Währungskurs als Stimmungsindikator Legt Donald Trump zu, stürzt der Peso ab

Donald Trump will an der Grenze zu Mexiko eine Mauer hochziehen und das Freihandelsabkommen Nafta neu verhandeln. Die Märkte reagieren sensibel. Steigen Trumps Umfragewerte, gerät im Nachbarland die Währung unter Druck.

Trump so selbstbewusst wie eh und je

Mexiko-Stadt/WashingtonUS-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton hat nach ihrem starken Auftritt beim ersten TV-Duell gegen ihren Rivalen Donald Trump in Umfragen aufgeholt. Laut einer am Freitag veröffentlichten Umfrage für den Fernsehsender Fox News kommt Clinton auf 43 Prozent, Trump kommt auf 40 Prozent. Vor einer Woche hatte Clinton in derselben Umfrage nur einen Prozentpunkt vor Trump gelegen.

Auch in anderen Umfragen hatten die Demokratin und der Republikaner vor dem Fernsehduell nahezu gleichauf gelegen. Nach der Debatte am Montag, die Clinton nach überwiegender Einschätzung gewonnen hatte, liegt die Demokratin nun auch in einigen entscheidenden Bundesstaaten wie Florida in Umfragen wieder vorne. In Michigan liegt sie laut einer Erhebung für Detroit News-WDIV-TV sogar sieben Prozentpunkte vor Trump.

Allerdings sind viele Wähler immer noch unentschlossen und beide Kandidaten sind weiterhin gleichermaßen unbeliebt. Laut der Fox-News-Umfrage, für die von Dienstag bis Donnerstag 1009 registrierte Wähler befragt wurden, haben immer noch 53 Prozent ein schlechtes Bild von Clinton, von Trump haben 55 Prozent einen negativen Eindruck. Die Präsidentschaftswahl findet am 8. November statt.

Im TV-Duell der Superlative zählt jedes Detail
100 Millionen Amerikaner schauen zu
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„Du bekommst nie eine zweite Chance, um einen ersten Eindruck zu machen“, lautet ein altes amerikanisches Sprichwort. Genau das werden Hillary Clinton und Donald Trump jedoch am Abend probieren. Das TV-Duell an der Hofstra University auf Long Island werden wohl mehr als 100 Millionen Amerikaner oder gut 80 Prozent der Wähler live am Fernseher verfolgen. Solche Einschaltquoten erreicht sonst nur der Super Bowl – das Endspiel der Football-Meisterschaft in den USA.

Clintons Vorsprung ist geschmolzen
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Der Republikaner hat den Wind der Meinungsumfragen im Rücken. Landesweit führt die Favoritin Clinton nur noch mit rund drei Prozentpunkten. Die ehemalige First Lady muss nach ihrem Schwächeanfall am 11. September vor den Kameras vor allem fit, warmherzig und authentisch herüber kommen. Trump wird versuchen, präsidial und kompetent zu wirken.

Wichtige Unterstützung
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Allerdings erhielt auch Clinton am Wochenende Unterstützung. Die „New York Times“, eine der größten Zeitungen des Landes, sprach sich für die Wahl der Demokratin aus und nannte Trump „den schlechtesten Präsidentschaftskandidaten aller Zeiten“.

Zehn Prozent der Wähler sind noch unentschieden
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Rund zehn Prozent der Wähler haben sich noch nicht entschieden, wem sie am 8. November ihre Stimme geben wollen. Eine historische Untersuchung der University of Virginia zeigt, dass Präsidentschaftskandidaten insbesondere im ersten TV-Duell mehrere Punkte in den Umfragen gewinnen oder verlieren konnten. Karl Rove, der frühere Berater des US-Präsidenten George W. Bush, warnt allerdings vor allzu großen Erwartungen: „Die TV-Debatten bestätigen in der Regel nur die bisherigen Trends.“

Die Macht der Bilder
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Es wäre jedoch nicht das erste Mal, dass die Debatte vor laufenden Kameras den Ausschlag im Rennen um das mächtigste Amt der Welt gibt. Bereits das allererste TV-Duell 1960 zwischen John F. Kennedy und Richard Nixon ist ein gutes Beispiel für die Macht der Bilder. Viele, die damals die Debatte im Radio verfolgten, waren der Meinung, der klug argumentierende Nixon habe das Duell gewonnen. Wer jedoch den jugendlich und gut aussehenden Kennedy und den verkrampften, schwitzenden Nixon auf dem Bildschirm beobachtete, wusste, dass das Rennen für JFK gelaufen war.

