USA Trump und die Goldmännchen

In der Vergangenheit waren hochrangige Goldman-Sachs-Manager gefragte Gäste beim US-Präsidenten. Dann kam die Finanzkrise. Doch mit Trump scheint Goldman nun die lang ersehnte Rückkehr ins Weiße Haus zu gelingen.
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Der ehemalige Chef von Breitbart News und CEO der Präsidentschaftskampagne von Donald Trump hat ebenfalls früher für Goldman Sachs gearbeitet. Quelle: AP
Steve Bannon

Der ehemalige Chef von Breitbart News und CEO der Präsidentschaftskampagne von Donald Trump hat ebenfalls früher für Goldman Sachs gearbeitet.

(Foto: AP)

New YorkOb Republikaner oder Demokraten im Weißen Haus regierten, die Investmentbank Goldman Sachs war mehr als einmal mit von der Partie. Das änderte sich erst 2007, mit der weltweiten Finanzkrise. Nun, fast zehn Jahre später, scheint eine der mächtigsten Firmen der Wall Street die frühen Tage der Regierungsbildung unter Donald Trump zu dominieren.

Gerade erklärte der designierte Präsident Ex-Goldman-Bänker Steve Mnuchin zum neuen Finanzminister. Und das obwohl die US-Bank, die wegen ihrer engen Verbindungen in die Politik auch „Government Sachs“ genannt wird, im Wahlkampf noch zu seinen Lieblingsfeindbildern zählte.

Trump nannte die Investmentbank symbolhaft den Inbegriff eines „manipulierten Systems“ der Vetternwirtschaft zwischen Wall Street und Washingtoner Politikbetrieb, das „unsere Arbeiterklasse ausgeraubt hat“. Doch mit Menschen aus genau diesem System besetzt er nun Amt für Amt sein Kabinett.

Mnuchin gilt als absoluter Wall-Street-Insider. Er folgte seinem Vater zu der Investmentbank Goldman Sachs, für die er 17 Jahre lang arbeitete, bevor er sie 2002 verließ. Stephen Bannon, der frisch ernannte Chefstratege Trumps, hat ebenfalls viele Jahre bei Goldman gearbeitet, bevor er die rechtskonservative Seite Breitbart News leitete. Auch Anthony Scaramucci, Mitglied im aktuellen Beraterstab des künftigen Präsidenten, ist ehemaliger Goldman-Mitarbeiter.

Klima-Skeptiker, Milliardäre und ein Wall-Street-Anwalt
Dan Coats
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Der künftige US-Präsident Donald Trump will den früheren US-Botschafter in Deutschland, Dan Coats, zum Geheimdienstdirektor ernennen. Coats war von 2001 bis 2005 US-Botschafter in Berlin unter Präsident George W. Bush. 2011 warf er Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, sich mit der deutschen Enthaltung beim Militäreinsatz in Libyen isoliert zu haben. Als ehemaliger Senator vertrat der Konservative zudem den US-Bundesstaat Indiana im Kongress.

Jay Clayton
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Neuer Chef der US-Börsenaufsicht wird unter US-Präsident Donald Trump Jay Clayton. Clayton ist ein Mann der Wall Street. Er arbeitet bisher als Wirtschaftsanwalt in der renommierten Kanzlei Sullivan & Cromwell. Unter anderem war er an den Vorbereitungen für den Börsengang des riesigen chinesischen Internethändlers Alibaba beteiligt.

Robert Lighthizer
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Anfang Januar wurde bekannt, dass Donald Trump den 69-jährigen Robert Lighthizer zum Handelsbeauftragten der US-Regierung machen will. Lighthizer gilt als scharfer Kritiker der Handelsstrategien Chinas und als Protektionist. Der Politikveteran hat als Handelsattaché in der Reagan-Ära zahlreiche bilaterale Abkommen ausgehandelt und den Umfang unfairer Einfuhren in die USA deutlich reduziert.

Carl Icahn
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Trump wird sich zukünftig beim Starinvestor Carl Icahn Tipps zu Regulierungsfragen holen. Icahn wird kein offizieller Regierungsmitarbeiter und für seine Dienste auch nicht bezahlt, sagte ein Trump-Sprecher. Nach Trumps Wahl setzen viele darauf, dass der 70-jährige Immobilien-Milliardär die Wirtschaft unter anderem mit einer Deregulierungswelle in Schwung bringen will. Icahn ist Großaktionär mehrerer Konzerne und vielen für ein aggressives Geschäftgebaren bekannt.

Peter Navarro
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Der durch seine Bücher wie „Tod durch China“ bekanntgewordene Ökonom Peter Navarro wird in den Nationalen Handelsrat des Weißen Hauses berufen. Der 67-jährige Wirtschaftsprofessor der University of California beriet Trump bereits im Wahlkampf. In seinem Buch „Tod durch China: Wie Amerika seine industrielle Basis verlor“, das die Grundlage für einen Dokumentarfilm lieferte, wirft er der Volksrepublik beispielsweise den Diebstahl geistigen Eigentums vor.

