IT-Größen bei Trump Der Gang nach Canossa

Das Silicon Valley war der Dreh- und Angelpunkt des unternehmerischen Widerstands gegen Donald Trump. Am Mittwoch gab es leise klein bei. Konfrontationen gehen Bezos und Co. neuerdings aus dem Weg.
8 Kommentare
Diese Silicon-Valley-Größen waren im Trump Tower
Donald Trump und das Silicon Valley
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Am Mittwoch im Trump Tower trafen sie sich: Die Bosse des Silicon Valley (ganz rechts: Apple-Chef Tim Cook), die sich im Wahlkampf fast alle für Hillary Clinton ausgesprochen hatten. Doch Donald Trump (l.) setzte sich als designierter US-Präsident durch. Eingefädelt haben soll das Treffen der Valley-Investor und Trump-Unterstützer der ersten Stunde, Peter Thiel (M.). Außerdem aus dem Trump-Lager anwesend: Mike Pence, designierter Vizepräsident, Wilbur Ross, designierter Handelsminister, Trumps Stabschef Reince Priebus und Chefstratege Steve Bannon; sowie die Berater Gary Cohn, Stephen Miller und Jared Kushner, der außerdem Trumps Schwiegersohn ist. Auch seine geschäftlich umtriebigen Kinder Eric, Ivanka und Donald Trump jr. wohnten dem Gipfel bei.

Jeff Bezos, CEO Amazon
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Amazon-Chef Jeff Bezos und der designierte US-Präsident Donald Trump – eine Männerfreundschaft wird aus dieser Beziehung wohl nicht mehr. Im Wahlkampf warf Trump Bezos unter anderem vor, mit der von ihm erworbenen Zeitung „Washington Post“ eine Kampagne gegen den Republikaner zu fahren. Bezos, der auch das Weltraumunternehmen Blue Origin besitzt, konterte mit dem Twitter-Hashtag „#sendDonaldtospace“, also „Schickt Donald ins All“.

Larry Page, CEO Alphabet
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Der 43-jährige Mitbegründer von Google übernahm nach der Neuorganisation des Konzerns im August 2015 die Leitung der Google-Muttergesellschaft Alphabet. Im Anschluss an das Treffen sprachen Teilnehmer von einer entspannten und produktiven Atmosphäre.

Sheryl Sandberg, COO Facebook
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Facebook hatte im Wahlkampf eine durchaus ambivalente Rolle gespielt: Einerseits hatte sich Unternehmens-Mitbegründer Zuckerberg persönlich und öffentlich gegen „Leute, die Mauern bauen wollen“ ausgesprochen und so gegen Trump Stellung bezogen. Andererseits ist das soziale Netzwerk für die Verbreitung von „Fake News“ in die Kritik geraten, von denen Trump massiv profitiert haben soll. Bei dem Treffen im Trump Tower ließ Zuckerberg sich durch seine Geschäftsführerin und rechte Hand Sheryl Sandberg vertreten.

Tim Cook, CEO Apple
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Tim Cook vertrat 2009 den an Krebs erkrankten Apple-Mitbegründer und -Chef Steve Jobs als CEO, 2011 sprang er erneut ein – übernahm die Unternehmensleitung aber im August des selben Jahres nach Jobs Rücktritt endgültig. Trump hatte Apple im US-Wahlkampf immer wieder wegen dessen hoher Fertigungsrate in China attackiert. Zudem hatte Trump öffentlich zu einem Apple-Boykott aufgerufen, nachdem sich das Unternehmen weigerte ein iPhone für das FBI zu knacken.

Safra Catz, Co-CEO Oracle
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Der Datenbankkonzern Oracle ist einer der größten Partner der US-Regierung, entsprechend abhängig ist der Konzern von Trumps Gunst. Ein heikles Thema für Oracle-Co-Chefin Safra Catz, die den Konzern gemeinsam mit Präsidenten-Partner Mark Hurd leitet, ist daher unter anderem die mögliche Registrierung von Muslimen in den USA mit der Trump in der Vergangenheit liebäugelte. Hunderte Programmierer erklärten für diesen Fall bereits ihre kategorische Arbeitsverweigerung. Bei dem Treffen kam am Mittwoch das Thema allerdings nicht zur Sprache.