Die Strategien der Präsidentschaftsbewerber
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„Die Kandidaten sollten vor allem als mitfühlende Menschen und nicht als Politprofis auftreten“, rät Elaine Kamarck von der Denkfabrik Brookings in Washington den Kontrahenten. Die beiden Lager haben jedoch noch etwas ganz anderes im Sinn: Trump wird alles daran setzen, Clinton als kühl und unehrlich aussehen zu lassen. Clinton wird umgekehrt Trump provozieren, um ihn zu einer seiner gefürchteten Entgleisungen zu verleiten.

Clinton bereitet sich seit Wochen auf das TV-Duell vor
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Darauf bereitet sich die Demokratin seit Wochen vor, liest psychologische Dossiers, schaut Videos von Trumps TV-Auftritten und übt mit „Trump-Darstellern“ verbale Attacken ein. Der Republikaner hingegen gibt sich so siegessicher, dass er auf Generalproben verzichtet. Ein Gedankenaustausch mit seinen Beratern soll reichen.

Während des Wahlkampfes lässt sich gut beobachten, wie symbiotisch die Beziehung zwischen den USA und Mexiko ist. Der Wert des mexikanischen Peso spiegelt die Siegchancen von Donald Trump im US-Wahlkampf. Steigen die Umfragewerte des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers, gerät die Währung unter Druck. Macht seine Konkurrentin Hillary Clinton Boden gut, erholt sich der Peso.

Zuletzt kostete der US-Dollar 19,39 Peso. Experten erklärten nach der ersten TV-Debatte der Kandidaten die Demokratin zur Siegerin, prompt stieg die Peso-Notierung. In der vergangenen Woche war der Wechselkurs bis auf historische 19,91 Peso im Interbanken-Geschäft gestiegen, in den Wechselstuben wurden mehr als 20,20 Peso für den Dollar fällig. Vor einem Jahr wurde der Dollar noch für etwa 16,50 Peso gehandelt.

Trump will im Falle eines Wahlsiegs das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) neu verhandeln und eine Mauer an der Grenze zu Mexiko errichten. Die mexikanische Wirtschaft hängt stark vom US-Markt ab, der Großteil der in Mexiko produzierten Güter wird in den Norden importiert.

„Da gibt es definitiv einen Zusammenhang“, sagte der Vizepräsident der Vermögensberatung Federated Investment, Ihab Salib, zuletzt im Fernsehsender CNN. „Donald Trumps Idee von einer Mauer und alles andere haben Einfluss auf den mexikanischen Peso.“

Investoren befürchten, dass im Falle eines Wahlsiegs von Trump die Handelbeziehungen zwischen den USA und Mexiko und damit die Wirtschaft südlich des Rio Bravo Schaden nehmen könnten. „Der Peso ist derzeit ein guter Indikator für die Wahlchancen von Trump“, sagte Stephan Rieke, Devisenexperte bei der BHF-Bank.

Grundsätzlich profitiert Mexiko von seiner Nähe zu den USA. So haben sich zahlreiche Autobauer in dem lateinamerikanischen Land angesiedelt, um ihre Produkte zollfrei in die Vereinigten Staaten importieren zu können. Allerdings löst jede Unbill im Norden auch Reaktionen im Süden aus. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts sagte der mexikanische Diktator Porfirio Díaz: „Armes Mexiko, so fern von Gott und den Vereinigten Staaten so nah.“

Vor einigen Jahren noch wurde der US-Dollar mit etwa 13 Peso gehandelt. „Der Peso ist ohne Zweifel unterbewertet“, sagte Mexikos Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo kürzlich. Absehen vom Wahlkampf in den USA stehe er wegen der schleppenden Weltwirtschaft unter Druck. Auch der niedrige Ölpreis macht Mexiko zu schaffen.

Clinton und Trump – bloß Reptiloide?
Hillary Clintons Doppelgängerin
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Nach ihrem Schwächeanfall während einer Veranstaltung zum Gedenken an den 11. September 2001 trat Clinton nur zwei Stunden später wieder in der Öffentlichkeit auf. Für Verschwörungstheoretiker war das ganz klar eine Doppelgängerin. Sogenannte Beweise wurden in sozialen Medien gesammelt. Ob Nase oder Finger – es seien klare Unterschiede zu sehen. Weitere Spekulationen: Die Doppelgängerin soll Schauspielerin Teresa Lilly Barnwell sein, eine Clinton-Imitatorin (hier ein Tweet zum Thema).

