USA im Syrien-Konflikt Ihr dankt Donald Trump für den Tomahawk-Abschuss

US-Präsident Donald Trump hat den ausführenden Kommandanten für den Tomahawk-Beschuss Syriens gedankt. Die öffentlichkeitswirksamen Anrufe überdecken aber nicht die offene Frage nach einer schlüssigen Syrien-Strategie.
2 Kommentare
Andria L. Slough erhält an Bord des Raketenschiffs einen Gratulationsanruf des US-Präsidenten. Quelle: AFP
Kommandantin der USS Porter

Andria L. Slough erhält an Bord des Raketenschiffs einen Gratulationsanruf des US-Präsidenten.

(Foto: AFP)

WashingtonInsgesamt 59 Tomahawk-Raketen hat die amerikanische Marine am vergangenen Freitag auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt Shayrat gefeuert – von zwei im Mittelmeer eingesetzten Zerstörern („Die Navy im Mittelmeer“). US-Präsident Donald Trump hatte dies als Vergeltung für einen mutmaßlich vom syrischen Militär ausgelösten Giftgasangriff auf eine Ortschaft im Norden des Landes angeordnet. Offen bleibt die Frage, wie die USA in dem Konflikt jetzt weiter vorgehen wollen.

Zunächst hat Trump den beiden Kommandanten der Schiffe USS Porter und USS Ross am Wochenende telefonisch gedankt, wie die Navy und das Weiße Haus in der Nacht auf Montag mitteilten. Die USS Porter wird von Andria L. Slough geleitet, einer Marine-Soldatin mit mustergültigem Lebenslauf. Studiert hat sie an der Marineakademie in Annapolis (Maryland) und der Universität von Pittsburgh. In der Navy hat sie mehrere Stationen unter anderem als Waffenoffizierin durchlaufen und hat seit Anfang 2016 das Kommando über den Zerstörer, der bereits im Jahr 1999 in Dienst gestellt wurde.

Auch Russell Caldwell, der das Navy-Schiff USS Ross befehligt, erhielt einen Anruf des Präsidenten. Quelle: AFP
Kommandant Russell Caldwell

Auch Russell Caldwell, der das Navy-Schiff USS Ross befehligt, erhielt einen Anruf des Präsidenten.

(Foto: AFP)

Einen Gratulationsanruf des US-Präsidenten erhielt auch der Kommandant des zweiten an dem Angriff beteiligten Zerstörers, USS Ross: Russell Caldwell. Wie auch Slough ist er in Rota, Spanien, stationiert. Die Schiffe gehören zur 6. amerikanischen Flotte und sind derzeit im östlichen Mittelmeer im Einsatz. Die USS Ross war Anfang April zu Patrouillefahrten aufgebrochen, die USS Porter ist bereits seit Ende November auf See.

Bislang fehlt es allerdings an deutlichen Aussagen, ob nach dem aufmerksamkeitsstarken Raktenbeschuss („Zerstörung bringt der Tomahawk“) auch eine schlüssige Syrien-Politik des US-Präsidenten folgen wird. So wächst kurz vor dem Treffen der G7-Außenminister in Italien unter europäischen Ländern der Unmut über widersprüchliche Signale zur Syrien-Politik der USA. Während US-Außenminister Rex Tillerson am Wochenende weiter den Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) als Priorität nannte, erklärte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, den Sturz Assads zum obersten Ziel.

Das Weiße Haus veröffentlichte dieses Bild: Donald Trump beim Telefonat mit den Navy-Kommandanten. Mit ihm im Raum: sein Berater für Nationale Sicherheit, H.R. McMaster. Quelle: The White House
Telefonat aus der Air Force One

Das Weiße Haus veröffentlichte dieses Bild: Donald Trump beim Telefonat mit den Navy-Kommandanten. Mit ihm im Raum: sein Berater für Nationale Sicherheit, H.R. McMaster.

