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US-Wahl Briefing „Hanseatin“ könnte US-Finanzministerin werden – Biden kämpft um Stimmen in „Trump Country“

Wer macht das Rennen, Donald Trump oder Joe Biden? Im Newsletter US-Wahl Briefing verfolgen Sie alle wichtigen Geschichten im Vorfeld der US-Wahlen.
28.10.2020 - 13:45 Uhr Kommentieren
Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat hat vor Anhängern im US-Bundesstaat Georgia gesprochen. Quelle: Reuters
Joe Biden

Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat hat vor Anhängern im US-Bundesstaat Georgia gesprochen.

(Foto: Reuters)

Liebe Leserinnen und Leser,

auf den letzten Metern vor dem Wahltag am nächsten Dienstag kommt Joe Biden aus der Deckung. Der demokratische Herausforderer von US-Präsident Donald Trump sprach Dienstagabend vor Anhängern im US-Bundesstaat Georgia. Danach geht es für ihn weiter nach Florida und Iowa.

Alle drei Bundesstaaten konnte Trump vor vier Jahren meist deutlich gewinnen: Georgia hat seit Bill Clinton 1992 kein Demokrat mehr für sich erobert und Trump gewann dort vor vier Jahren mit einem Plus von fünf Prozentpunkten. In Florida holte der Präsident 2016 mit einem Vorsprung von 1,2 Prozentpunkten den Sieg vor Hillary Clinton. Und in Iowa lag Trump sogar um zehn Prozentpunkte vorne.

Dass der Wahlkampf kurz vor Schluss quasi an der Heimatfront des Amtsinhabers in „Trump Country“ ausgetragen wird, sagt viel über den Stand des Rennens. Biden ist zuversichtlich, dass er Trump wichtige „red states“ abnehmen kann, die bislang fest zum Lager der Republikaner gehörten.

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    Trump versucht umgekehrt seinen Überraschungscoup von 2016 zu wiederholen, als er die „blaue Mauer“ demokratischer Bundesstaaten im Mittleren Westen durchbrach. Diese „swing states“ sind jedoch jetzt dabei, ins demokratische Lager zurück zu pendeln und dem Präsidenten von der Fahne zu gehen. Trumps wichtigste Wahlkampfauftritte auf der Zielgeraden sind in Pennsylvania, Michigan und Wisconsin. In allen drei Bundesstaaten liegt jedoch Biden deutlich in den Umfragen vorn.

    Die Sorgen der US-Wirtschaft

    Die Finanzmärkte blicken derweil etwas gelassener auf den wahrscheinlichen Wahlausgang und über den Wahltag hinaus. Das heißt jedoch nicht, dass es ruhiger geworden wäre: Die Sorgen der US-Wirtschaft vor höheren Steuern oder einer strikteren Regulierung unter Biden werden überlagert von der Angst, dass eine zweite Corona-Welle die Konjunktur derart umwerfen könnte, dass sie nur noch mit regelmäßigen geld- und finanzpolitischen Spritzen der US-Notenbank und der Regierung am Leben gehalten werden kann.

    Der US-Analyst Luke Gromen von der Beratungsfirma Forest For The Trees schreibt dazu: „Die US-Wirtschaft kann ohne weitere Hilfe der US-Notenbank wahrscheinlich nicht wachsen, und der Markt für US-Treasuries kann ohne die Hilfe der US-Notenbank nicht funktionieren.“ Warum nicht? Weil der Appetit ausländischer Investoren für amerikanische Schuldscheine nicht mehr reicht, um die Rettung auf Pump zu finanzieren.

    Eine „Hanseatin“ als mögliche US-Finanzministerin?

    Der wohl wichtigste Posten in einer Biden-Administration für die Wirtschaft ist sicherlich der des US-Finanzministers. Hier könnte sich eine faustdicke Überraschung anbahnen, sollte der Demokrat am 3. November die Wahl gewinnen: Zu den heißesten Favoritinnen für die Schlüsselposition gehört die 58-jährige Lael Brainard, die seit 2014 Gouverneurin bei der US-Notenbank Federal Reserve ist.