Innenminister: Ryan Zinke
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Der Kongressabgeordnete war Kommandeur der Marine-Infanterie-Elitetruppe Navy SEALs. Das Ministerium verwaltet rund ein Fünftel der öffentliche Flächen des Landes, darunter Nationalparks. Es ist in den USA nicht für die innere Sicherheit zuständig. Das übernehmen die Ministerien für Justiz und Heimatschutz. Zinke ist gegen die Privatisierung von öffentlichem Grundbesitz, hat aber auch für Gesetze gestimmt, die Umweltauflagen in solchen Gebieten aufweichen. Trump will auf Staatsgebiet verstärkt Ölbohrungen und Bergbau erlauben.

Rex Tillerson (l.) - Außenminister
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Der Chef des US-Ölkonzerns Exxon Mobil, Rex Tillerson, soll Außenminister werden. Das ist aus dem Umfeld von Donald Trump zu hören. Der 64-Jährige hat gute Beziehungen zu Russland, das Bild zeigt Tillerson im Jahr 2012 bei einem Aufeinandertreffen mit dem russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin.

Am Dienstag traf sich Trump dann mit Gary Cohn, dem amtierenden Goldman-COO zum Abendessen. Um welche Stelle es genau ging, wurde nicht publik gemacht. Cohn selbst hat sich dazu bislang nicht geäußert.

Obwohl Goldman-Präsident Lloyd Blankfein sich während des Wahlkampfes offen hinter die demokratische Kandidatin Hillary Clinton gestellt hatte, scheint es nicht abwegig, dass Cohn ein mögliches Angebot seitens Trump annehmen würde. Der 56-Jährige könnte es leid sein, die ewige Nummer zwei hinter Blankfein zu spielen. In der vergangenen Zeit wurden Gerüchte laut, dass Cohn ohnehin mit dem Gedanken spiele, die Bank zu verlassen.

Die Wall Street macht Freudensprünge

Mnuchin kündigt bereits jetzt eine Agenda an, die an der Wall Street für Freudensprünge sorgen dürfte, Demokraten allerdings in Panik versetzt. Die Unternehmenssteuer soll auf 15 Prozent gesenkt und Regulierungen entschärft werden.
Liberale fürchten, dass die Wall Street so wieder zu alten Trading-Praktiken zurückkehren könnte, die eine Finanzkrise in der Vergangenheit erst möglich gemacht haben.

„Ich werde die Wall Street nicht mit Mord davonkommen lassen“, hatte Trump noch im Wahlkampf gepoltert. Der New Yorker Geschäftsmann versprach, sich Banker und Finanzprofis vorzuknöpfen, denen viele US-Bürger noch immer die Verantwortung für die große Wirtschaftskrise nach dem Kollaps des Häusermarkts im Jahr 2007 vorwerfen.

Doch seit seiner Wahl zum US-Präsidenten sieht bei Trump vieles ganz anders aus - auch sein Verhältnis zur Finanzwelt. Und so setzt er trotzdem auf die Expertise der erfahrenen Investmentbank und findet sich dabei historisch gesehen in guter Gesellschaft.

Mnuchin führt die Reihe ehemaliger Manager der Bank fort, die später eine politische Karriere gemacht haben. Am besten ist vielleicht heute noch der ehemalige Goldman-Chef Hank Paulson in Erinnerung, der Finanzminister der Finanzkrise. Auch Robert Rubin arbeitete 26 Jahre lang bei Goldman, bevor ihn Bill Clinton zum Finanzminister machte.

Dass Hillary Clinton im Wahlkampf stets für ihre Verbandelungen zu Goldman-Sachs und der Wall Street kritisiert wurde, wusste Trump vor der Wahl gekonnt zu nutzen. Er selbst verkaufte sich, obwohl ebenfalls der Finanzelite angehörend, als Außenseiter und schärfster Kritiker derselbigen.

Sollte Cohn Trump einen Korb geben, hätte die herbe Wahlkampfstrategie des Republikaners dennoch einen bitteren Nachgeschmack. Wenn es um frühere Kabinettsposten ging, mussten amtierende Goldman-Manager nicht lange gebeten werden. Trump scheint allerdings bis jetzt nur auf die bereits ausgestiegenen Zweitligisten der Investmentbank zurückgreifen zu können.

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9 Kommentare zu "USA: Trump und die Goldmännchen"

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  • Die Europäer haben doch mit Mario Draghi den Bock zum Gärtner gemacht. Er ist doch das Ober-Goldmänchen hier.