Elon Musk, CEO-Tesla
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Am Mittwoch berief Trump den Tesla-Gründer und -Chef Elon Musk in sein Beraterteam, dem bereits zahlreiche Wirtschaftsgrößen angehören. Auch Musk gehörte während des Wahlkampfs zu Trumps schärfsten Kritikern, so hatte er den designierten US-Präsidenten als „nicht den richtigen Mann für den Job“ bezeichnet. Außerdem fördert der Multi-Milliardär erneuerbare Energien und warnt vor dem Klimawandel, den Trump wiederholt geleugnet hatte.

San FranciscoEs war der Aufmarsch der Gescheiterten. Abgesehen von Hillary Clintons Wahlkampfteam hatte niemand Donald Trump so offen die Stirn geboten wie das Silicon Valley. Und am Mittwoch war Zahltag. Gehüllt in dicke Mäntel waren die mächtigsten Figuren der Digitalwirtschaft aus dem warmen Kalifornien ins bitterkalte New York gekommen, um dem neuen US-Präsidenten ihre Ehrerbietung zu erweisen.

Da war Jeff Bezos von Amazon, der Trump während des Wahlkampfs einen kostenlosen Platz beim ersten Flug zum Mars angeboten hatte. Der Besitzer der „Washington Post“ und einer der reichsten Männer der Welt saß am Mittwochnachmittag still neben einem früh ergrauten Larry Page, Mitgründer von Google. Der hatte zu seiner Linken Sheryl Sandberg, COO von Facebook. Dessen Mitgründer und Chef Mark Zuckerberg fehlte.

Noch Mitte des Jahres hatte Zuckerberg vor tausenden Zuhörern offen Stellung bezogen gegen „Leute, die Mauern bauen wollen“. Zum Schluss war er immer stärker unter Beschuss geraten, weil Facebook angeblich erst konservative Webseiten benachteiligt und dann zu wenig gegen „Fake News“ unternommen habe, von denen Trump massiv profitiert haben soll.

Sheryl Sandberg nahm direkt neben Vize-Präsident Mike Pence Platz. Näher kam keiner an Trump heran, der von Pence auf der einen und Silicon-Valley-Investor Peter Thiel auf der anderen Seite abgeschirmt wurde. Neben Thiel saß ein Mann in dunklem Anzug, mit weißem Hemd und Krawatte: Tim Cook von Apple. Mitgründer Steve Jobs hatte von der Firma einmal gesagt: „Wir sind hier bei Apple. Wir haben nicht mal Anzüge“.

Eingeladen, aber abwesend war Uber-Chef Travis Kalanick. Der Unternehmer, der öffentlich geäußert hat, das einzig teure am Taxifahren seien die Fahrer, ist Teil von Trumps Beraterstab, ebenso wie Tesla-Chef Elon Musk.

Die Stimmung sei entspannt gewesen, sagten Teilnehmer im Anschluss an das Treffen im Trump-Tower. Trump scherzte und erklärte: „Die Leute hier im Raum sind einzigartig. Und was immer wir tun können, werden wir tun.“ Die Angesprochenen revanchierten sich auf ihre Weise: Im weiteren Verlauf habe es keine großen Spannungen gegeben, hieß es von Beobachtern.

Es sei vor allem über Infrastruktur, die Rückführung von Gewinnen im Gegenzug für geringere Unternehmenssteuern, über Jobs und Ausbildung gesprochen worden. Auch Wilbur Ross, Kandidat für das Amt des Handelsministers, saß in der illustren Runde. Nach dem Treffen erklärte er vor Reportern, die Gespräche seien „sehr gut und konstruktiv“ gewesen. Beide Seiten hätten sich „deutlich besser“ kennengelernt.

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8 Kommentare zu "IT-Größen bei Trump: Der Gang nach Canossa"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Für die IT-Größen steht selbstverständlich auch mehr auf dem Spiel als für Frank Walter Steinmeier, der einen sicheren Job hat und sogar das höchste Amt Deutschlands besetzen wird.

    Deshalb gilt auch in Zukunft: Immer aufpassen, wann, wie weit und mit welchem Risiko man seinen Kopf aus dem Fenster streckt und pöbelt.

