Trumps Minister Kabinett des Schreckens

Ein einziger Afro-Amerikaner, bislang nur drei Frauen – dafür reichlich Männer mit viel Geld auf dem Konto oder hochdekorierten Uniformen im Schrank: Donald Trumps Kabinett jagt vielen einen Schauer über den Rücken.
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Countdown für Trumps Amtseinführung

WashingtonEr zog lauthals für Arbeiter und Abgehängte zu Felde, und er wollte „Washingtons Sumpf trockenlegen“. Sein Kabinett spickt Donald Trump mit Milliardären und Millionären. Die Wall Street hat er im Wahlkampf beschimpft, in seine Regierung holt er von ebendort aktive und ehemalige Investmentbanker. Dazu addierte er alte Freunde, Großspender und Ex-Rivalen. Einen einzigen Afro-Amerikaner. Bisher nur drei Frauen. Dafür reichlich Männer, die einst hochdekorierte Uniformen trugen.

George Packer sitzt in der Lounge der Deutschen Botschaft in Washington, Gast im „Berliner Salon“. Der Journalist ist Autor der „Abwicklung“, einem hellsichtigen und traurig-prophetischen Buch über die USA der Gegenwart. Er schüttelt grimmig den Kopf. „Dieses Kabinett ist eine Parodie. Weiße, ältere Männer, die alle irgendwas leiten.“ Das Kernmerkmal dieser Regierung? Unberechenbarkeit.

Klima-Skeptiker, Milliardäre und ein Wall-Street-Anwalt
Dan Coats
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Der künftige US-Präsident Donald Trump will den früheren US-Botschafter in Deutschland, Dan Coats, zum Geheimdienstdirektor ernennen. Coats war von 2001 bis 2005 US-Botschafter in Berlin unter Präsident George W. Bush. 2011 warf er Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, sich mit der deutschen Enthaltung beim Militäreinsatz in Libyen isoliert zu haben. Als ehemaliger Senator vertrat der Konservative zudem den US-Bundesstaat Indiana im Kongress.

Jay Clayton
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Neuer Chef der US-Börsenaufsicht wird unter US-Präsident Donald Trump Jay Clayton. Clayton ist ein Mann der Wall Street. Er arbeitet bisher als Wirtschaftsanwalt in der renommierten Kanzlei Sullivan & Cromwell. Unter anderem war er an den Vorbereitungen für den Börsengang des riesigen chinesischen Internethändlers Alibaba beteiligt.

Robert Lighthizer
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Anfang Januar wurde bekannt, dass Donald Trump den 69-jährigen Robert Lighthizer zum Handelsbeauftragten der US-Regierung machen will. Lighthizer gilt als scharfer Kritiker der Handelsstrategien Chinas und als Protektionist. Der Politikveteran hat als Handelsattaché in der Reagan-Ära zahlreiche bilaterale Abkommen ausgehandelt und den Umfang unfairer Einfuhren in die USA deutlich reduziert.

Carl Icahn
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Trump wird sich zukünftig beim Starinvestor Carl Icahn Tipps zu Regulierungsfragen holen. Icahn wird kein offizieller Regierungsmitarbeiter und für seine Dienste auch nicht bezahlt, sagte ein Trump-Sprecher. Nach Trumps Wahl setzen viele darauf, dass der 70-jährige Immobilien-Milliardär die Wirtschaft unter anderem mit einer Deregulierungswelle in Schwung bringen will. Icahn ist Großaktionär mehrerer Konzerne und vielen für ein aggressives Geschäftgebaren bekannt.

Peter Navarro
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Der durch seine Bücher wie „Tod durch China“ bekanntgewordene Ökonom Peter Navarro wird in den Nationalen Handelsrat des Weißen Hauses berufen. Der 67-jährige Wirtschaftsprofessor der University of California beriet Trump bereits im Wahlkampf. In seinem Buch „Tod durch China: Wie Amerika seine industrielle Basis verlor“, das die Grundlage für einen Dokumentarfilm lieferte, wirft er der Volksrepublik beispielsweise den Diebstahl geistigen Eigentums vor.

