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US-Wahl „Es ist noch nicht vorbei“: Trotzige Trump-Fans auf den Straßen

Der abgewählte US-Präsident Donald Trump will seine Schlappe nicht hinnehmen, sondern kämpfen. Wie nehmen seine Anhänger die Niederlagen auf?
08.11.2020 - 08:39 Uhr Kommentieren
Auch in Kalifornien gehen Trump-Anhänger auf die Straße. Quelle: AP
Beverly Hills

Auch in Kalifornien gehen Trump-Anhänger auf die Straße.

(Foto: AP)

Washington Der Wahlsieg von Joe Biden hat in weiten Teilen der USA Anhänger des unterlegenen Präsidenten Donald Trump auf die Straße getrieben. Ganz wie der Amtsinhaber wollen sich auch seine Fans seiner Niederlage nicht fügen: Weit verbreiteten Betrug habe es gegeben, das System sei manipuliert, lautet der Tenor der Proteste vom Samstag. Konkrete Hinweise auf Fälschungen können aber weder der Präsident noch seine Fans nennen.

Parolen wie „Sperrt ihn ein“ rufen geschätzte 1000 Trump-Anhänger in Atlanta vor dem Kapitol des Südstaats Georgia, der lange eine Bastion der Republikaner war, nun aber an den Demokraten Biden fallen könnte. Andere skandieren „Es ist nicht vorbei!“ und „Fake News“ angesichts der Meldungen der Nachrichtenkanäle vom Sieg Bidens. Ein Meer aus amerikanischen Flaggen und Trump-Transparenten prägt das Straßenbild vor dem Kapitol von Georgia.

Viele Trump-Fans in Atlanta rufen „Es ist nicht vorbei!“ und „Fake News“. Quelle: AP
Atlanta, Georgia

Viele Trump-Fans in Atlanta rufen „Es ist nicht vorbei!“ und „Fake News“.

(Foto: AP)

Berichte über Gewalt lagen nicht vor. Einmal schreitet allerdings die Polizei ein, um Anhänger Trumps von dessen Gegnern zu trennen. Jordan Kelley aus dem benachbarten Tennessee nahm eine dreistündige Fahrt auf sich, um bei der Pro-Trump-Kundgebung dabei zu sein. „Hier läuft Wahlbetrug“, erklärt der 29-Jährige. Er glaube fest daran, dass die Stimmen in Georgia, das doch von einem republikanischen Gouverneur geführt werde, zugunsten eines Biden-Vorsprungs falsch ausgezählt worden seien.

„Obwohl ich in Tennessee lebe, bin ich Amerikaner und ich wollte sichergehen, dass Amerikaner bei dieser Wahl eine Stimme haben“, sagt Kelley. Nächste Woche wolle er auch eine zehnstündige Reise nach Washington unternehmen, um auf den Stufen des Obersten Gerichtshofs zu demonstrieren. Vor den Supreme Court wollen Trump und seine Anwälte letztlich ziehen, um ihre Sicht auf diese Wahl durchzusetzen.

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    Trump-Fans versammeln sich vor Auszählstellen

    Seit Schließung der Wahllokale am Dienstag haben Trump-Unterstützer - einige von ihnen bewaffnet - sich vor Auszählzentren versammelt. Zu sehen sind immer wieder Transparente mit dem Hashtag „#StoptheSteal“ - „Stoppt den Diebstahl.“ Kurz nach Bekanntgabe von Bidens Sieg kommen 75 Fans des Amtsinhabers vor einer Auszählstelle im Zentrum von Phoenix im Staat Arizona zusammen - binnen Stunden wächst die Menge auf mehr als 1000 Teilnehmer.