  • Vielleicht sind die 6 Größen des Silicon Valleys völlig unschuldig, haben sich nur von Frank Walter Steinmeier beeinflussen lassen, dem erfahrenen Chefdiplomaten der Bundesregierung?

  • @Otto Berger
    Falsch Hr. Berger...es müssten schon über 60 Wahlmänner gegen Trump sein und das ist ausgeschlossen.
    Trump wird 45. Präsident der USA. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
    Trump hat die Gesamte US-Wirtschaft hinter sich versammelt. Er hat die Demokraten weiterhin eine Schockstarre gesetzt und die Medien in den USA erteilt er Lektion für Lektion für gutes Benehmen = neutrale Berichterstattung.
    Trump wird also nicht nur der 45. Präsident der USA sonder ist auch der von NGOs und Lobbybefreitester Präsident seit Jahrzehnten!
    Trump braucht keinen Rechenschaft ablegen und keinen einen Gefallen machen...er hat seinen Wahlkampf alleine mit seinen Team finaziert, organisiert und hat sich gegen ALLE durchgesetzt.
    Mehr Macht (Selbstbestimmung) als Präsident kann Trump bzw. überhaupt ein Präsident nicht haben!
    Er wird genau seinen Plan "Great again" für die USA umsetzen. Jetzt schon und dann in vollen Zügen nach seiner Amtseinführung.
    Seit seiner Wahl hat Trump das Sagen...oder hören sie von Obama oder Clinton noch etwas???!

  • Der Ratschlag : Immer den 1. Schritt vor dem 2. Schritt tun !

    Der 1. Schritt für Mr. Trump ist das Datum des 19.12.2016 und es ist z.Zt. nicht gesichert, dass er den 2. Schritt als US-Präsident auch tun kann.
    Insgesamt müssten 37 Wahlmänner gegen Trump stimmen, um seine Wahl zu verhindern. Bisher wollen 20 republikanische Wahlmänner Trump nicht zum US-Präsidenten wählen. Die restlichen 17 Wahlmänner scheinen noch zu pokern !
    (Cicero : "Geld erstürmt die stärkste Festung")

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

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  • Jetzt lasst halt mal eure "Emotionen" aus den Artikeln. Fassen wir das Treffen mal nüchtern zusammen. Trump hat der IT-Branche in den USA ein Angebot unterbreitet.
    Diese Angebot heißt "Great again". Also Wachstum frei von staatlicher/bürokratischer Gängelung, freie Forschung und Entwicklung, eine stabile und zuverlässig Infrastruktur. Gewinne sollen wieder in den USA und nicht im Ausland gemacht werden. Arbeitsplätze geschaffen und mehr US Amerikaner damit in Lohn und Brot zu bringen. Damit steigt dann der Inlandskonsum wieder an und die Bürger haben wieder mehr Geld für die Produkte der IT-Branche um diese zu kaufen. Eine Win-Win-Win Situation für Regierung, IT-Branche und Bürger also.
    Und die Fachkräfte, wenn diese gebraucht werden und von der US IT-Branche gerufen werden, werden aus der ganzen Welt nach Kalifornien kommen. Da hat Trump auch nichts dagegen. Trump hat jedoch etwas gegen die Armutseinwanderung in die USA etwas. Und das ist verständlich und nachvollziehbar.
    Und was die "alte" Industrie mit Kohle, Gas und Oel betrifft.....merkt euch eines!
    Die Basis für unser modernes IT-Wohlstandsleben ist und bleibt Kohle, Gas und Oel! HInzu kommt noch die Kernkraft!
    Nur Kohle, Gas und vor allen die Kernkraft können eine zuverlässige und billige Stromversorgung gewährleisten. Und genau auf diese ist die IT-Branche zu 100% angewiesen.
    Mit Wind und Sonne gibt es weder Wohlstand noch ein modernes und zukunftsweisendes IT-Leben = Branche!
    Trump weis das und hat dies der IT-Branche auch nochmal klar gemacht und das Silicon Valley in sein Boot = American first = Aufschwung Amerika = Great again geholt. Mit Erfolg!
    Und die Proteste einiger Mitarbeiter...naja, ich bitte Sie! Wer halt nicht mitziehen will, der kann sich jederzeit nach einen neuen Job umschauen. Steht jeden Frei!

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