(Foto: The White House)

Haleys Äußerungen nähren Hoffnungen in Europa auf volle US-Unterstützung für einen Regierungswechsel in Damaskus. Doch ein hochrangiger europäischer Diplomat sagte, bei den G7-Vorbereitungen würden sich die US-Vertreter bisher nicht dafür engagieren: Die Amerikaner „tappen planlos im Dunkeln“.

Ranghohe US-Regierungsvertreter versuchen dem Eindruck einer unklaren Strategie entgegen zu wirken. Die Zerschlagung der Terrormiliz Islamischer Staat und eine Ablösung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad haben für die USA nach den Worten ihres nationalen Sicherheitsberaters etwa gleich hohe Priorität. Zwischen den unterschiedlichen Aussagen hochrangiger US-Regierungsvertreter gebe es keine Widersprüche, sagte Herbert Raymond McMaster am Sonntag dem US-Fernsehsender Fox News. „Es muss sowohl ein gewisses Maß an gleichzeitiger Aktivität als auch an Abfolge des Siegs zuerst über den IS geben“, sagte er in seinem ersten Fernsehinterview. McMaster betonte, US-Präsident Donald Trump suche eine politische Lösung, um einen Machtwechsel in Syrien herbeizuführen. Russland müsse seine Unterstützung für Assad überdenken, forderte er.

Bilder der Verwüstung
Das waren die Ziele
1 von 8

Punktgenaue Vorbereitung. Das Satellitenbild des US-Verteidigungsministeriums zeigt die Zielpunkte auf dem syrischen Luftwaffenstützpunkt, der am Donnerstag von Lenkraketen angegriffen wurde.

Schwere Schäden
2 von 8

Dies Satellitenaufnahme des US-Verteidigungsministeriums Pentagon soll die Wirkungen des Bombardements der Shayrat Luftwaffenbasis in Syrien dokumentieren. Mehrere Bunker, in denen Kampfbomber auf ihren Einsatz warten, sollen beschädigt oder völlig zerstört worden sein.

Zielgenaue Angriffe
3 von 8

Weitere beschädigte Flugzeugbunker auf dem syrischen Luftwaffenstützpunkt. Das Pentagon geht davon aus, dass bis zu 20 Jagdbomber zerstört worden sind. Von dem Stützpunkt aus sollen syrische Kräfte Giftgas-Angriffe auf die eigene Bevölkerung geflogen haben.

Raketenangriff auf Syrien
4 von 8

Zwei Lenkwaffen-Zerstörer der US-Navy feuerten am 7. April zusammen 59 Marschflugkörper auf den syrische Luftwaffenstützpunkt ab, darunter die USS Porter (DDG 78, im Bild) der 6. Flotte.

US-Präsident Donald Trump
5 von 8

In einer radikalen Kehrtwende seiner bisherigen Politik befahl der US-Präsident einen Militärschlag gegen Syrien als Vergeltung für einen Giftgasangriff, den die Regierung auf die eigene Bevölkerung ausgeführt haben soll. Raketenangriffe waren schon für frühere US-Präsidenten probate Mittel, um Stärke zu demonstrieren ohne Soldaten entsenden zu müssen. Russland ist empört. Die Welt hält den Atem an.

Heftige Reaktionen aus Russland
6 von 8

Ein russischer Polizist verfolgt am Freitag die Nachrichten im Fernsehen. Russlands Antwort auf den Lenkwaffenangriff der USA war die Aussetzung eines Frühwarnsystems, dass das Aufeinandertreffen russischer und amerikanischer Jets im Luftraum über Syrien verhindern soll. Das US-Militär behauptete hingegen später, dass die Direktverbindung weiterhin intakt sei. Doch die Aussage aus Russland steht: Die Chancen für einen militärischen Konflikt der beiden Atommächte Russland und USA seien „erheblich gestiegen“, so der Kreml.

Massive Treffer
7 von 8

Bildschirmfoto aus einem Video auf der Webseite des russischen Verteidigungsministeriums. Russland ist eine Schutzmacht der syrischen Regierung und wurde von der Aktion der USA völlig überrascht. Es heißt, der Kreml habe eine Stunde Vorwarnung bekommen, um russische Militärberater aus dem Stützpunkt abzuziehen.

