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Lori Lightfoot

Die 56-Jährige will gegen die Korruption vorgehen, die in Chicago allgegenwärtig ist.

(Foto: AFP)

USA Mit Lori Lightfoot ist in Chicago erstmals eine Afro-Amerikanerin Bürgermeisterin

Bei der Wahl in der US-Metropole hat die Politikerin fast drei Viertel der Stimmen erhalten. Nun will sie der Korruption den Kampf ansagen.
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New YorkIn rostrotem Kostüm über der Bluse tritt die frisch gewählte Bürgermeisterin von Chicago ans Mikrofon: „Heute habt ihr mehr als Geschichte geschrieben!“, verkündet Lori Lightfoot mit fester Stimme. „Ihr habt eine Bewegung für den Wandel geschaffen.“
Die 56-Jährige ist nicht nur die erste schwarze Bürgermeisterin in einer der drei großen US-Metropolen New York, Los Angeles und Chicago.

Sie ist auch bekennende Homosexuelle und zieht mit ihrer Frau ein gemeinsames Adoptivkind groß. „Da draußen sehen Mädchen und Jungen eine Stadt, in der es egal ist, welche Hautfarbe du hast, in der es egal ist, wie groß du bist, und in der es egal ist, wen du liebst“, sagte sie.

Und der demokratische Senator Cory Booker aus New Jersey twitterte: „In einer Stadt, die Heimat für viele schwarze amerikanische Politiker ist, die Geschichte geschrieben haben, gibt es nun ein weiteres politisches erstes Mal. Glückwunsch.“
Angetreten als unabhängige Kandidatin gegen den Filz der Stadt kam sie auf fast drei Viertel der Stimmen. „Wir können und wir werden diesen Kreislauf der Korruption brechen“, verspricht sie.

Es ist ein großes Versprechen, denn Chicago zählt zu den gewalttätigsten und korruptesten Städten Amerikas. Hier blühte einst das Geschäft von Al Capone mit dem Segen lokaler Politiker und Polizisten. Hier sind allein zwischen 2010 und 2017 insgesamt 246 Vertreter des Staatsapparats wegen Korruption verurteilt worden.

Offensichtlich trauen die Bürger Lightfoot zu, was ihren Vorgängern nicht gelungen ist: mit der chronischen Korruption fertig zu werden. Das war wohl auch der Grund, warum der Demokrat und ehemalige Stabschef von Barack Obama, Rahm Emanuel, nicht für eine dritte Amtszeit antrat.

Die aus einfachen Verhältnissen stammende Juristin hat schon früh Courage gezeigt: Als sie mit einem Vollzeitstipendium an der Universität Chicago Jura studierte, ließ sie als Präsidentin der Studentenvertretung eine Kanzlei vom Campus verbannen, deren Anwerber sich rassistisch und sexistisch gegenüber Studenten geäußert hatten.

Nach dem Studium folgte eine Blitzkarriere als Partnerin der Anwaltskanzlei Mayer Brown LLP, zwischendurch war sie immer wieder in verschiedenen Funktionen für den Staat tätig. Zuletzt saß Lightfoot von 2015 bis 2018 dem Chicago Police Board als Präsidentin vor.

In dieser Zeit leitete sie auch Untersuchungen zum Tod eines jungen Schwarzen. Es stand die Frage im Raum, ob ein weißer Polizist dafür verantwortlich war. Sie kam dabei zur Schlussfolgerung, dass die Polizei in Chicago durch und durch rassistisch ist.

Dennoch bedient die neue Bürgermeisterin nicht das Klischee der wütenden Schwarzen. Ein Klischee, das in den Vereinigten Staaten immer wieder benutzt wird, um Afroamerikanerinnen zu diffamieren.

Lightfoot geht die Probleme sachlich an. Das Thema Drogen will sie als öffentliche Gesundheitskrise behandeln und nicht nur mit dem Strafrecht. Auch das Vertrauen zwischen den Menschen in den Gettos und der Polizei will sie wiederherstellen. Einfach wird das nicht: Über Sozialpolitik, Justiz, Drogenpolitik und Waffenkontrolle entscheiden Washington oder aber die Bundesstaaten.

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