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US-Wahl Anti-Trump-Bewegung: Guerilla-Wahlkämpfer wollen den US-Präsidenten loswerden

Die Gegner des US-Präsidenten setzen auf harte Worte und schnelle Provokationen im Netz. Sie wollen Trump mit seinen eigenen Mitteln schlagen – und gehen damit ganz andere Wege als Joe Biden.
28.07.2020 - 10:16 Uhr Kommentieren
Vor einigen finanzstarken Wahlkampforganisationen wird solche Kritik nun geballt ins Netz gesetzt. Quelle: AFP
Protest gegen Trump

Vor einigen finanzstarken Wahlkampforganisationen wird solche Kritik nun geballt ins Netz gesetzt.

(Foto: AFP)

Washington Schwach. Schwach. Schwach. Immer wieder springt dem Zuschauer das englische Wort „weak“ in Versalien entgegen, unterlegt mit der Stimme Donald Trumps und donnernder Katastrophenfilmmusik. Nur eine Minute dauert der Videoclip, in dem Trump Autokraten begrüßt, eine Treppe hinunterstolpert und mit zittrigen Händen ein Glas Wasser greift.

Die Botschaft ist wenig subtil: Trump ist erledigt, Trump muss weg. Twitter, Youtube und Facebook sind voll von solchen Videos, auch in TV-Werbeblocks werden sie gezeigt. Dahinter stecken politische Lobbyorganisationen, sogenannte PACs (Political Action Committees), die abseits der traditionellen Kampagnen Wahlkampf machen.

Was diese inoffizielle, in Eigenregie organisierte Anti-Trump-Bewegung besonders macht, ist zum einen ihr breites Fundament. Demokraten kämpfen in seltener Allianz vereint mit entfremdeten Republikanern, die eine zweite Amtszeit Trumps verhindern wollen. Außerdem ist auffällig, dass die vielfältigen Gruppen allesamt auf Schärfe und Provokation setzen.

Der aggressive Stil der Guerilla-Wahlkämpfer steht für eine Polarisierung, die in den USA seit Jahrzehnten zunimmt. Nicht zuletzt hat Trump, der politische Gegner ohne Tabus beleidigt, diese Polarisierung selbst genährt.

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    Trump dominiert den Nachrichtenzyklus und das Internet wie kein Präsident vor ihm, „aber es ist möglich, ihn auf seinem eigenen Spielfeld zu schlagen“, sagt Jordan Meiselas. Der 27-Jährige entwickelte bislang Marketingkampagnen für US-Konzerne, doch im Lockdown der frühen Coronaphase gründete er mit seinen Brüdern das progressive PAC Meidas Touch.

    Die Gruppe hat unter anderem den „WeakTrump“-Spot produziert. Mit an Bord ist der 35-jährige Benjamin Meiselas, ein Bürgerrechtsanwalt, der den Football-Star Colin Kaepernick in seiner Klage gegen die National Football League (NFL) vertrat.

    Brett Meiselas ist der Dritte im Bunde. Der 30-Jährige hat mit Videos für die Talkshow der US-Moderatorin Ellen DeGeneres zwei Emmy-Trophäen gewonnen. Das Motto der Brüder ist „low budget, high impact“, denn teilweise entstehen die Videos in wenigen Stunden. Der Spot „Creepy Trump“, der sexuell anzügliche Aussagen Trumps über dessen Töchter sammelt, wurde sieben Millionen Mal abgerufen.

    „Kampagne im freien Fall“

    Meidas Touch wurde vor einigen Wochen bekannter, als eines der bekanntesten PACs die Gruppe in den sozialen Medien unterstützte: The Lincoln Project ist ein 20-Millionen-Dollar-PAC, das von vergraulten Republikanern angetrieben wird. Der Anwalt George Conway, Ehemann von Trumps Chefberaterin Kellyanne Conway, ist einer der Mitgründer.

    Trumps Politik sei „schlecht für die Partei und schlecht für das Land“, sagt Gründungsmitglied Reed Galen, der für Ex-Präsident George W. Bush und den verstorbenen US-Senator John McCain arbeitete. Das PAC versammelt sogenannte „Never Trumper“, die sich seit 2016 aus der Partei zurückgezogen haben und auf einen Neustart ohne Trump drängen.

