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US-Wahl Briefing Kopf-an-Kopf-Rennen um das Weiße Haus: Der Showdown findet im Mittleren Westen statt

Wer macht das Rennen, Donald Trump oder Joe Biden? Im Newsletter US-Wahl Briefing verfolgen Sie alle wichtigen Geschichten zum Wahltag.
04.11.2020 - 14:58 Uhr Kommentieren
Ob der amtierende US-Präsident weiter Trump oder ab Januar Biden heißt, eines wird sich nicht ändern: der harte Kurs der USA gegenüber China. Quelle: Reuters
Donald Trump

Ob der amtierende US-Präsident weiter Trump oder ab Januar Biden heißt, eines wird sich nicht ändern: der harte Kurs der USA gegenüber China.

(Foto: Reuters)

Liebe Leserinnen und Leser,

Amerika bleibt ein gespaltenes Land. Daran wird sich auch nach dieser Wahl nichts ändern. Im Gegenteil: Der aktuelle Stand des Rennens zwischen Präsident Donald Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden spiegelt exakt jene Zerrissenheit auf der politischen Landkarte wider, die Amerika seit vier Jahren polarisiert.

Die Wahl steuert auf jenes Albtraum-Szenario zu, das viele zuvor befürchtet hatten: Äußerst knappe Resultate, tagelanges Zählen und Nachzählen und am Ende möglicherweise ein juristisches Finish, das bis zum Obersten Gerichtshof gehen könnte.

Noch vor Auszählung aller Stimmen erklärte sich Trump in der Wahlnacht „praktisch“ zum Sieger, sprach von Wahlbetrug bei den Briefwahlen und kündigte an, die Zählung durch den Supreme Court stoppen zu lassen.

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    Auf den Finanzmärkten machten Investoren lange Gesichter, die zuvor auf einen deutlichen Sieg Bidens gesetzt hatten. Die Anleger flüchteten angesichts der politischen Hängepartie in US-Staatsanleihen und den Dollar.

    Nach derzeitigem Stand hat Joe Biden 224 Wahlleute sicher und Donald Trump 213. Eine Mehrheit ist bei 270 Wahlleuten erreicht. Entscheidend sind bei der Wahl die sogenannten „Battleground States“ – die am stärksten umkämpften Staaten. Entgegen den Hoffnungen der Demokraten, Trump mit einem frühen Sieg im wichtigen US-Bundesstaat Florida den Weg zur Wiederwahl zu versperren, konnte der Republikaner sich knapp im Sunshine-Staat durchsetzen und auch andere Hochburgen wie Texas und Ohio verteidigen.

    Noch unklar ist die Lage dagegen in Georgia, wo Trump 2017 klar gewann, jetzt aber nur knapp führt. Für eine Wiederwahl reicht das noch nicht. Dennoch erklärte er sich im Weißen Haus zum vorzeitigen Sieger.

    „Battlefround States“ entscheiden über Wahlausgang

    Wie schon 2016 wird die Wahl auch diesmal aller Voraussicht nach wieder im industriellen Rostgürtel des Mittleren Westens entschieden – und zwar in den Bundesstaaten Pennsylvania, Michigan und Wisconsin. Trump hatten diese „blaue Mauer“ der Demokraten vor vier Jahren durchbrochen und führt auch jetzt wieder in zwei der drei entscheidenden „Battleground States“. In Wisconsin hat Biden jetzt die Führung übernommen.

    In allen drei Bundesstaaten sind aber noch längst nicht alle Stimmen ausgezählt, und in Pennsylvania kann es aufgrund des dortigen Wahlrechts noch Tage dauern, bis auch die letzten Stimmzettel aus den Briefwahlen gezählt sind.

    Die Zahl der Brief- und Frühwähler lag bei dieser Wahl deutlich höher als 2016. Mehr als 100 Millionen US-Bürger hatten bereits vor dem Wahltag ihre Stimme abgegeben. Joe Biden rief deshalb um Mitternacht seine Anhänger auf, geduldig zu bleiben. „Wir werden gewinnen“, prophezeite der Herausforderer.

    Auch im Kampf um die Mehrheit im Senat ist es denkbar knapp. Die Demokraten brauchen mindestens drei zusätzliche Senatssitze, um die Mehrheit von 51 Stimmen in der zweiten Kammer des US-Kongresses zu erobern. Bislang konnten sie einen Sitz neu erobern.

    Im Moment liegen sie aber auch hier Kopf an Kopf mit den Republikanern: Trumps Partei führt knapp mit bislang 47 Sitzen. Im Repräsentantenhaus werden die Demokraten aller Voraussicht nach ihre deutliche Mehrheit verteidigen.

    Was bedeutet das knappe Wahlergebnis für die Zukunft Amerikas?

    Die Antwort kommt von Josef Braml, Amerika-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP): „Die Umfragen haben auch diesmal den Faktor Mensch unterschätzt. Trump hat einen rassistischen Wahlkampf geführt und damit offenbar mehr Menschen angesprochen, als die Meinungsforscher dachten. Amerika bleibt ein tief gespaltenes Land und das wird sich auch in der Politik der nächsten vier Jahre zeigen.

    Wir in Europa müssen uns darauf gefasst machen, dass die USA weiterhin unsere wirtschaftliche und militärische Abhängigkeit ausnutzen werden, um ihre Interessen durchzusetzen.

    Auch wenn Biden am Ende gewinnen sollte, wird er eine Handelspolitik nach dem Motto „Buy American“ betreiben. Das hat er den Wählern im Mittleren Westen versprochen, die jetzt die Wahl entscheiden werden. Auch der harte Kurs der USA gegenüber China wird sich nicht ändern. Für Europa heißt das immer öfter, dass wir uns wie im Falle Huawei für eine Seite entscheiden müssen.“

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