Partner Mark Hurd leitet, ist daher unter anderem die mögliche Registrierung von Muslimen in den USA mit der Trump in der Vergangenheit liebäugelte. Hunderte Programmierer erklärten für diesen Fall bereits ihre kategorische Arbeitsverweigerung. Bei dem Treffen kam am Mittwoch das Thema allerdings nicht zur Sprache.

Elon Musk, CEO-Tesla
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Am Mittwoch berief Trump den Tesla-Gründer und -Chef Elon Musk in sein Beraterteam, dem bereits zahlreiche Wirtschaftsgrößen angehören. Auch Musk gehörte während des Wahlkampfs zu Trumps schärfsten Kritikern, so hatte er den designierten US-Präsidenten als „nicht den richtigen Mann für den Job“ bezeichnet. Außerdem fördert der Multi-Milliardär erneuerbare Energien und warnt vor dem Klimawandel, den Trump wiederholt geleugnet hatte.

Unter Trump sollen Banken bald wieder mehr Risiken wagen können, die Aktie von Goldman Sachs ist einer der größten Gewinner des Dow Jones Index’. Carl Icahn ist ebenfalls in der Finanzbranche investiert. Er hält Anteile an dem Versicherungsgiganten AIG. Nun fällt ihm die Aufgabe zu, Trump bei der weiteren Deregulierung aller Branchen zu beraten. Seine Hilfe dabei werde „unbezahlbar“ sein, erklärte Trump in einem Statement.

Das könnte Icahn nicht besser formuliert haben. Seine neue Position gibt ihm eine einflussreiche und interessante Rolle. Sie ermöglicht es ihm, im Hintergrund zu beeinflussen, wie seine eigene Branche der Hedgefonds-Manager, in Zukunft reguliert und überwacht werden wird. „Es wird Zeit, exzessive Regulierungen zurückzunehmen und Unternehmen Jobs schaffen zu lassen,“ wird Icahn in einem Statement des Trump-Teams zitiert.

Die Partei der Demokraten sieht das anders. „Wähler, die für ihn (Trump) gestimmt haben, damit er den Sumpf trockenlegt, haben gerade wieder eine volle Ladung Matsch ins Gesicht bekommen“, erklärte Eric Walker, Sprecher des Democratic National Committee süffisant mit Blick auf Trumps Versprechen, die Wall Street und Washington von Korruption und Vetternwirtschaft zu befreien.

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2 Kommentare zu "Hedgefondsmanager: Carl Icahn berät Donald Trump"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Diese vielen verblendeten Trump-Wähler werden über kurz oder lang aufwachen und sich erneut von der politischen Elite getäuscht sehen. Glücklicherweise kann man das in zwei Jahren zumindest teilweise wieder korrigieren. (Mid term elections).
    Mal sehen was da auf uns zu kommt. Personen sind wichtig aber immer wieder ersetzbar.

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