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Pete Buttigieg

Der Kandidat der Demokraten ist in Iowa mit Verzögerung der Sieger.

(Foto: AFP)

US-Wahl 2020 Das sind die vier Lehren aus der Iowa-Vorwahl

Die US-Demokraten legen in Iowa einen Pannenstart hin. Das schmälert Pete Buttigiegs Sieg und lässt vor allem einen triumphieren: Donald Trump.
08.02.2020 - 14:50 Uhr Kommentieren

Düsseldorf Auftakt mit Verzögerung: Die US-Demokraten sind in Iowa mit technischen Pannen in ihren Präsidentschaftskandidatur-Vorwahlkampf gestartet. Es dauerte Stunden, bis eine Hochrechnung vorlag, das Endergebnis ist auch Tage später noch nicht amtlich. Die Kandidaten waren schon längst in New Hampshire angekommen, wo am kommenden Dienstag gewählt wird, als die ersten Ergebnisse verkündet wurde. Pete Buttigieg entschied Iowa für sich, vor Bernie Sanders, Elizabeth Warren und Joe Biden. Buttigieg und Sanders drängen allerdings beide noch auf Neuauszählungen – den Sieg machen derzeit 0,09 Prozentpunkte aus.

Die wichtigsten Erkenntnisse der ersten Vorwahl im Überblick:

1. Der Sieger ist Donald Trump

Die US-Demokraten legten in Iowa einen chaotischen, ja peinlichen, Start hin. Da bei der Überprüfung der Resultate Unstimmigkeiten festgestellt wurden, verzögerte sich die Auszählung erheblich. Die Vorwahl war insofern keine gute Werbung und für die parteiinterne Euphorie nur bedingt förderlich. CNN sprach von einem „unglaublichen Versagen“. Die Kandidaten mussten am Dienstag in Des Moines schließlich vor ihren Anhängern sprechen, obwohl sie den Ausgang der Wahl noch gar nicht kannten. Zwei von ihnen hielt das nicht davon ab, lange vor Ende der Auszählung der offiziellen Ergebnisbekanntgabe vorzugreifen.

Pete Buttigieg erklärte: „So wie es aussieht, fahren wir siegreich nach New Hampshire.“ Kurz später veröffentlichte das Team von Bernie Sanders erste Zahlen, wonach Sanders nach der Auszählung von 40 Prozent der Stimmen vorne lag. Joe Raspars, der Berater von Elizabeth Warren, kritisierte die Kontrahenten dafür scharf: „Jedes Wahlkampfteam, das sagt, dass es gewonnen hat oder das unvollständige Zahlen herausgibt, trägt zum Chaos und zur Fehlinformation bei.“

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    Die Anhänger der demokratischen Partei ärgerten sich über die Pannen, für die Republikaner ist das Chaos in Iowa eine dankbare Steilvorlage. Trump erklärte sich am Dienstag kurzerhand selbst zum Sieger. „Die Vorwahl der Demokraten sei eine absolute Katastrophe“, twitterte er. „Die einzige Person, die letzte Nacht in Iowa einen großen Sieg errungen hat, ist Trump.“

    Sein Wahlkampfmanager Brad Parscale spottete: Die Demokraten könnten nicht einmal eine Vorwahl durchführen, wollten aber die Regierung übernehmen. Trumps Sohn Eric Trump twitterte: „Was für ein Durcheinander. Deshalb wollen die Menschen nicht, dass die Demokraten unser Land regieren.“

    Tatsächlich ist Trump der gefühlte Sieger der Vorwahl. Darüber, dass er nach dem Super-Bowl zwei Bundesstaaten verwechselt hatte, sprach am Dienstag keiner mehr. Am Mittwoch kann Trump sich womöglich erneut freuen, es wird mit einem Freispruch im Amtsenthebungsverfahren gerechnet.

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    2. Buttigieg hat das Momentum

    Der Sieg von Buttigieg ist eine Überraschung. Die Umfragen hatten Sanders in Iowa vorn gesehen und den früheren Bürgermeister der Stadt South Bend auf dem dritten Platz. Buttigieg hat nun das Momentum. Iowa ist der erste Stimmungstest im Vorwahlkampf, der „Caucus“ hat traditionell eine große symbolische Bedeutung. Bei den letzten Vorwahlen der US-Demokraten siegten hier Al Gore (2000), John Kerry (2004), Barack Obama (2008) und Hillary Clinton (2016) – also jeweils der Bewerber, der später auch Präsidentschaftskandidat wurde.

    Völlig offen ist, was Buttigieg aus dem Auftaktsieg machen kann. In Befragungen für die nächste Vorwahl in New Hampshire (11. Februar) belegt er mit 14 bis 17 Prozent den dritten Platz. Über die Rolle des Außenseiters wird Buttigieg wohl vorerst nicht hinauskommen. In Teilen des Landes ist der Mann mit dem schwierigen Nachnamen (Aussprache: Bu-ti-dschidsch) völlig unbekannt. In den landesweiten Umfragen erhält er seit Wochen durchgehend einstellige Werte und liegt weit hinter Biden, Sanders und Warren.

    Aber Obacht: Umfragen sind im US-Vorwahlkampf traditionell kurzlebig und mit Vorsicht zu genießen, die Stimmungen drehen sich schnell. Buttigieg, der erst vor einigen Tagen 38 Jahre alt wurde, wäre übrigens der jüngste US-Präsident der Geschichte.

    3. Die US-Demokraten haben (noch) keinen Favorit

    In Iowa erreichte keiner der Bewerber mehr als 30 Prozent. Auch in landesweiten Umfragen ist es eng. Der Kampf um die Nominierung dürfte bei den US-Demokraten diesmal besonders knapp werden. Ein Favorit kristallisiert sich nicht heraus. Bislang galt Biden als der Kandidat mit den besten Chancen. Aber viele Anhänger der Partei hadern mit ihm und seinen Auftritten.

    In Iowa erlebte Biden einen desaströsen Start und wurde nur Vierter. Wenn er in New Hampshire oder Nevada nicht gewinnt, muss der Vize des früheren US-Präsidenten Barack Obama schon damit rechnen, dass sich ein Teil seiner Anhänger von ihm ab- und einem anderen zuwendet. Ein guter Auftakt ist auch deshalb so wichtig, weil die Bewerber auf Spendengelder für ihren Wahlkampf angewiesen sind.

    Das offene Rennen birgt viel Spannung, für die US-Demokraten ist es jedoch eher ungünstig. Um Trump zu schlagen, braucht die Partei einen starken Kandidaten, der die zerstrittenen Lager einen kann.

    4. Iowa ist nicht die USA

    Mit seinen 3,15 Millionen Einwohnern wohnen in Iowa kaum mehr Menschen als in Schleswig-Holstein. In dem kleinen Bundesstaat im Mittleren Westen ging es nur um 41 – also vergleichbar wenige – Delegierte, die im Juni beim Nominierungsparteitag den demokratischen Präsidentschaftskandidaten küren.

    Iowa hat große Signalwirkung, weil es den Auftakt der Vorwahlen markiert. Zumindest für ein paar Tage steht der Bundesstaat dadurch im Rampenlicht. Repräsentativ für die USA ist er nicht. Das Durchschnittsalter ist sehr hoch, eine große Mehrheit von 90 Prozent der Einwohner ist weiß. Iowa gilt als Swing-State, in dem der Ausgang besonders eng und umkämpft ist. Bei der Wahl vor vier Jahren gewannen die Republikaner.

    So geht es jetzt weiter: Eine Übersicht über alle Vorwahlen der Demokraten.

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