    Die 58-jährige Brainard wird als mögliche nächste US-Finanzministerin gehandelt. Quelle: Reuters
    Lael Brainard

    Die 58-jährige Brainard wird als mögliche nächste US-Finanzministerin gehandelt.

    (Foto: Reuters)

    Sie wäre nicht nur die erste Frau an der Spitze des US-Schatzamtes, sondern auch die erste, die in Deutschland geboren wurde. Brainard kam in Hamburg als Tochter eines US-Diplomaten zur Welt und ist damit quasi „Hanseatin“. Sie wuchs vor dem Mauerfall in der alten Bundesrepublik und in Polen auf. Die Europäer kennen sie noch aus der Finanzkrise 2008, als sie zusammen mit dem damaligen US-Finanzminister Timothy Geithner für eine aktivere Fiskalpolitik warb.

    Pinellas County als Spiegelbild Amerikas

    Zum Schluss noch ein Tipp für die lange Wahlnacht am 3. November. Wenn Sie möglichst früh wissen wollen, wie das Rennen um das Weiße Haus läuft, schauen sie nach Pinellas County in der Nähe von Tampa in Florida. Der Landkreis ist ein Spiegelbild Amerikas: Hier finden sich konservative Pensionäre ebenso wie junge Hipster und zahlreiche Afro-Amerikaner rund um die Metropole St. Petersburg.

    Die Wähler von Pinellas County haben seit 1980 mit ihrer Stimme immer auch das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen vorweggenommen. Nur im Jahr 2000 lagen sie daneben. Trump gewann hier 2016 mit gerade einmal 5500 Stimmen Vorsprung. Die ersten Hochrechnungen aus Pinellas County sollte es kurz nach Schließung der dortigen Wahllokale um 1 Uhr nachts (MEZ) geben.

    Weiter geht es mit den Gedanken des transatlantischen Brückenbauers Sigmar Gabriel zur US-Wahl. Die von ihm geführte Atlantik-Brücke hat gerade eine Umfrage veröffentlicht, wonach zwei Drittel der Deutschen darauf setzen, dass eine Wahl Bidens sich positiv auf die transatlantischen Beziehungen auswirken werde.

    Sollte hingegen Trump gewinnen, befürchten fast drei Viertel der Deutschen, dass sich die Beziehungen zu Amerika weiter verschlechtern.

    Wird mit einem Präsidenten Biden alles besser?

    Der ehemalige Bundesaußenminister und Vorsitzende der Atlantik-Brücke ruft Europa dazu auf, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen. Quelle: dpa
    Sigmar Gabriel

    Der ehemalige Bundesaußenminister und Vorsitzende der Atlantik-Brücke ruft Europa dazu auf, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen.

    (Foto: dpa)

    Die Antwort kommt von Sigmar Gabriel, ehemaliger SPD-Vorsitzender und Bundesaußenminister a.D.: „Joe Biden weiß, dass sich die Konflikte in der Welt besser lösen lassen, wenn man international zusammenarbeitet. Er is sicher jemand, der die Erneuerung der transatlantische Allianz oben auf der Tagesordnung hat.

    Das heißt aber nicht, dass wir mit Joe Biden in die gute alte Zeit zurückkehren würden. Es wird ein anderes transatlantische Verhältnis sein, bei dem Europa sehr viel mehr eigene Verantwortung übernehmen muss, zum Beispiel für die Entwicklung neuer Technologien, für seine eigene Sicherheit und für seine Nachbarschaft in Afrika.

    Wir Europäer sollten Donald Trump nicht ständig als Ausrede benutzen, um von unseren eigenen Schwächen abzulenken. Die Spaltung in der Wirtschafts- und Finanzpolitik in Europa oder der Streit über die Rechtsstaatlichkeit, das hat alles nichts mit Donald Trump zu tun. Wir haben eine Menge Hausaufgaben zu machen, auch mit einem Präsidenten Joe Biden. Wenn wir technologisch und ökonomisch nicht an Gewicht zulegen, hat eine Partnerschaft mit Europa für die USA wenig wert.“

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    Mehr: Den meisten deutschen Unternehmen ging es vor Corona gut unter Donald Trump. Von einem neuen US-Präsidenten wünschen sie sich vor allem eines: Planungssicherheit.

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