    Ihre Zielgruppe sind einstige Trump-Wähler, die ins Zweifeln gekommen sind, sowie Unentschiedene. Auch die Videos des Lincoln Project sind provokant, weil sie Trumps Schwächen offen zur Schau stellen. „Mit Donald Trump stimmt etwas nicht“, warnt in einem Clip ein Sprecher aus dem Off. „Er ist wackelig, schwach, hat Probleme beim Sprechen, Probleme beim Gehen.“ 

    Es gehört zum Paradox dieses Wahlkampfs, dass die Guerilla-Wahlkämpfer mit ihren aggressiven Anti-Trump-Videos ausgerechnet einen Politiker unterstützen, der ungefähr so provokant ist wie ein Konzertflügel. Trumps Herausforderer Joe Biden positioniert sich im Wahlkampf als seriöse Alternative zu Trump, als Stimme der Vernunft.

    Der Herausforderer für das Amt des US-Präsidenten bekommt Schützenhilfe aus dem Netz. Quelle: AP
    Wahlwerbung für Joe Biden

    Der Herausforderer für das Amt des US-Präsidenten bekommt Schützenhilfe aus dem Netz.

    (Foto: AP)

    Seine Kampagne verzichtet bislang auf Attacken unter der Gürtellinie, die auf Trumps Erscheinung und Psyche abzielen. Dafür kommen solche Attacken immer lauter von den zahlreichen Anti-Trump-Aktivisten. Die Debatte um den mentalen Zustand des Präsidenten war zuletzt wieder aufgeflammt: Trumps Nichte bescheinigte ihm in einem Enthüllungsbuch psychische Traumata.

    Und Trump selbst irritierte mit einem Fernsehauftritt, in dem er mit einem simplen Gedächtnistest zu Reihenfolgen („Person. Frau. Mann. Kamera. TV.“) prahlte.

    Die Bewegung der Trump-Gegner zieht ihre Kraft auch aus dem Frust über die Corona-Pandemie, in der der Präsident als Krisenmanager strauchelt. Es ist gerade einmal ein halbes Jahr her, dass Trump ein Impeachment-Verfahren unbeschadet überstand. Damals waren seine Umfragewerte nicht berauschend, aber solide.

    Inzwischen glaubt die Mehrheit der US-Bürger, dass Trump an den größten Herausforderungen des Landes, etwa der Wirtschaft, scheitert. „Donald Trumps Kampagne befindet sich im freien Fall“, sagt der Brookings-Experte William Galston.

    Und auch wenn drei Monate vor der Wahl jede Prognose nur vorläufig ist, zeichnen die Umfragen ein desaströses Bild für Trump. In den umkämpften Staaten Michigan, Pennsylvania und Wisconsin, die er 2016 knapp gewann, liegt er deutlich hinter Biden. Auch im Mittleren Westen, etwa Ohio und Iowa, sieht es schlecht aus. 

    Polarisierung nimmt zu

    Zusammenarbeiten dürfen PACs wie Meidas Touch und The Lincoln Project nicht mit der Biden-Kampagne, das ist rechtlich verboten. Aber die Tonalität des Wahlkampfs wird von ihnen geprägt. Das liegt einerseits an der Aufmerksamkeits-Ökonomie im Hashtag-Zeitalter, die griffigen Wahlslogans nicht unähnlich sind.

    Bidens Wirtschaftskonzept „Build Back Better“ ist 43.000 Zeichen lang, das entspricht 25 Buchseiten. Kurzvideos mit dem Titel #TrumpDesaster oder #ByeIvanka können sich im Vergleich dazu viel schneller verbreiten.

    Nicht zuletzt gedeihen Methoden wie die der Guerilla-Wahlkämpfer in einem extrem aufgeheizten politischen Umfeld. Laut einer Studie der Eliteuniversitäten Brown und Stanford hat die Polarisierung in den USA in den letzten 40 Jahren rapide zugenommen – und zwar schneller als in vergleichbaren Demokratien wie Kanada, Großbritannien, Australien oder Deutschland. Es ist dasselbe Umfeld, das 2016 dazu beitrug, dass ein Populist wie Donald Trump ins Weiße Haus gewählt werden konnte. 

    Im Verlauf des Wahlkampfs wird der Einfluss der inoffiziellen Anti-Trump-Bewegung aber auf die Probe gestellt werden. Das Fernsehen ist die beliebteste Nachrichtenquelle in Amerika, die TV-Debatten der Präsidentschaftskandidaten dürften viele Menschen erreichen. Dann wird es vor allem an Biden selbst liegen, wie er auf Vorwürfe der Trump-Kampagnen kontert, er wolle vor allem Steuern erhöhen und Jobs in der Energiebranche vernichten.

    Lincoln Mitchell, Politologe an der Columbia-Universität, bescheinigt den Trump-Gegnern im Netz eine enorme Fähigkeit, schnelle Reaktionen zu provozieren. „Weniger sicher ist hingegen, ob sich Trends in den sozialen Medien in Stimmen für Biden niederschlagen.“

    Mehr: Eine US-Republikanerin ist auf Anti-Trump-Mission.

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