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US-Wahlkampf Warum sich Trump auf Merkel eingeschossen hat

Im US-Wahlkampf dient Deutschland als Vorbild – und als Abschreckung. Trump hat sich auf die Kanzlerin eingeschossen und will Clinton mit einem Merkel-Vergleich angreifen. Clinton aber bezeichnet Deutschland als Vorbild.
17.08.2016 - 16:44 Uhr
Mit seinen Vorurteilen über die deutsche Flüchtlingspolitik will Trump seine Gegnerin Hillary Clinton diskreditieren. Quelle: Berndt Skott für Handelsblatt
Wahlkampf mit Merkel

Mit seinen Vorurteilen über die deutsche Flüchtlingspolitik will Trump seine Gegnerin Hillary Clinton diskreditieren.

(Foto: Berndt Skott für Handelsblatt)

Berlin Traditionell dominiert bei US-Präsidentschaftswahlen der Binnenblick. Kandidaten diskutieren vor allem innenpolitische Probleme der Supermacht – die Welt und vor allem Deutschland kommen dabei nur selten vor. Aber in diesem Jahr ist alles anders: Sowohl der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump als auch seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton verweisen im Wahlkampf ausdrücklich auf Deutschland.

Den Höhepunkt lieferte Trump am Montag: „Hillary Clinton will die Angela Merkel Amerikas werden“, sagte er – und kehrte damit ein traditionelles Rollenverständnis um, nach der sich die Welt stets ein Vorbild an der Supermacht USA nehme.

Der Republikaner nutzte den Vergleich aber nicht zum Lob, sondern zur scharfen Kritik. Denn seit Monaten hat er sich wegen ihrer Flüchtlingspolitik auf Merkel eingeschossen. „Ihnen ist bekannt, welche Katastrophe diese Masseneinwanderung für Deutschland und das deutsche Volk war“, hatte er seinen Anhängern in Youngstown im Bundesstaat Ohio zugerufen.

Das hat auch zu heftigen Reaktionen in Deutschland geführt. Die Kanzlerin schweigt zwar dezent. Aber Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat Trump bereits früher einen „Hassprediger“ genannt. Am Dienstag wies der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth, Trumps Kritik scharf zurück, die „bar jeder Faktenlage“ sei.

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    Auch das Innenministerium verweist auf die Kriminalstatistik, die keinen überdurchschnittlichen Anstieg der Straftaten durch Flüchtlinge zeigt. In Regierungskreisen in Berlin wird zudem kühl auf die sehr viel höhere Kriminalitätsrate in den USA gerade bei schweren Straftaten verwiesen.

    Aber das stört Trump offensichtlich nicht. Weil die Politik der Bundesregierung in den USA und in internationalen Medien immer wieder als Politik der offenen Tür („open-door-policy“) gegenüber Flüchtlingen charakterisiert wird, gilt die Bundesrepublik als abschreckendes Beispiel für diejenigen, die für eine Abschottung gegen Flüchtlinge plädieren – oder wie Trump für den Bau einer Mauer zum Nachbarn Mexiko.

    „Verantwortlich ist die gravierende Unkenntnis der Amerikaner, wie die EU und der Schengenraum mit seinen offenen Binnengrenzen überhaupt funktionieren“, erklärt dies der stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzende Axel Schäfer. „Trump kann deshalb bewusst einen Gegensatz herstellen, der polarisiert und Ängste weckt – ähnlich wie dies die AfD tut“, sagte er zu Reuters. Der Republikaner lebe als „Anti-Politiker“ von Zerrbildern.

    Das alleine erklärt aber nicht, wieso ausgerechnet Deutschland ins Visier gerät. Denn auch Schweden oder Österreich teilten 2015 dieselbe Philosophie der Flüchtlingspolitik. „Aber Merkel hat als Person einfach einen sehr hohen Bekanntheitsgrad erreicht, weil sie mehrfach von der US-Zeitschrift „Forbes“ zur mächtigsten Frau der Welt gewählt wurde“, meint Schäfer.

    Deutschland und Donald Trump: Gegenseitige Abneigung
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