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USA Das Comeback von Detroit

Lange war Detroits Downtown eine Geisterstadt. Nun hat die Auto-Stadt den Wandel geschafft. Die „New York Times“ und „Lonely Planet“ zählen Detroit zu den interessantesten Städten in den USA. Ein Ortsbesuch.
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Hippe Cafés und gepflegte Plätze statt grauem Leerstand prägen das neue Bild der Detroiter Innenstadt. Quelle: dpa
Detroit

Hippe Cafés und gepflegte Plätze statt grauem Leerstand prägen das neue Bild der Detroiter Innenstadt.

(Foto: dpa)

DetroitDer Peoplemover ruckelt voll besetzt Richtung Cobo Center. Es ist Automesse in Detroit und die Einschienen-Hochbahn ist für viele Besucher die bequemste Möglichkeit, zur Ausstellungshalle am Detroit River zu kommen. Zehn Meter über dem Stadtverkehr fährt die fahrerlose Bahn im knapp fünf Kilometer langen Kreis rund um die Innenstadt. Doch während jahrelang der Blick aus dem Peoplemover vor allem über verwaiste Gebäude mit zerbrochenen Fenstern schweifte, sind nun hippe Cafés, neue Hotels und gepflegte Plätze zu sehen. Die Logos von Ernst & Young, Microsoft und Quicken Loans zieren die Bürohäuser.

Detroit ist wieder zurück. Vor 51 Jahren hatten Rassen-Unruhen mit 43 Todesopfern die Stadt weltberühmt gemacht. Seitdem ging es vor allem mit der Innenstadt immer weiter bergab. Wer es sich leisten konnte, zog in die Vorstädte. Detroit selbst verwaiste. Vor allem dank Investitionen einzelner Geschäftsleute hat sich das Gesicht der einstigen Geisterstadt aber seit wenigen Jahren gewandelt. Junge Menschen und sogar erste Familien kehren nach „Downtown“ zurück. Die „New York Times“ fragte im November, ob Detroit vielleicht „die aufregendste Stadt“ Amerikas sei. „Lonely Planet“ setzt Detroit auf Platz zwei unter den weltweiten Reise-Zielen für das Jahr 2018. Und diesmal hat der Boom nichts mit der Automobilindustrie zu tun.

„Detroit ist wieder lebendig geworden“, findet auch Max Witzke, der 32-jährige Geschäftsführer von Moosejaw, einem angesagten lokalen Kleidungslabel für junge Menschen. Der Mann mit Bart und Sonnenbrille auf der bordeaux-farbenen Baseball-Mütze verkauft in seinem Laden T-Shirts mit dem Elch-Logo, hippe Swell-Thermosflaschen und Outdoor-Ausrüstung.

Seit 2013 arbeitet er hier auf der Woodward Avenue mitten in der Innenstadt. „Als wir damals hierherkamen, war hier nichts los. Wir waren mit dem Café nebenan fast die einzigen hier“, erinnert er sich. Mittlerweile sind Nike und Under Armour im gleichen Block eingezogen. Der angesagte CO-Working-Anbieter Wework vermietet nur hundert Meter weiter Büros. „Detroit is the new black“ steht an einem Boutique-Schaufenster, „Nothing stops Detroit“ auf einem anderen.

Die einstigen Handelshäuser im Art Deco-Stil auf der Avenue bieten heute Lofts zum Wohnen und Arbeiten an. Es gibt kein historisches Haus, das nicht schon renoviert ist oder an dem nicht die Bauarbeiter am Werke sind. Auch bei Minus-Temperaturen. „Samstag ist es hier voll gepackt. Sogar Familien kommen in die Innenstadt“, berichtet der Moosejaw-Geschäftsführer Witzke über die neue In-Gegend von Detroit.

Auch Kris Stimac, Executive Director des örtlichen „YMCA“-Sportclubs, die sich der Förderung der Gemeinschaft verschrieben haben, überraschen die vielen Familien. „Kinderwagen in der Innenstadt! Das gab es früher nie“, erzählt der durchtrainierte Mann im schwarzen Trainingsanzug, der das YMCA am Braodway in der Nähe des Opernhauses leitet. „Als wir hier vor 12 Jahren hingezogen sind, haben uns viele für verrückt gehalten“, erinnert sich Stimac. Das Gebäude entstand damals mitten in einer Geisterstadt. Er weist auf die Häuser nebenan. „Die hatten alle keine Fenster“ erklärt er. Heute haben sich teure Hotels in den einst verlassenen Häusern angesiedelt.

Der junge Amerikaner leitet den örtlichen „YMCA“-Sportclub in der Nähe des Opernhauses.
Kris Stimac

Der junge Amerikaner leitet den örtlichen „YMCA“-Sportclub in der Nähe des Opernhauses.

„Wir merken den Wandel auch an unseren Mitgliedern. Sie sind jünger und sie pendeln oft nicht mehr so viel“, beobachtet Stimac. Aber auch mehr Stipendien werden angefragt. Er führt das darauf zurück, dass die Eltern wieder arbeiten und ihre Kinder sinnvoll beschäftigen wollen und können.

Wer in Detroit nach dem Grund für den Boom fragt, bekommt vor allem eine Antwort: Dan Gilbert. Der Gründer und Besitzer des Hypothekenfinanzierers Quicken Loans hat sein Hauptquartier in die Innenstadt gebracht, Dutzende Gebäude gekauft und renoviert. Mit seinen verschiedenen Unternehmen beschäftigt er mittlerweile 17.000 Menschen in der Innenstadt. Viele davon haben Wohnungen in einer seiner 60 Immobilien gekauft – finanziert von Quicken Loans.

Auch die Sportvereine – vom Hockey bis zum Basketball spielen dank neuer Stadien wieder in der Innenstadt. Außer Gilbert haben auch andere Unternehmer wieder in die Stadt investiert. Der Ex-CEO von Microsoft, Steven Ballmer, hat seine Stiftung in seine Heimatstadt Detroit gebracht.

Fahrradwege längs der ehemaligen Bahnstrecken, Fußgängerzonen am Detroit River, Konzerte, Beach-Volleyball und angesagte Restaurants. Das ist das neue Bild Detroits. Trotz aller Erfolgsgeschichten gibt es aber auch Schattenseiten des Booms. Die Gentrifizierung trifft jene Bewohner, die die Innenstadt zuvor bewohnt hatten. „Ich werde jetzt in meinem eigenen Viertel von der Polizei angehalten“, beschwert sich Anthony, ein afro-amerikanischer Uber-Fahrer. Auch die afro-afrikanische Unternehmerin Arleen Hudson ist besorgt. Die hippen Latte-Cafés und schicken Restaurants seien vor allem von Weißen für Weiße, beobachtet sie. „Detroit muss aufpassen, wenn es nicht die Fehler von vor 50 Jahren wiederholen will“.  

Vielleicht behält der „Lonely Planet“ recht, wenn er schreibt: „Diese Stadt lässt sich nicht unterkriegen.“

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