Von Hirntumor bis Zungenkrebs – Clintons Krankheiten im Überblick
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Epilepsie, Parkinson oder Hirntumor – um Clintons Gesundheit ranken sich die wildesten Spekulationen. Bereits 2015 verkündete die Zeitung „National Enquirer“ das baldige Ableben der Demokratin. In einem Video der Seite „Infowars“ analysieren Experten Clintons Lachen als eine Persönlichkeitsstörung. Der Blog „The Conservative Tree House“ stellte einen Fleck auf Clintons Zunge fest. Diagnose: Zungenkrebs.

Der Knopf in Clintons Ohr
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„Ein Knopf im Ohr?“, mit dieser Frage löste Schauspieler James Woods eine heftige Diskussion aus. Der Grund: ein Foto, das Clinton bei einem Auftritt im Sender NBC mit einem kleinen Gegenstand im Ohr zeigt. Woods postete auch eine Wikileaks-E-Mail von 2009, in der Clinton-Vertraute Huma Abedin fragt: „Hast Du Deinen Knopf im Ohr mitgenommen, oder soll ich ihn holen?“. Die Seite „True Pundit“ mutmaßt, dass Clinton schon früher Ansagen über den Knopf bekam.

Der mysteriöse Begleiter
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Er weicht ihr nicht von der Seite: Clintons Begleiter – hier rechts im Bild. Einige sehen in ihm keinen Bodyguard, sondern eine Gefahr. Der Autor Mike Cernovich hat dafür eine einfache Erklärung...

Der mysteriöse Begleiter
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„Jeder Sicherheitsagent trägt einen Anzug. Hillarys Begleiter (Anm.: hier links im Bild) ist leger angezogen. Etwas Großes bahnt sich da an“, sagt Cernovich. Auf einem anderen Foto soll der Begleiter eine Diazepamspritze halten, einen Arzneistoff gegen Panikattacken. Es wurde geraunt, der Mann sei ein Psychiater, der Clinton auch hypnotisiere. Das beweise angeblich ein Video, in dem der Begleiter ihr etwas ins Ohr flüstert.

Donald Trump – der Antichrist
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Der Antichrist – eine Figur aus der Bibel, die Gegenmacht zu Jesus Christus. Laut Bibel soll sich der Mond vor der Ankunft des Antichristen in Blut verwandeln. Die Verbindung zu Trump: An seinem Geburtstag, dem 14. Juni 1946, gab es eine totale Mondfinsternis, auch als „Blutmond“ bekannt. Auch die Zahl des Antichristen (666) tauche in Trumps Leben auf. Eines seiner Gebäude hat er in der 666 Fifth Avenue in New York gekauft. Selbst lebt er im 66. Stock des Trump Towers. Für viele (hier eine Interpretation) ist das sehr mysteriös.

Trump unter falscher Flagge
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„Es ist alles nur gespielt!“, schreibt der US-amerikanische Journalist Justin Raimondo auf seinem Blog. Donald Trump schauspielere, um seiner Freundin Hillary Clinton zur Präsidentschaft zu verhelfen. Die Gründe: seine gute Beziehung zu den Clintons, seine Unterstützung vergangener demokratische Kampagnen und seine kontroversen Aussagen, mit denen er die Republikaner zu spalten versuche. Rassismus, Hetzparolen und Populismus – Trump könne nur eine Karikatur des Konservatismus sein – erfunden von den Demokraten. Im Bild spielt Jimmy Fallon Donald Trump.

Der mexikanische Finanzminister José Antonio Meade legte zuletzt ein Sparpaket auf. Mittelfristig will er einen Haushaltsüberschuss erwirtschaften und die Staatsverschuldung senken. „Das sollten die Märkte im Hinterkopf behalten, wenn einmal die vielen Unbekannten verschwinden, die derzeit für soviel Unsicherheit sorgen“, sagte er.

Der niedrige Peso-Wert hat aber auch Positives: Er macht für ausländische Besucher den Urlaub in Mexiko attraktiv. Die Tourismusbranche ist ein wichtiger Wirtschaftszweig. Im vergangenen Jahr spülten Urlauber 17 Milliarden US-Dollar ins Land.

  • dpa
  • afp
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