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USA Mann wegen Paketbomben angeklagt – FBI-Chef warnt: „Wir sind noch nicht aus dem Schneider“

Ein verdächtiger Republikaner soll Paketbomben an Gegner des US-Präsidenten verschickt haben. Trump weist jede Mitverantwortung von sich – und attackiert die Medien.
Update: 27.10.2018 - 08:46 Uhr Kommentieren
Insgesamt wurden bislang 13 Briefbomben gefunden – adressiert an prominente Kritiker Trumps. Quelle: AFP
Paketbomben

Insgesamt wurden bislang 13 Briefbomben gefunden – adressiert an prominente Kritiker Trumps.

(Foto: AFP)

Washington/Miami/San Francisco/CharlotteDie US-Behörden haben einen Verdächtigen in Miami festgenommen, der Rohrbomben an Gegner von US-Präsident Donald Trump verschickt haben soll. FBI-Chef Christopher Wray sagte am Freitag in Washington, Fingerabdrücke des festgenommenen 56-Jährigen Verdächtigen Cesar S. aus Aventura in Florida seien auf einem der versandten Päckchen gefunden worden.

Justizminister Jeff Sessions gab bekannt, dass gegen den Verdächtigen Anklage in fünf schwerwiegenden Punkten erhoben worden sei, darunter Bedrohung ehemaliger Präsidenten. Bei einem Schuldspruch drohen ihm bis zu 48 Jahre Haft.

Cesar S., ein eingeschriebenes Mitglied der republikanischen Partei von Präsident Trump, war zuvor am Freitag auf einem Parkplatz in Plantation im Bundesstaat Florida festgenommen worden. Fernsehbilder zeigten, wie Polizisten einen weißen Transporter in Plantation in Florida untersuchten und abtransportierten.

Auf den TV-Bildern ist ein Van zu sehen, vollgepflastert mit schmeichelhaften Bildern von Präsident und Vize-Präsident sowie Bildern demokratischer Spitzenpolitikern, deren Gesichter teilwiese mit Fadenkreuzen versehen waren. Die Polizei deckte das Fahrzeug später vollständig mit einer großen blauen Plane ab und überführte es in ein Sicherheitslager des FBI.

Cesar S. ist bereits polizeibekannt und war auch schon früher in sozialen Medien mit äußerst aggressiven Äußerungen gegen Trump-Gegner aufgefallen.

FBI-Chef Wray warnte, es könnten noch weitere Sendungen unterwegs sein, die wie die sichergestellten Päckchen „potenziell explosives Material“ enthalten könnten. „Wir sind noch nicht aus dem Schneider“, so der FBI-Chef. Dass die Bomben hätten explodieren können, sei inzwischen klar. Sie sollten also nicht nur Angst verbreiten, wie zuvor vermutet. Insgesamt wurden bislang 13 Briefbomben gefunden – adressiert an prominente Kritiker Trumps. Bisher wurde niemand verletzt.

Der US-Präsident verurteilte die Taten scharf, jedoch ohne auf den Tatverdächtigen einzugehen und seine Verbindungen zur republikanischen Partei. „Diese terrorisierenden Handlungen sind verachtenswert und haben keinen Platz in unserem Land“, sagte er bei einem schon länger geplanten Auftritt im Weißen Haus in Washington. Man dürfe niemals zulassen, dass politische Gewalt in den USA Wurzeln schlage. Er erklärte, der oder die Täter würden zur Rechenschaft gezogen werden.

Auf Twitter fügte der US-Präsident hinzu, der „Bomben-Kram“, wie er es ausdrückte, schade dem Wahlkampf seiner Republikaner.

Auf einer wenig später folgenden Wahlkampfveranstaltung in Charlotte attackierte Trump dann erneut Medien und oppositionellen Demokraten scharf. Die Medien betrieben mit ihrer Berichterstattung über die Briefbomben-Serie Politik gegen ihn. Sie hätten die „finsteren Taten eines Einzelnen“ genutzt, um „politische Treffer gegen mich und die Republikanische Partei zu landen“, sagte er.

„Es gibt etwas Mächtigeres als Bomben, und das ist Ihre Stimme“

Die Menschenmenge reagierte mit Schmährufen gegen den US-Nachrichtensender CNN. Trump sagte anschließend weiter: „Die ständige unfaire Berichterstattung der Medien und ihre negativen Angriffe dienen nur dazu, die Menschen zu entzweien und eine gesunde Debatte zu untergraben.“

Trumps frühere Konkurrentin Hillary Clinton war dem Präsidenten hingegen indirekt eine Mitschuld vor. „Wir leben in einer Zeit, in der die Atmosphäre unberechenbar und hasserfüllt ist und wir haben einen Präsidenten, der die ganze Zeit rücksichtlose Rhetorik praktiziert, die alle möglichen Leute erniedrigen und dämonisieren soll“, sagte Clinton am Freitagabend (Ortszeit) bei einer Veranstaltung im New Yorker Kulturzentrum 92Y.

„Er peitscht die Zuschauer auf, die zu ihm kommen, und es ist fast wie eine Sucht: er treibt sie an und sie geben ihm das zurück, was er anscheinend braucht, um sich stark und wichtig zu fühlen“, sagte sie.

Die Briefbomben waren unter anderem an Ex-Präsident Barack Obama, Hillary Clinton und den Trump-kritischen Schauspieler Robert DeNiro addressiert. DeNiro sagte, er danke Gott, dass niemand verletzt wurde. Zudem forderte er die Amerikaner zur Wahl auf: „Es gibt etwas Mächtigeres als Bomben, und das ist Ihre Stimme.“

Auch ein Paket an Ex-Geheimdienst-Chef James Clapper war nach Angaben der Bundespolizei an den Sender CNN adressiert und wurde in einem New Yorker Postamt abgefangen. Ein Vertreter der Stadtpolizei erklärte, darin sei eine Rohrbombe vergleichbar mit den früheren Sprengsätzen gewesen. Zuvor war laut FBI in einem Verteilzentrum in Florida ein Paket an den demokratischen Senator Cory Booker gefunden worden.

Den Behörden zufolge waren die Sprengsätze relativ einfach nach Bauplänen aus dem Internet zusammengebaut. Mehrere Briefbomben trügen als Absender die Adresse des Büros der demokratischen Abgeordneten Debbie Wasserman Schultz in Florida. Sie war bis 2016 auch Vorsitzende des Democratic National Committee, der nationalen Organisation der Demokraten.

Wassermann-Schultz musste ihr Amt aufgeben, nachdem auf der Enthüllungsplattform Wikileaks E-Mails aufgetaucht waren, wonach sie die spätere Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton angeblich gegenüber ihrem Rivalen Bernie Sanders bevorzugt hatte und Sanders sogar politisch demontieren wollte.

Wenige Tage vor der Kongresswahl am 6. November werfen die Bombenfunde ein Schlaglicht auf ein politisch tief gespaltenes Land.

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