„Es ist sehr schwer nachzuvollziehen, wie eine politische Lösung aus der Fortsetzung des Assad-Regimes gefunden werden kann“, sagte McMaster und deutete an, dass Handlungen zum Machtwechsel global ausgearbeitet werden müssten. „Wir sagen nicht, dass wir es sind, die diesen Wechsel bewirken.“ Der Sicherheitsberater sagte zudem, der von US-Präsident Donald Trump befohlene Angriff auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt am Freitagmorgen sei als „sehr starkes Signal an Assad und seine Unterstützer“ gedacht gewesen. Es solle zeigen, dass die USA nicht einfach tatenlos zusähen.

Weitere Angriffe schloss McMaster nicht aus, sollte Assad neue Gräueltaten begehen: „Wir sind bereit, mehr zu tun.“ Der Präsident werde die Entscheidung treffen, von der er glaube, dass sie im besten Interesse des amerikanischen Volks sei.

Abschuss von 59 Tomahawk-Raketen
Rakete am Nachthimmel
1 von 12

Wenige Tage nach einem mutmaßlichen Giftgasangriff lässt US-Präsident Trump einen Flughafen der syrischen Armee bombardieren.

Abschuss von Bord
2 von 12

Nach Angaben des Pentagons wurden 59 Raketen des Typs Tomahawk abgeschossen. Zum Einsatz kamen zwei Kriegsschiffe: die „USS Ross“ ...

Die USS Porter
3 von 12

... sowie die „USS Porter“. Diese Bilder veröffentlichte die US-Navy nach dem Angriff.

Inszenierung mit US-Flagge
4 von 12

US-Präsident Donald Trump sagte, er habe den Luftschlag angeordnet. Er sprach von einem Akt der Verteidigung nationaler Sicherheitsinteressen.

59 Raketen abgefeuert
5 von 12

Ein Pentagon-Sprecher bekräftigte, die USA würden den Einsatz chemischer Waffen nicht tolerieren.

Aufnahmen der US-Navy
6 von 12

Aus der syrischen Armee hieß es, die USA hätten den Flugplatz Al-Schairat nahe der Stadt Homs in Zentralsyrien mit Dutzenden Tomahawk-Raketen beschossen.

Das Angriffsziel
7 von 12

Der Angriff habe den Flugplatz schwer beschädigt. Die syrische Opposition lobte den US-Angriff auf den Flugplatz als „sehr wichtige Reaktion“.

In den vergangenen Jahren haben die USA eine Stationierung von Bodentruppen in Syrien abgelehnt und Assad so nur mit Schwierigkeiten davon abgehalten, seine Macht zu stärken. US-unterstützte Rebellengruppen fordern seit Langem eine größere amerikanische Intervention, die neben dem IS auch die syrische Armee angreift.

Im US-Kongress machte sich unterdessen Uneinigkeit über die Situation nach dem Angriff bereit. Der republikanische Senator John Cornyn sagte, die Aktion sei zwar richtig gewesen, um Assad, Russland, Iran und Nordkorea deutlich zu machen, dass nun eine neue US-Regierung an der Macht sei. Doch Trump müsse künftig mit den Parlamentskammern beraten, wie es in Syrien weitergehe. Der republikanische Senator Lindsey Graham sagte hingegen, dies sei nicht nötig. „Ich denke der Präsident ist autorisiert, die Streitkräfte einzusetzen.“

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • mdo
  • dpa
  • ap
Startseite

2 Kommentare zu "USA im Syrien-Konflikt: Ihr dankt Donald Trump für den Tomahawk-Abschuss"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Der Response Warn-Schlag war eine Meisterleistung bei der es " null " Opfer gab .
    Nichtmal eine tote Katze oder ein toter Vogel konnte der Weltöffentlichkeit als gezeigt werden . Die punktgenaue Angabe des Zielgebietes erlaubte eine totale Räumung des Planquadrates von etwa 600 x 900 m .


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%