    Anstatt die amerikanischen Banken für die Krise im Jahr 2008 zu verklagen, bei der Ramsch als erstklasige AAA Investments weltweit verkauft wurden, durften die Banken und dann der Steuerzahler in Europa diese Kosten übernehmen.
    Zwietracht in Europa macht den Dollar stark, der nichts als eine Schuldenwährung ist, die schon längst pleite ist.
    Deshalb gab es Maastricht, deshalb gab es den Euro, der nur mit Billionen Ramsch-verkäufen geschwächt werden konnte.

    Jetzt ist Europa genauso pleite und die USA haben ihre Power zurück, zumal wenn Europa nicht zusammenhält. Der Coup 2008 war nur durch die Deregulierungen der Banken durch die FED möglich, die schon im Jahr 1998-99 angegangen wurden. Gut gemacht, Greenspan.

    Wer unserer Politiker weiss eigentlich noch, was eine Langfriststrategie ist? Europa agiert doch seit Jahren nur noch ad hok, ohne Plan und ohne Ziel.

    Aber mittlerweile sind wir ja eh im Kriegsmodus, finanziell und bei den Medien.

    Wenn Erdogan in Syrien weitermarschiert (Anmerkung: Er ist dort nicht eingeladen), dann könnte es sein, dass die syrische Armee mit Russland dagegenhält.

    Tritt der Nato-Verteidigungsfall eigentlich auch ein, wenn ein Natoland in einem Nicht-Natoland angreift und auf Widerstand trifft? oder könnte man es zumindest so auslegen?

  • Syrien ist geostrategisch sehr wichtig

  • Es geht nur um die Pipelines in Syrien.

    Der Westen will sich Syrien einverleiben um Druck auf Russland auszüben.

    Damit Gazprom nicht mehr Monopol bei Gaslieferung hat...

  • Ich hoffe das Trump mit Russland einen Deal anstrebt wegen des Syrien-Krieges

    Nahost Experte Lüders hat ein interessantes Interview gegeben im Deutschlandfunk:

    http://www.deutschlandfunk.de/syrien-der-krieg-wird-noch-jahrelang-weitergehen.694.de.html?dram:article_id=372682

  • @Martin Zuehlke
    Merke!
    Die Wallstreet Spekulanten wollen das Geld von Unten (Gesellschaft) nach oben (in ihre eigene Tasche) befördern.
    Das Kommunistische System macht die gleiche Umverteilung von Unten (Gesellschaft) in die eigene Taschen (Funktionäre/Eliten).
    Und zwar mit dem Märchen...das der Mangel, der Verzicht und die Armut etwas erstrebenswerte für die Gesellschaft ist und diese doch bitte schön mehr für Energie/Strom zahlen sollen. Und um so teuerer die Energie wird um so weniger bleibt den Menschen in der Gesellschaft ihren Lebensstandard zu verbessern.
    Wer 60% für Energie und Wohnen ausgibt und den Rest für Nahrung, der hat keinen Spielraum mehr für ein Wohlstandsleben. Der ist damit beschäftigt sich jeden Monat über Wasser zu halten.
    Und das wollen die Spekulanten von der Wallstreet genauso wie die Ideologen einer Kommunistischen Politik. Die Umverteilung geht immer von Unten (Gesellschaft) nach Oben (Eliten,Spekulanten,Funktionäre)!

  • "Grünen-Kommunisten Wallstreet Eliten" Geil Hofmann M. einfach nur geil!
    Normalerweise lese ich ihre Kommentare nicht sondern drücke schon reflexartig auf "Als Spam melden". Aber heute haben sie wirklich Unterhaltunsgwert!
    "Grünen-Kommunisten Wallstreet Eliten" eine super Wort-Kombo, an Absurdität nicht mehr zu überbieten.

  • Das hetzen gegen einen gewählten Präsidenten hört nicht auf, zu tief scheint der Stachel beim Establishment und deren untertänigsten Medien zu sitzen.
    Die deutschen Medien hätten hier in Deutschland wahrlich genug zu tun mit einer "Schadenskanzlerin" und deren Gefolge.
    Die Medien haben absolut nichts mehr mit Journalismus zu tun, ihr Hündisches verhalten zeigen sie hier jeden Tag ganz offen, natürlich kann man nicht mehr besonders weit sehen wenn man den Kopf soweit in den "Steiß" seiner Auftraggeber steckt.
    Allesamt plagt wohl eher der weitere Blick auf die Zukunft, welcher in Europa (Österreich, Italien, Frankreich und Holland) wählen ja bald, Die von den Medien und ihrer Kanzlerin gewünschten Ergebnisse können leider nicht herbei geschrieben werden. Aber was sollen sie auch sonst tun, zur Abwechslung könnten mal berichte welche der Wahrheit entsprechen Besserung bringen

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Da können wir uns ja auf die nächste Finanzkrise gefasst machen.

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