Innenminister: Ryan Zinke
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Der Kongressabgeordnete war Kommandeur der Marine-Infanterie-Elitetruppe Navy SEALs. Das Ministerium verwaltet rund ein Fünftel der öffentliche Flächen des Landes, darunter Nationalparks. Es ist in den USA nicht für die innere Sicherheit zuständig. Das übernehmen die Ministerien für Justiz und Heimatschutz. Zinke ist gegen die Privatisierung von öffentlichem Grundbesitz, hat aber auch für Gesetze gestimmt, die Umweltauflagen in solchen Gebieten aufweichen. Trump will auf Staatsgebiet verstärkt Ölbohrungen und Bergbau erlauben.

Rex Tillerson (l.) - Außenminister
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Der Chef des US-Ölkonzerns Exxon Mobil, Rex Tillerson, soll Außenminister werden. Das ist aus dem Umfeld von Donald Trump zu hören. Der 64-Jährige hat gute Beziehungen zu Russland, das Bild zeigt Tillerson im Jahr 2012 bei einem Aufeinandertreffen mit dem russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin.

Drei Posten gehen an pensionierte Generäle: Michael Flynn, der nationaler Sicherheitsberater werden soll, James Mattis, der Verteidigungsminister werden könnte, wenn der Kongress ihn lässt, und John Kelly, dem Trump das Heimatschutzministerium geben will.

Ist das eine schleichende Militarisierung amerikanischer Außen- und Sicherheitspolitik? „Wenn das in einem Entwicklungsland passieren würde, würden die USA als globaler Verfechter der Demokratie davor warnen“, schreibt Gordon Adams, emeritierter Professor der American University, in der „New York Times“.

Militärs hätten eine andere Weltsicht, meint er. „Ihre Erfahrung hat in ihnen etwas hervorgebracht, was manche Psychologen professionelle Deformation nennen: eine konditionierte Sicht auf die Welt, die strukturiert, hierarchisch, strategisch und operativ geprägt ist. Sie ist auf die Nutzung militärischer Gewalt fokussiert.“ Zivile Analysten, Strategen und Diplomaten konzentrierten sich dagegen auf breitere Ansätze und wüssten um diplomatische Nuancen.

Es gibt Stimmen, die sagen, man dürfe aus Trumps Wahl eines Generals für das Amt des Verteidigungsministers nicht schließen, dass die USA auf ein größeres militärisches Engagement zusteuerten. „Hochrangige Militärs wissen, dass Kriege unbeabsichtigte Konsequenzen haben, und dass sie Kräfte in Gang setzen, die nicht gesteuert werden können“, meint der Militärhistoriker Richard Kohn.

Das genaue Gegenteil zur Ära Obama
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13 Kommentare zu "Trumps Minister: Kabinett des Schreckens"

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  • Herr Ermecke, was soll das neunmalkluge Rumgehacke auf der Formulierung: "Er GLAUBT nicht an den Klimawandel." Jeder weiß, wie das gemeint ist. Mit Theologie hat dieser Glauben nichts zu tun, das ist normale Umgangssprache. Dass damit die vom Menschen ausgelöste Schädigung des Klimas gemeint ist, weiss jeder, und auch, dass dies die wichtigste Herausforderung ist, die von den Politikern geleistet werden muss. Das ist keine "Gesinnung", das ist ein ernsthaftes Problem.

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  • Das entwickelt sich zu einer Kleptokratie, wie man sie heute nur noch in Afrika und Südamerika findet - widerlich. Man müssen die Amerikaner verzweifelt gewesen sein.

  • Den Arbeitern im Rust Belt, dem früheren Manufacturing Belt, dürfte wohl langsam dämmern, dass sie vom Egomanen und Sprücheklopfer Donald Trump mächtig gelinkt wurden. Nach seinem Possenspiel gegen das wall-street-establishment kommt langsam aber stetig die Realität an den Tag.

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  • @ Hawel
    Woher weisst du, dass die Mehrheit sich abgewandt hat???
    Lebst die in den Staaten??? Nehme mal an, das vermutest du.  Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

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  • Furchtbar, diese Entwicklung zu sehen! Ein Großteil der amerikanischen Öffentlichkeit scheint sich ja längst von Trump abgewandt zu haben, oder ihn nie unterstützt zu haben. Nur umstrittene, höchst extreme Typen holt Trump hervor. Die einzige, starke Lobby, die Trump wirklich unterstützt, sitzt offenbar in Moskau. Je mehr Schaden Trump der westlichen Welt zufügt, desto besser für Putin. Oh my God ...

  • @ Kersey
    Trump wird einen guten Job machen. So einen brauchen wir in D ... um die Polit Mischpoke auf zu scheuchen!!!!

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