US-Vorwahlen in Iowa Das mexikanische Zünglein an der Waage

Niemand hatte sie bisher auf dem Radar. Aber Wähler mit lateinamerikanischem Hintergrund könnten bei der heutigen Vorwahl in Iowa für kräftige Überraschungen sorgen. Nicht nur für Donald Trump.
Vorwahlen in den USA: Wähler mit lateinamerikanischem Hintergrund könnten für Überraschungen sorgen. Quelle: Reuters
Iowa

Vorwahlen in den USA: Wähler mit lateinamerikanischem Hintergrund könnten für Überraschungen sorgen.

(Foto: Reuters)

San FranciscoChristian Ucles geht seit Tagen trotz winterlicher Kälte von Tür zu Tür. Wie viele andere Freiwillige sucht er Mitglieder aller Parteien mit lateinamerikanischem Hintergrund auf und erklärt ihnen, wie man an Vorwahlen teilnimmt. In Klassenräumen büffelt er die Regularien mit Teenagern, die zum ersten Mal dabei sind. Meist haben sie niemanden in der Familie, der ihnen das zeigen könnte. Die Eltern sprechen oft wenig Englisch und haben deshalb Angst, ins Wahlbüro zu gehen und sich zu blamieren.

Ucles ist Mitglied der LULAC, der League of United Latin American Citizens. Die Organisation aus Washington setzt sich seit 87 Jahren für die Rechte der lateinamerikanischen Bevölkerung der USA ein. „Wir haben eine gewaltige Kampagne in Iowa laufen, um über 40.000 Wähler für die Primaries zu aktivieren“, erklärt Brent Wilkes von der LULAC gegenüber MSNBC, und er hat große Hoffnungen: „Das könnte ein ‚Game changer‘ werden“.

Wird es zu einer Überraschung kommen?

Mit anderen Worten: Es könnten 40.000 unerwartete Stimmabgaben in den rund 1700 Mini-Parteitagen werden, die überall in Iowa am Montag stattfinden. Das kann Kandidaten stürzen. Beim Wahlgang vor vier Jahren etwa kamen rund 90.000 republikanische Wähler zur Stimmabgabe. 10.000 unerwartete Wähler mit Nachnamen wie Gonzales oder Alvarez könnten da das Ergebnis auf den Kopf stellen.

LULAC ist dieses Jahr zum ersten Mal in den Vorwahlen bei der Kandidatenauswahl aktiv. Niemand weiß, wie es in Iowa ausgehen wird. Doch dem ersten Eindruck nach, ist einiges zu erwarten. Die Organisation ist in 21 weiteren Bundesstaaten aktiv und hilft Bürgern Wahlunterlagen auszufüllen und die komplizierten Abstimmungs- und Registrierungsprozesse überhaupt erst zu durchschauen. Sie grenzen an ein geheimes Herrschaftswissen, das unter den weißen Parteimitgliedern von Generation zu Generation weitergereicht wird.

Wie die Präsidentschafts-Bewerber protzen und pöbeln
Der republikanische Bewerber Donald Trump
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„Ich brauche kein Geld von irgendeinem. Ich brauche die Lobbyisten nicht, Ich brauche die Spender nicht. Das ist mir egal. Ich bin wirklich reich.“

(der Multimilliardär zu seinen Wahlkampfausgaben)

Der republikanische Bewerber John Kasich
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„Es ist Zeit, dass wir den Russen eins auf die Nase hauen.“

Der republikanische Bewerber Donald Trump
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„Wenn Mexiko seine Leute schickt, schicken sie nicht ihre besten... Sie schicken Leute, die eine Menge Probleme haben, und sie bringen die Probleme zu uns. Sie bringen Drogen. Sie bringen Verbrechen. Sie sind Vergewaltiger. Und manche, nehme ich an, sind gute Leute.“

(über die mexikanischen Immigranten)

Der republikanische Bewerber Donald Trump
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„Wir müssen mit dem Bau einer Mauer anfangen. Einer großen, schönen, mächtigen Mauer... Keiner baut Mauern besser als ich, glaubt mir... Sie kann ein Tor haben, sie kann eine Tür haben. Wir lassen Leute legal hinein. Mexiko muss für die Mauer bezahlen.“

(Trump-Äußerungen zu seinem Plan, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen)

Die demokratische Bewerberin Hillary Clinton
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„Ihr habt vielleicht gesehen, dass ich kürzlich ein Snapchat-Konto eröffnet habe... Ich liebe es. Ich liebe es... Diese Nachrichten verschwinden alle von selbst.“

(zur Affäre um die Nutzung ihres privaten E-Mail-Servers für dienstliche Kommunikationen in ihrer Zeit als Außenministerin)

... noch ein Spruch von Clinton
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„Nun, zusätzlich zur NRA, den Krankenversicherungsgesellschaften, den Arzneimittelfirmen, den Iranern – wahrscheinlich die Republikaner.“

(auf die Frage, wen sie zu ihren Feinden zählt)

Der republikanische Bewerber Donald Trump
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„Sie fängt an, mir alle möglichen absurden Fragen zu stellen. Man konnte sehen, dass Blut aus ihren Augen kam, Blut aus ihr woher auch immer.“

(nach der ersten TV-Debatte über die Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly)

Historisch gesehen geht eine Aktivierung der lateinamerikanischen Wählerbasis gegen die republikanische Partei. Laut einer Januar-Umfrage von MSNBC haben 67 Prozent der Latinos negative Gefühle gegenüber Donald Trump, nur 17 Prozent sehen ihn positiv. Kaum verwunderlich, hat er seine Kampagne quasi mit der Herabwürdigung lateinamerikanischer Einwanderer begonnen und als erstes eine Mauer zwischen den USA und Mexiko versprochen.

Für andere Kandidaten wie Senator Marco Rubio aus Florida sieht es zumindest etwas besser aus, 27 Prozent der lateinamerikanischen Wähler sprechen sich für den Sohn kubanischer Immigranten aus. Das ist beachtlich für eine Bevölkerungsgruppe, die nicht zuletzt für den Erfolg von Barack Obama 2008 mitverantwortlich war. Gehen die republikanisch-orientierten Wähler unter den Minderheiten geschlossen zum „Caucus“, wie die Abstimmungen genannt werden, könnte das für Donald Trump in dem konservativ-weiß dominierten Bauernstaat Iowa am Ende die Chancen verhageln und Ted Cruz oder Marco Rubio ein unerwartetes Comeback bescheren.

Hillary darf auf breite Latino-Unterstützung hoffen
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