    „Diese Wahl ist noch nicht für entschieden erklärt!“, brüllt Jake Angeli, ein Stammgast bei Pro-Trump-Kundgebungen mit einer Vorliebe für Pelzhüte mit Hörnern. „Glaubt nicht dieser Lüge! Sie wurden dabei erwischt, wie sie die Hände in die Keksdose gesteckt haben, und wir ziehen vor den Supreme Court!“ Angeli glaubt, dass sich die Sache für den abgewählten Präsidenten noch irgendwie drehen lässt. „Trump sieht immer so aus, als ob er verlieren würde. Und dann gewinnt er.“

    Seit Schließung der Wahllokale am Dienstag haben sich Trump-Unterstützer vor Auszählzentren versammelt. Immer wieder zu sehen sind Transparente mit dem Hashtag „#StoptheSteal“ – „Stoppt den Diebstahl.“ Quelle: AP
    Arizona

    Seit Schließung der Wahllokale am Dienstag haben sich Trump-Unterstützer vor Auszählzentren versammelt. Immer wieder zu sehen sind Transparente mit dem Hashtag „#StoptheSteal“ – „Stoppt den Diebstahl.“

    (Foto: AP)

    Kelli Ward, Ex-Mitglied des Senats von Arizona und Vorsitzende der republikanischen Partei des Staats, richtet ein paar Worte an die aufgewühlte Menge. Sie sei an Bemühungen beteiligt gewesen, eine Handauszählung von zumindest einigen Stimmen zu erzwingen, damit auch jede einzelne Stimme korrekt erfasst werde, sagt Ward.

    Es sei schon verdächtig, dass Präsident Trump angesichts der roten Welle in Arizona Mühe habe. Rot ist die Farbe der Republikaner. Sie wolle gerne wissen, ob es irgendwelche Unstimmigkeiten bei den Zahlen gebe, die aus den Wahlautomaten kämen, fügt Ward hinzu.

    Aufgebrachte Stimmung bei „Black Lives Matter“ Marsch

    Inmitten der hitzigen Stimmung spielt sich in der Stadt Lansing eine Szene ab, die die kommenden Wochen vorwegnehmem könnte. Am Kapitol des Staats Michigan geraten eine Gruppe von etwa 50 Trump-Anhängern und einige Marschteilnehmer aneinander, die Flaggen mit dem Schriftzug „Black Lives Matter“ („Schwarze Leben zählen“) tragen.

    Es kommt zu einem Handgemenge, Leute schubsen und brüllen sich an. Doch schon kurz nachdem das Präsidentschaftsrennen für entschieden erklärt wird, stimmen einige der beiden Lager plötzlich Gebete an, zwei Gefolgsleute der jeweils anderen Seite fallen sich in die Arme. Als aber weitere Trump-Fan auftauchen, wird es wieder hitzig, die Black-Lives-Matter-Aktivisten ziehen sich zurück.

    Nach Diskussion über Trump liegen sich zwei Demonstrierende aus gegensätzlichen Lagern in den Armen. Quelle: AP
    Detroit, Michigan

    Nach Diskussion über Trump liegen sich zwei Demonstrierende aus gegensätzlichen Lagern in den Armen.

    (Foto: AP)

    In Norden von Las Vegas umklammert Frank Dobbs vor der Wahlbehörde des Bezirks Clark County eine blaue Trump-Wahlkampf-Flagge, die ein steifer Wind hin- und her weht. „Es ist nicht vorbei, ehe es vorbei ist. Da gibt es immer noch die Gerichte. Wenn es je eine Zeit gab, weit verbreiteten Betrug aufzudecken, dann ist es der Präsident, der das tun wird“, erklärt Dobbs im Brustton der Überzeugung. „Die Medien entscheiden nicht, wer die Präsidentschaft gewinnt. Die legalen Wähler dieses Landes entscheiden.“

    Er habe die juristischen Auseinandersetzungen über Stimmenabgaben und die Briefwahl verfolgt, erzählt Dobbs. Er spricht auch von Pannen bei Wahlgeräten, die vor Gericht ebenfalls Thema gewesen seien. „Wenn bewiesen wird, dass wir verlieren, wenn es von den Gerichten bewiesen wird, dann verlieren wir eben“, sagt Dobbs. „Wir kommen in vier Jahren zurück.“

    Mehr: Kommentar: Versöhnung, Einheit, Heilung – Joe Biden könnte das Heldenstück gelingen

    • ap
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